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EHC - Krefeld Pinguine 5:2

Die Reise gen Norden geht weiter

Mit dem Tabellenletzten aus Krefeld gastierte ein zuletzt arg gebeutelter Gast in Wolfsburg. Sechsmal in Folge hatten die Gäste in den vorhergehenden Partien das Eis als zweiter Sieger verlassen, sechsmal in Folge wollten die Grizzlys nun ihrerseits erfolgreich sein.
Coach Gross war unter der Woche nicht müde geworden, sein Team im Training und über die Presse vor dem KEV zu warnen, verwies dabei immer wieder auf die schmerzhafte 1:4 Niederlage im ersten Aufeinandertreffen in der Eisarena.
Fast schien es so, als hätten seine Worte das Team nicht wirklich erreicht. Zumindest der erste Spielabschnitt gestaltete sich dann, aus Wolfsburger Sicht, unerfreulich ausgeglichen. Die Pinguine störten dabei das Spiel des EHC mit allem was sie zu bieten hatten. Überraschend ohne ihren Kapitän Daniel Pietta angetreten, leisteten die Gäste aber nicht nur effektiv Widerstand, sie gingen durch Vasiljevs Treffer aus der 8.Minute sogar in Führung – praktisch mit dem ersten ernstzunehmenden Schuss auf das von Felix Brückmann gehütete Grizzlytor.
Fast wie in einer 1:1 Kopie des ersten Aufeinandertreffens liefen sich die Gastgeber bis dahin an der KEV-Defensive wund, ließen die wenigen guten Gelegenheiten dabei sträflich ungenutzt. Zwar kam der Gast aus der Seidenstadt nach seinem Treffer endlich auch spielerisch in die Partie, beschränkte sich nicht mehr nur aufs Zerstören des Wolfsburger Aufbauspiels, glücklich blieb die knappe Führung zur ersten Pause trotzdem. Besonders ärgerlich gestaltete sich bis dahin die Schiedsrichterleistung des Duos Schütz/Zehetleitner: Immer wieder brachten die mit der Wolfsburger Geschwindigkeit überforderten Gäste ihre Gegenspieler zu Fall, fast regelmäßig blieben beide Pfeifen stumm.
Doch: Alle bisher genannten Kritikpunkte sollte sich mit Anpfiff des Mitteldrittels in Wohlgefallen auflösen!
Der Spielabschnitt war gerade wenige Sekunden alt, da tauchte auch schon Wolfsburgs Tyson Mulock allein vor dem Kasten der Krefelder Gäste auf...und wurde prompt regelwidrig am Abschluss gehindert. Im Gegensatz zu so mancher Szene im ersten Drittel folgte nun der korrekte Pfiff – Wolfsburg durfte zum Penalty antreten. Die Vorfreude im weiten Rund war förmlich zum Greifen, hatten die Pinguine die Dummheit begangen ausgerechnet Wolfsburgs einzigen sicheren Penaltyschützen zu Fall zu bringen. Und genau so präsentierte sich dieser dann auch: Mit zwei kurzen aber effizienten Täuschungen ließ Mulock den Krefelder Goalie aussteigen und vollstreckte, fast schon selbstverständlich, zum 1:1 Ausgleich nach 17 gespielten Sekunden.
Und jetzt zündete der Grizzlyturbo! Der Dauerdruck der Grizzly trug fast rasend schnell Früchte. Zunächst traf der erneut überragende Mark Voakes nur das Lattenkreuz, eine Strafzeit (22.) gegen die überfordert wirkenden Gäste später klingelte es aber schon wieder hinter Krefelds Patrick Klein. Daniel Widing vollstreckte mühelos die geniale Vorarbeit seiner Powerplayformation zur 2:1 Führung und bat den Sünder auf der Gästestrafbank nach schmalen 21 Sekunden wieder zurück aufs Eis.
Nur um bei 4 gegen 4 wenig später den nächsten Punch zu landen! Furchners scharfer Querpass hatte in der 26.Minute in Andy Reiss einen äußerst dankbaren Abnehmer gefunden, stellte das 3:1 doch den Premierentreffer für den Neuzugang der Grizzlys dar.
Dank der tapferen Gegenwehr der Krefelder Gäste entwickelte sich ein äußerst ansehnliches zweites Drittel mit coast to coast Hockey der unterhaltsamsten Sorte. Erstaunlicherweise gelang keinem der beiden nun deutlich offensiver ausgerichteten Kontrahenten ein weiterer Treffer – mit 3:1 ging es in die zweite Unterbrechung.
Und wieder gelang den Grizzlys der Blitzstart! Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da erhöhte Wolfsburgs Furchner den Spielstand auf 4:1, hatte das genau Anspiel seines Kapitäns zielsicher per Direktabnahme in die Maschen bugsiert.
Jetzt schien den bisher so beherzt sich wehrenden Gästen ein wenig die Lust vergangen zu sein. Die Partie verlor in der Folgezeit ein wenig den Schwung, Wolfsburgs Publikum feierte längst den sechsten Sieg in Folge. Und sie hatten auch allen Grund dazu: Die Überlegenheit ihrer Lieblinge hatte sich, wie so oft in den letzten Begegnungen, in Toren niedergeschlagen – der Weg zum sechsten Sieg war tatsächlich frei. Zu spielschwach wirkten die Gäste letztlich, um ganze drei Tore an diesem Abend noch aufzuholen.
Doch die Grizzlys legten sogar noch einmal nach, kamen in Überzahl durch ihre überragende Formation um Mark Voakes zu einem weiteren Treffer. Voakes selber krönte seine Glanzleistung mit dem
5:1, musste exakt eine Minute später (51.) allerdings mit seiner Unterzahlformation das Krefelder 5:2 durch Andreas Driendl quittieren.
Für die letzten zehn Spielminuten schalteten die Gastgeber spürbar ein bis zwei Gänge runter, ließen die einfach zu harmlos agierenden Pinguine weiter dem hoffnungslosen Rückstand hinterherlaufen ohne das diese etwas Zählbares bewirken konnten.
Dem Jubel angesichts des sechsten Siegs in Folge tat diese „Auslaufphase“ trotzdem keinen Abbruch – und siehe da: Die zunächst so heimschwachen Grizzlys hatten offenbar heimlich die Raupe geübt! Oder machte sich da schon die Routine aus den letzten Heimspielen bemerkbar? ;)

