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VF2 EHC - Red Bull München 3:2

Verkehrte Welt  in den Play-offs
 
Gleich zum Start der regulären Play-offs zeigt sich wieder, was die Fans so an dieser „Jahreszeit“ lieben: Alles, was während der Saison einmal war, ist nun Vergangenheit. Niemand darf sich seiner Sache zu irgendeinem Zeitpunkt sicher sein. Diese Lektion durften die Gäste aus München auch im zweiten Aufeinandertreffer mit ihrem vermeintlichen Lieblingsgegner aus Wolfsburg noch einmal ausgiebig verinnerlichen. Der Ligakrösus aus dem Hause Red Bull hatte in der Hauptrunde gleich alle vier Partien gegen Wolfsburg gewinnen können und die Grizzlies dabei vor eigener Kulisse gleich zweimal mit 1:6 und 0:5 demütigen können. Die Rollen schienen, nicht zuletzt auch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der Münchner, klar verteilt. Doch die Grizzlies zeigten sich nicht nur im ersten Spiel als das Team mit der höheren Bereitschaft, auch die zweite Partie gehörte zunächst dem Gastgeber aus der Volkswagenstadt.
Dabei ließen sich die Niedersachsen auch von einer frühen Strafe gegen Matt Diesel (0:16) nicht aus dem Play-off Modus bringen, legten gleich nach Ablauf der zweiminütigen Unterzahl los wie die vielzitierte Feuerwehr.
Mit einer schier brutalen Laufleistung jedes einzelnen Akteurs setzte das Wolfsburger Forechecking den Gast derart unter Druck, dass Abspielfehler und Fouls der roten Bullen nur eine Frage der Zeit waren. Gleich den ersten Versuch im Powerplay nutzten die Grizzlies dann auch zu einem, zugegeben etwas untypischen, Überzahltreffer. Verteidiger(!) Schaus hatte an der gegnerischen blauen Linie auf ein Anspiel aus dem eigenen Drittel gelauert, während die Münchner Penalty-Killing Einheit das Unterzahlspiel irgendwie etwas zu offensiv ausgelegt hatte. Aubins langen Pass konnte Schaus zwar annehmen, stolperte allerdings beim Antritt und konnte nur im Fallen an die Schoner des Münchner Goalies abschließen. Den Rebound versenkte zur allgemeinen Freude sein Kollege Rosa aus dem Hintergrund (4.) – Wolfsburg war voll im Geschäft!
Unterbrochen von einer weiteren Unterzahlsituation dominierte der heimische EHC das Geschehen auf dem Eis weiter bis zur ersten Drittelpause. Dabei ernteten Wolfsburgs Cracks ein ums andere Mal sogar Szenenapplaus, als sie ihre Gegenspieler mit wuchtigem Körperspiel in die Banden beförderten – alles im Rahmen des Erlaubten natürlich.
Auch im Mitteldrittel sollte sich das Geschehen auf dem Eis nicht grundlegend ändern. Wieder war es das Wolfsburger Forechecking, das den nächsten Torerfolg der Grizzlies nach sich zog. Und wieder beteiligt: Wolfsburgs Aubin, der seinem Gegenspieler Sparre den Puck neben dem eigenen Gehäuse abnehmen konnte. Aubins direkt folgenden Abschluss konnte Florian Hardy zwar noch parieren, den Nachschuss jedoch drückte der aufgerückte Mulock (29.) eiskalt zum 2:0 über die Linie.
Wenig später trübte sich die ausbrechende Partylaune leider etwas ein: Rund zwei Minuten nach Mulocks Treffer übertrieb es Wolfsburgs Nick Schaus, wie schon in Spiel 1, mit der dargebotenen Härte und kassierte somit die zweite 2+10 Strafe wegen Checks gegen den Kopf. Nicht nur, dass München die folgende Überzahl zum 2:1 Anschluss durch Daniel Sparre (32.)nutzen konnte, Verteidiger Schaus handelte sich außerdem mit der zweiten Disziplinarstrafe eine automatische Sperre für das dritte Spiel der Serie ein. 
Das Spiel wurde nun zusehends offener, München schien langsam in den Play-offs anzukommen... und kassierte die nächsten Strafen. Die erste dieser Strafen ging im direkten Anschluss an das 2:1 noch relativ glimpflich für die Gäste aus, doch gegen Ende des Drittels wurde es für München richtig eng. Gleich zwei Akteure der Gäste nahmen in der 38. und 39. Minute auf der Strafbank Platz und Wolfsburg zog sein gefürchtetes Powerplay auf. Doch bis zur Sirene schien es wie verhext: Spielzüge und Struktur passten, doch der Abschluss wollte einfach nicht gelingen! Lediglich 37 Sekunden Reststrafe und die Frage, ob sich diese Nachlässigkeit rächen würde, begleiteten die Gastgeber schließlich in die Kabinen.
Sie sollte sich nicht rächen. Nach exakt 38 Sekunden nutze Wolfsburgs Tim Hambly die letzte sich bietende Gelegenheit und feuerte den Puck aus der Powerplayformation von der blauen Linie aus in die Maschen. Dieser verdeckte Schuss zum 3:1 hätte nun eigentlich die Schlussoffensive der Gäste frühzeitig einläuten sollen. Aber München blieb auch im letzten Drittel eher durch Konter gefährlich und berannte den Wolfsburger Kasten erst in den Schlussminuten mit der lange vermissten Intensität. Zusätzlich gut aus Wolfsburger Sicht: Einmal mehr sollte „Felix the Cat“ Brückmann den Sieg für die Grizzlies festhalten. Sämtliche Konter und unübersichtlichen Situationen vor seinem Kasten bereinigte der Wolfsburger Goalie mehr als souverän und gab seinen Vorderleuten dabei zur jeder Zeit die benötige Ruhe. Lediglich in den bereits erwähnten Schlussminuten musste er einen krachenden Schlagschuss von Münchens „Sniper“ Richie Regehr passieren lassen (59.). Zu diesem Zeitpunkt hatten sich allerdings bereits zwei Wolfsburger durch eher dumme Regelwidrigkeiten auf die Strafbank verabschiedet und Münchens Goalie hatte ebenfalls das Eis verlassen. Auch wenn Münchens Trainer Don Jackson in der Nachbetrachtung diese Schlussphase als einen Weg in die Serie bewertet sehen wollte: Wenn München erst den Goalie vom Eis nehmen und mit 6 gegen 3 spielen muss, um wirklich intensiv ins Geschehen einzugreifen, dürften noch einige interessante Spielverläufe auf uns zukommen. Bei 5 gegen 5 blieben derartige Tendenzen bis dahin nämlich Mangelware auf Seiten der hochbezahlten Prominenz aus dem Süden. Zum Abschluss dieser spannenden Endphase baten die Herren Smaby und Krupp einander noch zum Tanz, wobei aber nicht abschließend geklärt werden konnte, wer nun die Führung übernehmen durfte. Je einen „Niederwurf“ später ging es für beide frühzeitig zum Duschen, sechs Sekunden später durften sie auch schon zurück zu ihren Kollegen. 
Gut gelaunt, aber keinesfalls zu euphorisch verabschiedeten sich die Cracks von der Aller bei ihren ausgelassen feiernden Fans und dürften sich mittlerweile bereits auf dem Weg gen Süden befinden. Auf dem Weg zur nächsten Überraschung?
 
