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EHC - Iserlohn Roosters 2:4

Der Frust geht um in Wolfsburg

Selten bot ein Spiel so wenig Anlass, sich über den eigentlich Spielverlauf und etwaige Details, die zum Ausgang des Spiels geführt haben in aller Breite auszulassen.
Das Spiel ist in aller Kürze folgendermaßen beschrieben:
Wolfsburg spielte in den streckenweise etwas rar gesäten 5 gegen 5 Phasen der Partie offensiv chaotisch. Trotzdem brachte das Team von Pavel Gross dabei einiges auf das Tor der Gäste – blieb aber häufig ohne letzten Biss im Bereich vor dem Tor und somit ohne Erfolg.
Lediglich Widings Knaller zum 1:1 (19.) und der sehenswerte Sololauf von Marco Rosa (41.) bleiben hier positiv im Gedächtnis. Ansonsten nutzten die Gäste ihre wenigen Möglichkeiten eiskalt aus und bestraften fast jeden Fehler der Grizzlys.
Die drei Tore der Roosters im Auftaktdrittel (5., 13., 20.) stellten gegen die bemüht, aber unstrukturiert anrennenden Grizzlys bereits die Vorentscheidung dar. Das dritte Tor, praktisch mit der Pausensirene erzielt, brach den Hausherren bereits das Genick. Stets standen die Grizzlys dabei mit haarsträubend Stellungs- und Taktikfehlern Pate, machten es den Roosters schlicht zu leicht.
Bei den ohnehin in Sachen Heimspiele angeschlagenen Gastgebern löste die oben beschriebene Effizienz der Sauerländer obendrein so etwas wie eine stressbedingte Teilamnesie aus: Schlittschuhlaufen, um den Puck kämpfen und Schießen funktionierten zwar noch, doch der Zusammenhang der Aktionen und die Ordnung im Spiel gingen immer wieder verloren. Wenn mal so etwas wie Rhythmus aufzukommen drohte, schwächte sich der EHC durch überflüssige Strafen. Sei es der hitzköpfige Cross-Check durch Sergej Stas (5+20) in der 5.Minute, oder die zwei dummen Fouls von Torschütze Marco Rosa im Nachgang seiner genialen Einzelaktion zum 2:3 Anschlusstreffer.
Krupps Spieldauerstrafe (53.) direkt nach dem Anspiel nach Iserlohns Treffer zum 2:4 bewegte sich dabei irgendwo zwischen Frust und Pech – der Check hätte etwas besser getimed auch komplett ohne Folgen bleiben können. So setzte er den vorweg genommenen Schlusspunkt unter eine seltsam verkorkste Partie, die den Zuschauern in orange wenig bis keine Freude bereitet haben dürfte.
Was darüber hinaus nachdenklich stimmt ist, dass es dem Wolfsburger Anhang zusehends weniger gelingt die Stimmung auch nur ansatzweise in den Bereich jenseits der Kurve zu tragen. Der Gesang der durchgängig aktiven Wolfsburger Stimmungsfans verlief sich bereits auf Höhe der Gästekurve und Block 9, die restlichen Fans konnten oder wollten kaum bis gar nicht auf die Gesänge der Kurve eingehen. Ein gemeinsames Anpeitschen des Teams findet mangels hörbarer Trommeln seit dieser Saison fast nicht mehr statt – eine Qualität, die in Krisensituation wie in Druckphasen der Grizzlys in den letzten Jahren immer zum Tragen kam, scheint verloren.
Dass der Rest der Halle eventuell wenig bis null Spaß an so einem Nachmittag oder Abend hat, liegt wohl auf der Hand. Schade eigentlich.

Teamcheck

Tor
Undankbares Spiel für Sebastian Vogl, der erneut eine seltsame Vorstellung seiner Vorderleute „erwischte“. Ingesamt etwas zu viele Rebounds, bei den Gegentoren aber komplett schuldlos. Solide, im Gegensatz zu seinen direkten Vorderleuten.

Verteidigung
Hat jetzt bald jeder mit jedem gespielt? Robbie Bina hat jetzt jedenfalls bald alle durch, darf seit einigen Spielen mit Andy Reiss oder wer sonst noch so Zeit hat zusammen aufs Eis. Was Pavel Gross veranlasst hat, sämtliche Verteidigerpaare vom Saisonauftakt zu sprengen, bleibt sein Geheimnis. Die Folgen könnten jedenfalls nicht fataler sein. Nicht nur Teile des Sturms, sondern fast die komplette Abwehr funktioniert momentan nicht mehr reibungslos.
Hambly/Krupp, Bina/Seifert harmonierten wirklich ordentlich, wobei Seifert nach seinen (für mich nicht nachvollziehbaren) Nichtberücksichtigungen nun völlig neben sich steht und der Rest vermutlich aus Verwirrung irgendwann zu dritt aufs Eis springt. Für die Kombi Likens/ Reiss musste man schon irgendwie Risikofreak sein, das sehe ich durchaus ein, doch da hätte man ja mit Sharrow einen guten Ersatz gehabt. Ich sag es frei heraus: Mir ist total Wurst, ob da irgendwann zwei Rechts- oder Linksschützen zusammen auflaufen – Sicherheit sollen die beiden ausstrahlen. An Torgefahr bei Wolfsburger Verteidigern glaubt man doch seit Jahren nicht ernsthaft und ist dann bestenfalls positiv überrascht.
Und mal ehrlich: Was muss einen reiten bei 5 gegen 3 Überzahl Andy Reiss, teilweise sogar alleine, an die blaue Linie zu stellen? Nichts gegen Andy, aber wenn das taktisch unsere erste Wahl in so einer entscheidenden Situation der Partie ist, dann muss die Verzweiflung echt groß sein.
Einziger Vorteil der jetzigen Situation: Es kann eigentlich nur bergauf gehen, nachdem man nun alles auseinander genommen hat. Hoffentlich etwas schneller, als es momentan zu befürchten steht. Psychisch wirkt der eine oder andere jedenfalls schon etwas angegriffen – nicht nur wegen der zahlreicher werdenden Niederlagen.

Sturm
Herrje. Ein Treffer der ersten Reihe und ein Alleingang von Marco Rosa. Ansonsten teils chaotisches Anrennen, als würde man sich das erste Mal auf dem Eis begegnen. Gruselig anzuschauen und vermutlich auch für unser Team keine pure Freude. Die zunehmend eskalierenden Aggressionen von lange nicht berücksichtigten Spielern und/oder gefrusteten Vielspielern machen den Punktgewinn fast unmöglich. Obendrein präsentiert Marco Rosa sich als Reinkarnation des Diesels, ließ einem genialen Tor zwei saudämliche Fouls in der Angriffszone folgen. Ich freu mich total. Dabei scheinen die Zutaten für vier starke Reihen vorhanden, doch irgendwie findet das Trainergespann nicht die richtige Mischung.
Hoffentlich gelingt mit etwas Geduld doch noch die Integration der neuen Spieler und das alte Duo Rosa/Aubin (ganz, ganz schwach) findet endlich wieder zusammen.
Theoretisch sollten wir mit so genialen Zugängen wie Widing und Pfohl einen Top 6-Sturm stellen können. Praktisch sieht das bisher eher nach dem Gegenteil aus. mb