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HF4 EHC - Mannheimer Adler 3:5

Großer Sport und schwache Schiris

Dass es am Ende so schwer fällt, der überlegenen Mannschaft zum Gewinn der Serie zu gratulieren, ist kein Verschulden der Adler. Das muss einmal festgehalten werden, auch, wenn dem Ligakrösus immer ein wenig der Verdacht des Sonderstatus anhaftet. Vielmehr scheint das Schiedsrichterwesen hierzulande ein Problem mit der konsistenten Anwendung der Eishockeyregeln auf das qualitativ hochwertige und sehr intensive Spiel der Mannheimer zu haben. Mal sind Torraumabseits und Checks mit Anlauf (charging) ohne erkennbare Linie in der Verlosung, dann sind es Aussetzer wie im letzten Drittel in Spiel 4 dieser Serie, die einem letztlich den Spaß am schnellsten Mannschaftssport der Welt zu vergällen drohen. Warum das bis dahin absolut im Normbereich agierende Profiduo Brüggemann/Piechaczek in besagtem letzten Drittel von seiner Linie abging und komplett die Sanktionierung der Mannheimer Mannschaft einstellte, bleibt indes ein Rätsel. Erklärungsversuche laufen letztlich auf das in der Liga verbreitete „Ausgleichen“ der vergebenen Strafen und das Unterbinden der CHL Teilnahme der ungeliebten und wenig zuschauerträchtigen Grizzlies hinaus. Sportlich betrachtet wären die Gäste mit mindestens zwei zusätzlichen Strafen noch mehr als gut bedient, die Grizzlies allerdings weiter im Spiel gewesen.
Zum Auftakt der Begegnung bot sich ein fast schon aus der Serie gewohntes Bild: Wolfsburg startete munter ins Geschehen, Mannheim wirkte eher abwartend und kam durch Konter zu guten Gelegenheiten.
So auch gleich im ersten Überzahlspiel der Partie (1.), als Mauer ein Break gegen den erneut glänzend aufgelegten Brückmann nicht verwandeln konnte. Der Weckruf hatte wohl gesessen, denn mit Ausnahme des völlig derangiert wirkenden Björn Krupp steigerten die Hausherren ihre Konzentration nun deutlich sichtbar. Nur einen bekamen sie nie in den Griff: Kai Hospelt, Ex-Grizzly und Nationalstürmer, hielt mit seinen Laufwegen und Abschlüssen den Wolfsburger Anhang konsequent in Atem. Sein Pfostenknaller kurz vor der ersten Pausensirene schickte die Partie schließlich mit 0:0 leistungsgerecht in die erste Unterbrechung. Leistungsgerecht deshalb, da Wolfsburg zwar nicht die wirklich besseren oder zahlreicheren Torchancen verbucht hatte, aber gegen einen geradezu hampelig verstört wirkenden Endras nur mit viel Pech kein eigenes Tor markieren konnte.
Und wieder nahm die bereits bekannte Dramaturgie Fahrt auf. Ausgerechnet Matt Diesel sollte dabei zunächst eine der Hauptrollen übernehmen. Der Kanadier, dessen Vertrag in Wolfsburg offenbar nicht verlängert werden soll, zeigte erst einmal, warum sein Abgang vermutlich kein tränenreicher auf Seiten der Grizzlies wird. Gleich zwei Überzahlspiele „sabotierte“ der Diesel in seiner gewohnt dusseligen Art durch unnötige Strafen und verwandelte sie in 4 gegen 4 bzw. Unterzahlsituationen. Wobei der zweite Pfiff wegen Behinderung (29.) schon leichten Slapstick-Charakter gehabt hatte. Wie zum Trotz zeichnete sich der Diesel mit seinem Treffer zum 1:0 (31.) und seiner Vorlage zu Milleys Powerplaytor (33.) für die stärkste Phase der Grizzlies verantwortlich und schickte die Fans in orange damit auf die nächste Achterbahnfahrt dieser Serie. Und es sollte noch besser kommen: Nicht wenige in der Halle hatten sich, mit einem Augenzwinkern natürlich, wohl die Aberkennung des 3:0 gewünscht (39.) - doch Furchners satter Schuss in den Winkel fand in der Videoanalyse zurecht keine Beanstandung. Erleichtert durch Mannheimer Disziplinlosigkeiten hatten die Grizzlies ihre Überzahlgelegenheiten ordentlich nutzen können, Furchner hatte dabei eine Sekunde nach Ablauf einer Strafe noch rechtzeitig zugeschlagen. Erfreut und doch etwas skeptisch ging es mit diesem bekannten Vorsprung und fast zwei Minuten Restüberzahl in die zweite Unterbrechung.
Eine Strafe wegen Beinstellens gegen Wagner (42.) sollte allerdings den Schlusspunkt unter dieses Kapitel in der Geschichte des Spiels setzen.
Nachdem Wolfsburg schon in diesem Überzahlspiel nicht mehr sinnvoll ins Drittel der Gäste eingedrungen war, sollten sie bis zum Schlusspfiff auch kaum noch Gelegenheit dazu bekommen. Erst wanderten Likens und Rosa in kurzem Abstand auf die Strafbank (45.) – das 3:1 durch Plachta ließ im hervorragenden doppelten Überzahlspiel der Gäste nur 11 Sekunden auf sich warten. Dann verabschiedete sich Norm Milley für stolze 16 Sekunden auf die Strafbank (49.) – 3:2 durch Routinier Hecht im einfachen Powerplay, wieder am langen Pfosten freistehend eingelocht. Als schließlich die nächste Strafe gegen die Grizzlies (52.) gerade abgelaufen war, vollstreckte Mannheims Foster mit einer Kopie des dritten Wolfsburger Treffers aus dem hohen Slot zum Ausgleich (54.). Der Wahnsinn nahm, unter etwas geänderten Umständen, seinen bekannten Lauf. Geänderte Umstände daher, dass teils klarsten Mannheimer Regelverstößen (Haken und Beinstellen direkt vor den Augen der HSR) in schöner Regelmäßigkeit der Pfiff gegen die Heimmannschaft folgte. Kein Wunder, dass den Grizzlies auf den Rängen kollektiv der Hals platzte, größere Ausschreitungen aber wohl aufgrund des hoffnungslosen Stands der Serie ausblieben. Ein derart tendenziöses Auslegen der Regeln in einem Spiel 7 hätte wohl auch im eher friedlichen Wolfsburg für weitaus unschönere Szenen gesorgt. Unnötig und sehr schlecht geleitet von zwei angeblichen Profis unter den deutschen Schiedsrichtern, die im ersten Spielabschnitt in Sachen „Wir wissen, wie Torraumabseits geht“ den Schiedsrichterbeobachtern eine fast schon komödiantische Aufführung geboten hatten.
Zwar blieben im Anschluss an das 3:3 die Arme der Schiedsrichter endlich auch wieder auf Seiten der Grizzlies unten, das Spiel indes schien gelaufen. Die besseren Chancen waren nun endgültig nur noch auf Seiten der Gäste, die nun mit entkräftet und mittlerweile auch demoralisiert wirkenden Grizzlies leichtes Spiel hatten.
Der groß aufspielende Ex-Kollege Hospelt schenkte seinen ehemaligen Wegbegleitern nach einem unaufmerksamen Wechsel schließlich das 3:4 ein, die verbleibenden 32 Sekunden nutzte Joudrey schließlich noch zum Schuss ins leere Tor.
Sichtbar entkräftet und reichlich fassungslos quittierten Spieler und Fans den vierten Sieg der Adler. Spiel 3 ausgeklammert hätte Wolfsburg mit etwas glücklicheren (auch regelkonform genannten) Entscheidungen wohl zumindest ein Spiel, wenn nicht sogar mehr in dieser packenden Serie gewinnen können. Vor allem die beiden Wolfsburger Heimspiele hinterließen insgesamt einen schalen Nachgeschmack und verhinderten somit die ein oder andere in Eishockeyfankreisen durchaus übliche versöhnliche gemeinsame Nachbetrachtung. Immer schade, wenn das Besondere am Eishockey nicht zum Tragen kommt und stattdessen Aggression und Enttäuschung die Oberhand gewinnen.


