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F2 EHC - Red Bull München 2:3

  • Geschrieben von Martin
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Enttäuschung ist immer noch steigerbar

Diese Erfahrung machte zuletzt der Gegner aus Nürnberg und nun mussten die Grizzlys ihrerseits ein bereits viel zu langes Stück auf diesem Weg zurücklegen.
Überhaupt wirken die Playoffs in diesem Jahr in großen Teilen wie ein Abziehbild des letzten Durchgangs - im Guten wie im Schlechten.
Wie schon 2016 hießen die Kontrahenten Nürnberg und München und nach der Wiederholung des 4:2 gegen die Franken droht nun ebenfalls der Sweep gegen den Titelverteidiger aus München.
So glich nach der ersten Partie, die in der zweiten Verlängerung verloren ging (3:2 wie schon im Jahr zuvor), das zweite Spiel als knappe Heimniederlage ebenfalls - wenn auch weniger genau (2:3 statt 4:5) - dem Verlauf des letzten Finales.
Dabei hatten die Grizzlys zunächst den Eindruck hinterlassen, als hätten sie, wie angekündigt, etwas dazugelernt. Das Spiel startete mit gewohnt hohem Tempo, vielen Puckverlusten auf beiden Seiten und vor allem zahlreichen Chancen für die überlegenen Gäste. Wäre das Spiel der Bullen nicht durch eine doppelte Unterzahl zwischenzeitlich aus dem Tritt gebracht worden (12.), die Münchner Dominanz wäre wohl noch etwas höher ausgefallen. Doch wo hatten die Grizzlys, die nach einem slapstickartigen Pass von Gästeverteidiger Smaby durch Johnson in Führung gegangen waren (8.), dazugelernt?
Ganz einfach: Bis auf einen Pfostenschuss durch Matsumoto kurz vor der Pause, hatten die Gastgeber lediglich eine Großchance für die Bullen zugelassen, die mit ihrem 3 auf 1 Konter aber prompt am einzigen Wolfsburger Verteidiger scheiterten. Den Münchner Fehler hatten sie bei Smabys Pass vor den eigenen Kasten eiskalt ausgenutzt, Spielkontrolle und Körpersprache stimmten, darüber hinaus wurde Liga-Kotzbrocken Pinizotto kollektiv provoziert. Lediglich das fast zweiminütige 5 gegen 3 Überzahlspiel hatte etwas Anlass zur Sorge gegeben, ansonsten wirkten die Grizzlys abgeklärt und bereit, den ersten Finalsieg zu erkämpfen (erspielen dürfte gegen die extrem hochklassig besetzten Münchner wohl eher weniger in Frage kommen - für fast kein Team in dieser Liga).
Und es schien noch besser zu werden: Der Auftakt in den Mittelabschnitt gehört tatsächlich den Hausherren die erneut durch Johnson (25.) eine ihrer nun zahlreicher werdenden Möglichkeiten nutzen konnten. Beim 2 auf 1 Konter hatte der Wolfsburger Stürmer das Spielgerät kurzerhand ohne Abspiel über die Fanghand von aus den Birken ins Netz gejagt und die Halle in blanke Euphorie ausbrechen lassen. Als direkt im Anschluss auch die Sonderbehandlung des besagten Münchner "Sportsmanns" Früchte trug (2 Minuten wegen eines Ausrasters), schien endlich so etwas wie eine Weg zum ersten Sieg in einem Finalspiel gegen Red Bull sichtbar zu werden...für exakt 45 Sekunden. So lange dauerte es, bis Frank Mauer im überragenden Münchner Unterzahlspiel einen ungenauen Likens Rückpass zu Voakes an der blauen Linie klauen konnte, und Kastner den Rebound zum 2:1 versenkte. Ab da war das Spiel der Grizzlys wie abgeschnitten. Obwohl das Schiedsrichterduo Wolfsburg jede erdenkliche "Schützenhilfe" zu gewähren bereit war, im Nachgang gleich drei Gästespieler, teils aus kaum nachvollziehbaren Gründen, auf die Strafbank schickte - die Grizzlys kamen erst einmal überhaupt nicht mehr in Tritt. Von einem Moment zum nächsten war die gesamte Aggressivität aus den Aktionen der Wolfsburger gewichen, einfachste Puckannahmen, vorzugsweise im Powerplay misslangen und ließen das ohnehin geniale Penaltykilling der Gäste weiter zur Gefahr für das Wolfsburger Tor werden.
Dass die Gäste ihr erstes, dieser Strafkaskade folgende, Überzahlspiel umgehend zum Ausgleich nutzten (37.) passte da nur zu gut in das sich immer schneller ins Gruselige wandelnde Bild der Wolfsburger Eishockeycracks. Wolf hatte sich im Rücken der vier Wolfsburger ins Drittel der Grizzlys geschlichen, Verteidiger Wurm war durch einen Mitspieler darauf aufmerksam gemacht worden...um sich dann VOR Wolf zu stellen! Der nahm natürlich das Anspiel hinter dessen Rücken an und stürmte einsam und ungestört dem 2:2 entgegen.
Als München dann noch kurz vor der Pause das 2:3 nachlegen konnte, Mauer hatte ein - wiederum völlig ungestörtes - Anspiel von Kahun nur in die Maschen lenken müssen (40.), deutete eigentlich alles auf ein Desaster hin - so mies wirkten Körpersprache und Stellungsspiel der Gastgeber.
Dass es dann doch noch spannend, aber keineswegs erfreulich wurde, lag zum einen an einer deutlichen Leistungssteigerung der Grizzlys, aber auch an dem offenkundigen Entschluss der Gäste, das Spiel kontrolliert über die Runden zu bringen. Was Wolfsburg nach einem 2:0 und jeder Menge Überzahlgelegenheiten nicht gelang, sah bei Red Bull fast schon selbstverständlich aus.
Ob München bei einem Treffer der Hausherren noch einmal einen Gang höher hätte schalten können, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn der besagte Treffer sollte einfach nicht gelingen. Als Gerrit Fauser (in Unterzahl!) zur Mitte des Drittels bei seinem Break den Puck geradezu kläglich an die Schoner des Münchner Goalies geschoben hatte, war irgendwie klar: Der Kopf würde an diesem Abend nicht mehr der Freund der Grizzlys.
So scheiterte auch Mark Voakes wenig später mit seinem Alleingang an aus den Birken (51.), bevor Wolfsburg in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorne warf. Wobei sich das "Nach vorne werfen" durchaus schwierig gestaltete, so extrem hatte das Team aus der bayrischen Landeshauptstadt den Daumen auf dem Geschehen.
So gelang auch in zwei (kurzen) Phasen ohne Torhüter den Gastgebern nicht mehr der so dringend benötigte Treffer zum Ausgleich, die nächste Enttäuschung reihte sich in die lange Kette der Final-Niederlagen ein.

Teamcheck

Tor
Brückmann gewohnt souverän, hält die Tür so lange wie irgend möglich in Richtung erster Sieg in einem Finale offen. Schade, dass seine Vorderleute für satte 15 Minuten ihre Eier verlegt hatten.

Verteidigung
Nach dem wirklich guten Auftaktdrittel, das nicht nur durch kollektive Geschlossenheit, sondern auch individuell außergewöhnliche Leistungen (z.B. Wurms Rettung gegen drei Münchner) geprägt war, zunehmend ein Quell des Unfugs.
Erst Likens' Rückhandpass ins Nichts im Powerplay, dann Wurms brillantes Stellungsspiel bei eigener Überzahl trotz Hinweis durch einen Mitspieler auf den lauernden Münchner Stürmer. Zur Krönung fühlte sich der Wolfsburger Verteidiger auch bei Mauers 2:3 irgendwie nicht für diesen zuständig, während seine Sturmkollegen Einladungsschreiben an Herrn Kahun versendeten, als dieser gefühlt sekundenlang nach einem Anspielpartner vor dem Wolfsburger Tor suchen durfte.

Sturm
Neben dem herausragenden Johnson machte auch die Reihe um Kapitän Haskins einen brauchbaren Job. Währenddessen will die mit Höhenleitner statt Riefers agierende Voakes-Reihe einfach nicht in die Serie finden. Die wenigen guten Gelegenheiten der ersten beiden Spiele ließen vor allem Voakes und Torjäger Aubin durchgängig liegen, machten aber insgesamt einfach keinen gefährlichen Eindruck gegen die gut organisierten Münchner. Stark verbessert präsentierte sich Alex Weiss, der an der Entstehung beider Treffer maßgeblich beteiligt war und durchgängig den so dringend benötigten Biss zeigte.
Dass man mit Pfohl oder Karachun angesichts des kollektiven Angsthasenauftritts im Mittelabschnitt besser gefahren wäre, darf natürlich bezweifelt werden. Um eine Beibehaltung der momentanen Aufstellung haben sich allerdings bestenfalls die Hälfte der Angreifer bewerben können...Zeit für die eine oder andere Änderung.
Insgesamt gilt es nun für das ganze Team einmal 60 Minuten eine Marschroute durchzuziehen, auch wenn mal ein oder zwei Gegentore dazwischenkommen. Hätte man die vor dem 2:1 an den Tag gelegte Aggressivität beibehalten - das hätte noch ein sehr langer Eishockeyabend werden können.
Tore bei eigener Überzahl müssten ja nun schon aus rein statistischen Gründen geradezu reihenweise für uns fallen ;-) mb


HF6 EHC - T. Sabo Ice Tigers 3:0

  • Geschrieben von Martin
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Und jährlich grüßt der Grizzlybär

