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HF3 EHC - T.Sabo Ice Tigers 3:0

Tag der geschlossenen Tür

Die Grizzlys schicken sich an mit ihrem Halbfinalgegner etwas ähnliches anzustellen, wie es ihnen schon mit der DEG gelungen ist. Wie gegen Düsseldorf kann das Team von Pavel Gross dabei mit fortlaufender Dauer der Serie die Produktivität des Gegners stetig herunterfahren. Während der Gegentorverlauf im Viertelfinale mit 4,2,1,1,0 noch relativ flach verlief, regelten die Grizzlys den Gegner aus dem Frankenland bereits im dritten Duell auf 0 herunter – nach zuvor zwei und einem Gegentor. Dabei liefert Wolfsburgs gesamte Mannschaft ein derart geschlossenes Defensivverhalten ab, dass einem der Gegner schon fast leid tun kann.
Dabei hatte es auch zum Start dieser dritten Partie zunächst gar nicht so schlecht für die Ice Tigers ausgesehen. Mit viel Druck und Präsenz konnten die Gäste sich im ersten Drittel ein vorzeigbares Übergewicht und vor allem auch brauchbare Torchancen erspielen, von denen Patrick Buzas (16.) die beste liegen gelassen hatte. Völlig freistehend konnte der nicht für seine Torgefährlichkeit bekannte Nürnberger den Puck nicht im leeren Tor unterbringen, da er das Anspiel nicht richtig unter Kontrolle bringen konnte. Dieser und einer Handvoll weiterer Chancen sollten die Gäste im Verlauf der nächsten beiden Drittel noch schwer nachtrauern.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Grizzlys nämlich noch nicht die gefürchtete Kontrolle über das eigene Drittel übernommen, dafür die erste größere Nachlässigkeit auf Seiten der Nürnberger mit dem 1:0 durch Daniel Widing (13.) bestraft. Nachdem Kapitän Haskins einen Aufbaupass des Gegners aufmerksam abgefangen hatte, vollendeten seine beiden Reihenkollegen Furchner und Widing die 2 auf 1 Situation zum viel umjubelten Führungstreffer. Dass die rund 400 mitgereisten Gästefans mal eben gar nichts zu jubeln bekamen und auch nicht bekommen sollten, nahm im Laufe der Partie schon fast groteske Züge an.
Den besseren Start in den Mittelabschnitt erwischten zwar diesmal die Hausherren, aber im wesentlichen konnte keine der erspielten Chancen sich als hundertprozentig bezeichnen lassen – auch das sollte bis in die denkwürdigen Schlussminuten dieser Partie so bleiben!
Einzig unterbrochen von einer Strafe gegen Möchel (31.) erzwangen sich die Gäste nach dieser Auftaktphase ein immer deutlicher werdendes Übergewicht gegen die heimischen Grizzlys. Doch deren Defensivmaschine hatte nun endgültig Fahrt aufgenommen, ließ die Angriffe der Franken schon an der blauen Linie ins Stocken geraten oder nahm sämtliche Schusswege durch erbarmungslose Laufarbeit und Blockbereitschaft weg. Als Nürnberg ab der 37. Minute dann zum dritten Mal in dieser Begegnung ein Powerplay aufzuziehen versuchte, zeigte sich der (positive) Wahnsinn auf Seiten der Grizzlys endgültig in seinem vollen Ausmaß. Was die Gastgeber an Opferbereitschaft gegen die aus allen Rohren feuernden Tigers an den Tag legten, nötigte wohl jedem in der Halle allerhöchsten Respekt ab.
Mit der denkbar knappsten Führung ging’s für Wolfsburg zum zweiten Mal in die Kabinen, die Verzweiflung der Gäste war zu diesem Zeitpunkt fast schon greifbar...ungläubig schüttelte wohl so mancher in Team und Anhang der Nürnberger das sorgenvolle Haupt. Die Festung der Grizzlys schien uneinnehmbar.
Und sie blieb es auch! Fast schon unverschämt, wie die Hausherren zwei sich bietende Überzahlgelegenheit eher zum Luftholen und Zeit von der Uhr nehmen nutzten, als irgendetwas in Sachen zweites Tor zu unternehmen.
Mit dem Mute der Verzweiflung warfen die Gäste nun alles in die Waagschale, was sie hatten. Und das war gar nicht so wenig: Neben dem Einsatz ihrer ohnehin vorhandenen physischen Überlegenheit, versuchten die Ice Tigers ihr Spiel auch immer wieder zu variieren. Allerdings: Flinkes Passspiel, dump and chase, extremer Zug zum Tor (crash the net) u.s.w. – es half alles nichts, das von Felix Brückmann exzellent gehütete Tor der Grizzlys schien wie vernagelt. Zwar streuten die Gastgeber in Person von Sebastian Furchner und dem stark verbesserten Daniel Widing ihrerseits noch zwei vorzeigbare Einschussmöglichkeiten ein, doch insgesamt bedurfte das Eis im Defensivdrittel der Gäste nach dem Schlusspfiff wohl nur sehr übersichtliche Pflege durch die Eismeister...
Gut zwei Minuten vor dem Ende wäre diese so spannende und insgesamt gut geleitete Partie dann doch noch fast aus der Bahn geraten: Yasin Ehliz hatte sich beim Versuch Tyson Mulock einen Cross-check zu verpassen den eigenen Stock ins Gesicht gerammt. Wolfsburgs Stürmer hatte das eigene Spielgerät derweil auf dem Eis beim Puck gelassen – das Spiel lief zunächst also regelkonform weiter. Doch wenige Augenblicke später folgte schon die Unterbrechung mit einhergehender Beratung der vier Offiziellen. Das Ergebnis hatte dabei schon slapstickartige Ausmaße: Tyson Mulock musste wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge vom Eis, die fälligen zwei Minuten Überzahl waren somit in fünf Minuten Unterzahl gewandelt – ein Skandal zeichnete sich in groben Formen ab, hatte doch offenkundig keiner der Referees zunächst einen Regelverstoß seitens des Wolfsburgers bemerkt.
Doch die Grizzlys antworteten auf diese Ungerechtigkeit mit der ihnen in diesem Spiel eigenen Art: Kalt wie eine Hundeschnauze nahmen die Wolfsburger den haarsträubenden Entscheid der Schiedsrichter hin, konzentrierten sich umgehend auf die neue Aufgabe...und warteten auf das leere Tor der Gäste.
Kaum war eine Minute von der Uhr, zogen diese auch prompt die Option eines sechsten Feldspielers und ließen das eigene Gehäuse unbewacht. Ein Fehler, wie Mark Voakes gleich zweimal (!) unter Beweis stellen sollte. Sowohl in der 59. als auch in der 60. Minute jagte „Magic Mark“ den Puck, völlig tiefenentspannt, von einem Ende der Eisfläche zur nächsten in die Maschen – die Eisarena glich einem Tollhaus! Die Hälfte (also „lediglich“ ein empty net goal) dieses Kunststücks hatte der kanadische Ausnahmestürmer bereits zuvor beim knappen 1:3 in Nürnberg vollbracht. Vermutlich einmalig in der Geschichte der DEL!
Völlig frustrierte Gästespieler und –fans mussten schließlich das 3:0 in der Serie gegen Wolfsburg quittieren und sehen sich nun vier Matchpucks seitens der Grizzlys gegenüber.
Egal, was noch in dieser Serie kommen mag: Wer die bisherigen Spiele gesehen hat weiß, dass es in dieser Serie keinen einfachen Sieg geben wird. Spannung ist auch am morgigen Dienstag (live auf ServusTV) und bei eventuell folgenden Terminen garantiert. Zu ausgeglichen und knapp gestalteten sich die bisherigen Aufeinandertreffen der Rivalen um den Finaleinzug.