Teamcheck
 
Tor
Die Katze macht erneut ihrem Namen alle Ehre. Geschmeidige Beinarbeit, reaktionsschnelle Fanghand und hin und wieder auch das nötige Glück – das hatte schon etwas Katzenhaftes!
Gerade die entschärften Münchner Alleingänge – einziges Mittel der Gäste an diesem Abend – entschieden die Partie zugunsten der Grizzlies. Starker Rückhalt und ganz wichtiger Faktor für die bisher so positiv verlaufenden Play-offs!
 
 
Verteidigung
Sieht in einem insgesamt hart und schnell auf den Mann spielenden Team immer recht gut aus. Trotzdem sind die Leistungssteigerungen der deutschen Akteure ungemein erfreulich. Besonders ein Wurm nahe Bestform und ein Keller auf völlig neuem Niveau machen Riesenspaß!
Einziger Wermutstropfen: Tim Hambly, Gamewinner hin oder her, spielt seit Wochen weit unter seinen defensiven Möglichkeiten. Auch in dieser Partie mit haarsträubenden Aussetzern – nicht nur beim ersten Treffer der Gäste. Immer wieder landet der Puck auch unbedrängt beim Gegner, immer wieder gerät der Wolfsburger Aufbau durch Ungenauigkeiten ins Stocken. Hoffentlich findet der sonst so sichere Defensivkünstler bald zurück zur gewohnten Stabilität. Der Ausfall des gesperrten Schaus macht dies mehr denn je erforderlich!
 
Sturm
Während die aktuelle Paradereihe um Kapitän Haskins ihre zahlreichen Chancen reihenweise über den Kasten jagte bzw. Haskins selber nicht einen Puck aufs Tor brachte (Stichwort: „Torumrundung“), hatten Wolfsburgs Reihen Nr.2 und 3 offenbar mehr Zielwasser getrunken. Vor allem Brent Aubin zeigte seinem ehemaligen Arbeitgeber im zweiten Anlauf, was ihm verlorengegangen ist. Vielleicht gelingt ihm im dritten Anlauf sogar der erste Treffer dieser Serie – rein statistisch ist der nämlich längst überfällig...
Aber auch die vierte Reihe, geführt vom immer besser in Schwung kommenden Vinzenz Mayer, ließ nichts anbrennen. Im Gegenteil: Gerade Mayer setzte im Laufe des ersten Drittels die eine oder andere „Duftmarke“, erntete dabei sogar Szenenapplaus als er seinen Münchner Gegenspieler in die Bande krachen ließ.
Insgesamt die Art von Hockey, die wir lange in dieser Saison vermissen mussten. Bitte noch viel, viel mehr davon! mb

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