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EHC - Adler Mannheim 2:0

Hard as a rock

Frustwochen in Mannheim... und die Grizzlys tragen ein großes Stück dazu bei. Vor allem Sebastian Vogl, der in den letzten vier Partien seinen mittlerweile dritten Shutout feiern konnte, dürfte den Blutdruck der Adler (wie auch schon zuvor den der Hähnchen) schwer in die Höhe getrieben haben.
Lediglich eine Strafe gegen Christoph Höhenleitner (1.) verhalf den Gästen zu einem brauchbaren Auftakt in diese Partie. Danach zeigten sich die Adler mit der kompakten Spielweise der Grizzlys irgendwie überfordert. Viel Härte, auch gerade abseits des bereits gespielten Pucks, sollte fortan das Spiel der Mannheimer charakterisieren. Die Gastgeber blieben ihrerseits cool, haderten – im Gegensatz zu ihrem Publikum – nicht allzu sehr mit der großzügigen Leitung durch das Schiedsrichtergespann. Trotz der wohlwollenden Leitung der Referees eröffneten sich den Grizzlys nicht nur zahlreiche Torchancen, sondern immerhin auch drei Überzahlgelegenheiten im Laufe des ersten Spielabschnitts. Der einzige Treffer des rasanten Auftaktdrittels fiel indes bei numerischem Gleichgewicht auf dem Eis: Nachdem sich Aubin sehenswert durch die Mannheimer Defense getankt hatte, drückte Mark Voakes den Querpass eiskalt zum hochverdienten 1:0 in die Maschen (9.). Alle weiteren, teils hochkarätigen, Chancen ließen die Hausherren ungenutzt und scheiterten dabei ein ums andere Mal am gut aufgelegten Ziffzer im Tor der Gäste.
Im Mittelabschnitt schien die Linie der Adler zunächst besser zu fruchten. Straffrei fanden sie den schmalen Grat zwischen erlaubter Härte und Strafen wie „Behinderung“ und „unkorrekter Körpereinsatz“ und konnten den Druck auf Wolfsburg somit gravierend erhöhen. Erst ein Check von hinten gegen Lubor Dibelka (33.), der nach kurzer Pause weiterspielen konnte, fand zum ersten und einzigen Mal die Anerkennung der leitenden Referees. Ansonsten hatten die Gäste nun deutlich mehr vom Spiel, scheiterten aber nun ihrerseits am Goalie der Grizzlys. Das einzige Mal, als der Puck das Wolfsburger Tor von innen gesehen hatte (21.), war bereits nach dem (vorzeitigen) Abpfiff des Schiedsrichters. Großes Glück für die Grizzlys, die sich dieses Glück aber mit aufopferungsvollem Kampf im Laufe der Partie mehr als redlich verdient hatten.
Fabio Pfohls 2:0 setzte dem Mannheimer Frust schließlich die Krone auf. 10 Sekunden vor der zweiten Pause verwertete Wolfsburgs Youngster einen Abpraller direkt vor dem Mannheimer Tor. Geradezu tiefenentspannt legte sich der Wolfsburger Stürmer dabei den Puck auf die Rückhand, um ihn unhaltbar über den herübergleitenden Ziffzer ins Tor zu hebeln. Die Halle stand Kopf, voller Vorfreude ging es in die letzte Unterbrechung.
Und das Schlussdrittel sollte es noch einmal kräftig in sich haben!
Die Adler steigerten die Intensität ihrer Bemühungen nun vom Anpfiff weg, attackierten sowohl puckführende als auch nicht puckführende Gegenspieler mit hohem Aufwand.
Doch während die Grizzlys immer wieder vielversprechende Gelegenheiten einstreuen konnten, blieb es auf Seiten der Gäste bei der einen ganz großen Chance – und die vergeigten sie in Person von Ryan MacMurchy (43.). Der Adler-Stürmer war nach einem abgefangenen Aufbaupass von seinen Teamkameraden zielsicher in Szene gesetzt worden, der von ihm umkurvte Vogl lag bereits auf dem Eis...und der Mannheimer Stürmer schoss dem bereits geschlagenen Goalie direkt in die ausgestreckte Fanghand. Das Entsetzen über die eigene Unfähigkeit stand dem enttäuscht Abdrehenden ins Gesicht geschrieben.
Apropos Abdrehen: Spätestens nach diesem erneuten, zugegeben sehr unglücklichen, Scheitern griffen die ohnehin hart agierenden Gäste endgültig in die Kiste mit dem Dreckshockey. Ständige Mannheimer Attacken, häufig auch abseits des Pucks, entluden sich zunächst in einer Keilerei (49.) hinter dem Wolfsburger Gehäuse. Dass bei der Auseinandersetzung der beiden Hauptakteure mit Björn Krupp ein Wolfsburger die Oberhand über Mannheims gefrusteten MacMurchy behielt, trug dann wohl ebenfalls nicht gerade zur Verbesserung der Laune der Gäste bei – es wurde noch unfairer! Besonders lustig: Schlaukopf Jochen Hecht versuchte direkt nach den Strafen gegen die Kombattanten Krupp und MacMurchy einen weiteren Wolfsburger Verteidiger (nur sechs auf dem Spielberichtsbogen) aus dem Verkehr zu ziehen. Leider beantwortete Wolfsburgs Robbie Bina die unmotivierten „Schläge“ des Mannheimer Seniors, vermutlich aus Respekt vor dem Alter, nicht. Gewohnt redselig verabschiedete sich der Adler alleine Richtung Strafbank – die finale Aufholjagd der Gäste entfiel. Von reichlich Stockfouls, über einen geradezu lächerlichen Schwalbenversuch bis hin zu einer Matchstrafe gegen Ronny Arendt wegen gefährlichen Beinstellens von hinten (slew-footing) war im Anschluss dann so ziemlich alles auf Mannheimer Seite im Angebot, was der Millionärstruppe zur Schande gereichte.
Umso süßer schmeckte der Sieg gegen diesen, zumindest auf dem Papier, übermächtigen Gegner. Nicht das erste Mal, dass die teuer bezahlte „Qualität“ aus Mannheim am Wolfsburger Teamspirit zerbricht...aber immer wieder eine hoch unterhaltsame und spannende Angelegenheit!


Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl rockt weiter die Hütte. Dritter Shutout im vierten überragenden Spiel.
Momentan haben wir die beiden Goalies mit dem geringsten Gegentorschnitt in unseren Reihen – und beide haben ihre Verträge verlängert. Das sind ja mal schöne Aussichten!

Verteidigung
Der Hauptfaktor der momentanen Stärke der Grizzlys liegt im Defensivverhalten des Teams. Dabei machen alle Verteidiger eine gute Figur und, so leid mir das tut, das Fehlen von Jimmy Sharrow empfinde ich keineswegs als negativen Aspekt. Selbst der anfangs so zappelig agierende Reiss liefert mittlerweile bombensolide Vorstellungen ab. Und wenn ein Akteur mal Mist baut (wie Bina vor Mannheims Großchance), dann gibt es da ja noch den Wolfsburger Torhüter...

Sturm
Das Backchecking und die taktische Disziplin der Stürmer erleichtern Verteidigung und Torhüter den Job ungemein. Dass Wolfsburg bisher die mit Abstand wenigsten Gegentreffer der Liga kassiert hat, ist absolut kein Zufall und hängt mit dem reibungslosen Zusammenarbeiten aller Akteure zusammen. Das System funktioniert!
Ohne eigene Tore bleibt natürlich auch der disziplinierteste Auftritt fruchtlos. Das haben die Grizzlys in dieser Saison leider schon in mehreren Phasen erleben dürfen. Da aber mittlerweile Spieler wie Voakes, Aubin und Pfohl immer öfter in die Bresche springen, wenn Wolfsburgs 1.Reihe nicht produktiv in Erscheinung tritt, läuft es momentan wie gesehen ausgesprochen erfolgreich für die Cracks von der Aller.
Besonders die Reihe um den überragenden Mark Voakes macht dabei momentan so richtig Freude! Nicht nur wegen der Treffer des kanadischen Centers, sondern auch wegen des steilen Formanstiegs des einst so erfolgreichen Torjägers Brent Aubin an seiner Seite. Da geht noch was! mb