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EHC - Straubing Tigers 4:2

Durch die Kurve auf die Zielgerade
 
Mit dem eigenen Fanblock im Rücken starteten die Grizzlies zum Endspurt in die laufende Saison. Für den ersten von zwei Probedurchgängen (2. Test am kommenden Dienstag) waren fast sämtliche Fans von der Gegengeraden hinter das von Sebastian Vogl gehütete Tor gezogen. Straubings übersichtlicher Anhang fand im alten Gästeblock auf Höhe der Torlinie seinen Platz.
Und der Testlauf schien Fans und Mannschaft durchaus zu beflügeln: 
Extrem schnell und giftig starteten die um die Rekonvaleszenten Mayer. Wurm und Aubin ergänzten Gastgeber in die Partie. Fans und Mannschaft pushten sich somit in ein herrlich dominant geführtes erstes Drittel, das die Grizzlies am Ende mit 2:0 völlig verdient für sich entscheiden konnten. Dass beide Treffer dabei in Überzahl fielen, war indes ebenfalls kein Zufall. Wolfsburg hielt Geschwindigkeit und Intensität in beiden Powerplaysituationen des 1. Drittels hoch genug, um sich die benötigten Räume zu verschaffen. Besonders deutlich zu beobachten beim zweiten Treffer des Abends (12.) durch Sebastian Furchner, der völlig blank aus dem hohen Slot abziehen konnte. Eher kurios gestaltete sich hingegen der frühe Führungstreffer der Gastgeber (6.): Likens’ Hammer von der blauen Linie traf Mannschaftskollege Bina an der Hand, von dort segelte der Puck als Bogenlampe über Dustin Strahlmeier ins Gehäuse der Gäste.
Wie schon im ersten Spielabschnitt hielten die Gäste aus Straubing auch im Mitteldrittel mit viel Intensität und der nötigen Härte dagegen, machten die Partie damit zu einem enorm unterhaltsamen Eishockeyfight. Doch die Lehren aus den beiden Unterzahltreffern hatten sie offenbar immer noch nicht gezogen. Während Wolfsburg die eigenen Unterzahlspiele bis dahin souverän über die Runden gebracht hatte, schien Straubing mit dem Powerplay der Gastgeber etwas überfordert zu sein...und geriet zum dritten Mal in Unterzahl (30.).
Kaum hatten sie diese glimpflich überstanden, wanderte der nächste Tiger auf die Strafbank. Doch diesmal feilten die Grizzlies, sehr zum Leidwesen der Gäste aus Bayern, erneut an ihrer überragenden Quote: Marco Rosa netzte diagonal zum, scheinbar vorentscheidenden, 3:0 ein (34.) und stellte die Ausbeute damit auf sagenhafte 75 Prozent!
Doch die mittlerweile für ihre außergewöhnliche Einstellung bekannten Tigers steckten noch lange nicht auf, forcierten ihre Bemühungen nun ein weiteres Mal anstatt den Dingen ihren Lauf zu lassen. Nicht einmal zwei Minuten später sollte dies bei angezeigter Strafe gegen Wolfsburg zum 3:1 durch Canzanello führen, dessen Schuss erst wenige Zentimeter hinter der Linie von Wolfsburg Fauser retourniert werden konnte. Nach Videobeweis zählte der Straubinger Treffer und die Gäste schnupperten spür- und sichtbar Morgenluft.
Nach Wolfsburgs drittem Treffer hatte Gästecoach zudem ein weiteres Signal gesetzt und Newcomer Strahlmeier im Kasten der Tigers gegen Routinier Bacashihua, kurz „Cash“ genannt, ausgetauscht. Das Team zeigte die gewünschte Reaktion!
So gestaltete sich auch der Schlussabschnitt keineswegs langweilig: Wolfsburg ließ nun in Sachen Intensität (bis auf wenige Ausnahmen) deutlich nach, Straubing riss im Gegenzug somit weitere Spielanteile an sich und machte sogar Zählbares daraus!
Schon nach vier Minuten hieß es folglich nur noch 3:2 aus Grizzlysicht, denn Ondruschkas Blueliner hatte den Weg ins Netz der Grizzlies gefunden. Wolfsburgs Goalie hatte in dieser 4 gegen 4 Situation beim Schuss des Youngsters nicht die beste Figur gemacht, zeigte sich in der Folgezeit aber gänzlich unbeeindruckt.
Straubing drückte weiter, Wolfsburg hielt mit Mühe und Not der letztlich selbst verschuldeten Situation stand. Als die Grizzlies dann doch wieder einen Gang hochschalten konnten, öffnete sich das Spiel zusehends. Beide Teams suchten nun die Entscheidung, das Spiel ging coast to coast auf die Zielgerade – mit dem besseren Ende für die Hausherren. 
In einer dieser von schnellen Kontern geprägten Situationen war es schließlich Sebastian Furchner, der mit seinem trockenen Handgelenksschuss ins lange Eck die Partie zugunsten seiner (ungewohnten) Farben entscheiden konnte (56.). 
Das 4:2 durch Wolfsburgs pfeilschnellen Torjäger konnten letztlich auch die mental so robust auftretenden Tigers nicht spurlos quittieren, so dass die Schlussphase eher einem Warten auf das empty net goal glich, als das die Bemühungen der Gäste irgendwen noch nervös gemacht hätten.
Der Abschluss dieses mitreißenden Abends gelang dann schließlich in Form der von Keeper Vogl angestimmten „Humba“ mit dem neuformierten Fanblock in der Kurve. Auch wenn der nächste Anlauf am ungeliebten Dienstag wohl etwas schwieriger aussehen dürfte – blieb der Eindruck eines insgesamt gelungenen Experiments, das durchaus zur Dauerlösung werden könnte. 
 
