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VF5 EHC - Düsseldorfer EG 4:1

Mit Vollgas ins Halbfinale

Nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge sollte nun das Gleiche daheim gelingen. Doch das Auftaktdrittel dieser fünften Begegnung erinnerte eher an das erste Aufeinandertreffen mit Düsseldorf. Mit viel Tempo, aber auch mit ungewohnt wenig Balance zwischen Angriffsbemühungen und defensiver Verantwortung gingen die Grizzlys in diese Partie, erspielten sich auch sogleich die ersten klaren Torgelegenheiten...um sie nicht zu nutzen.
Zweimal verwandelten die Stürmer der Gastgeber am langen Pfosten nicht ins blank gespielte Netz, im Gegenzug kam der Gast vom Rhein seinerseits immer wieder zu guten Chancen. Besonders effizient zeigte sich Düsseldorf in Überzahl. Gleich die erste Gelegenheit, nach einem dusseligen Foul von Jimmy Sharrow nutzte die DEG zur gut herausgespielten 0:1 Führung. Torschütze Ebner (10.) hatte schließlich keine Mühe den Puck im langen Eck zu versenken – Torhüter und Box der Grizzlys waren komplett auf der anderen Seite des Tores.
Wolfsburg versuchte weiterhin das Tempo hochzuhalten, ließ dabei aber auch immer wieder Lücken für die Gäste, die wenig später scheinbar zum zweiten Mal zugeschlagen hatten! Der Videobeweis offenbarte zum Glück für Wolfsburg nur einen Pfostentreffer. Mit einem knappen Rückstand ging es für die Gastgeber zum ersten Mal in die Kabine.
Dann begann die große Zeit der Grizzlys! Fand Hamblys Hammer ins Kreuzeck (22.) noch wegen Torraumabseits keine Anerkennung, so setzten die Hausherren nun erbarmungslos nach. Strafe gegen Norm Milley – 1:1 durch Likens Schlenzer durch den Verkehr vor Niederberger im Tor der Gäste (24.). Strafe gegen Lewandowski – 2:1 durch Gerrit Fauser, der den nächsten Kracher von Tim Hambly unhaltbar in die Maschen abfälschen konnte (25.) In der nun aufkommenden allgemeinen Euphorie unter den rund 4100 Zuschauern rollten die Grizzlys praktisch über die DEG hinweg: Dem dritten Treffer innerhalb von drei Minuten, wiederum erzielt durch Jeff Likens (27.), hatten die Gäste kaum etwas entgegenzusetzen. Einige wenige Versuche auf das Wolfsburger Tor fanden in Felix Brückmann ihren Meister, während der EHC weiter an der Vorentscheidung von Spiel und Serie arbeitete.
Gleich in den Anfangssekunden des Schlussabschnitts sollte dies dann gelingen. Mark Voakes bezwang den Goalie der Gäste nach gerade einmal 19 gespielten Sekunden mit einem Schuss aus der Halbdistanz und stellte mit dem 4:1 alle Zeichen auf Sieg. Düsseldorf hatte dem Wolfsburger Tempo nun nichts mehr entgegenzusetzen, ließ sich in der Folgezeit zu sage und schreibe sechs Strafzeiten hinreißen und dokumentiert damit letztlich überbordenden Frust und Hilflosigkeit. Der Drops war gelutscht, die Halbfinalparty auf den Rängen längst in vollem Gange und die Grizzlys spielten die klare Führung nun kontrolliert und abgeklärt nach Hause.
Die Siegesfeierlichkeiten fielen, wie unter Pavel Gross gewohnt, nach dem Gewinn einer Serie eher moderat aus. Keine Raupe, Welle, LaOla oder andere liebgewonnene Rituale aus der Hauptrunde gibt es bei den Grizzlys in dieser Phase der Saison. Während Feierlichkeiten nach einzelnen Spielen einer Serie für alle Teams traditionell kein Thema sind, beließen es die Grizzlys diesmal nach dem Halbfinaleinzug bei einer einfachen Ehrenrunde - vermutlich um deutlich zu machen, dass man erst am Ende des Wegs wirklich feiern will.

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer absolut abgeklärten und fast fehlerfreien Leistung. Beim ersten Gegentreffer kam der Wolfsburger Schlussmann zwar überhaupt nicht mehr aus der rechten Ecke seines Tores zum Schützen hinüber – das galt allerdings auch für seine etwas zu passiven Vorderleute. Ansonsten fischte er alles, was es zu halten gab weg und verhinderte somit vor allem in der ersten Spielhälfte eine höhere Führung der DEG bzw. deren Rückkehr ins Spiel. Insgesamt natürlich nicht annähernd so gefordert wie sein Gegenüber.

Verteidigung
Weiterhin das Glanzstück der Grizzlys. Dank der überragenden Laufleistung unserer Stürmer und der guten Abstimmung innerhalb der Blöcke bleibt Wolfsburg ein harter Brocken für jede gegnerische Sturmreihe. Nach dem misslungenen Auftakt in die Serie konnten die Grizzlys den Torhunger der DEG auf im Schnitt ein Gegentor herunterregeln – überragend.
Die, offenbar vom Trainer verordnete, offensivere Rolle für Bina gefällt mir zwar weiterhin nicht, aber der zusätzliche Druck auf das gegnerische Aufbauspiel war wohl gerechtfertigt.
Ansonsten alle Verteidiger mit hervorragenden Leistungen in dieser Serie. Jeff Likens und Tim Hambly sogar mit absoluten Sahnetagen – vor allem in den offensiven Aktionen. Das wichtigste Element für erfolgreiche Play-offs läuft weiterhin mehr als gut!

Sturm
Die ersten beiden Reihen deckten die DEG derart mit Schüssen ein, dass man wohl lediglich die Anzahl der bei 5 gegen 5 erzielten Tore kritisieren muss. Während das Powerplay der Grizzlys im Mittelabschnitt die Partie praktisch entscheiden konnte, blieben die Bemühungen bei numerischem Gleichgewicht zu oft fruchtlos. Das dritte Tor fiel durch einen Verteidiger, das vierte Tor war dann endlich das Produkt einer erfolgreich abgeschlossenen Kombination unter den Stürmern der Voakes-Reihe.
Insgesamt erfüllten aber alle ihre Aufgaben fast perfekt. Während Fauser und Aubin ihre tolle Form offenbar konservieren können, zeigen mit Pfohl und Widing zwei weitere Akteure einen Aufwärtstrend. Während Pfohl offenbar einfach nur in die neue Erfahrung DEL-Playoffs reinwachsen muss, zeigt Widing endlich wieder neben großem Kampfgeist mehr Selbstbewusstsein im Abschluss. Wie es der schwedische Klassestürmer allerdings schafft, seit etlichen Spieltagen einer Torbeteiligung aus dem Weg zu gehen, erschließt sich mir einfach nicht. Normalerweise dürfte eine punktemäßige Explosion bei ihm (rein statistisch) nur eine Frage von wenigen weiteren Spielminuten sein...
Insgesamt eine sehr gute und ab dem zweiten Drittel auch defensiv überragende Vorstellung der Wolfsburger Stürmer. Lediglich Rekonvaleszent Mulock scheint noch etwas Anlaufzeit zu benötigen. mb