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EHC - Eisbären Berlin 2:3

Zu wenig Offensivpower kostet Punkte 
 
Nach dem Aufeinandertreffen (4:3 Sieg der Grizzlys) in der Vorbereitung ging es nun ins erste Punktspiel gegen die Eisbären aus Berlin. 
Was den rund 3150 Zuschauern dort geboten wurde, durfte sich mit recht als Spitzenpartie bezeichnen, in der Tempo und Abwechslung Trumpf waren.
Ohne viel Umschweife legten dann auch beide Teams los, setzten die gegnerischen Abwehrformationen sofort massiv unter Druck und kamen beiderseitig zu guten Einschussmöglichkeiten. Doch zunächst sollten Torhüter und Defensivkünste die Oberhand behalten. Trotzdem, oder gerade deswegen, wusste das Spiel alle Anwesenden in seinen Bann zu ziehen. Spätestens, als Berlin in der 16.Minute durch Darin Olver das 0:1 markieren konnte und die Antwort der Grizzlies keine zwei Minuten auf sich warten ließ, kochte die Stimmung wie in fast jedem Bärenduell ordentlich hoch.
Hatte der Gast zunächst vorgeführt, wie Powerplay funktioniert, so bewies mit Jens Baxmann ebenfalls ein Eisbär Torriecher auf der anderen Seite des Eises. Komplett unhaltbar hatte der Berliner Verteidiger einen scharfen Querpass von Wolfsburgs Voakes unter die Latte des eigenen Gehäuses gelenkt (17.) – die Halle stand Kopf!
Leistungsgerecht ging’s mit 1:1 in die erste Pause
Voller Vorfreude kehrten die Fans beider Lager auf die Tribünen zurück, und sie sollten nicht enttäuscht werden.
Mit Vollgas ging’s weiter munter hin und her. Erst übernahmen die Hausherren das Kommando, dann wieder die Gäste. Mitten in eine Drangphase der Eisbären fiel dann der lang ersehnte Führungstreffer der Grizzlys: Urgestein Christoph Höhenleitner, bereits in der Vorbereitung auffällig in Sachen Torgefahr, vollstreckte seine Konterchance eiskalt in den Winkel (33.) zum absolut verdienten 2:1.
Doch ebenso wie sich die leichte Überlegenheit der Grizzlys wie ein roter Faden durch die Partie zog, blieb auch das absolut überzeugende Überzahlspiel der Gäste eine Konstante dieser Begegnung.
Keine zwei Minuten später stand es auch schon wieder 2:2, Gästeteam und Gästefans (weit über 500) nach Gervais abgefälschtem Hammer erneut im Stimmungshoch. Mit diesem, aus Eisbärensicht etwas glücklichen, 2:2, ging es zum zweiten Mal in die Kabinen.  
Glich der Auftakt des Schlussdrittels noch dem bisher Gesehenen – Wolfsburg leicht überlegen, Berlin aber keineswegs eingeschnürt oder in größter Not, so wandelte sich ausgerechnet nach einem weiteren Treffer der Gäste dieser Eindruck grundlegend.
Erneut Olver hatte in der 46.Minute seine Farben mit seinem zweiten Tor mit 2:3 in Führung gebracht. Jede Menge Zeit für die Grizzlys also, um dem Spiel noch die gewünschte Wendung zu geben. Doch die Gäste übernahmen nun zum ersten Mal wirklich deutlich die Kontrolle über die Begegnung...und gaben diese bis kurz vor Schluss auch nicht wirklich wieder her.
Wolfsburg kämpfte zwar spürbar gegen die drohende Niederlage an, konnte aber gerade in den letzten 10 Minuten des Spiels einfach keine überzeugenden Offensivaktionen entwickeln. So näherte sich diese sonst so unterhaltsame Partie auf eine etwas enttäuschende Art ihrem Ende – was die Eisbären natürlich herzlich wenig störte...
Im Gegenteil: Kurz vor Schluss, die Grizzlys hatten gerade ihre größte Ausgleichchance durch den freistehenden Sebastian Furchner vergeben, gab’s sogar noch Penalty für die Gäste. Wolfsburgs Goalie war nach Verlassen der Spielfläche für einen sechsten Feldspieler etwas zu schnell zurückgekehrt. Brückmann konnte zwar den dritten Treffer durch Darin Olver im direkten Duell verhindern, Wolfsburgs Niederlage hingegen konnte er damit nicht mehr abwenden.
Mit 2:3 gingen die Punkte komplett in die Hauptstadt - nach der dominant geführten Schlussphase nicht einmal unverdient.
 
