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EHC - Iserlohn Roosters 3:0

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Wie aus einem Guss

Nicht übermäßig spektakulär, aber ungemein spannend gestaltete sich das „Rückspiel“ gegen den Gast aus dem Sauerland. Nachdem die Grizzlys am Freitag erst spät die richtige Gangart aufgenommen hatten, gelang ihnen vor heimischer Kulisse eine sehenswerte Steigerung und letztlich auch die geglückte Revanche.
Nur die ersten Minuten dieser Partie wirkte es so, als ob die Roosters weiterhin reichlich Offensivakzente setzen könnten. Gezeichnet von schnellen „coast to coast“ Aktionen standen erst einmal die Goalies beider Teams im Mittelpunkt – und sollten zunächst die Oberhand behalten. Dass sich das Spiel schließlich ausgesprochen positiv für die Grizzlys entwickelte, hing vor allem mit der 12.Spielminute zusammen. Wenn man mit 1-2 Spielern vor dem gegnerischen Torhüter steht, passieren häufig gute Dinge: In diesem Fall das so wichtige Abstaubertor von Wolfsburgs Brent Aubin, der einen flach geschossenen Blueliner gewinnbringend verwerten konnte. Was folgte war das pure Gegengift für das Iserlohner Spiel. Die Gastgeber sicherten fortan fast jede Offensivaktion nach hinten ab und ließen so das Umschaltspiel der Roosters ein ums andere Mal auf Grund laufen.
Dabei agierten die Grizzlys keinesfalls halbherzig oder langweilig in Richtung Gästetor. Immer wieder kamen sie zu den klar besseren Einschussmöglichkeiten und sogar ihrerseits zu Kontern. Iserlohn hingegen konnte bis zum Ende des zweiten Drittels gerade eine Handvoll nennenswerter Schüsse vorweisen, wirkte streckenweise wie ein Team, das einen Vorsprung über die Runden bringen möchte. Doch der Vorsprung war auf Seiten des Teams von der Aller, das lediglich bei Unterzahl von den Gästen ein wenig in Verlegenheit zu bringen war.
Da die Gastgeber ihre Überzahlgelegenheiten ebenfalls nicht zu nutzen wussten – gegen Ende des Mitteldrittels brannten sie dabei ein Feuerwerk an ausgelassenen Chancen ab – blieb es bis zum Start des Schlussabschnitts spannend.
Doch bereits in der 43.Spielminute fühlte sich das Spiel irgendwie entschieden an: Einen Hambly-Knaller konnte, erneut aus der Position vor dem Tor, Kapitän Haskins unhaltbar in die Maschen des Gästetors abfälschen. Die bis dahin so aussichtslos anrennenden Gäste wirkten nun arg frustriert, erhöhten nun die Intensität bis über die Grenzen des Erlaubten. Die erste folgerichtige Strafe gegen einen überdrehenden Gast (48.) konnte Wolfsburg mit viel Pech zwar nicht nutzen, blieb aber in den folgenden Minuten die spielbestimmende Mannschaft. Iserlohn bekam einfach keinen Zugang zum Wolfsburger Tor, biss sich konsequent die Zähne an der disziplinierten Spielgestaltung der Gastgeber aus. Ein Pfostentreffer durch Raymond blieb die gefährlichste Aktion der Iserlohner Schlussoffensive, das letzte Tor der Partie schossen wiederum die Grizzlys. Tim Wallace machte mit seinem Schuss ins leere Tor (58.) den Sieg endgültig klar und brachte die Gäste wohl auch endgültig an den Rand ihrer leistbaren Frustbewältigung. Praktisch direkt nach Wiederanpfiff beförderte mit Brad Ross ein Mitglied von Team Kanada 1c Wolfsburgs Armin Wurm per fiesem Check in die Bande...und war am Ende doch der Hauptleidtragende. Jimmy Sharrow rächte seinen Teamkameraden, reichlich übermotiviert, mit einer harten Aktion gegen den Kopf des Iserlohner Stürmers. Dieser musste mit einer stark blutenden Kopfverletzung das Eis verlassen, für Sharrow ging’s zum Duschen. Ob, wie in der Strafbegründung impliziert, ein Stock im Spiel war, oder ob der Wolfsburger den Übeltäter lediglich per Faustschlag in Richtung Sanitäter schickte, wird in den kommenden Tagen wohl der Disziplinarausschuss klären müssen. (Nachtrag: Der Ausschuss hat, ohne entsprechendes Videomaterial, auf Check gegen den Kopf und Bandencheck entschieden – 4 Spiele wird Sharrow somit den Grizzlys nicht zur Verfügung stehen).
Dank zusätzlichem Boxbedarf bei Zach Hamill konnte der EHC die Begegnung sogar bis kurz vor dem Schlusspfiff in Überzahl bestreiten. Der erste Saison-Shutout für Sebastian Vogl war somit ebenfalls in trockenen Tüchern.

