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F4 EHC - Red Bull München 3:5

Der Weg war zu weit

Nach drei Niederlagen in Folge sollte nun der erste Finalspielsieg überhaupt für die Grizzlys folgen. Ziel war natürlich die Serie in die Verlängerung zu schicken und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen...gegen ein in den Play-offs bisher enorm starkes Team aus München.
Wem das als Ausgangssituation noch zu sonnig war, dem kamen spätestens beim Einlauf der Mannschaft die Regenbögen und Einhörner abhanden. Mit Hambly, Sharrow, Likens und Reiss konnte Wolfsburg ganze vier gelernte Verteidiger aufbieten, von denen – gerüchteweise – nur ein einziger ohne größere Verletzung aufs Eis gekommen war. Ergänzt durch Aushilfsverteidiger Höhenleitner war von der einst so hochgelobten Abwehr der Grizzlys nur noch ein (Bruch-)Teil übrig.
Bis zur Mitte des ersten Spielabschnitts sahen die 4500 Zuschauer jedoch erst einmal ein Spiel auf Augenhöhe. Beide Teams erspielten sich vorzeigbare Einschussmöglichkeiten, wobei der Gast immer einen Tick gefährlicher wirkte. Auch nach Söderholms Treffer (10.) zum 0:1 schüttelten sich die Gastgeber nur kurz, um dann die Zügel wieder anzuziehen.
Unerwartet spektakulär dann die Schlussphase des ersten Drittels: Jimmy Sharrow hatte gerade die Tür der Strafbank hinter sich geschlossen, da krachte es auch schon im Münchner Tor! Ganze acht Sekunden in Unterzahl und schon hatte Voakes von Fauser zum Breakaway geschickt den Ausgleich erzielt (17.). Kaum hatte der Hallensprecher unter dem Jubel der Heimfans den Spielstand ausgerufen, da rappelte es auch schon auf der anderen Seite. Wer jetzt aber dachte, Michi Wolfs Überzahltreffer (18.) zum 1:2 wäre das letzte Wort vor der Pause, der irrte sich gewaltig. Wieder schüttelten sich die Grizzlys, wieder schlugen sie wenige Sekunden später zurück. Erneut das kongeniale Duo Fauser – Voakes war es, das die Gastgeber wieder hoffen ließ. Diesmal legte „Magic“ Voakes für Gerrit Fauser zurück, der das Spielgerät erbarmungslos in die Maschen hämmern konnte.
Mit einem leistungsgerechten 2:2 ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Und siehe da: Die turbulenten Ereignisse zum Ende des ersten Drittels hatten den Grizzlys offenbar zusätzlichen Schwung verpasst. Mit einem deutlichen Chancenplus, eingeleitet durch eine Strafe gegen Oberdrecksack Pinizotto wegen Vortäuschen eines Fouls, ging es in den Mittelabschnitt. Als dann erneut Mark Voakes mutterseelenallein an der gegnerischen blauen Linie bedient wurde, hieß es plötzlich sogar: Führung für die Grizzlys! Wieder hatte der Wolfsburger Stürmer dem Münchner Spitzengoalie im eins gegen eins keine Chance gelassen (34.) und diesen eiskalt umspielt. Ein eher untypischer, aber umso wichtigerer Überzahltreffer und damit eine absolute Rarität gegen die Unterzahlspezialisten von Red Bull.
Das schien allerdings der endgültige Weckruf für die bis dahin eher kontrolliert auftretenden Gäste zu sein. Umgehend erhöhten die Bullen den Druck auf das Gehäuse der Gastgeber, Wolfsburg fand bis zur nächsten Drittelpause offensiv praktisch nicht mehr statt. Zu allem Überfluss gelang Kastner nur drei Minuten nach der ersten Grizzlyführung der 3:3 Ausgleich, nachdem das extrem gut organisierte Angriffsspiel der Münchner wieder einmal gegriffen hatte. Auch im Schlussabschnitt sah es schnell nach einem Abnutzungskampf zuungunsten der Grizzlys aus. Zwar bekam Wolfsburg durch ein Überzahlspiel (45.) zunächst wieder etwas mehr Zugriff auf das Angriffsdrittel, doch schon bald entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor – das der Gastgeber.
So machten sich die nachlassenden Kräfte der vor allem im Defensivverbund arg dezimierten Grizzlys immer deutlicher bemerkbar. Das letztlich entscheidende vierte Tor der Gäste war denn auch eher eine Direktvorlage eines völlig erschöpften Wolfsburgers, als eine herausgespielte Einschussmöglichkeit. Pinizottos Schuss an den Pfosten drückte schließlich Keith Aucoin zum 3:4 über die Linie (48.) – es roch bereits nach Sommerpause.
Dass dann mit Pinizotto ausgerechnet ein Spieler, der eigentlich eine Sperre hätte absitzen müssen, den Deckel auf diese Saison (auch als Saiosn bekannt) machte, passte leider ein wenig ins Bild der letzten Begegnungen. Wie um den Verantwortlichen ihren Fehler noch einmal vor Augen zu führen, ließ es sich der Münchner „Sportsmann“ im Anschluss an seinen Treffer nicht nehmen, noch einmal sein Gift zu verspritzen. Mit seiner Jubelfahrt direkt vor der Wolfsburger Bank kochten die bereits verblassten negativen Emotionen erneut hoch. Pinizotto und Widing gingen für je 10 Minuten zum Abkühlen in die Box, die Zeche für Pinizottos Deppenauftritt zahlte schließlich Teamkollege Seidenberg, der vom sichtlich verärgerten Likens unsanft in die Bande befördert wurde. Weniger als angemessenes Strafmaß, denn als Verhinderung einer Eskalation ging es für den Übeltäter direkt zum Duschen. Die folgenden fünf Minuten Überzahl (ab 51.) spielten die Gäste kontrolliert in Richtung Titelgewinn herunter, eine im Anschluss folgende Strafe gegen Sharrow (56.) ließ dann auch kaum einen Gedanken in Richtung Aufholjagd zu. Aufgrund der nun verhaltenen Spielweise der Münchner gelang den Grizzlys zwar selbst in Unterzahl noch die eine oder andere gefährliche Aktion vor dem gegnerischen Tor, doch schon vor dem regulären Ende war eigentlich längst klar: Der neue Meister kommt aus München.
Hoch verdient setzten sich die unglaublich geschlossen und mit einer schier erdrückenden Leistungsdichte ausgestatten Münchner in dieser am Ende deutlichen Serie durch.
Wir gratulieren an dieser Stelle den roten Bullen recht herzlich und halten fest, dass Serien gegen Don Jacksons Mannschaften für uns offenbar immer klare Angelegenheiten bleiben.