Es bleibt dabei: Der Grizzly ist eine Spezies, die vor allem im Frankenland Angst und Schrecken verbreitet. Schon zum vierten Mal gelingt es Wolfsburg eine Play-off Serie gegen die Ice Tigers siegreich zu gestalten, wobei das diesjährige Nürnberger Team wohl das bisher beste und namhafteste dargestellt haben dürfte.
Nach dem zuletzt so überlegenen Auftreten der Franken in Spiel Nr.5 hatte wohl kaum jemand mit einer ebenso souveränen Leistung des Wolfsburger Teams im sechsten Aufeinandertreffen gerechnet. Doch was die Hausherren in den folgenden 60 Minuten Spielzeit darboten, ließ die Zweifel an einer erneuten Finalteilnahme rasend schnell verblassen.
Die erste gefährliche Aktion der jungen Partie gehört allerdings den Gästen, die schon nach wenigen Sekunden ein Abstimmungsproblem hinter dem Wolfsburger Tor hätten nutzen müssen. Doch die Gastgeber konnten im letzten Moment den unbehelligt vor dem Gehäuse liegenden Puck klären und ihrerseits, fast im Gegenzug, das erste Ausrufezeichen setzen. Likens' Lattenknaller (1.) weckte dann auch den letzten Träumer im Team der Gäste - Abtasten überflüssig!
Mit Volldampf nahmen beide Teams sofort die Laufarbeit auf und das gegnerische Tor unter Beschuss. Doch schon früh sollte klar werden: In jeder Hinsicht überzeugte, entgegen den vorhergegangenen Partien, das Team der Grizzlys ein paar Prozentpunkte mehr als ihre Gäste. Als Sebastian Furchner dann in der 7.Spielminute zur verdienten 1:0 Führung abfälschen konnte, folgte die einzige Phase der Begegnung, die durch stärker agierende Nürnberger gekennzeichnet war. Aber Wolfsburg blieb stabil, überstand eine der gefürchteten Unterzahlsituationen, auch dank eines Monstersaves ihres Goalies (10.), unbeschadet und nahm das Spiel schließlich fest in die Hand.
Und siehe da: Im zweiten Anlauf war sogar das etwas eingerostete Powerplay der Grizzlys wieder erfolgreich...wenn auch äußerst glücklich! Aubin hatte beim Schussversuch die Kufe eines Gegenspielers erwischt, von wo der Puck an dessen Stock und von dort als Bogenlampe hinter Jenike ins Tor gesegelt war (16.). Nach Videobeweis fand der Treffer zurecht seine Anerkennung, die Party der Grizzlys nahm auf den Rängen langsam Fahrt auf.
Als Wolfsburg im Mittelabschnitt sogar noch zwei weitere Unterzahlsituationen schadlos überstehen konnte, wurde langsam klar: Nürnberg fehlen an diesem Abend einfach die Mittel, um die Grizzlys in ein siebtes Spiel zu zwingen. Bei fünf gegen fünf wirkte der Auftritt der Gäste alles andere als sortiert, so dass die bis dahin gewohnte Vielzahl an Chancen schlicht und ergreifend ausblieb. Vielmehr kontrollierten die Gastgeber, fast schon überraschend souverän, das Geschehen auf dem Eis und legten ihrerseits sogar noch ein weiteres Tor zur beruhigenden 3:0 Führung durch Gerrit Fauser nach (37.). Beruhigend? Vielleicht für den nur gelegentlich Wolfsburger Eishockey Genießenden - der Rest des Wolfsburger Anhangs sehnt seit der berüchtigten Serie gegen die Adler bei diesem Spielstand stets den vierten Treffer herbei...
Doch an diesem Abend sollte es den vierten Treffers nicht brauchen, um den Grizzlys den Sieg wirklich zu sichern. Alles Anrennen der Gäste blieb weitgehend brotlose, und gelegentlich auch kopflose Kunst. Die Panik hatte offenbar in den Nürnberger Köpfen die Oberhand gewonnen, so dass die Bemühungen der Ice Tigers fast durchgängig verkrampft und uninspiriert wirkten. Überschattet wurde das eigentlich so erfreuliche Drittel von einem Unfall, der einen der beiden Linesmen auf direktem Weg ins Krankenhaus brachte. Nachdem ein Nürnberger Spieler Nick Johnson in einen der Linesman gecheckt hatte, knallte dieser so unglücklich mit dem Kopf auf das Eis, dass er ohne volles Bewusstsein vom Eis getragen werden musste. Wie mittlerweile bekannt geworden ist, scheint der Linienrichter aber mit einer Gehirnerschütterung davongekommen zu sein und blieb über Nacht zur Beobachtung im Wolfsburger Krankenhaus. Wir wünschen von dieser Stelle aus gute Besserung und eine schnelle Genesung!
Im Schlussabschnitt, der die Sommerpause der Nürnberger einzuläuten drohte, waren schließlich die Grizzlys dem Torerfolg dann wesentlich näher, als die immer verzweifelter und schließlich resignierend auftretenden Gäste. Nur zum Auftakt des Schlussdrittels hatte Wolfsburg einmal zittern müssen, duften die Ice Tigers doch für einige Sekunden ihr Glück sogar in doppelter Überzahl probieren. Der Ertrag gegen vorbildlich verteidigende Grizzlys und einen bärenstarken Brückmann blieb jedoch gleich Null. Als Jimmy Sharrow wenig später erneut das Nürnberger Lattenkreuz zum klingen brachte (43.) , war die Stimmung in Reihen der Gäste schon längst in Richtung Krawall entglitten. Das machte die Aufholjagd für Nürnberg nun nicht unbedingt einfacher, da in einer der folgenden Szenen eben gleich zwei Tigers und nur ein Grizzly nach einer Meinungsverschiedenheit auf die Strafbank wanderten. Je größer die Verzweiflung auf Seiten der Gäste, desto unbarmherziger wuchs die Kontrolle der Grizzlys. Hochkonzentriert, selbst bei gezogenem gegnerischen Goalie nur auf Puck- und Zeitgewinn bedacht, spielten die Hausherren die Minuten von der Uhr und konnten schließlich, neben dem Finaleinzug und der Championsleague-Teilnahme, auch den nächsten Shut out für ihren großen Rückhalt im Tor feiern.
Wie schon im letzten Jahr heißt der Gegner nun Red Bull München und stellt damit die größtmögliche Herausforderung in Sachen Kaderqualität und taktische Finesse dar. Ziel sollte wohl erst einmal der Gewinn eines Finalspiels sein. Alles, was dann hinzukäme, wäre eine schöne Zugabe, vielleicht sogar eine echte Chance...wer weiß!


Teamcheck

Tor
Brückmann in allen entscheidenden Momenten voll da! Besonders der abgewehrte One-Timer in der 10.Minute dürfte die Gäste reichlich Nerven gekostet und den Spielverlauf damit nachhaltig verändert haben.
Geniale Leistung, ohne wenn und aber.

Verteidigung
Ohne den zuletzt so starken Bina machten die Grizzlys trotzdem ein defensiv fast perfektes Spiel. So perfekt, wie es gegen ein derart offensivstarkes Team wie Nürnberg halt geht.
Likens weiterhin nur mit wenig Ausrutschern eine echte Bank - Play-off Form eben!
Auch die restlichen Akteure schonten die Nerven der Zuschauer, wobei Armin Wurm die spektakulärste Rettungsaktion der gesamten Partie für sich verbuchen konnte.

Sturm
Alle drei Torjäger treffen, die dritte und vierte Reihe grinden dem Gegner die Seele aus dem Leib - was will man mehr?
Das Comeback von Höhi schien dabei noch zusätzlichen Spirit ins Team zu bringen. Tut irgendwie gut, das unser Urgrizzly wieder dabei ist...
Bleibt zu hoffen, dass Nick "das Tier" Johnson möglichst bald einen Anschlussvertrag unterschreibt. Einfach nur geil, wie der Mann sich in die Zweikämpfe schmeißt und im gegnerischen Drittel (vor allem im Slot) für Randale sorgt. Erinnert, bis auf die Torausbeute, ein wenig an Kenny. Hach, da wird man fast sentimental ;)
Für Spannung dürfte in diesem Mannschaftsteil jedenfalls gesorgt sein, denn neben dem überzähligen Pfohl stehen mit Weiss, Foucault und Dixon noch weitere Kandidaten vor einer eventuellen Rückkehr in den Kader.
In der Verteidigung würde ohne den vermutlich verletzten Robbie Bina allerdings schon ein wichtiges Stück Qualität fehlen - da heißt es nun Daumen drücken fürs Finale! mb

HF4 EHC - T. Sabo Ice Tigers 4:3

  • Geschrieben von Martin
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Grizzlys Wolfsburg präsentieren: Spaß mit Ice Tigers

Gegen die stets offensiv brillant aufgestellten Nürnberger machen Play-offs besonders viel Freude. Selbst, wenn man mal den Kürzeren gegen die Raubkatzen aus dem Frankenland gezogen hat, kann man am Ende einer Partie meist sagen: Das war ein geiles Spiel!
Dass das, wie auch in diesem Aufeinandertreffen, aus Wolfsburger Sicht eher selten der Fall ist, macht die Angelegenheit natürlich noch erfreulicher.
Überfallartig hatten die Gäste diesmal versucht das Geschehen in der Eisarena an sich zu reißen und nach wenigen Sekunden gleich die erste Einschussmöglichkeit durch Marco Pfleger zu verzeichnen. Doch Nürnberg hatte Pech: HSR Piechaczek, in Spiel 3 noch mit einer überragenden Leistung positiv in Erscheinung getreten, hatte statt Marian Rohatsch nun mit Marcus Brill einen anderen Kollegen an die Seite gestellt bekommen - und irgendwie fand der Gast zunächst keine Einstellung zur Linie des neuen Gespanns. Mit einer Mischung aus dummen Aktionen und kleinlichen Pfiffen schafften es die Gäste im ersten Drittel sage und schreibe 14 +10 Strafminuten zu sammeln, während Wolfsburg lediglich dreimal einen Mann Richtung Kühlbox schicken musste.
Doch während die Grizzlys sogar eine Minute ihrer zahlreichen Powerplay-Möglichkeiten in doppelter Überzahl verbringen durften, glänzte Nürnberg durch hervorragendes Penalty-Killing und verhinderte somit den frühen Rückstand.
Es brauchte in der Folge einen Alleingang von Wolfsburgs Torjäger vom Dienst, um bei numerischem Gleichgewicht die ausverkaufte Eisarena das erste Mal zum Toben zu bringen! Brent Aubin hatte sich nach einem langen Pass von Jeff Likens seinen Weg durch das Drittel der Ice Tigers gesucht, Gegenspieler Weber und schließlich auch Goalie Reimer rasant umkurvt und aus spitzem Winkel abgeschlossen (15.). Die Arena stand sofort Kopf, pushte das Team immer weiter nach vorne, um diesen ersten Vorteil eventuell auszubauen. Doch die Gäste widerstanden allen weiteren Wolfsburger Bemühungen, blieben ihrerseits, falls einmal vollzählig, brandgefährlich in ihren Aktionen vor Felix Brückmann.
Und dessen Dienste waren zu Beginn des Mitteldrittels schwer gefragt. Mit sehenswerten Paraden stand der Wolfsburger Goalie seinem Gegenüber bis dahin in nichts nach und hielt die Grizzlys weiter auf Siegkurs, während seine Vorderleute die Fehler der Gäste nun endlich bestrafen konnten (wenn auch nicht in Überzahl):
Syvret verliert die Scheibenkontrolle neben dem eigenen Tor - Furchner klaut das Spielgerät und leitet zu Fauser weiter, der Kapitän Haskins das nächste wichtige Tor in dieser Serie auflegen kann (25.). Einen Abpraller aus dem Gewühl vor Jochen Reimer verwandelt Alex Karachun schließlich zum 3:0 (37.) und lässt die Grizzlys bereits vom dritten Sieg in Folge träumen.
Doch nachdem jeder einzelne Mitspieler den Youngster für sein erstes DEL-Tor hatte hochleben lassen, ging den Grizzlys kurzfristig das wichtigste Gut im Sport komplett verloren: Die Konzentration. Selten hat man gesehen, dass einem Wolfsburger Team so viele individuelle Fehler in so kurzer Zeit unterliefen, wie in den folgenden rund 70 Sekunden. Erst springt Hisey ein Puck in zentraler Position von der Kelle - die Tigers sagen in Person von Dupuis "Danke!" und verkürzen auf 3:1. Dann stürmt der sonst so tadellos agierende Dehner ins gegnerische Drittel und setzt den harten Pass auf den Flügel in die Kufen eines Gegenspielers - Segal veredelt seinen bereits von Bina geblockten Abschluss aus der Drehung durch Brückmanns Hosenträger zum 3:2.
Ohne Not hatte man den schwer angeknockten Gegner binnen weniger Sekunden zurück ins Spiel gebracht, wieder schien ein 3:0 keine gute Wirkung auf die Wolfsburger Einstellung gehabt zu haben.
Dass der sonst so überragend agierende Wolfsburger Goalie sich obendrein ein derartiges Ei einfing, machte die Sache da nicht weniger prekär...
Fünf Sekunden vor der Drittelpause kassierte zu allem Überfluss mit Sebastian Furchner auch noch ein Akteur der Grizzlys zwei Strafminuten wegen Hakens - das Feld schien für die Ice Tigers bestellt, ein Kippen der Partie lag mehr als nur in der Luft.
Doch die Pause schien den Gastgebern gutgetan zu haben, Wolfsburg hatte seine Sinne offenbar wieder beisammen und lieferte den Franken im Schlussabschnitt wieder den gewohnt fokussierten Fight der dieses Team so auszeichnet. Nach überstandener Unterzahl eroberten sich die Hausherren unter der frenetischen Anfeuerung ihrer Anhänger Stück für Stück ihre Spielanteile zurück und konnten in der 50.Minute sogar den viel umjubelten Treffer zum 4:2 erzielen. Nürnbergs Blacker hatte einen Schuss von Voakes durch die Mitte klären wollen, Robbie Bina nahm das Spielgerät dankend an der blauen Linie in Empfang und versenkte es mit der ihm eigenen Bierruhe im Winkel des Tiger-Gehäuses. Die Halle rastete nun endgültig aus, trug das Team Minute um Minute durch diese entscheidende Phase des Spiels. Doch wie schon im ersten Aufeinandertreffen in Nürnberg brachte sich Wolfsburg durch eine Strafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis erneut selber in die Bredouille (52.). Und wieder mit dem gleichen Ergebnis wie in der Auftaktpartie: Einem Tor für die Ice Tigers. Robert Schrempp gelang mit einem leicht abgefälschten Schuss aus Halbdistanz der 4:3 Anschlusstreffer (53.), der die Luft in der Halle noch einmal zum Brennen bringen sollte.
Die Gäste warfen nun alles nach vorne, und wer die Offensivqualität der Tigers kennt weiß, was das bedeutet. Doch selbst, als Jochen Reimer für einen sechsten Feldspieler sein Gehäuse räumte, gelang den Franken nicht der so dringend benötigte vierte Treffer. Egal ob Reinprecht, Ehliz, Patrick Reimer oder Syvret - wer auch immer sein Glück versuchte: Die Endstation hieß stets Brückmann.
Frenetisch, fast schon ungläubig feierten die Fans der Grizzlys diesen nächsten Schritt in Richtung erneuter Finalteilnahme. Ein Erfolg, der während der Saison meist in weiter Ferne zu liegen schien...

