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EHC - ERC Ingolstadt 4:2

Das Glück kommt zurück

Nach dem doch etwas überraschenden doppelten Punktgewinn in Köln wollte das Team der Grizzlies nun auch vor heimischer Kulisse ein wenig Wiedergutmachung betreiben. Die 1908 Zuschauer, deren Eishockeyhunger nicht durch das deprimierende 0:3 unter der Woche gestillt worden war, sollten ihr Kommen jedenfalls nicht bereuen. Während DJ und Fans (Trommeln, oder nicht trommeln, das ist hier die Frage…) sich lange Zeit nicht einigen konnten, ob am Totensonntag Krach bzw. Musik erlaubt ist, entwickelte sich auf dem Eis ein ansehnliches erstes Drittel.
Wolfsburg zeigte, wie so oft, gleich zu Beginn deutlichen Willen die Partie an sich zu reißen, gewann in den ersten zwanzig Minuten fast jeden Zweikampf an den Banden und hinter den Toren. Die sonst eher für ihre Aggressivität bekannten Panther wirkten seltsam gehemmt, fuhren viel hinterher und konnten sich am Ende glücklich schätzen, dass es zunächst bei Polaczeks Direktabnahme (19.) zum 1:0 geblieben war. Bis dahin hatten die Grizzlies wieder einmal einige hochkarätige Chancen vergeben: Fauser traf u.a nach schönem Querpass per Direktabnahme statt des leeren Tores nur Gästekeeper Janka und auch ansonsten fehlte den Hausherren das letzte bisschen Konsequenz im Abschluss. Zum Glück (aus Grizzlysicht) galt dies ebenso für die meist bei Kontern gefährlichen Gäste die ihrerseits zwei Alleingänge nicht überzeugend abzuschließen wussten bzw. am gut aufgelegten Dshunussow im Tor des EHC scheiterten.
Das folgende Mitteldrittel sollte dann bereits recht eindrücklich die Weichen für den Ausgang des Spiels stellen. Anfangs noch etwas zahm auftretend, legten die Gäste in Sachen Härte und vor allem überflüssige Fouls einen gehörigen Zahn zu. Kaum hatte sich Ingolstadt das 1:1 erkämpft – Likens war geradezu amateurhaft hinter dem eigenen Tor falsch abgebogen und hatte somit den Weg vor selbiges geöffnet (28.), da schlugen sich die Gäste diesen Teilerfolg selber wieder aus den Händen. Ex-Grizzly und Körperklaus Benedikt Schopper ließ es sich nicht nehmen einen völlig sinnfreien Bandencheck gegen Gerrit Fauser zu fahren und mit der fälligen Spieldauerstrafe seine Farben in arge Bedrängnis zu bringen. Sinnigerweise gelang ihm dieser Kunstgriff, als die Panther bereits stolze 10 Sekunden einer laufenden Strafe gegen sie von der Uhr gebracht hatte. Von der Last solchen Unfugs weitestgehend befreit ließen sich die Grizzlies in der Folgezeit auch nicht lange bitten und netzten nicht nur zum 2:1 ein (29.), sondern versenkten die Scheibe gleich noch einmal, da mit Tim Conboy wenig später erneut ein Gast auf die Strafbank gewandert war (33.). War Palins Treffer zum 2:1 noch eher aus Mangel an Anspielstation entstanden (Schlenzer aus Halbdistanz in den Winkel), so stellte Rosas Treffer zum 3:1 das Sinnbild der so oft beim EHC fehlenden effektiven Überzahlspielzüge dar. Per Direktabnahme hatte der Wolfsburger Center das Spielgerät am Ende einer ebenso sehenswerten wie schnellen Kombination in die Maschen gehämmert und Gästegoalie Janka somit keine Abwehrchancen gelassen. Dass das Spiel damit nicht komplett vorentschieden war, lag an einer der zum ersten Treffer führenden Szene nicht unähnlichen Situation hinter dem Gehäuse der Grizzlies. Mit dem einzigen Unterschied, dass in diesem Fall nicht nur ein Spieler in orange dem Puck geschickt aus dem Weg ging, sondern dass mit Wurm, Palin und Haskins gleich drei heimische Akteure nicht nur einander, sondern auch dem Spielgerät erfolgreich ausweichen konnten. Mit John Laliberté war es dabei erneut ein alter Bekannter, der sich die Überraschung über diesen Puckgewinn nicht groß anmerken ließ und postwendend in den hohen Slot zum one-timer passte – Derek Hahns Knaller fiel dann in die Kategorie „Unhaltbar“ (38.).
Der Schlussabschnitt hätte angesichts nun engagierter, aber auch disziplinierter auftretender Gäste durchaus Potential zu einer Wende gehabt…wenn nach gut vier Minuten nicht das 4:2 für Wolfsburg gefallen wäre. Brocklehursts Gewaltschuss fand per Rebound  in Christoph Höhenleitner einen dankbaren Abnehmer aus dem Hintergrund und sollte den Schlusspunkt auf dem Scoreboard markieren. Alles Anrennen der Gäste blieb unter dem Eindruck dieser kalten Dusche zum Auftakt der vermeintlichen Aufholjagd irgendwie halbgar. Die wenigen wirklich brenzligen Situationen entschärfte ein zu Bestform auflaufender Daniar Dshunussow allesamt, so dass am Ende auch der zusätzliche Angreifer zum 6 gegen 4 Powerplay den Gästen keinen weiteren Torerfolg bringen sollte.

