header
Log in
A+ A A-

EHC - Adler Mannheim 1:2 n.V.

1516 sp36 slide

Ein gefühlter Sieg bringt leider nie drei Punkte

Eine Erkenntnis, die den Wolfsburger Eishockeycracks in den vergangenen Tagen des Öfteren vor Augen geführt wurde. Hauptproblem: Die schon fast aberwitzig niedrige Torausbeute der keineswegs chancenlosen Grizzlys. In den vergangenen vier Partien, das Aufeinandertreffen mit den Adlern bereits eingerechnet, trafen das Team von der Aller stolze dreimal. Mit Fabio Pfohl und zweimal Gerrit Fauser trafen dabei zwei deutsche Stammkräfte für die Grizzlys, deren Paradereihe mit erheblichen Ladehemmungen zu kämpfen hat und die mit Aubin, Rosa und Voakes mittlerweile auf drei Kontigentspieler im Sturm verzichten müssen.
Gegen den Meister aus der Quadratestadt agierte das auf den Ausländerpositionen stark dezimierte Team folglich erst einmal etwas verhalten. In erster Linie um Kontrolle bemüht, vergaßen die Grizzlys das nötige Quäntchen Aggressivität, um dem körperbetonten Hockey der Adler die Dominanz zu nehmen. Kaum entwickelt jemand einen derartigen Impuls, so fand sich mit Sergej Stas der betreffende Jemand auf der Strafbank wieder. Zu allem Überfluss brachte diese erste Überzahl den Gästen auch prompt die frühe Führung: Jochen Hecht stocherte den Abpraller im druckvoll vorgetragenen Powerplay zum 0:1 über die Linie (5.), was die torarmen Grizzlys vermeiden wollten, war eingetreten. Zwar fand Wolfsburg zusehends von Minute zu Minute besser in die Partie, doch echte Torchancen blieben bis zur ersten Sirene Mangelware. Ein gefährlich abgefälschter Hambly-Schuss und ein Sololauf durch Fabio Pfohl blieben die einzigen wirklichen Offensivhighlights in einem von Wolfsburg etwas zu verhalten angegangenen Spielabschnitt. Eine eigene Überzahl war sogar ohne nennenswerte Chance vorübergangen...
Der Mittelabschnitt sollte da schon viel mehr nach dem Geschmack der rund 3500 Fans geraten. Nachdem die Gastgeber eine Reststrafe aus dem Auftaktdrittel schadlos über die Runden gebracht hatten, durften sie ab der 24.Minute endlich ihrerseits das Penaltykilling des Gegners testen. Und ab diesem Moment brachen Grizzlys auf dem Eis und auf den Rängen förmlich über die Adler herein. Von den eigenen Fans frenetisch angefeuert rollte Welle um Welle der Wolfsburger Angriffe gegen das Mannheimer Tor...und allesamt brachen sich an Dennis Endras. Trotzdem schienen Fans und Spieler des EHC nun richtig Gefallen an diesem Spiel gefunden zu haben. Weder die einen noch die anderen wollten bis zum zweiten Pausenpfiff, eigentlich sogar bis zum Schlusspfiff, sich auch nur eine Sekunde mit der drohenden Niederlage abfinden. Allein in den Minuten in und um das besagte Powerplay herum hatten die Grizzlys satte drei Hochkaräter zu verbuchen, die irgendwie nicht zu Toren führen wollten. Mal war Endras im Weg, mal sprang der Puck nicht auf die richtige Kelle, mal war der Platz im Slot verwaist –es war zum Verrücktwerden.
Kurz vor der zweiten Pause dann doch noch einmal die Gäste im Angriff – und gleich wie! Nach einem klasse Save durch Brückmann, der aus nächster Nähe entschärfen konnte, rettete schließlich der Pfosten vor einem weiteren Gegentreffer, der das Spiel weiter in eine durchaus schmeichelhafte Richtung für Mannheim gebracht hätte.
Was sich allerdings, wie so oft in Spielen gegen Mannheim, schon jetzt abzeichnete, sollte im Schlussabschnitt noch einmal deutlicher werden: Die Referees in der DEL sind mit dem qualitativ hochwertigen, aber eben auch grenzwertigen Körperspiel der Adler hin und wieder überfordert. Man wird häufig (vermutlich nur als gegnerischer Fan) das Gefühl nicht los, dass die Schiedsrichter so unglaublich stolz darauf sind, dass sie das harte aber legale Körperspiel der Adler zurecht nicht sanktionieren, dass ihnen die anderen Foularten gleich mal mit durchrutschen. Anders kann man die stets vorhandene Menge an nicht gegebenen Strafen aus der Kategorie Haken, Halten und Behinderung nicht erklären. Das hat einfach nichts mit gesunder Härte zu tun und verschafft den Kurpfälzern, leider nicht zum ersten Mal, einen nicht akzeptablen Vorteil.
Der letzte Spielabschnitt gestaltete sich ähnlich dem vorhergehenden. Die Grizzlys rannten, mal mehr mal weniger überzeugend, gegen die blauweiße Wand der Adler an, der Meister glänzte weiter durch brandgefährliche Konter. Letztlich war es Felix Brückmann zu verdanken, dass die Partie nicht schon frühzeitig durch eine dieser Aktionen entschieden wurde und die heimischen Fans bis in die Schlussphase weiterzittern durften. Hochkonzentriert und äußerst diszipliniert gingen beide Teams zu Werke, boten den Zuschauern dabei bestes Eishockey und Spannung pur. Erst, als wohl nur noch die wenigsten an ein Erfolgserlebnis für den Ein-Tore-Sturm ihrer Grizzlys glaubten, war es dann doch soweit. Felix Brückmann war gerade auf dem Weg aus seinem Tor (59.), um für einen letzten verzweifelten Versuch den Extrastürmer aufs Eis zu schicken, da ließ Gerrit Fauser mit seinem späten Treffer doch noch einmal das Dach von der Hütte springen!
Jeff Likens hatte den schon in Augsburg erfolgreichen Fauser punktgenau in Szene gesetzt und somit die volle Pumkteausbeute der Adler verhindert.
Schade bloß, dass die Overtime bereits nach 42 Sekunden ein jähes Ende fand. Mannheims auffälligster Spieler, Ryan MacMurchy, hatte einen Konter knochentrocken eingenetzt und den Gästen zumindest den Zusatzpunkt gerettet. Schwacher Trost für die Grizzlys: Die nun punktgleichen Adler kommen aufgrund des schlechteren Torverhältnisses noch nicht an ihnen vorbei. Sollten die Wolfsburger aber nicht umgehend wieder mit dem Toreschießen anfangen, wird dies wohl nur eine Frage der Zeit sein...

