header
Log in
A+ A A-

EHC - Red Bull München 0:6

Tausendmal probiert...
 
...tausendmal ist nix passiert. Frei nach dem Klaus Lage Klassiker präsentierte sich das Team der Grizzlies auch im zweiten Aufeinandertreffen mit München ohne die nötige Durchschlagskraft. Dass sich zu den bisherigen vier Ausfällen Milley, Hambly, Mayer und Keller nun auch noch der Diesel gesellte, machte sich dabei mehr als deutlich im Spiel der Gastgeber bemerkbar. 
Trotzdem wurden die rund 1900 Zuschauer (erneut parallele Ansetzung zu einem VfL-Heimspiel) nicht wirklich enttäuscht. Vor allem diejenigen unter den anwesenden Fans, die bereits das erste Heimspiel gegen die Brausebullen erleben mussten, dürften im Verlauf des ersten Drittels erleichtert aufgeatmet haben.
Zwar kassierte der EHC direkt nach einem eigenen Pfostenschuss durch Alex Polaczek (8.) Bropheys Treffer zum 0:1, doch die Partie gestaltete sich diesmal weitaus ausgeglichener als noch im ersten Kräftemessen am 8.Spieltag.
Wolfsburg hielt gerade in der Anfangsphase der Begegnung gegen äußerst schnell und kompakt agierende Gäste gut mit und erspielte sich dabei die eine oder andere gute Einschussgelegenheit. Doch schon in dieser eher offenen Spielphase deutete sich das drohende Verhängnis der Gastgeber recht deutlich an: Vor dem gegnerischen Tor blieb das Team von Pavel Gross einfach zu harmlos. Reboundgelegenheiten wurden, wenn denn mal ein EHC-Spieler an den Puck kam, stumpf gegen die Schoner des gut aufgelegten Hardy geschoben. München hingegen überzeugte nicht nur mit hohem Tempo und gutem Organisationsgrad. Vor allem Druck und Zug zum Tor fast sämtlicher Feldspieler in dunkelblau wussten zu beeindrucken und gaben am Ende den Ausschlag zugunsten der Gäste.
Mit viel Aufwand wehrten sich die Grizzlies gegen Ende des ersten Spielabschnitts gegen einen zweiten Treffer der Gäste, während gleich drei Strafen (14., 18., 20.) – teils nicht nachvollziehbar – auf sie einprasselten. Unter den wütenden Protesten der Heimfans rettete der EHC sich schließlich unbeschadet aus dieser kritischen Phase und überstand auch die Reststrafe zum Auftakt des Mitteldrittels ohne weiteren Gegentreffer. Doch München hatte nun endgültig Blut geleckt, setzte intensiv nach und zwang die Grizzlies in eine kräfteraubende Abwehrschlacht. Den Tribut hierfür sollte der ausgedünnte Kader spätestens im letzten Spielabschnitt zahlen. Zur Mitte der Begegnung meldeten die Gastgeber sich jedoch erst einmal zurück und setzten ihrerseits zum Sturm auf das Münchner Gehäuse an. Die Antwort der Gäste bestand aus dem 0:2 in eigener Überzahl durch David Meckler (34.), während Wolfsburgs Angriffswellen – trotz zweier Powerplaygelegenheiten – bis zur Pause ohne jeglichen Erfolg blieben. Ein klar ungültiger Treffer durch Alex Polaczek (hoher Stock) blieb die einzig hochkarätige Möglichkeiten der Hausherren, so dass es mit zwei Toren Rückstand ins letzte Drittel ging.
Was folgte, war schon reichlich deprimierend aus Sicht der Grizzlies. München erhöhte erneut durch Meckler gleich im ersten Powerplay (45.) des Drittels auf 0:3 – wieder per Nachschuss. Im Anschluss nahmen die Gäste gleich vier Strafzeiten (davon allein drei durch Wozniewski) und schauten sich in aller Ruhe die Überzahlbemühungen der Grizzlies an. Das darf man ruhig wörtlich nehmen, denn mehr als Bemühungen brachten die am Rande ihrer Kraftreserven spielenden Gastgeber nicht mehr zustande. Dass ihr Trainer obendrein den Goalie minutenlang auf der Bank ließ, um mit sechs Feldspielern den Umschwung zu erzwingen half da nur wenig. Im Gegenteil: Nicht nur, dass Roe (54.) und Seidenberg (56.) mit Schüssen ins leere Tor auf 0:5 stellen konnten, vergällte den Fans letztlich diesen gar nicht so schlecht gestarteten Eishockeyabend. Auch die Schussbilanz von 6 zu 12 zugunsten der Gäste im letzten Spielabschnitt – trotz 8 Minuten Unterzahl für München – bildet die Aussichtslosigkeit dieses waghalsigen Unterfangens recht gut ab.
Bropheys zweiter Treffer zum 0:6 setzte schließlich, anderthalb Minuten vor Abpfiff, den Schlusspunkt unter diese insgesamt ernüchternde Partie. Gegen keinen Gegner sahen die Grizzlies (nun schon zum zweiten Mal) so chancenlos aus wie gegen das Edelteam aus München. Dass Don Jackson obendrein eine Art Kryptonit für die Supergrizzlies darstellt, musste man ja seit Eisbärenzeiten schmerzlich zur Kenntnis nehmen...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Felix Brückmann mit einer soliden Partie und einigen guten Reflexen. Dass er am Ende vier Gegentore zu quittieren hatte, lag eher am überragenden Druck der Münchner aufs Netz der Grizzlies, als an eigenen Unzulänglichkeiten. 
Insgesamt eine undankbare Partie für den Wolfsburger Goalie, der sich obendrein zwei empty-netter von der Bank aus ansehen musste. 
 
Verteidigung
Hambly und Keller fallen aus, Meirandres ist der DEL einfach noch nicht gewachsen und Nick Schaus spielt weiter wie ein durchschnittlicher deutscher Verteidiger. Das fasst die Probleme der Grizzlies kurz und prägnant zusammen. Trotz einer eher durchwachsenen Defensivleistung wurde das Spiel interessanterweise nicht in der Verteidigung verloren, in der Christoph Höhenleitner an der Seite von Jeff Likens nicht unbedingt die beste seiner Abwehrvorstellungen gab.
Selbst die ungewohnten „Wackler“ von Mr. Zuverlässig Robbie Bina wären am Ende zu verkraften gewesen, wäre da nicht die Problematik im Sturm der Grizzlies...
 
Sturm
Nach akzeptablem Beginn blieb vom Sturm der Grizzlies nur ein lauer Furz übrig.
Den Höhepunkt der Harmlosigkeit erreichte das Spiel der Gastgeber im Schlussabschnitt, in dem mehr als deutlich wurde, dass das Fehlen von Milley, Diesel und Hambly vor allem im Powerplay nicht zu kompensieren ist. Natürlich muss gegen ein Team wie München einfach alles stimmen UND das Glück sollte nach Möglichkeit auch noch auf Seiten der Grizzlies sein - das war an diesem Nachmittag definitiv nicht der Fall. Ein sichtbar entkräftetes Team ohne Torhüter aufs Eis zu schicken macht hingegen in meinen Augen keinerlei Sinn und hinterlässt vermutlich eher negative Eindrücke bezüglich der eigenen Möglichkeiten gegen den deutlich überlegenen Ligakrösus.
Auch wenn solche Personalengpässe immer wieder passieren können: Die Nachbesserung im Kader der Grizzlies sollte trotzdem in Form eines Verteidigers geschehen. mb