Teamcheck

Tor
Felix Brückmann kehrte, nachdem ein Trauerfall seinen Einsatz in Spiel 2 verhindert hatte, zwischen die Pfosten zurück. Nach Vogls überragender Vorstellung in eben dieser Partie, zeigte sich der eine oder andere wohl durchaus verwundert über diese Entscheidung – doch bereut hat sie wohl trotzdem keiner. Von offizieller Seite bekräftigte man im Nachgang, dass dieser Wechsel so abgesprochen gewesen sei, was über den Starting-goalie im 4.Spiel einigen Raum für Spekulationen eröffnet haben dürfte. Kommt da eventuell der nächste Wechsel?
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass beide Torhüter momentan in bestechender Form sind und jederzeit – aus welchem Grund auch immer – einander vertreten können. Ein Luxus, den nur wenige DEL-Vereine ihr eigen nennen können, zumal beide keine Kontingentstelle belegen!

Verteidigung
Andy Reiss fügt sich mal locker flockig in die Monsterdefensive der Grizzlys ein, nachdem er monatelang als Stürmer aktiv und dann verletzt war. Abgefahren. Krupps Ausfall lässt die Personaldecke in diesem Mannschaftsteil zwar auf sechs nominelle Akteure schrumpfen...aber wir haben mit Höhi ja noch eine Geheimwaffe in petto.
Robbie Binas Formkurve zeigt auch endlich wieder nach oben, was will man mehr? Vielleicht, dass Herr Likens endlich aufhört, die Funktionalität sämtlicher Herzschrittmacher in der Halle regelmäßig zu überprüfen! Sein Hang zum „außergewöhnlichen“ Pass hält die Konzentration bei allen Beteiligten jedenfalls stets ganz oben...

Sturm
Das Back-Checking ist einfach nur aus einer anderen Welt. Während die ersten beiden Reihen das (übersichtliche) Scoring übernehmen, schmeißt sich da jeder in jeden Schuss, arbeitet das Uhrwerk der Grizzlys mit so erbarmungsloser Präzision, dass der Frust der Gegner stets kurz vor der Explosion zu stehen scheint. Lediglich das Wissen um die immer wieder aufblitzende Powerplaystärke der Grizzlys verhindert in dieser Serie bisher die schlimmsten Frustfouls. Ob das so bleibt, hängt viel vom Verlauf der kommenden Partien ab. Eine frühe hohe Führung für Wolfsburg (wie auch immer das zustande kommen soll) könnte da wohl gefährlich werden.
Was mich besonders freut: Erst Aubin und nun auch Widing melden sich eindrucksvoll im Kreis der Spielentscheider zurück. Wäre schön, wenn nächstes Jahr beide wieder das Grizzlyfell überstreifen dürften!
Ach, so: Falls Mark Voakes so weiter macht, dürfte er der erste Spieler werden, der bei gegnerischer Überzahl einen Bewacher bekommt! Sehr geil, der Mark. Weiter so – verbunden mit der Hoffnung, dass Vincenz Mayer nicht ernsthaft verletzt ist und uns im vierten Spiel wieder zur Verfügung steht! mb

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