header
Log in
A+ A A-

EHC - Augsburger Panther 5:4 n.V.

Zwei Drittel ohne Gebiss
 
Mit einer kaum noch für möglich gehaltenen Energieleistung drehten die Grizzlies eine rund 40 Minuten eher enttäuschend verlaufende Partie.
Dabei hatten es ihnen die Gäste aus Augsburg zunächst gar nicht einmal so schwer gemacht und vor allem im ersten Drittel einige sehr überflüssige Strafzeiten kassiert.
Doch das zuletzt so viel gelobte Powerplay der Grizzlies präsentierte sich trotz der beiden Rückkehrer Norm Milley und Matt Diesel alles andere als durchschlagskräftig. So bot der erste Spielabschnitt zwar ein durchaus munteres Auf und Ab, doch außer einigen sehenswerten Überzahlspielzügen der Hausherren gab es erst einmal nichts zu bejubeln. Spätestens vor dem gegnerischen Tor wirkte alles, was der EHC probierte, irgendwie halbherzig und ohne letzte Konsequenz. Auch zum Auftakt des Mitteldrittels bot sich, nun sogar noch deutlicher, das Bild einer spielerisch überlegenen Heimmannschaft, die sich vor dem Tor der Gäste einfach nicht entscheidend durchsetzen kann und auf den einen, genialen Spielzug wartet, der den Torerfolg ohne Körperkontakt garantiert. Die Chance kam nicht...im Gegenteil.
So kam das, was die meisten Sportfans aus vielen Mannschaftssportarten bereits kennen: Ein spielerisch dominantes Team, das keinen Ertrag produziert, kassiert früher oder später einen überflüssigen Treffer (Phillip Riefers, 27.Min.), kämpft dann gegen die Niederlage, nur um bis zum Ende einfach nicht in die Partie zu finden und knapp zu verlieren.
Bis zur 45.Minute sah das Spiel dann auch wie eine Blaupause dieser Vorlage aus. Schaus’ relativ zügiger Ausgleich zum 1:1 nach rund dreißig gespielten Minuten blieb ein Strohfeuer, die Gäste erhöhten durch Riefers (33.) und Bettauer (36.) zügig auf 1:3. Dass es beim bis dahin einzigen Wolfsburger Tor einer fünfminütigen Überzahl bedurft hatte, sprach Bände. Ivan Ciernik hatte kurz nach einem Bully Wolfsburgs Kapitän mit einem hohen Stock ein Veilchen verpasst und durfte somit früher zum Duschen. Es hatte fast den Anschein, als würde Wolfsburg nach dem 1:2 resignieren, so deprimierend einfach gelangen den bis dahin spielerisch extrem eindimensional agierenden Panthern ihre Treffer. Kurz vor der zweiten Pause verhinderte schließlich der Videobeweis sogar noch den vierten Treffer der Gäste, die die Partie ohnehin schon völlig auf den Kopf gestellt hatten. 
Kaum lief die Begegnung wieder, da offenbarte Augsburgs Trevelyan mit einem Slalomlauf durch die Wolfsburger Abwehr die aktuell größte Baustelle der Grizzlies, die mit Hambly, Lindlbauer und Meirandres gleich drei Verteidiger auf der Verletztenliste haben. Nutznießer war mit Greg Moore ein alter Bekannter aus der letzten Saison, der nach seinem Kreuzbandriss über den Umweg der 2. tschechischen Liga zurück in die DEL gefunden hat. 1:4 – damit schien der trübsinnige Rest des Nachmittags besiegelt. Warum die Hausherren dann aber plötzlich das Gebiss aus dem Schrank holten, bleib ebenso rätselhaft wie erfreulich.
Zwei Zeigerumdrehungen später war es Brent Aubin, der in Überzahl und aus spitzem Winkel das – eher zurückhaltend bejubelte – 2:4  erzielen konnte und damit so etwas wie einen Startschuss zum finalen Sturmlauf des EHC gab. Und jetzt sogar mit allerletzter Konsequenz!
Norm Milley per Bogenlampe (50.) und erneut der wie aufgedreht agierende Aubin (51.) schafften unter dem ausgelassenen Jubel ihrer Anhänger den kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich in dieser so seltsam verlaufenden Partie.
Als die insgesamt  sehr unglücklich leitenden Hauptschiedsrichter kurz vor dem Ende auf Penalty für Augsburg entschieden (angeblich hatte Robbie Bina den Abschluss des enteilten Panther regelwidrig behindert) und Wolfsburgs Goalie diesen Versuch prompt entschärfen konnte, stand die Hütte endgültig Kopf.
In der anstehenden Verlängerung dauerte es dann nur noch eine knappe Minute, bevor Armin Wurm mit seinem Treffer zum 5:4 das Hallendach kurz anzuheben schien. Eine derart furiose Aufholjagd hatte man lange nicht mehr in Wolfsburg bestaunen dürfen... zumal der Nachmittag zunächst auf alles, bloß kein spektakuläres Eishockeyspiel hingedeutet hatte.  
 