Teamcheck

Tor
Die Katze lässt sich in der 38.Minute tatsächlich einmal von ihren Vorderleuten anstecken und schließt sich mit zwei wenig souveränen Szenen dem allgemeinen Chaos an.
Ansonsten wieder der gewohnt sichere Rückhalt der Grizzlys und in der Gesamtschau der Serie seinem Gegenüber das kleine Bisschen voraus.
Wie immer ein Faktor!

Verteidigung
Insgesamt eine gute Leistung der gesamten Defensive. Während der sonst so starke Dehner durch erstaunlich viele Fehlpässe - so auch beim 3:2 - auffiel, ragte besonders Robbie Bina positiv hervor. Neben einer sehr souveränen Gesamtvorstellung bügelte er zunächst Dehners Fehler vor dem 3:2 aus (Brückmann ließ den Nachschuss leider durchrutschen), dann erzielte er mit bemerkenswerter Ruhe den Game Winner.

Sturm
Aubin füllt weiter sein Torkonto und Karachun erzielt in einem derart wichtigen Spiel sein erstes DEL-Tor. Irgendwie schaffen die Grizzlys es, in jedem Spiel ihre Tore zu machen und das liegt vor allem an der geschlossenen Mannschaftsleistung.
Natürlich macht die Entwicklung des schon während der Saison üppig mit Eiszeit ausgestatteten Youngsters Karachun besonders viel Spaß. Gerade, weil Alex auch wegen seiner guten körperlichen Voraussetzungen einer der für unseren Spielstil wichtigen und seltenen Powerforwards werden könnte, bin ich auf seine Fortschritte in den kommenden Jahren - hoffentlich in orange - sehr gespannt!
Aber auch die Akteure, die bislang ohne Anschlussvertrag sind, liefern gute, teils hervorragende Leistungen ab. Nick Johnson ist mit seiner wichtigen Arbeit vor dem gegnerischen Tor und seiner enormen Penetranz an der Bande mittlerweile ein ganz heißer Kandidat auf eine weitere Saison am Allersee und auch Philip Riefers liefert auf den letzten Drücker ständig neue Argumente für weitere Verhandlungen. Sehr schön und für den Erfolg in den kommenden Spielen sehr wichtig!
Wichtig aber auch einmal ein paar Worte an die Jungs auf der Tribüne zu verlieren: Sowohl Dixon, als auch Pfohl haben sich im Verlauf der Saison durch teils wirklich gute Vorstellungen auszeichnen können. Dass es nun in dieser entscheidenden Phase bei anderen besser läuft, sollte sie nicht zu sehr betrüben - was auch immer am Ende raus kommt, wird ein Erfolg dieser langen Reise durch die gesamte Saison sein. Vielleicht kommt für beide die nächste Chance sogar schneller als sie denken.
Kopf hoch, ihr zwei - wir wissen, dass ihr es genauso drauf habt! mb

HF2 EHC - T. Sabo Ice Tigers 5:3

  • Geschrieben von Martin
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Herzkranke und Nervenschwache verlassen bitte vor Anpfiff die Halle.

Diese Aufschrift gehört eigentlich auf jedes Ticket einer Play-off Serie zwischen Wolfsburg und Nürnberg. Einer der Hauptgründe, warum Spiele gegen Nürnberg sich einer generellen Beliebtheit bei den eingefleischteren unter den Wolfsburger Eishockeyfans erfreuen. Den anderen dürfte die Tatsache darstellen, dass die Spiele bzw. Serien meist gut für die heimischen Grizzlys enden.
Nach der 5:1 Auftaktniederlage hatte der eine oder andere vielleicht schon ein wenig zweifeln dürfen, ob die Grizzlys sich der überragenden Angriffspower der Nürnberger erwehren könnten - ganz zerstreut wurden die Zweifel indes auch nach dem Heimsieg in Spiel 2 nicht. Denn das Überzahlspiel der Franken bereitet den Grizzlys nach wie vor großen Kummer!
Zum Glück bekamen die Gäste im Auftaktdrittel nur wenig Gelegenheit ihre neu entdeckten Überzahlkünste zu demonstrieren (im Viertelfinale noch mit Abstand das schlechteste aller Teams).
Mit Volldampf waren die Gastgeber aus den Kabinen gekommen und hatten den Gästen nach einer frühen Einschusschance durch Aubin gleich mal durch eben jenen das erste Ei ins Nest gelegt (6.). Der Wolfsburger Torjäger hatte gleich in der ersten Überzahl das Spielgerät diagonal in den Winkel genagelt und die Halle schon früh in Verzückung versetzt. Als knapp drei Minuten später Mulock auf die Strafbank wanderte taten die Ice Tigers den Hausherren den Gefallen, wenig später auch ihrerseits mit Ehliz einen Spieler für die Strafbank "abzustellen", so dass die Partie zunächst mit 4 gegen 4 weiterging. Doch keine Minute später folgte ihm mit Patrick Reimer (traf Sharrow mit der Kelle am Auge) auch sein Kapitän aufs Sünderbänkchen, so dass die Grizzlys sogar einige Sekunden später in doppelter Überzahl agieren durften. Ehliz hatte gerade eine Kufe wieder aufs Eis gesetzt, da schloss Wolfsburgs Fauser eine schöne Kombination seines Powerplay-Blocks zum 2:0 ab (12.) und schickte die Feierlaune der Fans in die nächste Eskalationsstufe. Fast ungläubig nahmen die mittlerweile ausgelassen anfeuernden Fans dann eine Zeigerumdrehung später sogar das 3:0 zur Kenntnis - Fauser hatte Reimer mit dem Rücken zum Tor per Nachschuss bezwungen und einen reichlich ratlos aus der Wäsche schauende Gäste hinterlassen.
Die immer wieder auftauchenden Schwächen im defensiven Wolfsburger Stellungsspiel bügelte bis dahin ein ums andere Mal Goalie Brückmann aus, so dass die Gastgeber mit einem, vermeintlich, komfortablen 3:0 in die Kabinen gehen konnten
Nachdem sich die Gäste in den ersten Minuten des Mitteldrittels Stück für Stück mehr Spielanteile gesichert hatten, war es dann soweit: Das erste Powerplay der Ice Tigers stand an. Riefers hatte sich für einen ungeahndeten Stock im Kauwerkzeug per Bandencheck gerächt und damit den kommenden Reigen der Unterzahl-Gegentreffer indirekt eingeleitet. Zunächst traf Ehliz völlig allein und verlassen aus zentraler Position (29.), dann stellte sein Kollege Dupuis am langen Pfosten auf 3:2 - nicht einmal vier Minuten später und ebenfalls in Überzahl. Das Absurde an den Situationen war, neben der eklatanten Unfähigkeit der Grizzlys den langen Pass zu unterbinden, dass die Wolfsburger stets über eine Minute den Gast kaum ins Drittel kommen ließen und sich eigentlich gut zur Wehr setzten...bis Nürnberg die Aufstellung gefunden hatte. Zwischenzeitlich hatte obendrein auch das Glück die Reihen der Gastgeber offenbar verlassen: Philip Riefers scheitert kurz vor dem zweiten Treffer der Ice Tigers aus nächster Nähe am Schoner des Nürnberger Goalies und auch Voakes konnte kurz vor der Pause seinen Alleingang nicht mit einem hohen Schuss vollenden und scheiterte ebenfalls an besagtem Ausrüstungsgegenstand. Selbst mit dem Pausenpfiff sollte das Leiden des kopfschüttelnden Wolfsburger Publikums nicht enden, denn Wolfsburg ging mit einer weiteren Strafe im Gepäck in die Unterbrechung und musste, wie schon beim zweiten Gegentreffer, wenige Sekunden vor Ablauf der Strafe auch dieses Unterzahlspiel mit einem Tor quittieren (42.). Dabei war der Ausgleich Chefsache: Patrick Reimer hatte den Puck, ähnlich dem 1:0 der Gastgeber, diagonal im Winkel versenkt und damit sowohl Torhüter als auch Verteidigern der Grizzlys keine Chance gelassen. Der Schock saß tief bei Team und Fans der Hausherren, doch zum Glück schlug der Gast nun eine etwas ruhigere Gangart an, verlor dadurch prompt die spielerische Hoheit an die nun wieder durchgängig mit fünf Leuten spielenden Wolfsburger.
Zwar hatten die Gäste nun weniger, aber dafür weiter hochkarätige Chancen zu verzeichnen, aber das Momentum wanderte ganz langsam in Richtung Grizzlys, die noch einen letzten Trumpf im Ärmel hatten: Brent Aubin.
Im Rücken der Gästeabwehr profitierte der Wolfsburger Torjäger von einem Nürnberger Stellungsfehler und vollstreckte eiskalt in den Winkel zum vorentscheidenden 4:3 für seine Farben (59.). Nach quälenden 30 Minuten war in der Eisarena nun natürlich Eskalationsstufe 1 angesagt. Die Fans konnten das späte Glück kaum fassen, da machte Nick Johnson mit dem Schuss ins leere Tor (60.) den Ausgleich in der Serie auch schon zum Fakt - Erleichterung pur!
Wäre das 3:0 noch in einer Niederlage geendet - der psychologische Schaden wäre wohl kaum zu reparieren gewesen...aber Nürnberg ist halt nicht Mannheim ;)

Teamcheck

Tor
Brückmann weiter im Tunnel. Bringt eine Topleistung nach der anderen und hält gegen immer wieder gefährlich zum Tor ziehende Gäste die Chance zum Sieg am Leben. Teils spektakuläre Rettungsaktionen gegen Nürnbergs Paradereihe um Patrick Reimer; vor allem im letzten Drittel einfach nur genial.