Teamcheck / Perspektiven

Tor
Felix Brückmann avancierte zum Ende der Hauptrunde und in den gesamten Play-offs zur unumstrittenen Nr.1 im Tor der Grizzlies. Eine Entwicklung, die offenbar nur durch seine zwischenzeitliche Verletzung etwas aufgehalten wurde. Dabei gewann er neben den Duellen mit Duba und Hardy vor allem den direkten Vergleich mit Nationalgoalie und Ex-Kollege Dennis Endras, der gegen Wolfsburg gleich reihenweise Kappen und Unsicherheiten präsentierte und vor allem Spiel 2 fast im Alleingang unterhaltsam gestaltete.
Mit Sebastian Vogl steht der „Katze“ auch in der nächsten Saison ein starker Konkurrent zur Seite, der in der abgelaufenen Runde allerdings nicht an die Konstanz vergangener Tage anknüpfen konnte.
Fazit: Auf der Torhüterposition sind die Grizzlies auch 15/16 bestens aufgestellt!

Verteidigung
Lange Zeit das Sorgenkind im Kader der Grizzlies, hatte sich die Defensivabteilung gegen Ende der Saison deutlich stabilisiert. Vor allem Nick Schaus und Kilian Keller machten, spät aber nicht zu spät, den wichtigen nächsten Schritt in ihrer Entwicklung und zeigten beide deutlich verbesserte Leistungen. Was mit dem sonst absolut solide auftretenden Björn Krupp an diesem Abend los war, bleibt zu klären. Mit einem halben Dutzend gefährlicher Fehlpässe im eigenen Drittel und einer Körpersprache nahe am Burn-out, kann eigentlich nur von gesundheitlichen Problemen ausgegangen werden. Vielleicht hatte er ja auch vor der Partie erfahren, dass er zurück nach Köln muss ;) Die kommenden Wochen werden wohl schnell Aufschluss darüber geben.
Klarer Kandidat für einen Abgang ist dagegen Tim Hambly, dessen Formkurve in den letzten Woche steil bergab ging. Der als Stabilisator geholte Routinier wirkte als genaues Gegenteil sowohl im Powerplay als auch bei 5 gegen 5.
Fazit: Mit Likens, Bina und Wurm haben genau die richtigen Akteure weiter Vertrag bei den Grizzlies. Kilian Keller sollte auf jeden Fall gehalten und weiter aufgebaut werden. Am Ende der Saison zählte der Youngster zu den besten und zuverlässigsten Akteuren im Team der Grizzlies und hat in den Play-offs seine Feuertaufe mehr als nur bestanden!
Die kolportierten Neuzugänge Seifert und Reis lassen allerdings zusammen mit der noch möglichen Verlängerungen von Schaus bisher keinen qualitativen Fortschritt in diesem Mannschaftsteil erahnen. Dazu müssten vermutlich zwei echte Kracher auf den Ausländerpositionen dazukommen. Finanziell erscheint dies eher unwahrscheinlich – leider.