Teamcheck
 
Tor
Beim dritten Tor der Gäste sah Wolfsburgs Goalie zwar nicht wirklich glücklich aus, doch machte neben zahlreichen guten Reflexen spätestens der gehaltene Strafschuss die eher überzeugende Leistung komplett. Wurde gerade im Mitteldrittel von seinen Vorderleuten geradezu im Stich gelassen und machte folglich das Beste daraus.
 
Verteidigung
Weder Höhenleitner noch Wurm mit einem Spiel fürs Bewerbungsvideo. Während Höhi solche Ausreißer als gelerntem Stürmer absolut verzeihbar sind, macht die Dichte der schwachen Auftritte bei Armin Wurm mittlerweile äußerst nachdenklich. Immer für die eine oder meist auch andere Strafe wegen „Trägheitsdelikten“ wie Haken und Halten gut, stolperte der Wolfsburger Verteidiger zu Beginn des Schlussdrittels diesmal fast schon slapstickartig an einem heranstürmenden Gegenspieler vorbei. Dieser ließ sich durch die lustige Einlage leider nicht ablenken und legte das 1:4 auf...
Der Treffer zum 5:4 brachte diesen Teil der Geschichte zwar zu einem Happyend, änderte aber nichts an den Sorgen des EHC im Defensivbereich, der mit gleich drei Ausfällen momentan arg gebeutelt ist. 
Positiv: Kilian Keller meldet sich mit zwei guten Leistungen an diesem Wochenende zurück im Dienst! 
 
Sturm
Aubin und Milley führen die insgesamt zwar bemühten, aber ohne letzten Biss im Slot agierenden Grizzlies zum Sieg. Vor allem Brent Aubin setzte die entscheidenden Signale und riss das Team nicht nur mit seinen Toren, sondern auch der entsprechenden Körpersprache mit. Der immer etwas pomadig wirkende Marco Rosa (wer ihn in den Play-offs gesehen hat, weiß zu was der Mann im Stande ist) und der momentan etwas glücklose Tyler Haskins reihten sich zusammen mit Diesel in die Phalanx der etwas zu zahm agierenden Angriffsakteure ein. Dass der Diesel im letzten Spielabschnitt erneut verletzungsbedingt passen musste, trübt die Aussichten für kommende Aufgaben natürlich noch einmal etwas mehr ein. Insgesamt eine vor allem im Mitteldrittel nicht akzeptable Arbeitseinstellung. Nur sehr selten kann man in dieser engen Liga mit nur einem konsequent vorgetragenen Drittel gleich zwei Punkte erbeuten...
Warum das zweite Spiel an einem Wochenende – und damit leider meistens das Heimspiel – in dieser Saison häufig ein derartiger Krampf im Arsch ist, bleibt leider weiter das große Geheimnis dieser Mannschaft. mb