Verteidigung
Bei 5 gegen 5 mit einigen, gegen Nürnberger Angriffspower vermutlich nie ganz zu beseitigenden, Stellungsfehlern. In Unterzahl sehen bei den ersten beiden Treffern nacheinander Wurm und Sharrow ganz mau aus in Sachen Betreuung des am langen Pfosten lauernden Stürmers. Das muss ganz schnell viel besser werden! Einziger Vorteil: Wie das Nürnberger Powerplay statistisch einfach nach einer Korrektur schrie (keine 8 Prozent), so tut dies mittlerweile das Unterzahlspiel der Grizzlys - zumindest in dieser Serie. Likens ohne größeren Unfug sollte auch mal eine Erwähnung wert sein, während Dehner, Bina und Krupp einen wirklich guten Eindruck hinterließen. Trotzdem momentan eine Baustelle (logisch, bei sieben Unterzahl-Gegentoren in Folge).

Sturm
Konsequenterweise bekam Pfohl eine Auszeit nach den Vorstellungen der letzten Spiele. Besonders in Nürnberg sah das Wolfsburger Sturmtalent kein Land und verlor fast jeden Zweikampf. Was auch immer diesen Leistungseinbruch hervorgerufen hat, geht hoffentlich schnell vorbei und Fabio verlässt sich in Zukunft vielleicht wieder mehr auf Stellungsspiel und Laufarbeit gegen die Nürnberger Physis.
Indes nutzten Karachun und Riefers die Gunst der Stunde und lieferten ihrerseits gute Leistungen ab. Während beide, trotz Gelegenheit, einfach nicht den Puck über die Linie bekommen, erfüllten sie in ihren Reihen aber jeweils ihre Aufgaben. Riefers gefiel dabei vor allem im Zusammenspiel mit seinen Sturmkollegen und dürfte den Platz neben Voakes und Aubin vorerst gesichert haben. Ob Karachuns Körperspiel Pfohls Übersicht und Spielwitz wieder weichen muss, wird abzuwarten bleiben.
Das Duo Voakes/Aubin bleibt derweil der Spaßgarant auf Wolfsburger Seite. Voakes zockt teilweise die gesamte Nürnberger Mannschaft aus, während Aubin momentan wohl auch nachts um drei mit dem Schläger in der Hand aus dem Bett aufs Eis springen könnte und den Puck trotzdem in den Winkel nageln würde. Fauser und Haskins ähnlich stark -. was will man mehr? Ein funktionierendes Unterzahlspiel vielleicht. mb

VF6 EHC - Kölner Haie 0:1

  • Geschrieben von Martin
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Grizzlys mögen es spannend

Nach der 3:1 Führung in der Viertelfinalserie gegen Köln hat es das Wolfsburger Team nun so knapp wie irgend möglich werden lassen. Während die Grizzlys in Spiel 5 das bessere Team waren und nur unglücklich den ersten Matchpuck nicht verwandeln konnten, dominierten die erneut gegen das frühe Aus kämpfenden Haie das sechste Spiel dieser spannenden Serie.
Schon der Auftakt vor rund 3500 Zuschauern gestaltete sich dabei recht ungelenk: Ganze 12 Sekunden und eine erste Torchance für Wolfsburg später waren auch schon die ersten Strafzeiten verteilt. Youngster Karachun erwischte es dabei gleich mit einer Spieldauerstrafe wegen hohen Stocks (Kontrahent Jones blutete mit etwas Anlauf...), während gleichzeitig Eriksson für die Haie auf die Strafbank wanderte. Im folgenden 4 gegen 4 leistete sich Bolduc nach einer weiteren Spielminute eine seiner schlauen Aktionen, so dass die Hausherren sogar vorübergehend eine 4 gegen 3 Überzahl genießen durften. Wirklich bleibenden Eindruck hinterließ in diesen wechselhaften fünf Minuten allerdings keines der beiden Teams in ihren Überzahlaktionen. Ein kampfbetontes, hin und wieder extrem zerfahrenes Spiel nahm seinen Lauf - und das kam den Gästen vom Rhein deutlich mehr entgegen als den gastgebenden Wolfsburgern!
Lediglich während einer weiteren Überzahl konnten die Gäste ihre Gefährlichkeit im Powerplay noch einmal demonstrieren (17.), ansonsten gab es für beide Teams bis zur 55.Minute keine einzige Strafe zu vermelden.
Was mit engagiertem Forechecking und einem leichten Übergewicht im ersten Spielabschnitt begann, sollte sich zum Leidwesen der Grizzlys im Mitteldrittel noch einmal verstärken: Die Haie ließen nun keinerlei brauchbaren Spielaufbau der Gastgeber mehr zu, attackierten den Scheibenführenden unablässig, um bei Puckgewinn irgendetwas Sinnvolles mit dem Spielgerät anzustellen. Das sah dann genau so vage aus, wie sich diese Formulierung deuten lässt. Schön war das jedenfalls nicht mit anzusehen, aber die Gäste wollten Kontrolle um jeden Preis und erreichten ihr Ziel auch. Dafür war Spannung garantiert: Jedem Team gelang zwar ein Treffer ans Gestänge (erst Furchner, dann Krämmer), aber Zählbares kam bei dieser durch das Kölner Forechecking völlig zerfahrenen Partie nicht heraus. Bezeichnend, dass die Gäste trotz ihrer optischen Überlegenheit und weitaus größeren Verweildauer im Angriffsdrittel eher weniger als mehr echte Torchancen gegenüber ihren Kontrahenten verbuchen konnten.
Allein die Unfähigkeit der Grizzlys sich mit strukturiertem Aufbauspiel aus dem Dauer-Forecheck der Gäste zu befreien, verhinderte einen attraktiveren Spielverlauf (und natürlich die fehlende Führung).
Wirr und umkämpft ging es auch im Schlussabschnitt weiter, in dem zuerst die Grizzlys einmal etwas zu Jubeln bekamen. Doch Johnsons Treffer (48.) war eindeutig mit dem Schlittschuh und mittels Kickbewegung erzielt worden, so dass die Schiedsrichter dem Treffer korrekterweise die Anerkennung verweigern mussten.
Das schien allerdings der letzte Kick für die Gäste gewesen zu sein, denn in der Folgezeit erhöhte der KEC noch einmal die Schlagzahl (diesmal ohne Verletzungen) und bekam von den Gastgebern die Reaktion in Form von krachenden Checks hinter dem eigenen Tor. Ausgerechnet die harmloseste Aktion der Grizzlys pfiffen die Referees zum Entsetzen der heimischen Fans schließlich ab (55.) und schickten mit Jeff Likens (wer sonst) nach 38 straflosen Minuten erstmals wieder einen Spieler in die Kühlbox - mit verheerenden Folgen. Als Jimmy Sharrow dann, praktisch direkt nach dem nächsten Anspiel, die Scheibe über die Glasbande beförderte, war das Unheil perfekt: 5 gegen 3 Überzahl fast zwei Minuten lang am Ende eines derart intensiven Spiels!
Wer sonst als Shawn Lalonde sollte diese Gelegenheit für die Haie gewinnbringend nutzen und mit einem Hammer zum 0:1 die Partie entscheiden?
Die Versuche der Grizzlys, den Ausgleich bis zum Schlusspfiff noch zu erzielen, bekamen durch einen weiteren "Geniestreich" von Alexandre Bolduc (59.) zwar noch einmal Rückenwind, doch sollte auch der sechste Feldspieler am Ende nicht mehr die erhoffte Wende gegen vier Kölner bringen. Zu unstrukturiert und ungenau gestaltete sich das gesamte Auftreten der Gastgeber in dieser hart umkämpften Partie, so dass ein großer Fehler reichte, um die Serie in die Verlängerung zu schicken.

Teamcheck

Tor
Brückmann bleibt weiterhin bestens aufgelegt und hält fast alles fest, was es zu halten gibt. Lalondes Schüsse lassen sich ab einer gewissen Spielerzahl (in diesem Fall 3) allerdings weder blocken noch halten ;)
Bleibt der Garant für enge Spiele, wenn es mal nicht so gut bei den Grizzlys läuft - und es lief gar nicht gut.

Verteidigung
Außer Jeremy Dehner und mit Abstrichen Likens konnte keiner der Wolfsburger Verteidiger dem Ansturm der Gäste überlegte Aufbauaktionen entgegen halten. Die Haie drängten den Grizzlys praktisch eine einzige Option in Sachen Spielart auf (lange Pässe und Konter), die sie an diesem Abend einfach nicht ins Rollen bringen konnten. Da diese Art zu reagieren eher für ein Auswärtsteam gemacht scheint, wundert es schon ein wenig, dass die auswärtsstarken Grizzlys das nicht hinbekamen...

