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EHC - Eisbären Berlin 4:3 n.V.

Geht doch!
 
Nach dem zuletzt extrem enttäuschenden Auftritt gegen München waren die Grizzlies auf Wiedergutmachung aus. Mit dem Rekordmeister und dessen gewohnt zahlreichen Anhängern aus Berlin hatten sie sich dazu eine nicht gerade leichte Aufgabe ausgesucht, zumal der Wolfsburger Zuschauerzuspruch momentan noch nicht einmal die eigenen bescheidenen Dimensionen erreicht hat.
Doch dieses nur auf den ersten Blick scheinbare Ungleichgewicht bremste die Gastgeber keinesfalls: Im Trubel und Lärm der allgemeinen Anfeuerung ließen die Grizzlies vom Anpfiff weg keinen Zweifel daran aufkommen, wer Heim- und wer Auswärtsmannschaft ist.
Begeistert vom Auftritt ihres Teams, das Berlins Vehanen mit einem wahren Bombardement an Schüssen eindeckte, peitschte auch der Wolfsburger Anhang seine Farben nach vorne. Doch in Sachen Chancenverwertung sollte sich, wie seit dem 3.Spieltag viel zu oft zu beobachten, keine Besserung einstellen. Starke Paraden des Berliner Schlussmanns, auch in doppelter Unterzahl, wechselten sich mit ausnehmend schwachen Wolfsburger Abschlüssen aus guter Position ab – das Ergebnis blieb das komplette Drittel in Form der Null auf der Heimseite der Anzeige sichtbar.
Wie ein Sinnbild für die Probleme der aktuellen Saison wirkte dabei die Szene, die sich dann rund eine Minute vor der ersten Pause hinter dem Wolfsburger Tor abspielte: Max Meirandres spielte, nach reiflicher Überlegung und ohne Bedrängnis, seinen Aufbaupass direkt auf die Kelle des spekulierenden Tallackson, Querpass zu Ziegler – Tor für die bis dahin deutlich unterlegenen Eisbären!
Mit geschlossenem Kopfschütteln begab sich der orange Teil des Publikums in die erste Pause, so unfassbar waren bis dahin sowohl Torausbeute ihres Teams wie auch der eben beschriebene Aussetzer. 
Raus aus den Kabinen und weiter ging die wilde Fahrt. Die Gastgeber eröffneten sofort wieder die Jagd auf den längst verdienten ersten Treffer, zeigten aber auch zunehmend Unaufmerksamkeiten in der Defensive. Erst in der 26.Minute sollte sich das unermüdliche Anrennen der Wolfsburger Mannschaft endlich auszahlen. Alexander Polaczek war es schließlich, der den Puck im zweiten Nachfassen endlich zum überfälligen 1:1 über die Linie quälen konnte. Seltsamerweise folgte die einzige Phase der Partie, in der die Gäste tatsächlich für einige Minuten leicht die Oberhand auf dem Eis gewinnen konnten. Wolfsburg hielt das Spiel zwar offen, nahm aber letztlich einige Strafen, die Berlin in der 36.Minute schließlich mit einem schön herausgespielten 5 gegen 3 Überzahltreffer durch Tallackson veredeln konnte. Doch diesmal sollte die Antwort der Hausherren nicht so lange auf sich warten lassen. Zwei Zeigerumdrehungen später ließ Wolfsburgs Aubin mit einem Direktabnahmehammer die Halle beben, sorgte dafür, dass der Spaß auch auf Seiten des Heimpublikums nicht zu kurz kam.
Die Grizzlies waren nun drauf und dran das Spiel endlich zu drehen. Bina vorm leeren Tor und Polaczek im 1 gegen 1 mit Vehanen konnten aber binnen Minutenfrist ihre beide Chancen nicht verwandeln. Im Gegenteil: Kurz vor der zweiten Unterbrechung hieß plötzlich wieder Unterzahl für Wolfsburg – die Eisbären waren wieder am Drücker.
Mit einer knappen Minute Reststrafe auf der Uhr ging es für den heimischen EHC ins Schlussdrittel dieser sehenswerten Begegnung. Und schon wenige Sekunden später schien die erneute Führung der Gäste perfekt. Doch Vogls ungeschicktes Nachgehen am kurzen Pfosten sollte unbestraft bleiben – dem Treffer der Eisbären wurde wegen Torraumabseits die Anerkennung verwehrt!
Rund sieben Minuten später war es dann doch soweit. Youngster Sven Ziegler netzte nach schöner Vorarbeit seiner Reihe zum zweiten Mal ein, brachte Berlin mit 2:3 erneut in Front.
Die Antwort der insgesamt mehr als überzeugend auftretenden Grizzlies ließ diesmal sogar nur eine Minute auf sich warten. Fauser markierte mit seinem energisch abgeschlossenen Versuch seinen lang ersehnten ersten Saisontreffer und hielt seine Farben somit auf Kurs (49.).
Die Energie der Gäste nahm nun sichtbar ab, doch noch konnte Wolfsburg keinen zählbaren Nutzen aus dieser Entwicklung ziehen. So blieb zunächst, trotz bester Chancen für die Hausherren bis kurz vor Schluss, der erste Punkt auf dem Berliner Konto. Mit Beginn der Verlängerung wurde mehr als deutlich, dass die Eisbären nun endgültig nichts mehr zuzusetzen hatten. Binas Pfostenschuss (ganz was Neues auf Seiten der Wolfsburger) bildete das erste Ausrufezeichen, dicht gefolgt von einer eher überflüssigen Strafe gegen die Eisbären und dem alles entscheidenden Kracher zum 4:3 Endstand durch Jeff Likens nach rund einer gespielten Minute in der Overtime.
Am Ende konnten wohl beide Lager zufrieden den Heimweg antreten. Die Eisbären mit einem Punkt aus einer alles andere als überlegen geführten Partie, die Grizzlies mit einem ersten Heimsieg nach einer kleinen Durststrecke. Über mangelnde Unterhaltung konnte sich am Ende des Tages jedenfalls niemand beschweren...
 