Teamcheck

Statt der üblichen Ausführungen zu einzelnen Akteuren möchte ich an dieser Stelle ein paar allgemeine Worte an unser Team richten.
Ihr habt uns in dieser Spielzeit einmal mehr gezeigt, was man schaffen kann, wenn alle zusammenhalten und sich vorbildlich unterstützen. Jeder, der dem Geschehen in unserem Verein etwas länger folgt, weiß, dass in diesem Verein und dieser Mannschaft eine ungeheure Kameradschaft herrscht. Das macht es Neuzugängen so leicht in Wolfsburg Fuß zu fassen und das macht es jungen Spielern leichter den nächsten Schritt zu gehen.
Ich hoffe, dass VW in Zukunft erkennt, was für ein Image-Juwel sie da in ihrem Portfolio haben und die Grizzlys mithilfe besserer PR-Möglichkeiten aus ihrem Nischendasein heraustreten können. Es bedarf nur vergleichsweise (Fußball!) kleiner organisatorischer und finanzieller Unterstützungen, um aus den Grizzlys in Zukunft eine Topadresse des deutschen Eishockeys zu machen. Eine zusätzliche Eisfläche wäre die einzig größere Veränderung, derer es bedarf. Verantwortliche, die aus wenig viel machen und seriös, aber keinesfalls unterkühlt auftreten, haben wir bereits.
Danke für diese Saison an alle Spieler und alle Mitarbeiter unserer Grizzlys. Die Vorfreude auf die kommende Saison könnte bei mir nicht größer sein. Das ist das größte Kompliment, das ich nach einer so langen Spielzeit machen kann. Bildet euch ruhig was drauf ein! mb

 

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