Sturm
Da lief nicht viel zusammen. Scheibenglück und Timing machten Betriebsausflug, die Laufwege der Grizzlys schienen einfach nicht zu passen. Zwar hatte jede Reihe ihre Momente, um vielleicht doch den entscheidenden Treffer zu landen, aber insgesamt machte es in keiner der Reihen "klick". Bleibt zu hoffen, dass man dieses Chaos beim letzten und entscheidenden Spiel der Serie in den Griff bekommt, um den Haien wieder mit spielerischen Mitteln zu Leibe zu rücken. Eventuell sollte Rob Hisey als Puckkünstler mal einen Auftritt in den Play-offs bekommen. In Überzahl stellt der Spätzugang ja ebenfalls einen Faktor dar - doch welchen Ausländer dafür draußen lassen? Gegen die rustikale Truppe vom Dom braucht es Spieler wie Dixon und Johnson, die dort hingehen, wo es weh tut (momentan praktisch überall auf dem Eis). Eine Rückkehr von Höhi, der in so einer harten Serie schmerzlich vermisst wird, scheint darüber hinaus unwahrscheinlich, so dass man einfach nur darauf hoffen muss, dass unsere Offensive einen besseren Tag erwischt. In den Play-offs ohnehin einer der wichtigsten Faktoren. Mit mehr gewonnenen Zweikämpfen sollte dann in Köln durchaus nochmal ein Sieg drin sein. mb

VF4 EHC - Kölner Haie 5:1

  • Geschrieben von Martin
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Karneval in Wolfsburg

Diese Serie gerät nach und nach nicht nur zu einem absoluten Quell der Freude für die zahlreichen Wolfsburger Zuschauer (jeweils über 4000 in den beiden Heimspielen), sondern bekommt auf der anderen Seite allmählich auch etwas Närrisches.
Der mit vollmundigen Ankündigungen in Saison und vor allem auch ins Viertelfinale gestartete Favorit vom Rhein bekam dabei auch im vierten Spiel keine wirklich überzeugende Leistung aufs Eis, lieferte beim 5:1 mit dem zweiten Spielabschnitt allerdings sein bisher bestes Drittel ab.
Die Partie startete, wie die letzte Begegnung in Köln (0:4) geendete hatte: Mit einem Powerplaytor der Grizzlys gleich aus der ersten Strafe gegen Köln. Johnson hatte den Puck im Slot durch die Schoner des Kölner Goalies unhaltbar abgefälscht (6.), zwei Sekunden bevor Sünder Latta wieder von der Strafbank entlassen werden sollte.
Der durchaus sichtbare Kölner Schwung der Anfangsminuten war abrupt verflogen, die Körpersprache des Gastes strahlte, wenn auch nicht für lange, deutliche Signale von Angst aus. Das Drittel bleib ab diesem Zeitpunkt erst einmal in Grizzlyhand. Nah dran am zweiten Treffer waren die Gastgeber dann folglich im nächsten Überzahlspiel, nachdem sich zuvor mit Bolduc einer der Top-Grobmotoriker im Team der Haie per Stockschlag aus dem Spiel genommen hatte. Mit viel Glück entkamen die Gäste diesmal der direkten Bestrafung und konnten auch die folgende Druckphase der Wolfsburger schadlos überstehen. Erst, als mit Johnson auch einmal ein Gastgeber eine zweiminütige Denkpause verordnet bekam (15.) kamen die Haie wieder einigermaßen zurück ins Spiel.
Wille und Einsatz waren fortan beim KEC gut zu erkennen, nur die spielerische Linie blieb - praktisch bis zum Schlusspfiff - ein Rätsel. So erarbeiteten sich die Gäste zum Ende des ersten Drittels noch die eine oder andere Chance und retteten diese leichte Überlegenheit sogar bis in die ersten Minuten des Mittelabschnitts...ohne wirklich durchschlagende Wirkung vor dem Tor der Grizzlys. Spätestens als Wolfsburg ohne große Vorankündigung das 2:0 durch Aubin "einstreute" (24.) begann wohl beim einen oder anderen etwas einfacher gestrickten Haie-Spieler der Zünder zu ticken. Der KEC schraubte nun die Intensität des Körperspiels noch einmal einen Gang höher (Riefers schied nach einem Check von Lalonde verletzt aus, 29.), versuchte nun aber auch noch häufiger durch schlichte Provokation das Momentum des Spiels zu kippen. Das nahm zum Teil schon slapstickhafte Züge an, als Dane Byers mit seinen krampfhaften Versuchen Björn Krupp in einen Kampf zu verwickeln beim Wolfsburger Verteidiger eiskalt abblitzte und alleine für 10 Minuten zum Abkühlen musste. Ich bilde mir ein, das eine oder andere Grinsen in den Reihen der Grizzlys gesehen zu haben, während Mr. "1000 Watt im Arm und in der Birne kein Licht" lauthals protestierend auf die Strafbank geleitet wurde. Auf den Tribünen war das Gelächter jedenfalls groß...
Um nicht falsch verstanden zu werden: Das zweite Drittel gehörte fast durchgängig den Gästen, die sich, gerade in den letzten Minuten, einige gute Chancen erkämpfen konnten. Doch da vieles mit der viel zitierten Brechstange herausgearbeitet und weniger erspielt war, behielten die Grizzlys meist einen Rest Kontrolle über die Situation, so dass die "Hundertprozenter" weitestgehend Mangelware blieben. Wenn doch etwas wirklich Zwingendes entstand, war spätestens beim überragenden Brückmann Endstation.
Die Partie schien vor dem Schlussabschnitt längst noch nicht entschieden und genau in diesem Geiste starteten die Gäste auch ins letzte Drittel. Mit ihren spielerisch eher bescheidenen Mitteln rannten die Haie weiter gegen das kühl und konzentriert auftretende Grizzly-Bollwerk, ohne auch nur einmal in Torjubel ausbrechen zu können. Als Wolfsburgs Voakes dann auch noch eine seiner Zaubervorstellungen vor dem Kasten der Kölner anberaumte und dem Haie-Goalie aus nächster Nähe den Puck in die kurze Ecke hebelte (47.), war das Fass beim Kölner Team wohl endgültig übergelaufen.
Die nun offenbar im Wut-Modus umherfahrenden Gäste reagierten schließlich auf die Treffer Nr. 4 und 5 mit rücksichtsloser Eskalation. Erst hatte Voakes mit einem spektakulären Pass (per Drehung) Fabio Pfohls ersten Play-off Treffer ermöglicht, in die folgende Tor-Ansage platzte 14 Sekunden später Gerrit Fauser mit einem über die Linie gestocherten Treffer zur 5:0 Führung (51.)
Es folgte die erste Spieldauer gegen Latta wegen Stockstichs (52.); begangen an Wolfsburgs Kapitän Haskins. Die Grizzlys nahmen nun jegliche Geschwindigkeit aus ihren Aktionen, wollten sich für weitere Aufgaben schonen und den Gegner offenbar nicht weiter demütigen. Dabei brachten sie sich mit zwei dummen Strafen sogar in Unterzahl und in letzter Konsequenz ihren Goalie um den zweiten Shut-out in Folge. Christian Ehrhoff gelang bei 4 gegen 3 der Ehrentreffer für die Gäste (59.), die wenig später dann aber in Person von Shawn Lalonde eben jene Ehre gleich wieder in den Schmutz zogen. Mit einer Aktion irgendwo zwischen Beinstellen und Kniecheck beförderte der Kölner Starverteidiger Alex Dotzler auf die Liste der Verletzten, die er im Mitteldrittel schon mit Philip Riefers "bereichert" hatte.
Ob die fällige große Strafe im Nachgang noch in eine (hoch verdiente) Matchstrafe gewandelt wird, darf angesichts der Rechtspraktiken der DEL (Prüfung strittiger Situationen gegen Bares - Red Bull lässt grüßen...) stark bezweifelt werden. Im Falle von ausgesprochenen (großen) Strafen wohl aber aussichtsreicher als bei ungeahndeten Situationen.
Nach Sichtung der Bilder darf man wohl durchaus von Verletzungsabsicht sprechen, ähnlich wie bei Dane Byers Stockschlag in Spiel 2.


Teamcheck

Tor
Die Katze in Bestform. Tiefenentspannt und trotzdem mit Monsterreflexen unterwegs wäre fast der zweite Shut-out gelungen. Aber auch so hielt der Wolfsburger Goalie seine Farben, besonders im Mitteldrittel, eindrucksvoll im Spiel. Einmal mehr entscheidet er das Duell mit seinem Gegenüber und das Spiel zu seinen Gunsten.

Verteidigung
Hammerleistung der Defensivabteilung. Kontrolliert und abgeklärt bringt man im Verbund mit den Stürmern fast alle Kölner Druckphasen über die Runden. Kein Ausfall, auch Dotzler als siebter Verteidiger absolut vorbildlich konzentriert. Dehner und Bina managen das Geschehen eine Etage tiefer als der Großteil der Kölner Mannschaft und Krupp ist einfach ne coole Sau. Wie heißt es so schön: "Wer andere besiegt, hat Muskelkraft. Wer sich selbst besiegt, ist stark". Das Aufeinandertreffen mit einem der zahlreichen Intelligenzallergiker aus Reihen der Haie zeigte die beiden Seiten dieses Zitats vorbildlich.

Sturm
Vorbildliches Backchecking ist unser Ding. Köln versucht sich mit roher Gewalt durchzusetzen und scheitert ein ums andere Mal gegen Geschwindigkeit und Spielzüge der Grizzlys. Mit Höhenleitner und Riefers könnten nun bereits zwei deutsche Stürmer (plus Allrounder Dotzler) ausfallen. Sollte dem so sein, wäre das ärgerlich, aber hätte auch ein Gutes (auch wenn ich mir das anders gewünscht hätte): Wir sehen den zuletzt so starken Alex Karachun mal in einem Play-off Spiel. Wäre für den Youngster sicherlich mal eine wichtige Erfahrung!
Ansonsten macht jeder im Team das, was er machen soll. Vor allem die für das Scoring vorgesehenen Reihen machen ihren Job mehr als gut. Aubin trifft wieder - was will man mehr...außer einem vierten Sieg?
Eine Sache lässt mich allerdings etwas nervös werden: Wo bleibt die Vertragsverlängerung mit Voakes über die kommende Saison hinaus? Ich kann und will mir auch ab 2018 keine Grizzlymannschaft ohne den zusätzlichen Schuss "Magie" vorstellen! mb

VF2 EHC - Kölner Haie 3:1

  • Geschrieben von Martin
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Härter die Stöckchen nie schlagen...


