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F2 EHC - Red Bull München 4:5

Achterbahnfahrt mit Looping

Das war am Ende schon ein Schlag ins Gemächt, wie die Grizzlys dieses spektakuläre Spiel durch zwei Doppelschläge noch aus der Hand gaben.
Zunächst hatte alles so stimmungsvoll (Gänsehaut-Choreo vor Spielbeginn) begonnen, die Hausherren den Gast aus der Weißwurstmetropole geradezu überrannt.
Frühe Tore durch Aubin (2.) und Mayer hatten die Stimmung zum Überkochen gebracht, München zwischenzeitlich jede Kontrolle über das Spielgeschehen verlieren lassen. Hatte Aubin den durch Münchner Konfusion entstandenen Freiraum noch zum ungehinderten Abschluss genutzt, so stellte Mayers Treffer das Resultat einer blitzschnelle Passkette aus dem eigenen Drittel dar, die durch Mayers Direktabnahme unter der Giebel ihre Veredlung gefunden hatte.
Doch schon bald sollte sich Fortuna zum Team der roten Brausebullen gesellen: Drei Minuten nach Wolfsburgs absolut verdienter 2:0 Führung übersah das Schiedsrichtergespann einen hohen Stock gegen Wolfsburgs Goalie, dessen Maske sich durch Seidenbergs Schlag von oben gelockert hatte. Dem reklamierenden Brückmann rutschte daraufhin die Maske vom Kopf, während fast zeitgleich der Puck hinter ihm einschlug. Ein regulärer Treffer, da die Referees nur bei heruntergefallener Maske abpfeifen dürfen – die Ereignisse aber leider recht zeitnah vonstatten gingen. Der übersehene hohe Stock hingegen passte schon eher in das aus Spiel 1 bekannte Muster der gepfiffenen Revanchefouls der Grizzlys. Unglücklich...bestenfalls. Ab diesem Moment sollten die Schiedsrichter diese sich abzeichnende Tendenz allerdings komplett einstellen!
In doppelter Überzahl wollten die Gastgeber noch vor Ende des ersten Spielabschnitts (16.) den aufkommenden Schwung der Münchner endgültig wieder zum Stillstand bringen...es sollte nicht einmal ansatzweise gelingen. Mit einem ganz schwachen und vor allem schussarmen Auftritt ließen die Grizzlys die Bullen schließlich ungeschoren davonkommen, gaben in dieser hin und her wogenden Partie schließlich sogar das Momentum komplett aus der Hand.
Wieder eine ausgelassene Überzahlgelegenheit der Grizzlys läutete dann die erste heftige Drangphase der Gäste ein. Zwar konnten diese ihrerseits ebenfalls eine Überzahl nicht in Zählbares verwandeln, doch zur Mitte der Begegnung war es dann soweit. Per Doppelschlag nutzte München die ersten Schwächen in der Abstimmung der mittlerweile umgebauten Reihen der Gastgeber (Furchner und Bina waren verletzt in der Kabine geblieben). Der allseits „beliebte“ Pizzaotto vollstreckte bei 3 auf 1 ins kurze Eck (33.), Seidenberg stellte gegen die Bewegungsrichtung von Brückmann eine Minute später auf 2:3 für die Gäste.
Wildes coast-to-coast Hockey folgte, mit Chancen auf beiden Seiten – Wolfsburg blieb erneut in Überzahl glücklos, beide Teams verbuchten kurz vor der Pause jeweils noch einen Treffer am Torgestänge. Der Puls bei allen auf und neben dem Eis raste längst in ungeahnten Höhen!
Besonders eine Szene aus der 37.Minute erhitzte dabei die Gemüter zusätzlich. Jeff Likens hatte den vermeintlichen 3:3 Ausgleich per Schlagschuss erzielt, doch dem Treffer wurde nach Videobeweis die Anerkennung entzogen. Mayer hatte mit einer Schlittschuhbewegung den Puck in die Maschen abgelenkt. Da, dank einer deutschen (!) Spezialregelung, eine Kickbewegung nicht mehr nötig ist, um den Treffer irregulär zu machen, entschieden die Referees mithilfe von Videojudge Brüggemann korrekt auf „kein Tor“. Bitter, und dem normalen Zuschauer – wie so vieles im Eishockey – kaum zu vermitteln.
Der Schlussabschnitt sollte Wolfsburg zunächst deutlich entgleiten. Einer frühen Strafe gegen Armin Wurm folgte zwar noch einmal eine Gelegenheit bei eigener Überzahl, aber der Spielrhythmus der Grizzlys war zunehmend abhanden gekommen. München hingegen profitierte schließlich von Wolfsburger Unbeherrschtheiten – McLean nach Stockschlag (super überflüssig) und Wurm nach unkorrektem Körperangriff saßen ab der 53.Spielminute gemeinsam auf der Strafbank. Eiskalt nutzten die Bullen die doppelte und anschließend auch die einfache Überzahl, um die Treffer 4 und 5 zu realisieren (53./54.). Der Drops schien nach Jaffrays und Kahuns Treffer gelutscht – doch weit gefehlt! In dieser wilden Partie war immer noch keine entgültige Entscheidung gefallen, denn eine Zeigerumdrehung später jubelte endlich auch der Anhang in orange wieder einmal! Sharrows trockener Hammer in die linke untere Ecke ließ den letzten Funken Hoffnung auf Seiten der Grizzlys weiter glühen. Mit vollem Risiko und letztem Einsatz drängten die Hausherren schließlich ohne Goalie und mit sechstem Feldspieler auf den Anschluss – und erzielten ihn sogar! Tim Wallace bediente den mutterseelenallein vor Leggio campierenden Voakes, der dem Münchner Goalie den Puck cool durch die Schoner schieben konnte (59.). Atemberaubend spannende Schlusssekunden fanden in einem weiteren Abschluss durch Mark Voakes ihren Höhenpunkt...an den Pfosten und vorbei! Ein wenig Pech, aber vor allem schwaches Powerplay und zwei saudumme Strafen im Schlussabschnitt hatten den Grizzlys diese völlig überflüssige Niederlage beschert.
Mit der schweren Hypothek eines 0:2 Rückstands geht es für den dezimierten Wolfsburger Kader nun zum vorentscheidenden Spiel 3 nach München.