Teamcheck

Tor
Dshunussow meldet sich auch vor heimischer Kulisse im Rennen um die Nr.1 eindrucksvoll zurück. Gleich ein halbes Dutzend Ausnahme-Saves stehen dem etwas zögerlichen Verhalten in Sachen Kelleneinsatz beim ersten Gegentreffer gegenüber. Da fällt das Urteil leicht: Spitzenleistung und eine echte Kampfansage an Sebastian Vogl!

Verteidigung
Auch wenn es mir manchmal schwer fällt zu erkennen, wer jetzt mit wem in welcher Situation aufs Eis soll (ob die Jungs das wohl immer wissen?) – eine Bewertung fällt diesmal recht einfach. In einem durch gute und solide Abwehrarbeit gekennzeichneten Spiel gab es exakt zwei Ausreißer. Robbie Bina macht, nicht nur wegen seiner drei Vorlagen, ein Bombenspiel und ist für keine der beiden Slapstickeinlagen hinter dem eigenen Tor mitverantwortlich. Jeff Likens wollte es, wie im ersten Heimspiel gegen die Panther, seinem ehemaligen Arbeitgeber zeigen…und baut dabei öfter als nur beim Ausgleichstreffer haarsträubenden Mist. Zum Glück wissen wir mittlerweile, dass er es besser kann. Trotzdem bleiben die immer wieder auftretenden Aussetzer ein, mittlerweile, unregelmäßiges Ärgernis.

Sturm
Clarke Breitkreutz fügte sich erstaunlich gut ins Gefüge der Mannschaft ein und konnte das Tempo der Grizzlies problemlos mitgehen. Spannend, was nach Abklingen der ersten Nervosität und etwas mehr Einspielzeit wohl noch folgen mag.
Polo zeigt seit dem katastrophalen Auftritt gegen die Freezers (wie bei Likens der Ex-Club) endlich wieder, wofür man ihn letztes Jahr nach Wolfsburg geholt hat. Vor allem die Übersicht stimmt nun besser als in so mancher Partie zuvor, von den zwei Hammerabschlüssen gegen Köln und nun Ingolstadt ganz zu schweigen!
Zu den stillen Gewinnern der bisherigen Saison zählt für mich allerdings vor allem Christoph Höhenleitner, der mittlerweile immer öfter zeigen kann, warum ich die späte Vertragsverlängerung – ebenso wie die eine oder andere frühzeitige Verlängerung – nicht nachvollziehen konnte. Hoffentlich ist dieser Teil der Verhandlungen, zu verbesserten Bezügen, diesmal frühzeitiger erledigt. Christoph hat immerhin schon mehr als einmal bewiesen, dass er bereit ist zu kämpfen, wo anderen nur noch Alibihockey zelebrieren. Ganz wichtig für den Kampfgeist im Team!
Was etwas nachdenklich stimmt: Chad Bassen wird von Spiel zu Spiel unsichtbarer und Patrick Pohl tritt weiterhin bestenfalls ein bis zweimal pro Partie nach vorne. Beides zu wenig, was mich besonders im Fall Bassen doch etwas wundert.
Kapitän Haskins leider mit einem rabenschwarzen Tag, traf fast durchgängig schlechte oder extrem einfallslose Entscheidungen im Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten und nahm der ersten Reihe damit viel von ihrer angedeuteten Gefährlichkeit.
Etwas Erfreuliches zum Schluss: Mit drei Treffern aus sieben Überzahlspielen (darunter allerdings auch eine 5 Minuten-Strafe) kann der EHC endlich einmal auch in dieser Disziplin auf ein erfolgreiches Wochenende zurückblicken. Besonders wichtig, da das Team von Pavel Gross dank läuferischer Überlegenheit viele Gelegenheiten zugesprochen bekommt und diese bisher einfach viel zu selten verwerten konnte. mb