...als in der Play-off Zeit. Frei nach einem allseits bekannten Weihnachtsklassiker ging es im zweiten Spiel der Viertelfinalserie gegen Köln ordentlich zur Sache. Während der allgemeine Körpereinsatz absolut im gewohnt harten (Play-off-) Rahmen blieb, eskalierte in dieser äußerst stimmungsvollen und spannenden Partie der Einsatz der oben genannten Spielgeräte.
Beide Teams schenkten sich vom Start weg mal so was von gar nichts – im Gegensatz zum ersten Spiel kam nun sofort Play-off Feeling in reinster Form auf.
Harte Zweikämpfe und Chancen auf beiden Seiten hielten die rund 4250 Zuschauer durchgängig in Atem. Dabei nutzten die Grizzlys gleich die erste Überzahlchance der Begegnung, um den Gästen die Folgen ihres teils unbeherrschten Auftretens zu demonstrieren:
Fast punktgenau mit Ablauf der Strafe gegen Ex-NHL-Star Christian Ehrhoff (8.) vollstreckte die Powerplayformation um Mark Voakes zur 1:0 Führung für den heimischen EHC. Brent Aubin hatten die schnellen Kombinationen des Wolfsburger Überzahlspiels mit einem sehenswerten Diagonalschuss in den Winkel veredelt und die Halle das erste Mal Kopf stehen lassen.
Der Austausch von Meinungsverstärkern nahm ab diesem Zeitpunkt allerdings erst so richtig Fahrt auf. Beide Teams ließen kaum eine Gelegenheit aus, das Körperspiel zu kultivieren, aber auch in Sachen Provokation hatten beide Seiten ihre Spezialisten am Start.
Während Likens und Reinhart in der Folge die Strafbank aufsuchen mussten, leisteten sich die Gastgeber bei 4 gegen 4 einen ärgerlichen Wechselfehler. Zwar überstanden sie die 4 gegen 3 Überzahl der Haie mit etwas Glück, doch drei Sekunden nach Ablauf der Strafe war es dann Lalonde, der es wie so oft aus der Distanz einschlagen ließ (15.).
Nur wenig später durften sich die Grizzlys wieder an einer Überzahl versuchen. Gegen den in dieser Serie bisher nur mittelprächtig agierenden Wesslau gelang aber bis zum ersten Pausentee kein weiterer Treffer. Da auch die Haie zwischenzeitlich mit einem Lattentreffer durch Bolduc eine Grosschance nicht nutzen konnten, ging das 1:1 durchaus als leistungsgerechter Zwischenstand in Ordnung.
Das Mitteldrittel sollte sich, wie schon zuvor in Köln, als das Drittel der Grizzlys herausstellen. Zum Auftakt setzten die Hausherren das Tor der Gäste mächtig unter Druck , konnten aber erneut keinen Profit aus den ungewohnt zahlreichen Rebounds schlagen. Erst ein gedankenschneller Pass von Jeremy Dehner auf den an der gegnerischen blauen Linie startenden Voakes sollte den nächsten Wolfsburger Torerfolg bringen. Selbst ein ausgesprochen heftiger Stockschlag von Kölns Lalonde konnte "Magic-Mark" in diesem Fall nicht am Torerfolg hindern - der Wolfsburger Ausnahme-Center nahm den Körperschwerpunkt so tief wie irgend möglich und hebelte das Spielgerät unter das Dach des Tors (24.).
Immer weiter entglitt den beiden Hauptschiedsrichtern das Geschehen auf dem Eis, die Anzahl der ungeahndeten Stockfouls auf beiden Seiten stieg nun noch weiter an.
Erneut in Überzahl vollstreckte Tyson Mulock in der 31.Minute einen Wolfsburger Angriffswirbel sogar zum viel umjubelten 3:1.
Dann brach die Zeit von Dane Byers an. Der eher durch Strafzeiten als durch außergewöhnliches Scoring in seiner Karriere bekannt gewordene Hackstock in Diensten der Haie bekam sich offenbar zunehmend nicht mehr in den Griff. Zu seinem Glück wurde keine seiner Aktionen mit einer den Haien zum Nachteil gereichenden Entscheidung bedacht. Nach einer ausgelassenen Großchance der Gäste teilte der Kölner zunächst gegen Likens und - den Pulk vor dem Wolfsburger Tor umkreisend - auch noch gegen den unbeteiligt dabeistehenden Pfohl aus. Dass er gemeinsam mit Likens, der noch weitere Schläge von anderen Kölner einstecken musste, auf die Strafbank durfte, konnte man getrost als Geschenk an die Haie bewerten. Kaum wieder auf dem Eis, nahm er Wolfsburgs Toptorjäger Aubin per Stockschlag aus dem Spiel - völlig ohne Konsequenzen. Als Aubin in der folgenden Unterbrechung (37.) dem Schiedsrichterduo seinen blutenden Finger zeigte, kassierte er prompt eine 10 Minuten Disziplinarstrafe wegen Reklamierens. Eine Entscheidung, die die Wolfsburger Fans an den Rand der Eskalation zu bringen drohte, zumal die Schiedsrichter auch in den folgenden Spielminuten die Kölner Stockfestspiele nicht zu unterbinden gedachten. Viel schlimmer noch: Aubin sollte nicht zurückkehren, schied für den Rest der Partie - vielleicht sogar für länger - aus.
Im Schlussdrittel blieb es hitzig, die Referees ließen zwar weiter keine nachvollziehbare Linie erkennen, pfiffen aber nun munter drauf los. So ergaben sich zunächst für die etwas zwingender agierenden Haien Überzahlmöglichkeiten, die sie - dank mutigem Blockverhalten und einem überragenden Torhüter der Gastgeber - wiederum nicht nutzen konnten. In der 52.Minute dann der nächste Aufreger, diesmal aus Sicht der Haie: Voakes hatte Uvira einen krachenden Open-Ice Hit vor die Brust verpasst, was diesen, wie gewünscht, von den Beinen holte. Ob die wenig sportliche Andeutung Uviras einen Treffer im Gesicht erhalten zu haben dazu führte, dass sich gleich mehrere Kölner Akteure auf die Reise Richtung Voakes machten, oder ob der allgemeine Frust auf Seiten der Gäste einfach nur ein Ventil brauchte - es wird im Nachgang nicht zu klären sein. Fakt hingegen blieb, dass die Entscheidung der Schiedsrichter nach Sichtung der Fernsehbilder eine der wenigen nachvollziehbaren war...OBWOHL sie nicht leicht war. Es ging mit Überzahl für die Grizzlys weiter, die allerdings eher einen kräfteschonenden Weg zu wählen schienen und selbst bei einer anschließenden 5 gegen 3 Situation kaum noch ernsthafte Versuche unternahmen den vierten Treffer zu erzielen. Bolducs Aktion, die zur 5 gegen 3 führte machte dabei erneut klar, wohin die Reise mit dieser Serie zu gehen droht, falls in den nächsten Spielen keine fähigen Schiedsrichter eingesetzt werden sollten. Für Schimm und Schukies sollte die Serie ab sofort jedenfalls, im Sinne der Gesundheit BEIDER Teams, absolut tabu sein.
Mit etwas Glück und einem extrem gut aufgelegten Felix Brückmann brachten die Grizzlys den ersten Viertelfinalsieg schließlich über die Zeit. Dank der doch recht begrenzt daherkommenden Kreativität der Haie am Ende kein Hexenwerk!
Vom Prinzip her drängte sich einem der Eindruck auf, dass die Haie ohne Lalonde (Verteidiger) offensiv nur die Hälfte wert sind - und das auf nicht allzu hohem Niveau.
Wie viel Wolfsburg offensiv ohne Aubin wert ist, müssen wir hoffentlich nicht herausfinden...

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer überragenden Leistung. Stiehlt auch im zweiten Play-off Vergleich dem vermeintlichen Übergoalie aus Köln eindeutig die Show, hatte bei zwei Lattentreffern aber natürlich auch das nötige Glück.
Bisher hält er aber deutlich mehr Scheiben fest als sein Gegenüber, der sich eher ungewohnt als Gummiwand präsentiert.

Verteidigung
Jeff Likens ist eindeutig im Play-off Modus und steht seinen grenzwertig agierenden Kontrahenten in Nichts nach. Sein Hang zum Risiko kam zum Glück nur selten zum Tragen. Vielleicht findet er ja nun rechtzeitig den richtigen Pfad zwischen Wahnsinn und Genie...vielleicht auch nicht.
Ansonsten fällt in einer absolut geschlossen und meist souverän agierenden Hintermannschaft vor allem Björn Krupp auf. Unglaublich abgeklärt und physisch präsent macht der Ex-Kölner bei uns momentan wohl einen weiteren Schritt in Richtung Topverteidiger.

Sturm
Voakes, Aubin, Höhenleitner - ob wir diese geniale Reihe in den diesjährigen Play-offs noch einmal zu sehen bekommen? Vielleicht kann Aubin mit einer Schiene noch einmal ins Geschehen eingreifen, vielleicht müssen die Grizzlys dank Herrn Byers aber auch diese Reihe und das Powerplay komplett umplanen. Da kommt mir doch ein kleines bisschen Kotze hoch.
Insgesamt lieferte die Abteilung "Attacke" eine gute Vorstellung ab, wobei gegen die vermutlich am besten besetzte Verteidigung der Liga naturgemäß eher die beiden ersten Reihen wirklich gefährliche Situationen kreieren konnten. Trotzdem habe ich sowohl bei der dritten als auch der vierten Reihe das Gefühl, das ihre Zeit noch kommen könnte. Gerade die Reihe um Dixon mit Mulock und Johnson könnte noch für nachhaltig Ärger bei den Haien sorgen. Wenn es den beiden "Wühlern" gelingt, Mulock öfter in Szene zu setzen, könnte der etwas in die Jahre gekommene Torjäger vielleicht wieder eine Strähne entwickeln! Falls Aubin tatsächlich ausfallen sollte, wäre da ja auch noch Rob Hisey, der für zusätzliche Momente à la Magic-Mark sorgen könnte. Schaun mer mal. mb

EHC - Iserlohn Roosters 4:2

  • Geschrieben von Martin
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Hauptrundenausklang im Trainingsmodus