Teamcheck

Tor
Brückmann wieder mit einigen großartigen Reflexen. Legt allerdings nicht seine beste Leistung in dieser wichtigen Partie hin. Ohne Reklamation (oder mit dem sofortigen Hinschmeißen der Maske oder seiner selbst) wäre der Anschluss der Münchner nicht gefallen.
Etwas ungeschickt...
Auch Treffer Nr.2 wirkte als Einschlag im kurzen Eck nicht unbedingt souverän. Was soll’s – Mund abwischen und weiter geht’s!

Verteidigung
Ohne Bina machte sich die Umsortierung schon ein wenig bemerkbar. Auch wenn Höhi als Verteidiger ein guter Ersatz ist – es fehlen natürlich die Automatismen.
Während bei Likens seit einigen Spielen leider wieder der Wahnsinn die Oberhand über das Genie zu gewinnen droht, dreht Jimmy Sharrow immer weiter auf. Einfach geil, was der in der Saison so durchschnittlich agierende Neuzugang in den Play-offs aus sich rausholt.
Sein Treffer zum 3:5 war da nur das Ausrufezeichen hinter eine auch defensiv überragende Partie.
Von der einen oder anderen überflüssigen Strafzeit abgesehen setzt Armin Wurm seinen Aufwärtstrend auf hohem Niveau fort. Brutal gute Defensivarbeit!
Hambly und Reiss halten dem extremen spielerischen Niveau der Gäste allerdings nur mit viel Mühe stand, im Spiel nach vorne fehlt dann hin und wieder der freie Kopf für die richtige Entscheidung (siehe Likens).
Insgesamt nicht nur wegen der fünf Gegentreffer kein Saisonhighlight der Defensivabteilung.

Sturm
In den Anfangsminuten von allen überragende Arbeit. Haskins zieht komplett mit Vollgas durch. In der Schlussphase gibt sich keiner auf. Soweit die guten Nachrichten. Ab dem durch eine Regelwidrigkeit eingeleiteten ersten Gegentreffer ging zunächst die Dominanz der Grizzlys flöten. Ab dem Ausfall von Furchner und Bina und den zahlreichen damit verbundenen Umstellungen (Höhi in die Verteidigung, Pfohl aus der vierten Reihe raus, dafür Stas in den Spielbetrieb rein usw.) schien die sonst so gut geölte Backchecking-Maschine der Grizzlys zusätzliche Probleme zu bekommen. Die quasi weggeschenkten Gegentreffer Nr. 2 und 3 kann man gegen eine Spitzenmannschaft wie München eigentlich nicht mehr wieder gut machen. Dass es den Grizzlys, trotz zweier weiterer Gegentreffer, fast noch gelungen wäre, spricht dann doch wieder für unser Team. Mit neu gewonnener Ordnung werden sie den Bullen auch in Spiel 3 wieder alles abverlangen, da bin ich mir sicher.
Wenn der bisher so überzeugende McLean dann auch noch solche Dummheiten wie seinen Stockschlag abseits des Spielgeschehens lässt, brauchen wir uns vielleicht nicht wieder über eine vergebene Chance auf den ersten Sieg in einem Finalspiel ärgern. mb