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann hielt die Seinen mit einigen Großtaten im Spiel. Das verzweifelte Anrennen seiner Vorderleute erzeugte immer wieder brenzlige Situationen vor seinem Kasten, die er teils ohne große Unterstützung lösen musste. Top-Leistung.

Verteidigung
Sehr gute Leistung der Defensivabteilung, wenn man sich nicht gerade Mal etwas zu weit nach vorne gewagt hatte. Aufgrund der „atemberaubenden“ Ausbeute vor dem gegnerischen Tor sind derartige Situationen aber einfach nicht auszuschließen. Zum Glück blieb Krupps Ausrutscher hinter dem eigenen Tor folgenlos, ansonsten auch er mit guter Vorstellung.
Einzig Sharrow, wieder etwas hilflos beim ersten Gegentor, macht mir weiter keine wirkliche Freude. Angesichts der soliden Teamleistung aber kein echtes Problem.

Sturm
Die Probleme fangen erst im gegnerischen Verteidigungsdrittel an. Neben einer guten Portion Pech und zwei fehlenden Centern bleiben die Erklärungsversuche für die Wolfsburger Torflaute im Bereich von Kaffeesatzlesen stecken. Während Spieler wie Fauser, Pfohl und Dibelka in den letzten Spielen deutlich über dem Schnitt agierten, kam von Wolfsburgs Paradereihe fast nichts Gefährliches. So wenig, dass Pavel Gross das bisher Undenkbare wagte: Er nahm das Sturmtrio der ersten Reihe, das zu Beginn der Saison eine Art Alleinunterhalter in Sachen Torerfolg darstellte, auseinander und reihte es in das muntere Zusammenwürfeln der restlichen Formationen ein. Torerfolg brachte das indes keinen.
Besonders schmerzlich wurde hier Mark Voakes vermisst, der den Grizzlys in Sachen Powerplay einfach die nötige Struktur verpasst...viel Gelegenheit hätte er dazu aber wohl nicht gehabt. Wären die drei Spiele zuvor nicht gewesen, man hätte sich wohl auf einen starken Gegner (inkl. Torwart!) aus Mannheim einigen können. mb