Lange Zeit sah es so aus, als bekämen die rund 100 mitgereisten Fans der Roosters nach einer katastrophal verlaufenen Saison noch einmal etwas zu Feiern. Iserlohn hatte im Laufe der Hauptrunde gleich zwei als Leistungsträger verpflichtete Akteure ihrer Wege ziehen lassen, nachdem sich sowohl Blair Jones als auch Matt Halischuk eher als Störfaktoren denn als große Verstärkung herausgestellt hatten. Der verbliebene, nach zahlreichen Abgängen in der Sommerpause qualitativ eher bescheidene Kader brachte die Saison ab Ende Januar mehr schlecht als recht über die Runden. Ohne Chance auf eine Qualifikation für die Play-offs in der Eisarena angetreten, sollten die Roosters doch zumindest Gelegenheit bekommen, an einem finalen Auswärtssieg zu schnuppern. Wolfsburg hingegen, längst direkt für das Viertelfinale qualifiziert, ließ es zunächst extrem entspannt angehen, wollte die Partie offenbar nur mit spielerischen Mitteln lösen...und scheiterte damit fast 40 Minuten lang kläglich.
In einem äußerst langatmigen ersten Drittel hatten zwar beide Teams ihre Chancen, doch man merkte schnell: 100 Prozent ist hier, mit Ausnahme der Torleute, keiner mehr bei der Sache. Nicht die besten Voraussetzungen für ein gutes und intensives Eishockeyspiel. Intensiv wurde es in der 10.Minute dann doch einmal - allerdings anders, als man sich das als Fan wünscht. Iserlohns Dziurzynski beförderte Jeff Likens übertrieben hart in die Bande und beendet damit die Partie für den Wolfsburger Verteidiger. Aber auch Dziurzynski hatte von da an Dienstschluss und musste mit einer 5 + Spieldauer Strafe frühzeitig die Kabine aufsuchen. Die folgende fünfminütige Überzahl gestalteten die Hausherren, ohne Likens und ohne Einstellung, reichlich chaotisch und wenig erfolgreich. Rallos Unterzahltreffer (12.) setzte dem Geschehen dann endgültig die Narrenkappe auf. Während die Grizzlys bei ihren wenigen Nachschuss-Chancen im Slot einfach zu inkonsequent wirkten, packten die Gäste ihr Glück beim Schopf und zogen den ersten Konter in Unterzahl eiskalt durch. Auch in den verbliebenen Powerplayminuten wie auch dem Rest des Drittels wollte beim EHC einfach nicht der Funke überspringen - es blieb eine reichlich blutleere Veranstaltung.
Im Mitteldrittel beließen es die Hausherren erneut bei einigen Alibi-Angriffen zum Auftakt, bevor wieder der IEC das Kommando auf dem Eis übernehmen durfte. Beim 0:2 durch Blank (25.) schien das gesamte Personal der Gastgeber auf einem Schlittschuh unterwegs zu sein, so langsam und halbherzig intervenierten die Grizzlys beim schnellen Gegenstoß der Roosters, der zum zweiten Torerfolg führen sollte. Es hätte in der Folgezeit locker noch das eine oder andere Mal im Netz der Grizzlys einschlagen können, doch die "Katze" verhinderte mit einigen sehenswerten Reflexen weiteren Schaden auf der Anzeigetafel. Wer weiß, ob der EHC noch einmal die Kurve gekriegt hätte, wenn mit Haskins und Aubin nicht doch noch zwei Akteure mit entsprechendem Ehrgeiz einen Geistesblitz ausgepackt hätten. Rund drei Minuten vor dem Ende dieses aus Wolfsburger Sicht quälenden Drittel startete Top-Torjäger Aubin direkt von der Strafbank in Richtung Pickard und bekam, sehr zur Freude der leicht angeödeten Heimfans, den Puck von seinem Kapitän blitzsauber in den Lauf gespielt. Blitzschnell feuerte Aubin den Handgelenkschuss in den Winkel und ließ die heimischen Fans aus ihrer Lethargie erwachen. Sollte hier doch noch so etwas wie ein richtiges Eishockeyspiel stattfinden? Die Angriffsmaschinerie der Grizzlys sprang jedenfalls deutlich sichtbar an, so dass die Anzahl der Grizzly-Chancen in den letzten drei Minuten des Drittels ungefähr den Chancen im gesamten Drittel entsprachen.
Das Schlussdrittel sorgte dann doch endlich wieder für etwas Spaß auf den mit rund 2300 Zuschauern eher dünn gefüllten Rängen (parallele VfL-Heldentaten und die feststehende Quali für das Viertelfinale zeigten Wirkung). Nachdem sich die Roosters noch einige Minuten lang gut aus der Affäre ziehen konnten und es somit Torszenen auf beiden Seiten zu verzeichnen gab, entschieden die zwei Dienstältesten das Spiel binnen drei Minuten zugunsten des Heimteams. Erst war Furchner mit seinem 23. Saisontreffer per Abstauber zur Stelle (49.), dann versenkte Höhenleitner ein Anspiel von Aubin in den Maschen, nachdem dieser den Puck vom Torhüter der Sauerländer "überreicht" bekommen hatte. Schade für den sonst gut aufgelegten Pickard im Tor der Gäste, schön für die Grizzlys, die so den 15. Heimsieg der Saison eintüten konnten.
9 Sekunden vor dem Ende gelang Wolfsburgs Furchner mit dem Schuss ins leere Tor sogar noch Saisontreffer Nr. 24 - der Routinier steigert sich somit im sechsten Jahr in Folge (10, 12, 17, 18, 21, 22 und nun 24+ Tore) und stellt nebenbei einen neuen persönlichen Torrekord auf. Ein Spiel hat er ja noch ;)
Mit dem späten Sieg machte der EHC nicht nur den fünften Tabellenplatz klar, sondern weiß nun auch, gegen wen es im Viertelfinale zu bestehen gilt. Mit den Kölner Haien wartet jetzt ein äußerst unangenehmer Gegner auf die Grizzlys, der sowohl im Tor als auch in der Verteidigung mit unglaublich viel Qualität ausgestattet ist. Während der Hauptrunde gewann in allen vier Duellen jeweils das Auswärtsteam, was auf einen spannenden Verlauf der Serie hoffen lässt. Rein von der Papierform her ist der Tabellenvierte vom Rhein allerdings relativ klarer Favorit - was das Team von der Aller in den vergangenen Jahren jedoch selten gestört hat.

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer sehr stabilen Vorstellung, hält sein reichlich zahm agierendes Team im Rennen um die Punkte. Am Ende ein Garant für die vorzeitige Eroberung des fünften Tabellenplatzes. In den Play-offs klar gesetzt.

Verteidigung
So sehr man sich über Likens aufgrund seiner Risikobereitschaft in der Hauptrunde aufregen kann, so sehr würde er in den Play-offs fehlen! Hoffentlich kann unser Team in zwei Wochen wieder auf den verrückten Hund mit der Nr.9 zurückgreifen. Vor allem im Powerplay nicht zu ersetzen!
Ansonsten ist es bei so einer Kringeldrehervorstellung schwer zu beurteilen, wer gerade besonders gut oder weniger gut drauf ist. Einzig Alex Dotzler kann einem da, aufgrund der Gesamtschau der letzten Spiele, etwas Sorgen machen. Der sonst so extrem zuverlässig und robust spielende Dotzler wirkt seit seiner Verletzung reichlich verunsichert.
Binas Comeback darf hingegen als gelungen bezeichnet werden - zumindest gemessen an der mittlerweile fehlenden Wettkampf-Praxis.

Sturm
In einem zunächst sehr emotionsfreien Auftritt fiel kaum ein Akteur durch besonders großen Willen auf. Lediglich Furchi kann wohl nicht anders und Youngster Karachun wollte natürlich, wie eigentlich immer, jeden Moment nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Einen Willen, den man bei Philip Riefers leider nicht unbedingt sehen konnte, obwohl er neben Dibelka der einzige deutsche Akteur im Sturm der Grizzlys ist, der noch ohne Anschlussvertrag ist. Viel zu langsam und zahm agierend konnte er in Vertretung des erkrankten Fauser seine Chance neben Kapitän Haskins und Sebastian Furchner zu keinem Zeitpunkt nutzen. Besagter Dibelka verrichtet weiterhin geradezu geisterhaft unauffällig, aber auch recht zuverlässig seinen Dienst. Gegentore fallen bei Dibelkas Anwesenheit auf dem Eis jedenfalls kaum...
Am Ende ließen dann mit Furchner, Höhenleitner, Haskins und Aubin die üblichen Verdächtigen ihre Fähigkeiten aufblitzen. Magic-Mark hingegen legte wohl so etwas wie eine kreative Pause in Vorfreude auf die Play-offs ein. Ohne Hisey (überzählig wegen Bina-Spielpraxis), Pfohl (verletzt) und Fauser (krank) wirkten die um Seifert ergänzten Sturmreihen der Grizzlys jedenfalls reichlich müde und teilweise etwas wirr. mb

EHC - Augsburger Panther 3:4 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Erst verschlafen, dann verschaukelt

Es war mal wieder eines dieser typischen Wochentagsspiele. Vergleichsweise wenig Zuschauer (2146), Grizzlys, die irgendwie nicht richtig bei der Sache schienen und am Ende ärgerliche Punktverluste. Gekrönt wurde das Ganze schließlich von einer im Laufe der Begegnung immer abenteuerlicheren Schiedsrichterleistung des allseits beliebten „Profischiedsrichters“ Piechaczek und seines Sidekicks Steinecke.
Die Gastgeber, man muss es so deutlich sagen, starteten ohne jegliche Einstellung zur Defensivarbeit in diese Partie. Immer wieder verweigerten ganze Angriffsreihen ein ernsthaftes Backchecking und ermöglichten den Gäste reihenweise überflüssige Torgelegenheiten. Dass sie lediglich eine davon nutzten, hätte dabei durchaus zum Knackpunkt dieser Begegnung werden können. Parkes’ Treffer zum 0:1 aus der 9.Minute hatten die Grizzlys nämlich noch vor der ersten Pause durch Mark Voakes egalisieren (18.) und somit noch alle Chancen auf die Punkte wahren können. Angesichts der teilweise haarsträubenden Abwehrarbeit, der ohne ihren besten Defensivkünstler (Dehner) angetretenen Wolfsburger ein kleines Wunder. Zwar hatte zwischenzeitlich auch Sebastian Furchner einmal per Lattentreffer erste Ansprüche auf die Punkte angemeldet, doch insgesamt hinterließ Pavel Gross’ Truppe in diesem Spielabschnitt keinen allzu guten Eindruck.
Das sollte sich im Mittelabschnitt zwar ein wenig verbessern, den nächsten Treffer verbuchten allerdings wieder die Gäste. Zum wiederholten Male konnte mit Rekis ein Augsburger Spieler sich den Puck im hohen Slot in aller Seelenruhe zurechtlegen – diesmal mit unerfreulichen Folgen. Der satte Schlagschluss landete ungebremst in den Maschen (28.) und ließ die Frage aufkommen, ob die Grizzlys nicht nun irgendwann einmal richtig aufwachen würden.
Wirklich unter Kontrolle bekamen die Hausherren das Geschehen zwar nicht, doch dank Mark Voakes lebte die Option auf die volle Punkteausbeute weiter. Nachdem er den ersten Treffer noch listig über den Schaft abgefälscht hatte, war der Wolfsburger Ausnahmecenter beim 2:2 per Abstauber zur Stelle gewesen (32.). Bis zur zweiten Unterbrechung gewann die Partie zusehends an Härte, die Referees schienen die Gangart beider Teams aber größtenteils im legalen Bereich anzusiedeln. Mit der Sirene entluden sich dann schließlich die ersten Spannungen zwischen den Kontrahenten. Nach einem Stockschlag durch den mittlerweile etwas entnervten Mark Voakes, kamen sich Cundari und Sharrow wenig freundschaftlich näher und geleiteten die Zuschauer mit einer Boxeinlage in die zweite Pause.
Nach überstandener Unterzahl entwickelte sich das bereits gewohnte Bild einer leicht verfahren wirkenden Partie mit wenig zwingenden Gastgebern in der Hauptrolle. Doch bei eigener Überzahl gibt es bei den Grizzlys mittlerweile leichte Aufwärtstendenzen zu verzeichnen: Alex Weiss gelang zur Mitte des Drittels (49.) der vielumjubelte Schlagschuss zur erstmaligen Führung für die Männer in orange.
Auf einmal wirbelten die Gastgeber in Sachen Offensive los, als ob das bisherige Geschehen nur ein Probedurchgang gewesen wäre. Das Toreschießen vergaßen die Grizzlys gegen nun immer aggressiver agierende Gäste dann aber leider doch...gleich reihenweise setzten sie die Pucks am Tor vorbei oder wurden in allerletzter Sekunde noch am Abschluss gehindert. Besonders ärgerlich gestaltete sich dabei die Linie der beiden Hauptschiedsrichter, die den Gästen nun im Minutentakt Checks in den Rücken und ganz nebenbei eine Kelle direkt ins Gesicht von Patrick Seifert durchgehen ließen. Sichtlich angefressen von der dreckigen Gangart der Gäste hielt der EHC durch hohes Tempo dagegen – nur um dann seinerseits eine Witzstrafe wegen Stockschlags zu kassieren. Fausers Gegenspieler hatte den Stock nach einem leichten Schlag einfach mal publikumswirksam fallen lassen – Eistanzchoreograph Piechaczek (zweimal Buchstabensalat in Reihe - auweia) fand Gefallen an der Aufführung. Während der folgenden Unterzahl konnte sich dann Gehirnakrobat Likens mal wieder nicht zusammenreißen und setzte einen Check gegen den Kopf eines Augsburgers: Doppelte Unterzahl, herzlichen Dank auch.
Prompt nutzten die Gäste die Einladung zum späten Ausgleich (59.) durch Braden Lamb.
Damit nicht genug. In der anschließenden Verlängerung holten sich die Panther sogar noch den Extrapunkt. Nach einem Puckverlust durch Aubin, vollstreckte Parkes im Alleingang gegen Brückmann – per Bauerntrick!
Reichlich bedient schlichen Team und Fans zurück in die Arbeitswoche.