Teamcheck
 
Tor
Brückmann weiter ohne Fehl und Tadel. Bei den Gegentreffern mangels Sicht komplett chancenlos, ansonsten wieder mit so einigen gelungenen Saves in höchster Not. Weiter ein starker Rückhalt für die Grizzlys.
 
Verteidigung
Insgesamt brauchbare Partie der Defensivabteilung. Krupp wirkte gegen das Team seines Vaters etwas übermotiviert, überzeugte aber wie schon in der Vorbereitung durch verbessertes Zweikampfverhalten. Hambly mit einer soliden Leistung neben Krupp, gab sogar die direkte Vorlage für Höhenleitners Führung. Die dumme Strafe, die zum 2:2 führte sorgte sogleich für etwas Relativierung...
Bina und Seifert weiter, meinem Empfinden nach, das sicherste und beste Duo der Grizzlys. Warum der bisher überzeugende Sharrow eine Pause gegen sein Ex-Team bekam, kann ich mir nicht wirklich erklären. Wallace stellte im Angriff jedenfalls keinen Mehrwert dar und Armin Wurm ist immer noch nicht auf der Höhe seiner eigentlich Leistungsfähigkeit. Seltsame Entscheidung, die mit Wurm und dem momentan ebenfalls nicht gerade gut aufgelegten Likens das schwächste aller Abwehrpaare hervorbrachte. Vom Grundsatz war allerdings wohl der kurzfristig erkrankte Reiss an der Seite von Likens geplant, so dass die gesehene Kombination eher aus der Not geboren war. Vielleicht bekommt statt Sharrow als nächstes einmal Jeff Likens eine Pause in der Verteidigung...
 
Sturm
Das Positive zuerst: Mark Voakes ist voll da! Nach der langen Verletzungspause drehte der Kanadier in Diensten der Grizzlys schon in den ersten Partien der Saison tüchtig auf und ist momentan schon wieder Topscorer der Wolfsburger. Wie lange er dieser Belastung standhält bleibt natürlich abzuwarten. Genauso erfreulich ist die Entwicklung unserer Nummer 21! Schon in der Vorbereitung (und eigentlich schon in den letzten Play-offs) deutete sich an: Die Kampfsau der Grizzlys trifft jetzt auch noch. Eiskalte Abschlüsse wie gegen die Eisbären und zuletzt im Spiel in Braunlage sind ein tolles Signal des Urgesteins, das vielleicht auch bald einen etwas länger gestalteten Vertrag bekommen könnte.
Leider erschöpfen sich die guten Nachrichten an dieser Stelle schon fast wieder. Die erste Reihe kombinierte ohne allzu häufig zum Abschluss zu kommen, die zweite Reihe mit Wallace funktionierte kein bisschen und der Rest der Abteilung „Attacke“ strahlte ebenfalls nur mäßig Torgefahr mangels zielstrebigem Kombinationsspiel aus. Das soll die gute Abwehrleistung der Eisbären keineswegs schmälern, aber da sollte mehr gehen. Kaum ein Akteur ragte mit einer irgendwie negativ gearteten individuellen Leistung heraus (Lubor Dibelka zeigte enormen Einsatz!), sondern vor allem das Fehlen des letzten Zugs zum Tor machte einen großen Teil des Problems aus, das besonders im Powerplay offenbar wurde. Viel Arbeit für Pavel, doch der Optimismus diesbezüglich überwiegt (bei mir) allemal. mb