Teamcheck
 
Tor
Vogl mit verbesserter Leistung. Lediglich das vermeintliche und zum Glück nicht gegebene 2:3 zu Beginn des letzten Drittels stach in negativer Weise heraus. Insgesamt mit einer ansprechenden, wenn auch nicht überragenden Leistung.
 
Verteidigung
Sinnbild der Wolfsburger Problematik in dieser Saison. Die schwachen (aber noch jungen) Deutschen in Person von Meirandres und Keller bringen Wolfsburg in Bedrängnis, Hambly und Likens zeigen allerdings endlich wieder die zu erwartenden Leistungen und erhalten somit die Chancen auf einen Sieg. Bina wieder sicherer, Schaus zumindest unauffällig, beim dritten Berliner Tor allerdings mit genau so schlechtem Stellungsspiel wie Kilian Keller...
Meirandres durfte nach dem Katastrophenpass aus dem 1.Drittel zwar weiterspielen, wurde nach weiteren Unsicherheiten im Schlussdrittel dann gegen Höhenleitner ausgetauscht. Dieser zeigte sich wiederum auch nicht wirklich als durchgängig sattelfest. Der EHC kann die verloren gegangene Qualität der letzten Jahre (Fischer, Kohl) einfach nicht ersetzen – einzig Lindlbauer, der lediglich ausgeliehen ist, zeigte in seinen bisherigen Einsätzen annähernd das Niveau, um die Abwehr der Grizzlies ohne Loch über die Runden kommen zu lassen. Die Reduzierung der Ausländerlizenzen einhergehend mit Aufstockung der Etats bei einigen Konkurrenten schlägt hier beim EHC am deutlichsten durch. 
 
Sturm
Auch der Ausfall des bisher so überragend in die Saison gestarteten Furchner brachte die endlich erwachte Angriffsabteilung der Grizzlies nicht vom Kurs ab. Die Effizienz bleibt aber weiterhin das Sorgenthema in Wolfsburg. Schier unglaublich, wie die Grizzlies ohnehin respektable gegnerische Torleute noch zusätzlich gut aussehen lassen...
Gerade die Lebenszeichen von Rosa und Aubin lassen zumindest berechtigte Hoffung auf bessere Zeiten aufkommen.
Diesel mit guter kämpferischer Vorstellung, zeigt aber immer noch kaum Torgefahr.
Polo und Höhenleitner mit viel Energie in einem Team, dass sich in dieser Hinsicht endlich an diesen beiden und dem leider verletzt ausgeschiedenen Sebastian Furchner zu orientieren scheint. Das hat endlich mal wieder richtig Spaß gemacht!
 
Schiedsrichter
Eigentlich kein fester Punkt in unserer Berichterstattung, sollen die beiden exzellent und fast fehlerfrei leitenden Referees Daniel Piechaczek und Markus Schütz trotzdem gesondert Erwähnung finden. Neben den durchweg korrekten und nachvollziehbar gewichteten Entscheidungen beeindruckte vor allem die zurückgenommene Entscheidung wegen Spielverzögerung gegen den EHC. Nach Rücksprache mit ihren Linesmen holten sie den Wolfsburger von der Strafbank zurück ins Spiel und revidierten die offenkundig falsche Entscheidung (klares Geräusch zweier aufeinandertreffender Schläger schließt ein absichtliches Hinausschießen des Pucks eigentlich sowieso weitestgehend aus...) . Seit langer Zeit schafften es die beiden Unparteiischen endlich einmal wieder mich mit ihrer Leistung zu beeindrucken – bitte mehr davon! mb