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EHC - Eisbären Berlin 4:2

Mit Aufwärtstrend in die Pause

Nach den akzeptablen Auftritten in Köln und München gelang den Grizzlies nun doch noch das gewünschte Ausrufezeichen vor der, mittlerweile herbeigesehnten, Länderspielpause. Vor rund 4200 Zuschauern, darunter weit über 1000 mitgereiste Fans aus Berlin, brauchte Wolfsburg allerdings über ein Drittel, um wirklich ins Spiel zu finden. Da sich aber auch der Gast aus der Hauptstadt nicht unbedingt als Offensivungeheuer präsentierte, genügte dem EHC bis dahin ein genialer Moment durch Matt Diesel, um sich erfolgreich im Spiel zu halten.
Im Auftaktdrittel hatte sich folglich eine eher zerfahrene, von vielen Fehlpässen und gelungenen Abwehraktionen geprägte Begegnung entwickelt. Berlin überzeugte dabei durch engagiertes Forechecking und vorbildliches Penaltykilling und ließ Wolfsburg in zwei Powerplayanläufen kaum einmal gefährlich werden.
Im Gegenzug machte Wolfsburgs Defensive die Mitte im eigenen Drittel dicht, Berlins Schüsse blieben für Sebastian Vogl weitestgehend gut kontrollierbar. Kurz vor der ersten Sirene nahm die Partie dann endlich nicht nur auf den Rängen richtig Fahrt auf. Zunächst glänzte Wolfsburgs Diesel durch bereits erwähnten genialen Moment, als er Hamblys Schlenzer Richtung Eisbärengehäuse im „Vorbeifahren“ unhaltbar zum 1:0 abfälschen konnte (19.). Doch schon 25 Sekunden später wartete das Spiel mit der nächsten überraschenden, diesmal eher unangenehmen, Wendung auf: Alex Polaczek hatte Gegenspieler Borer unglücklich mit dem Stock im Gesicht getroffen, Borer verließ angeschlagen den Innenraum, die Referees entschieden folgerichtig auf 5 + Spieldauerstrafe. Fast wäre diese prekäre Situation sogar schadlos an den Grizzlies vorbei gegangen – vor und nach der Drittelpause verteidigten die Gastgeber ihre knappe Führung äußerst geschickt. Als dann mit Casey Borer ausgerechnet der zuvor Gefoulte auf die Strafbank musste (21.), schien sich die Situation endgültig für die Grizzlies zum Guten zu wenden. Doch eine Zeigerumdrehung später machte Wolfsburg Diesel mit einem dummen Foul der 4 gegen 4 Kräftegleichheit ein erneutes Ende – mit fatalen Folgen. Berlin nutzte die 4 gegen 3 Überzahl prompt zum Ausgleich durch Frank Hördler (23.). Nach Ablauf sämtlicher Strafen erarbeiteten sich die Gastgeber endlich wieder ihrerseits gute Chancen, doch außer einem Schuss ans Gestänge durch Jeff Likens kam zunächst nichts Zählbares zustande. Im Gegenteil: Ab der 26.Minute wiederholte sich das Drama der ersten Minuten dieses Drittels fast auf die Sekunde. Erst geht mit Sharrow ein Eisbär in die Kühlbox, eine Minute später geht der Diesel – wieder völlig sinnfrei – hinterher. Kaum ist Berlin komplett, schon fällt durch Busch der nächste Treffer (29.) in Überzahl. Es war zum Haareraufen.
Doch die Grizzlies zeigten sich, entgegen ihren Gewohnheiten, im Mittelabschnitt schließlich von ihrer kämpferischen, und vor allem effizienten Seite. Wer die Heimspiele in der Eisarena regelmäßig verfolgen konnte (oder musste), rieb sich vermutlich verwundert die Augen. Wolfsburg drehte jetzt mächtig an der Geschwindigkeitsschraube, konterte die Gäste ein ums andere Mal aus und kam bereits in der 33.Spielminute schließlich durch Neuzugang Tyler Scofield zum verdienten Ausgleich. Der hatte einen klasse Rückpass von Namensvetter Haskins sehenswert in den Giebel gefeuert und ließ sich erst einmal ausgiebig von seinen neuen Teamkameraden feiern. Doch damit nicht genug. Dank einer feinen Einzelaktion von Hitzkopf Matt Diesel (38.) gingen die Grizzlies sogar mit einer Führung in die zweite Unterbrechung – ein ungewohntes Gefühl...
Wolfsburgs Torjäger war unwiderstehlich zur Mitte gezogen und hatte durch Freund und Feind hindurch eiskalt abgedrückt . Die Arena stand Kopf und hätte kurz vor dem Pausenpfiff fast noch einmal Grund zum Jubel bekommen. Der wie entfesselt aufspielende Kapitän der Grizzlies war wenige Sekunden vor der Sirene entschlossen quer vor das von Vehanen gehütete Tor der Eisbären gezogen und hatte dem Goalie der Gäste den Puck bereits durch die Schoner gestopft. Leider blieb das Spielgerät wenige Zentimeter vor der Linie liegen, so dass es unverändert mit 3:2 in die Pause ging.
Was folgte war ein Sturmlauf der Gäste, der immer wieder von hochkarätigen Chancen der Hausherren unterbrochen wurde. Doch selbst, als Berlin einen durchaus strittigen Penaltyschuss (49.) zugesprochen bekam, blieben die Grizzlies wie so oft in Person von Sebastian Vogl Sieger.
Ein ums andere Mal entschärfte der Wolfsburger Goalie die Chancen der Hauptstädter, behielt wenig später auch im direkten Duell mit dem enteilten Pohl grandios die Oberhand.
Zur allgemeinen Erleichterung der in orange Gekleideten, versauten sich die Gäste ihre Schlussoffensive schließlich selber. Nach einem absoluten Monsterhit durch Tim Hambly hatte sich Eisbärenverteidiger Hördler nicht im Griff (58.)und checkte den Wolfsburger noch am Boden liegend, was natürlich als (regelwidrige) Revanche bzw. Stock-Check gewertet wurde. Die Grizzlies nahmen dieses Geschenk dankend an, spielten die Überzahl überlegt herunter und schlugen vier Sekunden vor Hördlers Rückkehr eiskalt ein weiteres Mal zu. Besonders erfreulich: Mit Tyler Haskins konnte sich Wolfsburgs Leader nach Wochen der Torlosigkeit endlich wieder in die Liste der Torschützen eintragen. Entsprechend euphorisch eskalierte der Kapitän der Grizzlies im Anschluss an seinen Treffer und schickte gleichzeitig den Wolfsburger Anhang mit einem dicken Grinsen in die Länderspielpause.
Besagte Schlussoffensive der Berliner entfiel also, die Wolfsburger Fans feierten ihre Helden – trotz aller Störungsversuche des Eisbärenanhangs – ausgelassen und natürlich angesichts der Tabellensituation auch etwas erleichtert.
Die Hoffnung, dass das Team von der Aller nach der Pause endlich aus dem Leistungstief kommen wird, erhielt in der laufenden Woche zumindest neue Nahrung.

Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl mit einer seiner besten Leistungen im Dress der Grizzlies. Fast sämtliche Abpraller lenkte er vorbildlich zur Seite, im 1 gegen 1 blieb er unüberwindlich. Ganz feine Vorstellung und hoffentlich ein Fingerzeig in Richtung Play-offs. Ein Vogl in letztjähriger Bestform ist genau das, was wir in den kommenden Monaten brauchen!

Verteidigung
Solide Vorstellung, wie schon in fast allen Spielen der letzten Wochen. Darüber hinaus ist vor allem bei Hambly und Schaus (sic) eine deutliche Leistungssteigerung zu beobachten. Hambly ist mittlerweile fast wieder dort, wo er vor seiner Verletzung war, Schaus hingegen erklimmt mittlerweile nicht geahnte Leistungshöhen.
Vor allem sein abgezockter Move an der gegnerischen Blauen, der zu Haskins alles entscheidendem Treffer führte, wird mit wohl noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben – vor allem, wenn nicht noch mehr solche Szenen folgen ;)

Sturm
Der Diesel überstrahlt alles. Im positiven wie auch im negativen Sinn. Selbst die beeindruckende Energieleistung und das erlösende Tor durch Kapitän Haskins verblassen hinter dem irren Auftritt des streckenweise verhinderten Wolfsburger Torjäger. Während seine ständig wiederkehrenden Fouls bei eigener Überzahl die Fans schier in den Wahnsinn treiben (zuletzt auch in München) und vor allem auch zu Gegentoren führen (dieses Mal gleich zwei an der Zahl), macht der Diesel mit zwei genialen Treffern seinerseits die Achterbahnfahrt komplett. Man durfte wohl nicht ganz zu unrecht spekulieren, ob die Partie ohne Wolfsburgs Ausnahmespieler bis kurz vor Schluss 0:0 gestanden hätte.
Da auch Neuzugang Scofield sich mit seinem ersten Treffer gut vor heimischer Kulisse einführte, darf man endlich wieder gespannt sein, was die Grizzlies wohl in der entscheidenden Phase der Saison auf die Beine gestellt bekommen.
Der Murmeltiertag scheint endgültig vorbei zu sein... hoffentlich. mb