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EHC - Schwenninger Wild Wings 5:2

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Warmschießen für die DEG

Es mag ein wenig respektlos klingen, doch der Gast aus Schwenningen blieb am gestrigen Abend kaum mehr als ein besserer Trainingsgegner.
Der EHC, seit vier Spielen ohne Sieg, nutzte die sich bietende Gelegenheit, um seine extrem niedrige Torausbeute deutlich in die Höhe zu schrauben und neues Selbstvertrauen zu tanken.
Zum Start durchfuhr die Grizzlygemeinde allerdings erst einmal ein tüchtiger Schreck: Im ersten Überzahlspiel der Begegnung erwischte es mit Tyler Haskins gleich den Chefgrizzly. Vom Schuss eines Mitspielers im Gesicht getroffen sackte der Kapitän im gegnerischen Slot zusammen und begab sich im Anschluss direkt in die Kabine. Zum Glück kehrte Haskins zur Mitte des Drittels zurück zu den Seinen, bis dahin ging es mit umgestellten Reihen weiter. Die Grizzlys brauchten einige Momente, um den Schock zu verdauen, dann setzten sie ihren allmählich aufgebauten Druck konsequent fort. Vor allem das intensive Forechecking des EHC verwandelte die Abwehr der Schwäne zwischenzeitlich in den vielzitierten Hühnerhaufen. Mit fast schon slapstickartigen Aktionen legten die Gäste dabei für die Stürmer der Grizzlys auf.
Voakes’ Puckeroberung hinter dem Kasten der Schwäne wirkte geradezu spielerisch, ebenso sein überlegter Abschluss (7.) aus nächster Distanz zum 1:0. Dass Schwenningen in der 13. Minute tatsächlich ausgleichen konnte, spottete bereits zu diesem frühen Zeitpunkt dem eigentlichen Spielverlauf. Noch drastischer wurden Chaos und mangelhafte Einstellung der Gäste schließlich bei Aubins Treffer zum 2:1 deutlich. Brückner lässt sich als puckführender Spieler, wieder hinter dem eigenen Tor, vom kleinen Flügelflitzer der Grizzlys wegchecken, der zur Unterstützung herbeieilende Simon Danner rauscht in den eigenen Goalie. Aubin sagt in seinem ersten Spiel nach mehrwöchiger Verletzungspause „Danke!“ und netzt entspannt ein (15.). Drei Minuten später war die Partie dann auch schon fast entschieden. Erneut der genial aufgelegte Mark Voakes lässt Gegenspieler und Goalie reichlich schlecht aussehen und verwandelt mit einem Schuss durch gleich zwei Beinpaare zum 3:1. Angesichts weiterer, weniger konsequent bestrafter Fehler, gingen die Gäste mit einem schmeichelhaften Rückstand in die erste Pause.
Wenig erbaulich gestaltete sich für die rund 2150 Zuschauer der zweite Spielabschnitt. Wolfsburg ließ sich von der seltsam halbgaren Spielweise der Gäste nun leider anstecken. Außer einem Lattenkracher durch Robbie Bina und ein paar strammen Schüssen produzierten die Grizzlys kaum Zwingendes im zweiten Durchgang – trotz zwei Überzahlgelegenheiten und einem nur überschaubar verbesserten Gegner. Lediglich einen wirklich überzeugenden Konter bzw. Torschuss konnten die Gäste im Mitteldrittel schließlich vorweisen, hielten ohne weitere Gegentore aber auch eine kleine Tür in Richtung Punktgewinn offen.
Dass aus dieser kleinen Tür kein Scheunentor wurde, stand schon kurz nach Beginn des Schlussabschnitts im Mittelpunkt der Wolfsburger Bemühungen. Billich hatte bei einem schnellen Gegenstoß der Schwäne den Querpass angetäuscht und dann eiskalt ins kurze Eck versenkt (44.). Das Spiel stand nun völlig überraschend auf der Kippe, die Gäste legten gleich zwei weitere Großchancen nach.
Zur allgemeinen Erleichterung (mit Ausnahme der 6 Gästefans) fanden die Grizzlys erstaunlich schnell den verloren geglaubten Biss wieder und schalteten schon wenig später den einen oder anderen Gang hoch. Und wieder war Schwenningen überfordert.
Unterbrochen von einer Strafe gegen Wolfsburgs Sergej Stas, bauten die Gastgeber den aus dem Auftaktdrittel bekannten Druck wieder auf. Überzahltreffer durch Tyler Haskins (52., nach Videobeweis) und Mark Voakes (55.) rückten die Verhältnisse auch auf der Anzeigentafel wieder zurecht. Der Gast verzichtete angesichts der eigenen Unterlegenheit auf eine Schlussoffensive und ließ die Grizzlys im Schonmodus Richtung Sonntagsspiel auslaufen. Ebenso entspannt fröhlich gestaltete sich die anschließende Ehrenrunde, während der man den Spieler deutlich anmerken konnte, dass auch sie diesen Sieg nicht zu hoch hängen werden.


Teamcheck

Tor
Endlich hat Sebastian Vogl mal kein Pech mit der Leistung seiner Vorderleute. Wobei die Gegentreffer nicht auf seine Kappe gehen, sondern eher der mangelhaften Deckungsarbeit bzw. Raumaufteilung der Feldspieler zurückzuführen waren. Neben einigen wirklich sehenswerten Saves lässt sich die Wolfsburger Nr.1b leider immer mal wieder zu weit aus der Position locken. Ansonsten ein guter Rückhalt trotz geringer Spielpraxis.

Verteidigung
Andy Reiss weiß zwar in der Offensive mehr zu überzeugen, gegen einen derart zahm auftretenden Gegner war der Einsatz im Abwehrverbund aber eine absolut passende Entscheidung. Nutznießer war in diesem Fall Sergej Stas, der im Angriff weiter Spielpraxis sammeln konnte. Sinnvoll!
Sollte Björn Krupp weiter so viele Unsicherheiten an den Tag legen, wäre vielleicht auch hier mal eine Pause angebracht. Der fehlende Seifert hat mir jedenfalls als Nebenspieler von Robbie Bina meist deutlich besser gefallen.

Sturm
Ich warte täglich auf die Meldung, dass Mark Voakes seinen Vertrag bei uns verlängert. Warum, das zeigte der kanadische Center auch an diesem Abend wieder einmal eindrucksvoll. Nicht nur sein Hattrick, sondern auch die unglaubliche Spielübersicht und das unbedingte defensive Verantwortungsbewusstsein sprechen eine eindeutige Sprache. Lieber einen Ausländer weniger verpflichten, als Leute wie Voakes oder Widing gehen zu lassen. Apropos Widing: Der schwedische Flügelstürmer durchläuft momentan ein echtes Leistungstief! In den letzten 10 Spielen konnte der Top-Knipser der Grizzlys gerade einmal einen Assist verbuchen, musste seine Stammreihe sogar zugunsten anderer Konstellationen verlassen. Ich sage: „DIE Gelegenheit, um über eine Verlängerung zu verhandeln!“ In Normalform ist Mr. Onetimer nämlich für so ziemlich jeden Konkurrenten eine echte Verstärkung- leider auch für die finanziell besser gestellte Konkurrenz...
Besonders erfreulich gestaltete sich die Rückkehr des Langzeit-Sorgenkinds Aubin. Gutes Forechecking, belohnt mit einem daraus resultierenden Tor machten Lust auf mehr. Ich drücke die Daumen, dass auch er sich in den kommenden Wochen für einen weiteren Vertrag empfehlen kann! mb