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EHC - Schwenninger Wild Wings 1:2 n.P.

Mit Standgas ohne Rückenwind
 
Nach dem begeisternden Auftaktwochenende wollten die Mahnungen und Vorsichtsbekundungen aus dem Lager des EHC unter der Woche zunächst nicht abreißen. Offenbar wollte und sollte sich jeder der Schwierigkeit des kommenden Spiels gegen einen Gegner mit klassischem Fehlstart bewusst sein...
Was gegen die Wild Wings aus Schwenningen dann aber folgte, ließ so manchen Grizzly im weiten Rund und wohl auch auf der Trainerbank weitestgehend ratlos zurück.
In den Anfangsminuten waren die Ergebnisse beider Teams (2 Siege vs. 2 Niederlagen) vom vorhergehenden Wochenende noch deutlich zu beobachten: Wolfsburg agierte zwar nicht mit Höchsttempo doch einigermaßen flüssig kombinierend und wenig zwingend. Schwenningen verlegte sich auf die Defensive und die Hoffnung auf Wolfsburger Fehler. Und die Fehler sollten kommen: Nachdem die Gastgeber ab der 10.Minuten durch ein Powerplay gestolpert waren, als hätten sie spontan das Schlittschuhlaufen verlernt, nutzten die Schwäne prompt Hamblys Unaufmerksamkeit an der gegnerischen blauen Linie. Den energisch vorgetragenen Konter vollendete schließlich Phillip Schlager per Schlenzer in den Winkel zur 0:1 Führung für die Gäste (12.). Direkt nach dem Treffer ließ sich Gästekeeper Janka gegen Dimitri Pätzold austauschen; die Folgen eines zwei Minuten zuvor vom eigenen Mitspieler provozierten Zusammenpralls mit einem Wolfsburger machten ein Weiterspielen offenbar unmöglich. 
Den Grizzlies merkte man nun zwar die Wut ob dieses Fauxpas deutlich an, aber irgendwie schien der entsprechende Gang an diesem Abend im Getriebe zu fehlen. Die Bemühungen, den Rückstand bis zum ersten Pausentee zu egalisieren wirkten allesamt zu steif und ohne den letzten Druck vor dem gegnerischen Tor – die Grizzlies traten förmlich auf der Stelle.
Die folgenden 40 Minuten sind schnell erzählt: Wolfsburg rannte wenig überzeugend und mit überschaubarem Tempo gegen das Bollwerk der mit hohem Einsatz spielenden Schwenninger an...und erreicht nichts. Während die Strategie der Wild Wings bis kurz vor Schluss aufzugehen schien (zunehmend mit gesunder bis übertriebener Härte garniert), mussten die Grizzlies zur Mitte der Partie zudem einen weiteren Tiefschlag hinnehmen, der am Ende vermutlich weitaus schmerzhafter als der Treffer zum 0:1 wiegen wird. Während die beiden schwach leitenden Referees Hascher und Bauer (*schauder*) in vielen Situationen einfach nur haarsträubend falsch lagen, bewerteten sie die aus EHC-Sicht schlimmste Szene der Partie absolut richtig. Tyler Haskins war im gegnerischen Drittel einem Gegenspieler geradezu kopflos entgegengestürmt und hatte im letzten Moment in dessen Beinen gebremst. Dabei verletzte sich Wolfsburgs Kapitän vermutlich schwer am Knie und konnte die Partie nicht mehr zuende spielen. Wann und ob Wolfsburgs Leader den Grizzlies wieder zur Verfügung stehen wird, wird sich wohl erst im Laufe der kommenden Woche herausstellen.
Während sich die Begegnung, man muss es so deutlich sagen, dem Ende entgegenquälte, überboten sich, bis auf wenige Ausnahmen, die Akteure der Grizzlies an Harmlosigkeit vor dem Kasten der Gäste. Vom Scheibenglück zudem reichlich im Stich gelassen, verpassten die 
Wolfsburger ein ums andere Mal den Rebound im dichten Abwehrgestocher vor dem Gehäuse der Wings, mehrere Pfostentreffer krönten den ärgerlich und äußerst zäh verlaufenden Abend.
Lediglich in der letzten Spielminute gab es endlich doch noch Anlass zum Jubel in der Eisarena: Die Grizzlies hatten Vogl für einen sechsten Stürmer vom Eis genommen und letztlich doch noch den erlösenden Ausgleich erzielt. Brent Aubin war der Glückliche, der den Puck aus dem Slot unter die Latte hebeln konnte. Am Ende hatte sich viel Kampf und Krampf doch noch ausgezahlt. Angesichts von weiteren 5 Minuten dieses „Leckerbissens“ wusste der eine oder andere vielleicht nicht wirklich, ob das ein Grund zur Freude war...
Die Verlängerung hätte mit einer Reststrafe für Gästespieler Hacker und spürbar neuem Mut bei den Grizzlies durchaus zum zweiten Punktgewinn für die Gastgeber getaugt. Das Duo Infernale in schwarz-weiß wertete jedoch wenig später einen einfachen Stick Lift von Mark Voakes als Haken und das Stocken und Stottern auf beiden Seiten durfte damit bis zum Penaltyschießen fortgesetzt werden. Hier hatten die Gäste mit Morten Green nicht nur einen der besten Spieler der Partie, sondern auch den überragenden Penaltyschützen in ihren Reihen. Während im ersten Durchgang Wolfsburgs Rosa dessen Treffer noch egalisieren konnte, so blieb der zweite Erfolg des Dänen in Diensten der Schwarzwälder unbeantwortet. Der Zusatzpunkt nahm folglich im Bus nach Schwenningen Platz, der Wolfsburger Anhang verabschiedete seine Spieler ungewohnter Weise nach einer Niederlage ohne Aufmunterung in die Kabinen.
Der Abend hatte in all seinem spielerischen Glanz leider etwas von gestohlener Lebenszeit für den geneigten Betrachter gehabt...
 
