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EHC - Eisbären Berlin 8:0

Frisch rasierter Eisbär

Es war ein seltener Spaß, dem die rund 3800 Zuschauer in der heimischen Eisarena beiwohnen durften. Der mehr schlecht als recht in die Saison gestartete Meister aus Berlin hatte sich zuletzt auf dem Wege zu alter Stärke gewähnt. Nach drei Siegen in Folge sollte nun gegen „Lieblingsgegner“ Wolfsburg der vierte Erfolg den Gang in Deutschlandcup-Pause versüßen…doch es sollte ganz anders kommen.
Zum allgemeinen Erstaunen und zur Freude der rund 3000 Grizzlies unter den Anwesenden, starteten die Hausherren mit viel Elan und enormer Zweikampfintensität in diese Begegnung. Selbst zwei, mehr oder weniger berechtigte, Strafzeiten gegen die munter aufspielenden Grizzlies konnten deren von Beginn an überzeugenden Auftritt nicht trüben, im Gegenteil: Die besseren Chancen hatten die vier Grizzlies auf dem Eis.
Kaum war die zweite der beiden Strafzeiten abgelaufen, klingelte es hinter Gästekeeper Rob Zepp im Eisbärenkasten. Norm Milley hatte den energischen Puckvortrag seines Kapitäns sehenswert mit der Rückhand zum 1:0 veredelt (11.), die Anspannung in der Halle brach zum ersten Mal aus – Riesenjubel! Dass es der Auftakt zu einer bisher beispiellosen Torgala gegen den meist so übermächtig wirkenden Gast aus der Hauptstadt werden sollte, ahnte da noch niemand. Doch bald schon zeichnete sich ein noch ungewohnteres Bild auf dem Eis ab: Nur zwei Minuten später krachte ein von Tyler Haskins abgefälschte Blueliner – Absender: Jeff Likens – zum 2:0 in die Maschen, gefolgt vom Schlagschuss Hammer zum 3:0, nur eine weitere Minute später. EHC-Verteidiger Armin Wurm hatte Maß genommen und die Halle, zumindest den orangenen Teil, in ungläubige Ekstase versetzt.
In all dem Jubel vergaßen die Grizzlies fast, Gästegoalie Zepp gebührend zu verabschieden, denn sein Arbeitstag war ab der 14.Minute offiziell vorbei. Sensationelles bahnte sich an, und doch: Genau im Anschluss an diesen dritten Treffer schienen die Hausherren etwas an Fahrt aus der Begegnung zu nehmen. Ein Umstand der den Gästen die erste und, ich darf es vorweg nehmen, einzige dominante Phase des Spiels bescherte. Den Grizzlies bescherte dieser Umstand dank der ungewohnt harmlosen Abschluss- und Passversuche der Eisbären zwar keinen Gegentreffer, allerdings offenkundig eine ausgewachsene Kabinenpredigt ihres hauptverantwortlichen Trainers.
Pavel Gross’ hatte offenbar die richtigen Worte als Reaktion auf die laxe Schlussphase des Auftaktdrittels gefunden. Hochkonzentriert ging es auf Seiten der Grizzlies weiter. Nach zwei Minuten kam dann auch prompt der nächste Nackenschlag für die Gäste, in Form des frühen 4:0 durch Chad Bassen, der nach einem herrlichen Pass von Benedikt Kohl allein auf Ersatzkeeper Elwing zufahren und den Keeper flach und platziert überwinden konnte. Von diesem Auftaktschock erholten sich die Gäste zu keinem Zeitpunkt mehr. Wolfsburg im Gegenzug spielte sich praktisch in einen Rausch, legte zwei weitere Zeigerumdrehungen später das 5:0 durch Brent Aubin und bis zur nächsten Drittelpause sogar noch das 6:0 durch Sebastian Furchner nach (zweiter Überzahltreffer nach dem zwischenzeitlichen 2:0!).
Ja, auch das viel gescholtene Powerplay der Grizzlies flutschte nur so, dass es eine wahre Freude war. Selbst die zwischenzeitliche Erholung wollte den Eisbären keine Kraft mehr einhauchen. Powerplaytore Nummer drei und vier durch Marco Rosa (52.) und Gerrit Fauser (54.) schraubten das Ergebnis in unglaubliche Dimensionen – zumindest gegen diesen Gegner.
Die anschließenden Feierlichkeiten inklusive Raupen-Neukreation des Teams machten diesen Feiertag endgültig zu einer rundum gelungen Sache, von der die Wolfsburger Eishockeyfans wohl noch sehr lange schwärmen werden. Wer die Play-off Finals 2011 mit ihrem doch recht unglücklichen Verlauf und  teilweise haarsträubenden Schiedsrichterfehlleistungen in Berlin miterlebt hat, der ging wohl mit einem extra breiten, nur operativ zu entfernenden Grinsen nach Hause.


Teamcheck

Tor
Muss man nach einem 8:0 shut-out wirklich großartig etwas erklären? Vogl war dabei durchaus nicht beschäftigungslos und zeigte die eine oder andere hervorragende Parade. Insgesamt eine weitere Monsterleistung – mittlerweile unsere klare Nr.1.

Verteidigung
Solide Vorstellungen von Palin, Bina und Brocklehurst. Likens mit einer seiner besten Leistungen im Grizzlydress, spielte kernig und konzentriert, vielleicht endlich im Aufwärtstrend.
Armin Wurm und insbesondere Benedikt Kohl überragten in der insgesamt geschlossen gut eingestellten Defensive. Beide mit sowohl defensiven wie auch offensiven Glanzmomenten! Kohl bei sage und schreibe sechs Toren auf dem Eis und dreimal direkt beteiligt!

Sturm
Alle Reihen giftig, gallig und konzentriert bis zur Schlusssirene unterwegs. Besondere Highlights bildeten dabei die Leistungen unseres Kapitäns Tyler Haskins und der immer besser in Form kommenden Neuzugänge Marco Rosa und Brent Aubin. Nach dem Ausfall des Diesel ging offenbar der viel zitierte Ruck durch unsere Truppe und jeder scheint das Toreschießen plötzlich zur persönlichen Chefsache gemacht zu haben. Bei acht Toren und acht verschiedenen Torschützen kann man das schon mal so sagen.
Schade, dass jetzt erstmal Pause ist…die Eisbären werden wohl eher sagen: Gott, sei Dank ;) mb