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann gewohnt ruhig und sicher, hielt die Grizzlys nach dem Krefelder Führungstreffer mit schönem Save auf Schlagdistanz und leistete sich im Großen und Ganzen keinen Aussetzer. Beim zweiten Gegentreffer war nicht wirklich zu erkennen, ob ihm die Sicht blockiert war oder ob er einen rechtzeitigen Reflex schuldig blieb.
Insgesamt gewohnt klasse!

Verteidigung
Kaum steckt man Reiss wieder in die Verteidigung, schon fällt endlich sein erster Saisontreffer. Das freut mich wirklich sehr für den als Offensivverteidiger geholten Allrounder. Viel schöner ist aber, dass seine Defensivleistung ansprechend und ohne Flattereinlage über die Bühne ging!
Insgesamt ein solider bis guter Auftritt gegen das Kellerkind aus Krefeld. Wenn keiner auffällt, ist das meistens ein gutes Signal in diesem Mannschaftsteil...

Sturm
Viel Grund zur Freude bereitet momentan die Abteilung Attacke. Sei es der weiter hochklassig auftretende 1.Sturm um Kapitän Haskins. Sei es der zu alter Form auflaufende Voakes oder der immer torgefährlicher agierende Tyson Mulock, der seine Formkrise mittlerweile meilenweit hinter sich gelassen hat. Aber auch Fabio Pfohl scheint sich zu immer neuen Leistungshöhen aufzuschwingen, holte durch seine teils aberwitzigen Manöver zwei wichtige Strafzeiten heraus und stellt einfach mittlerweile spielerisch UND unterhaltungsmäßig einen absoluten Mehrwert dar. Einzig Brent Aubin wusste neben den wie aufgedreht agierenden Pfohl und Mulock nicht zu überzeugen – nicht auszudenken, wenn der Wolfsburger Torjäger doch noch zu alter Stärke zurückfinden sollte. Hoffentlich bekommt der sympathische „Kampfzwerg“ weiter das Vertrauen des Trainers geschenkt, damit auch er seinen Weg in dieses immer besser funktionierende Team finden kann. Jimmy Sharrow habe ich in der Abwehr jedenfalls nicht vermisst...mb