Teamcheck
 
Tor
Vogl weiterhin glänzend aufgelegt, entschärfte die gefährlichen Nadelstiche der auf Konter lauernden Gäste ein ums andere Mal. Der Schlenzer zum 0:1 wäre vermutlich nur mit etwas Glück zu halten gewesen, ansonsten eine tadellose Leistung des besten Grizzlies an diesem Abend.
 
Verteidigung
Hambly mit dem Fehler zum 0:1. Ansonsten wenig Wackler bei den Defensivakteuren, aber auch keine belebenden Impulse in der Vorwärtsbewegung oder von der blauen Linie. Insgesamt etwas zu langsam, aber im grünen Bereich, was Wolfsburgs Abwehrverbund anbot.
 
Sturm
Neben der Reihe um Marco Rosa wussten lediglich Alex Polaczek und der zur Mitte des Spiels ausgeschiedene Haskins zu überzeugen. Der Rest hinkte seiner gewohnten Laufleistung und Intensität meilenweit hinterher. Das Zusammenspiel kam dabei eigentlich in allen vier Reihen nach dem 0:1 der Gäste komplett zum Erliegen – ein Gestolper und Gestocher zum Haareraufen.
Besonders negativ fallen dabei Milley und Diesel auf. Während Milley das Wolfsburger Tempospiel ohnehin immer mal gerne matrixmäßig in die Zeitlupe entführt, so passt beim Diesel seit Saisonbeginn einfach mal gar nichts. Leicht vom Puck zu trennen, ohne richtige Abschlüsse und immer wieder mit saublöden Fouls hinter dem gegnerischen Tor wäre der Wolfsburger Torjäger eigentlich der erste Kandidat für eine Auswechslung gegen Neuzugang Schaus. Nach Haskins Verletzung hat sich dies nun erledigt. 
Hoffen wir, dass das Team gegen Mannheim eine seiner berüchtigten Auswärtsreaktionen zeigt. mb