Sturm
Auch hier haben mit Haskins, Furchner, Höhenleitner, Mulock, Voakes, Fauser, Mayer, Aubin und Rosa die Spieler einen weiterhin gültigen Vertrag, die die insgesamt überzeugendsten Leistungen abgerufen haben. Lediglich Aubin fand nach seiner Verletzung nicht wieder zu alter Stärke, Mark Voakes verpasste die zweite Saisonhälfte verletzt und wurde vor allem in Überzahl schmerzlichst vermisst. Vinzenz Mayer konnte ebenfalls wegen einer langwierigen Verletzungen an einem Großteil der Saison nicht teilnehmen, überzeugte aber bis zu seinem erneuten Ausfall gegen die Adler.
In diesem Mannschaftsteil konnte sich mit Sergej Stas nur ein Akteur für eine Vertragsverlängerung empfehlen. Erst auf der Zielgeraden der Saison zeigte der Wolfsburger Neuzugang das Potential, welches die Verantwortlichen der Grizzlies bei ihm erkannt haben wollen. Sicherlich neben Keller 2015 die zweite positive Überraschung bei den Grizzlies.
Der immer langsamer werdende Norm Milley und Matt „Dumme Strafzeit bei eigener Überzahl“ Diesel werden die Grizzlies zur nächsten Spielzeit verlassen. Nach vielen schönen Jahren fällt der Abschied zwar schwer, doch der Zeitpunkt scheint aus sportlicher Sicht weise gewählt.
Eine Verlängerung mit dem solide agierenden Christian Neuert könnte z.B. als 13.Stürmer durchaus Sinn machen, sportlich blieb der große Schritt aus der 3.Liga bis zum Schluss deutlich sichtbar. Mit etwas mehr Selbstvertrauen könnte da sogar noch deutlich mehr drin sein.
Mit Polo verlässt den EHC eine echte Kampfsau. Nie der große Scorer, aber immer eine Pest für den Gegner. Ihn zusammen mit Wietfeld und Regan in einer Reihe - die Gegner hätten reihenweise Schaum vorm Mund gehabt. Mach’s gut Polo! Auch wenn einige es nicht wahr haben wollen: Du wirst uns und dem Team fehlen!
Eine Verlängerung mit Tyler Scofield verbietet sich eigentlich von selbst. Jemand, der mangels Körpermasse seine Ausrüstung fast in Juniorgrößen kaufen kann, hat langfristig in der DEL nichts verloren.
Fazit: Mit Voakes, Haskins, Rosa und Fauser ist man auf der Centerposition außergewöhnlich gut aufgestellt. Betrachtet man sich die übrigen Winger (5) plus Stas als optionale Verlängerung, dann fehlen den Grizzlies zur neuen Saison 2-3 Neuzugänge im Offensivbereich. Ein Qualitätssprung im engeren Sinne ist meiner Meinung nach nicht unbedingt erforderlich. Was den Grizzlies tatsächlich fehlt, ist Körperspiel vor dem gegnerischen Tor und insgesamt etwas mehr Physis in ihren Reihen. Zwei echte Power Forwards würden unser Team gut abrunden und auch Serien gegen Gegner wie Mannheim oder Hamburg aussichtsreicher gestalten. Das ohnehin schon gute Überzahlspiel würde von einem Klotz vor dem gegnerischen Goalie zusätzlich profitieren. Leider ist dieser körperlich robuste Spielertyp meistens nur in der etwas zu langsamen Ausgabe bezahlbar...

Man sieht: Ein wenig Spannung in Sachen Kaderzusammenstellung wird in den kommenden Wochen und Monaten noch geboten. Jedoch steht das Team im Tor und im offensiven Bereich in weiten Teilen bereits fest. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Verpflichtungen in der Defensive über Verbesserung oder Verschlechterung zu dieser letztlich guten Saison entscheiden werden. Diese Veränderungen werden sich vermutlich (aus finanziellen Gründen) aber nur in einem relativ kleinen Maßstab bemerkbar machen. Ich lasse mich, wie so oft bei unseren Verantwortlichen, aber gerne wieder positiv überraschen! In diesem Sinne:

Bis zur nächsten Saison. mb

 

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