Teamcheck

Tor
Endlich erwischt Basti mal ein gutes Spiel seiner Mitstreiter. Geniales Defensivverhalten gepaart mit einer hervorragenden Torhüterleistung ergibt den Shutout. Wichtig für Vogls Selbstvertrauen, der fast mit traumwandlerischer Sicherheit immer zu eher schwachen Vorstellungen seines Teams zum Einsatz kam. Gegen Hamburg wäre ein weiterer Einsatz somit eigentlich Pflicht.

Verteidigung
Geiles Spiel unserer Defender! Deutlich begünstigt durch die insgesamt auf mehr Kontrolle ausgelegte Spielweise der Stürmer, aber nichtsdestotrotz eine blitzsaubere Vorstellung.
Mit Jimmy Sharrow fehlt zwar nun einer aus der so ausgezeichnet aufgelegten Abteilung, doch mit dem US-Amerikaner fällt der entbehrlichste aller Akteure aus. Das hat zur Folge, dass nun niemand durch Trainerentscheid zuschauen muss. Eiszeit für Seifert und Stas ist somit garantiert – und das finde ich eher positiv.
Bemerkenswert: Exakt die Hälfte aller Schüsse auf das gegnerische Tor wurde von Wolfsburger Verteidigern abgefeuert. Zwei Schüsse konnten durch Abstauber bzw. Abfälscher verwertet werden.

Sturm
So langsam kommt Aubin in Fahrt. Das Zusammenspiel mit Voakes und Mulock gelingt phasenweise, ist aber immer noch nicht auf dem gewünschten Niveau.
Pfohl macht weiter Spaß, hat leider im Abschluss etwas Pech. Hat die Vielzahl an 1 gegen 1 – Kopf durch die Wand Aktionen merklich reduziert. Weiter so!
Auch Sergej Stas hatte, trotz des ein oder anderen Abstimmungsproblems, sein persönliches Highlight in diesem Spiel. Sein energischer Forecheck hinter dem gegnerischen Tor ermöglichte den Puckgewinn und das anschließende 2:0 durch Kapitän Haskins. Auch hier gilt: Weiter arbeiten, die kommenden vier Partien nutzen!

Fazit
Ich hoffe, dieses Spiel läuft nun als Endlosschlaufe in der Kabine. So viel haben die Grizzlys lange nicht mehr richtig gemacht. Die Arbeit im Slot war einfach ein Traum und sollte nun auch in Überzahl 1 zu 1 übernommen werden. Die beiden ersten Tore sollten hier als Anschauungsmaterial dienen, um zukünftigen Frust in Sachen Effektivität zu mindern. Die Spielanlage war unglaublich ausgewogen, bot dem Gegner kaum Möglichkeit zur Spielgestaltung. So kann man auch mal einen Vorsprung gegen Mannheim über die Runden bringen ;) mb