Teamcheck

Tor
Kein leichter Arbeitstag für Felix. Wenn immer wieder nur das halbe Team ernsthaft verteidigt, dann sieht ein Goalie nicht besonders gut aus. Tat er aber meistens doch!
Viele unbedrängt abgefeuerte Versuche aus dem hohen Slot entschärfte die Katze vor allem im Auftaktdrittel. An den Gegentoren traf ihn letztlich keine größere Schuld, auch wenn er bei Gegentreffer Nr.4 einen nicht allzu eleganten Eindruck hinterließ ;)

Verteidigung
Ohne Dehner sehr fahrig, teilweise nicht auf der Höhe des Geschehens. Besonders Sharrow und Likens treiben mich momentan an den Rand der Verzweiflung. Während Sharrow weiterhin durch Puckverluste (im ersten Drittel auch Mal ohne Hinterherfahren) glänzt, scheint Likens weiterhin zu glauben, dass Jähzorn zu seiner Stellenbeschreibung gehört.
Kann man nur hoffen, dass Dehner und Bina schnell zurückkehren, damit die beiden auch mal „Pause“ machen können.

Sturm
Was Wolfsburg, eigentlich schon regelmäßig, gegen Augsburg offensiv zustande bringt, ist einfach nur dünn. Lediglich Mark Voakes glänzt mal wieder durch individuelle Klasse und hat endlich mehr Glück im Abschluss. Doch was Wolfsburg letztlich an wirklich zwingenden Chancen herausspielen konnte, kann man an einer Hand abzählen. Offenbar schmeckt den Grizzlys die Augsburger Art ihren eigenen Slot zu verteidigen nicht sonderlich. Vor dem Tor blieb der Grizzly jedenfalls eine seltene Tierart – von Neuzugang Johnson abgesehen. Gefährliches kam meistens im Konter und aus der Distanz.
Insgesamt betrachtet kann unser Trainer offenbar kein passendes Rezept gegen diesen Gegner vermitteln. Schade. mb

EHC - Iserlohn Roosters 4:3 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Eine Frage der Einstellung

Gegen das Tabellenschlusslicht aus Iserlohn wollten die Grizzlys mit gut gefülltem Kader die nächsten drei Punkte einfahren. Dank der Rückkehr ihres Kapitäns und der Nachverpflichtung von Nick Johnson konnten die Gastgeber bei diesem Unterfangen zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder aus dem Vollen schöpfen.
So fand der in den letzten Spielen überzeugende Alex Karachun seit Langem wieder einmal keine Berücksichtigung, während im Tor der Grizzlys Felix Brückmann den Vorzug bekam.
Mit viel Elan und großer Spielfreude startete Wolfsburg in diese vermeintlich lösbare Aufgabe und setzte den Gästen auch ohne viel Umschweife tüchtig zu. Nach nicht einmal fünf Minuten klingelte es bereits hinter Lange im Tor der Roosters. Mark Voakes hatte mit einem seiner Zuckerpässe Sturmpartner Aubin auf die Reise geschickt, der völlig humorlos einnetzte. Wolfsburg schien sich nun immer weiter und weiter in einen Rausch zu spielen, vergaß dabei aber völlig das konsequente und gradlinige Auftreten im gegnerischen Drittel. So vergaben die Grizzlys Chance um Chance und versuchten den um Zugriff kämpfenden Gast immer wieder durch Alleingänge oder endlose Passorgien herzuspielen anstatt den klaren und einfachen Zug zum Tor zu suchen. Spätestens ab Mitte des Drittels schien Wolfsburg der letzte Respekt vor dem Gegner verloren gegangen zu sein und die Leichtsinnigkeiten begannen sich zu mehren. Einen solchen Leichtsinnsfehler nutzten die Gäste auch prompt zum Ausgleich durch Jaspers (12.). Nach Wurms haarstäubenden Fehlpass im Aufbauspiel war die Defensive der Grizzlys nicht mehr rechtzeitig in ihre Positionen gekommen und der Kapitän der Roosters folglich nicht mehr aufzuhalten.
Doch damit nicht genug: Ein zweites Mal musste sich Wolfsburgs Goalie noch vor der ersten Pause geschlagen geben, als Kahle direkt vor ihm – völlig freistehend – unhaltbar abfälschen konnte (15.). Jeff Likens hatte nach einem Zusammenprall hinter dem Tor nicht mehr rechtzeitig den Weg zu seinem Gegenspieler gefunden, so dass dieser entspannt die Kelle in den Schuss halten konnte. Reichlich entnervt ging es für Spieler und Fans der Grizzlys in die erste Unterbrechung.
Turbulent ging es weiter. Eine halbe Minute war das Mitteldrittel alt, da schienen die Gastgeber endlich wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden. Fausers scharfer Pass vor das Tor des IEC ging von den Kufen eines Gegenspielers direkt in die Maschen, so dass die Grizzlys mit neuem Schwung durchstarten konnten...ganze 15 Sekunden lang. Dann beförderte Brent Aubin mittels hohem Stock sich aus der Partie und seinen Gegenspieler Down in die Kabinen zum Nähen einer Platzwunde. Die folgenden fünf Minuten Unterzahl nahmen der Partie dann jeglichen Fluss, denn Iserlohn fehlten die Mittel und Wolfsburg der fünfte Mann, um das gegnerische Tor in Gefahr zu bringen. Eine zusätzliche Strafe gegen Wurm brachte die Grizzlys dann sogar für eine Minute in doppelte Unterzahl, den Gästen nützte dies indes eher wenig. Reihenweise verzogen die Stürmer der Roosters ihre Abschlüsse oder scheiterten an Wolfsburgs Torhüter, während Wolfsburgs Konter ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt waren. So blieb das wilde Auf und Ab bis zum zweiten Pausentee ohne Auswirkungen auf dem Scoreboard, das Geschehen wirkte dabei insgesamt irgendwie zerfahren.
Genauso stotternd ging das Spiel, das die Gastgeber mangels ernsthafter Einstellung aus der Hand gegeben hatten, weiter. Fischers verdeckter Schuss (43.) zum 2:3 für die Gäste tat dem Spiel überdies alles andere als gut. Der IEC verlegte sich nun endgültig aufs Beton anrühren, die völlig aus dem Takt geratenen Hausherren hingegen bekamen einfach nicht mehr den richtigen Fluss in ihre Angriffsbemühungen. Dass sie in der 57.Minute doch noch den Ausgleich erzielen konnten, dürfte auf einen unparteiischen Zuschauer vermutlich eher wie eine Strafe gewirkt haben. Furchners Schuss war wie zuvor das Tor durch Ex-Grizzly Fischer verdeckt aus der Distanz ins Tor des Gegners geschlüpft – bezeichnend für eine Partie, die kaum noch klare und zwingende Offensivaktionen zu bieten hatten.
Zu guter Letzt reihte sich auch das Schiedsrichtergespann in die mäßigen Leistungen der übrigen Akteure ein. Wollten sie im Mitteldrittel schon einen hohen Stock in Weiss’ Gesicht – im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen in der Halle – nicht gesehen haben, so setzten sie in den Schlusssekunden noch einen obendrauf. Voakes hatte bereits zwei Gegenspieler mustergültig vernascht, als ihm einer der so Überspielten die Schlittschuh per Stockschlag unter dem Gesäß wegdrosch. Kein Penalty, keine Strafe, kein weiterer Kommentar. Dafür Verlängerung.
Den zweiten Punkt schnappte sich dann ein sichtlich angefressener Voakes wiederum im Alleingang und setzte mit seinem Treffer zum 4:3 den Schlusspunkt unter das zähe Treiben auf dem Eis. Erleichtert feierten Fans und Team den wichtigen zweiten Punkt an diesem von so unterschiedlichen Begegnungen geprägten Wochenende. Das nächste Spiel findet für die Grizzlys mit dem Gegner Nürnberg (1.) nämlich am anderen Ende der Tabelle statt und dürfte mit der gleichen Einstellung eher unerfreulich enden.

Teamcheck

Tor
Brückmann mit tadelloser Leistung. Sämtliche Gegentore waren aus der Kategorie unhaltbar, ansonsten ein sicherer Rückhalt für sein Team.

Verteidigung
Armin Wurms Tag war das nicht. Nach zuletzt starken Leistungen leitete der Wolfsburger Verteidiger den ersten Treffer mit einem Fehlpass ein , um dann den heranstürmenden Jaspers auch noch passieren zu lassen. Zwei Strafminuten während der fünfminütigen Wolfsburger Unterzahl und 2+10 gleich noch mal hinterher – nicht wirklich eine Hilfe fürs Team.
Seifert durfte als siebter Verteidiger immer wieder reinrotieren und machte seine Sache endlich wieder besser. Likens blieb beim zweiten Gegentor einfach zu lange hinter dem Tor liegen, konnte sich anscheinend nicht rechtzeitig berappeln, um seinen Gegenspieler zu stören. Ansonsten wieder eine eher nervenaufreibende Vorstellung der Nr.9.

Sturm
Neuzugang Johnson leistete in Überzahl gleich wertvolle Arbeit im Slot und erzielte ein, leider irregulär gewertetes, Tor. Könnte eine wertvolle Hilfe für die Grizzlys werden!
Der Kapitän hatte bei seiner Rückkehr noch etwas Abstimmungsprobleme, während die einzige wirklich funktionierende Reihe sich mit Aubins Ausscheiden frühzeitig auflöste.
Die Reihe mit Johnson und Pfohl litt ein wenig am unglücklich agierenden Alex Weiss, der phasenweise fast jeden Puck beim Gegner ablieferte – aber wieder für zwei rackerte.
Die vierte Reihe konnte eigentlich nur im ersten Spielabschnitt Akzente setzen. Ansonsten reichlich pomadige Vorstellung unseres Teams, das sich im ersten Drittel die Punkte fast selber weggenommen hätte. Einzig die individuelle Leistung von Mark Voakes rang mir in diesem oft ärgerlichen Spiel immer wieder ein zusätzliches Grinsen ab. Der Mann ist, ebenso wie ein völlig entfesselt aufspielender Höhenleitner, ein absoluter Glücksfall für die Grizzlys. mb

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