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HF5 EHC - T. Sabo Ice Tigers 2:3 n.V.


Der letzte Schritt ist der schwerste

Wenn Spiele so hart umkämpft sind, wie die zwischen Grizzlys und Ice Tigern, dann bewahrheitet sich diese Eishockey(binsen)weisheit umso mehr.
Nachdem Wolfsburg beim letzten Besuch im Frankenland die Nürnberger so fahrlässig vom Haken gelassen hatte, sollte auch dieser Abend kein Happyend für diese hart umkämpfte Serie bringen.
Gelang Wolfsburg der Auftakt in Spiel Nr.5 noch respektabel, so spielte nach zwei frühen Wolfsburger Chancen erst einmal fast nur der Gast.
Ob die später gezählten 20 (!) Torschüsse der Tigers den Tatsachen im ersten Drittel entsprachen, darf zwar bezweifelt werden, den Spielverlauf bildete diese Statistik jedoch recht eindrücklich ab. Immer wieder überraschten die Gastgeber sich dabei selbst mit unsortiertem Stellungsspiel und absoluten Harakiri-Pässen. Lediglich Felix Brückmann im Tor der Grizzlys konnte nach seiner weniger überzeugenden Vorstellung in Spiel 4 wieder vollends begeistern und sein Team bis zur ersten Pausensirene im Spiel halten. Bei Oblingers Riesenchance (4.) war er zwar schließlich machtlos, doch der Pfosten sollte für die ins Schwimmen geratene Wolfsburger Mannschaft retten. Zwischenzeitlich hätte Christoph Höhenleitner den Verlauf der ersten zwanzig Minuten sogar vollständig auf den Kopf stellen können – doch den ihm in der 14 Minute zugesprochenen Penalty konnte der zuletzt so groß aufspielende Stürmer nicht verwandeln.
Mit einem aus Wolfsburger Sicht äußerst glücklichen 0:0 ging es zum ersten Mal in die Kabinen und der Gastgeber bekam eine Möglichkeit, sein Spiel neu zu justieren.
Das sollte gelingen! Die Grizzlys starteten gewohnt überzeugend in ihr „Sahnedrittel“ setzten die Gäste sofort unter Dauerdruck. Und das sollte sich auszahlen: Nach längerer Druckphase und einigen ausgelassenen Chancen klingelte es zum ersten Mal hinter Nürnbergs Beskorowany. Hamblys Schlenzer fand über Tyson Mulocks Kelle den Weg in den Kasten der Gäste (30.), die Halle stand zum ersten Mal Kopf.
Wütende Nürnberger Angriffe sollten folgen... doch das nächste Tor ging erneut auf das Konto der Gastgeber. Drei Minuten nach dem Führungstreffer untermauerte Christoph Höhenleitner seine überragende Play-off Form mit seinem dritten Treffer in dieser Serie (33.).
Vincenz Mayer hatte seinen Gegenspieler schön an dessen Tor festgenagelt und nahm pünktlich zu Höhenleitners Schuss den Schlittschuh aus dem Torraum. Der hat seinerseits das Gehäuse nach Puckeroberung schön umkurvt und ungehindert in den Winkel gelupft – die Sache schien für die Grizzlys Fahrt aufzunehmen.
Nürnberg hielt verzweifelt dagegen, die Dominanz der Grizzlys sollte bis zum nächsten Pausenpfiff aber nicht wieder in Gefahr geraten.
Auch der Auftakt ins (vermeintliche) Schlussdrittel gelang den Hausherren recht ansehnlich.
Knapp zwei Minuten war das Drittel erst alt, da hatte Wolfsburg schon die nächste Riesenchance. Doch Vincenz Mayer stand letztlich unglücklich zum Nürnberger Gehäuse und konnte die Scheibe nur parallel zur Torlinie am leeren Kasten der Gäste vorbeibewegen.
Verbissen und mit aller erlaubten Härte (und es war wirklich SEHR viel erlaubt) bekämpften sich die beiden Teams unten auf dem Eis, während die Kulisse längst unter Daueranfeuerung mehr Zeit im Stehen als im Sitzen verbrachte.
Nürnberg kämpfte nun mit aller Verzweiflung und Macht gegen den erneut drohenden Sommerurlaub, blieb dabei zunächst allerdings reichlich erfolglos.
Doch binnen 30 Sekunden sollten sich die Franken wieder im Geschäft um die Meisterschaft zurückmelden. Zunächst hatte der in dieser Serie ausgesprochen auffällig agierende Oblinger sehenswert in den Winkel vollstreckt (48.), kaum war der Treffer nach Videobeweis anerkannt, jubelten die Gäste auch schon zum zweiten Mal (49.). Brandon Segal hatte einen Abpraller am etwas aus der Position geratenen Brückmann vorbeischieben können, den Verdacht des Torraumabseits verwarfen die Schiedsrichter nach erneuter Sichtung der Videobilder.
Weiter ging die wilde Reise von Torszene zu Torszene auf beiden Seiten des Eises. Ein weiterer Treffer sollte aber keinem der beiden Teams gelingen.
Die erste Overtime hielt dann zwar nicht so viele Torchancen wie die vorhergehenden Drittel parat – aber das halbe Dutzend Gelegenheiten für jedes Team reichte, um die Nerven aller Anwesenden bis zum Zerreißen zu spannen. Besonders Gästekapitän Patrick Reimer sorgte ein ums andere Mal dafür, dass den Fans der Grizzlys der Atem stockte. Konnte Felix Brückmann seinen ersten gefährlichen Abschluss noch mit dem Rand der Fanghand am Tor vorbeibugsieren, so rettete Wolfsburgs Armin Wurm sein Team wenig später sogar mit dem Kopf vor dem drohenden Einschlag des Hartgummigeschosses!
Weiterhin unentschieden ging die Partie in die zweite Verlängerung...und die begann mit einem kleinen Schock: Mit Mark Voakes musste zu Beginn der 84.Minute tatsächlich der erste (!) Akteur den ungeliebten Gang auf die Strafbank antreten. Zuvor hatte es lediglich den Penaltyshot gegen Nürnberg (verursacht durch Printz) gegeben. Fingerspitzengefühl konnte man den Referees mit dieser Strafe zu diesem Zeitpunkt des Spiels wohl kaum unterstellen, hatten sie zuvor doch wirklich ALLES laufen lassen, was die Teams zum Teil weidlich ausgenutzt hatten.
Es kam, wie es kommen musste: Nürnberg setzte alles daran, die Partie nun endlich zu entscheiden, die Grizzlys warfen die letzten Kraftreserven zur Verhinderung der späten Niederlage in die Waagschale. Kaum war die Strafe abgelaufen, machte sich – wie schon in Spiel 4 – Partrick Reimer von Marco Nowak gut in Szene gesetzt auf die Reise, um das Spiel im Alleingang zu entscheiden. Eine der seltenen Lücken im Stellungsspiel der Grizzlys nutzend, vollstreckte der Gästekapitän zum 2:3 in der 86.Minute und brachte die bis dahin überragende Unterstützung von den Rängen abrupt zum Schweigen. Alle Arbeit hatte erneut nicht gereicht und das Momentum dürfte damit endgültig ins Lager der Franken gewechselt sein, die am kommenden Sonntag nun Spiel 7 erzwingen können.


Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer wirklich guten Leistung. Lediglich beim zweiten Gegentor agiert der Wolfsburger Goalie einfach zu unkontrolliert. Der Versuch dem eigenen Abpraller nachzugehen (oder das verlorene Gleichgewicht?) ermöglichte den zu einfachen Abstauber durch Joslin. Angesichts von 47 gehaltenen Schüssen ist das aber Kritik auf sehr hohem Niveau. Vielleicht sollte man in Nürnberg trotzdem noch einmal auf Basti Vogl setzen. Felix könnte ein wenig Kraft für ein eventuelles Spiel 7 sammeln und Vogl sollte bei Nürnberg keine guten Erinnerungen auslösen...

Verteidigung
Nach dem wackeligen Auftakt in die Partie fing sich der Abwehrverbund im zweiten Spielabschnitt und erinnerte wieder an die überragenden Phasen der ersten drei Spiele.
Vor allem Andy Reiss brauchte ein wenig, um in die Begegnung zu finden, während Jeff Likens mal wieder von allen guten Geistern verlassen schien. Erstaunlicherweise blieben sämtliche no-look Pässe zum Gegner ungesühnt, so dass die Grizzlys nicht schon im ersten Drittel teuer für den Leichtsinn ihres eigentlich besten Verteidigers bezahlen mussten.

Sturm
Defensiv ab der 21.Spielminute eigentlich gut auf der Höhe des Geschehens. Offensiv ließ die Reihe um den gewohnt starken Tyler Haskins diesmal einiges zu wünschen übrig. Einen mickrigen Torschuss hatte jeder der drei Akteure am Ende dieser knapp 86-minütigen Partie vorzuweisen – zu wenig; viel zu wenig für eine Paradereihe!
Positiv gefällt weiterhin EHC-Urgestein Höhenleitner, der trotz vergebenem Penalty sich nicht entmutigen ließ und seine klasse Leistung mit dem dritten Tor innerhalb der letzten beiden Spiele krönte.
Ebenfalls positiv fielen die stark verbessert auftretenden Pfohl und Mulock auf, die offenbar endlich in den Play-offs angekommen sind. Was bei Youngster Pfohl natürlich völlig nachvollziehbar scheint (erste DEL-Playoffs seiner Karriere), wirkte bei Tyson Mulock, trotz vorheriger Verletzungspause, seit einigen Wochen erstaunlich zäh.
Was Lubor Dibelka in den Play-offs will, bleibt indes ein Rätsel. Neben den auffällig agierenden Mulock und Pfohl blieb der praktisch körperlos spielende Tscheche wie so oft blass bis unauffällig, vergab seine einzige Torchance dabei obendrein etwas unglücklich. mb