 
Teamcheck
 
Tor
Bis auf Gegentor Nr.2 in keiner Situation auch nur ein Hauch von Unsicherheit zu erkennen. Als starker Rückhalt und spürbar motiviert aus der Pause gekommen, macht Vogl Hoffung auf die aus der Vorsaison bekannten Leistungen. Im Blick auf die anstehenden Spiele (inkl. Play-offs) eine äußerst wichtige Entwicklung.  
 
Verteidigung
Rückkehrer Wurm zeigte sich verbessert, Nick Schaus spielt erneut auf gutem Niveau!
Auch Hambly scheint weiter in Richtung alte Form unterwegs zu sein, die Pause hat also allen Sorgenkindern nach zuletzt ansteigender Form noch einmal zusätzlich gut getan. Hoffentlich.
In den kommenden Partien gilt es nun diese Tendenz weiter zu bestätigen.
Besonders Schaus’ Entwicklung und die Rückkehr seines Kollegen Aubin heizen somit den Kampf um die Kontingentstellen ordentlich an. Aus Trainersicht geradezu ideal!
 
Sturm
Brent Aubin ist wieder da – und mit ihm kehren Überzahlspiel und vor allem Marco Rosa in den Mittelpunkt des Geschehens zurück! Wolfsburgs Torjäger zeigte sich dabei natürlich noch nicht wieder in Topform, doch allein seine Anwesenheit scheint den Grizzlies die kleine Portion Extragalle zu verpassen, die in den vergangenen Wochen so oft gefehlt hat. Aber auch Rückkehrer Mayer glänzte durch Härte und Willen und verlieh dem Team somit den nötigen Biss. Apropos Galle: Besonders die deutschen Stürmer in Reihen der Grizzlies zeigten in den ersten 40 Minuten eine unglaublich griffige Vorstellung und gaben den als kampfstark bekannten Tigers damit ihre eigene Medizin zu schmecken. Gerrit Fauser hielt die Gangart als einer der Wenigen sogar bis ins Schlussdrittel durch und geriet immer wieder mit Gästespielern aneinander. Wichtigste Erkenntnis aus diesem Spiel dürfte die Effizienz der Grizzlies sein, die immer dann anspringt, wenn die Intensität stimmt. Stichwort Powerplay: Wenn Wolfsburg sich bei Überzahl eben so schnell wie bei 5 gegen 5 bewegt, dann sind sie kaum zu stoppen. Hoffentlich ist die Zeit der Leistungslöcher nun überwunden, obwohl: Das letzte Drittel... man könnte schon wieder ins Grübeln geraten. 
Besonders schön: Auch Streichkandidat Milley, der nur aus dem Spielereingang zusehen durfte, wurde der Abend noch ein wenig versüßt. Vom Fanblock mit Gesängen bedacht, durfte Wolfsburgs Dauerbrenner schon während des Spiels ein wenig feiern und klatschte im Graben mit der ersten Reihe des Fanblocks sichtlich gerührt ab. Vielleicht darf er ja schon am Dienstag wieder ran. mb