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Stark gespielt und doch verloren

In einem packenden Eishockeyspiel hatten die Grizzlys lange gegen München nicht nur gut mitgehalten, sondern waren auch das Team mit der Mehrzahl an gefährlichen Offensivaktionen. Ohne ihre Defensive zu sehr zu vernachlässigen praktizierten die Gäste aus Wolfsburg ein sehenswertes und schnelles Umschaltspiel und streuten auch Phasen mit aggressivem Forecheck ein. Den roten Bullen schien diese Mischung zunächst überhaupt nicht zu schmecken und so hatten diese zwar öfter Scheibenbesitz, aber die wirklichen Highlights des ersten Drittels verbuchten die Gäste. Zumindest in diesem Spielabschnitt sollte es aber wieder einmal mit der Chancenverwertung nicht zum Besten stehen: Die Grizzlys vergaben reihenweise gute Einschussmöglichkeiten, nutzten auch ihr einziges Powerplay schließlich nicht zum Torerfolg. Sogar Verteidiger Melchiori versuchte sich im coast to coast Alleingang (10.), scheiterte aber knapp mit der Rückhand am hervorragend aufgelegten aus den Birken im Tor der Gastgeber. Mit einem aus Münchner Sicht glücklichen 0:0 ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Der Mittelabschnitt sah dann einen noch einmal verbesserten Gast aus Wolfsburg, der die Führung der Hausherren durch Bourque (27.) ungerührt wegsteckte und das Spiel phasenweise sogar dominierte. Und dieses Mal belohnten sich die Grizzlys auch! Erst versenkte Rech ein schönes Anspiel von Olimb in die lange Ecke (33.), dann drehte Hungerecker die Partie (38.), indem er einen Fernschuss unhaltbar abfälschte. Der sonst so souveräne aus den Birken hatte einen Ausflug hinter sein Tor teuer bezahlen müssen und im Anschluss noch Torhüterbehinderung reklamiert. Die Videobilder zeigten eine eher zarte Berührung durch Hungerecker, welche dem Tor völlig zurecht nicht die Anerkennung nehmen sollte.
Als es dann wenige Augenblicke sogar das dritte Mal hinter aus den Birken einschlug (39.), währte die Freude der Grizzlys allerdings nur kurz: Garrett Festerling hatte seinen Schläger beim Abschluss eindeutig zu hoch - der Treffer zählte nicht und es ging mit einer knappen Führung für Wolfsburg in die zweite Pause.
Eine abwechslungsreiche und ausgesprochen unterhaltsame Partie ging in ihren letzten Akt. Den besseren Start gegen weiterhin sehr selbstbewusst auftretende Gäste erwischten wieder die Bullen: Langer Pass auf Ehliz, der die zum ersten Mal unvorsichtig aufgerückte Abwehr der Grizzlys komplett hinter sich lassen kann und schon steht es 2:2 - perfekt mit der Rückhand vollendet (46.). Das schien die Wolfsburger Kampfeslust aber noch zusätzlich anzustacheln. Immer wieder führte der aggressive Forecheck der Gäste zur Puckeroberung und damit zu Chancen auf die erneute Führung. Gut zwei Minuten später trug dann genau so eine Situation Früchte, als Festerling einen verlorenen Puck gleich wieder zurückholte und schnell auf gestarteten Jormakka querlegte. Durch die Beine des Münchner Goalies fand das Spielgerät zum dritten Mal (48.) seinen Weg in die Maschen und die Grizzlys durften tatsächlich von Punkten träumen. Dass es beim Traum blieb, besorgte neben einer dummen späten Strafe auch das Scheibenglück, welches den Grizzlys zumindest im ersten Spielabschnitt mal wieder nicht wirklich hold gewesen war. Erst erwischte Seidenberg einen Rebound nur mit dem Körper, aber der Puck prallte von Pickards Schoner zum Ausgleich (56.) ins Tor, dann holte sich Armin Wurm die einzige Wolfsburger Strafzeit der gesamten Begegnung ab (59.) Sechzehn Sekunden später stand es bereits 4:3 für München, die durch Roys Treffer die Partie im letzten Moment noch drehen konnten. Dass der Puck auch in den letzten 90 Sekunden trotz guter Möglichkeiten und sechstem Feldspieler nicht noch einmal ins Münchner Tor ging - irgendwie klar. 
Für die Psyche des Teams stellt der Verlauf der Begegnung sicherlich eine harte Probe dar, aber wenn man die zuletzt gezeigten Leistungen betrachtet, so darf man durchaus optimistisch sein. Das morgige Spiel in Augsburg dürfte dabei bereits eine kleine Vorentscheidung in Sachen Play-offs bringen, zumal die Grizzlys durch die unverdiente Niederlage nun auf Platz 5 zurückgefallen sind und nur noch fünf Begegnungen zu spielen sind.


1:0 Bourque (Parkes - Schütz) 27.Min
1:1 Rech (Olimb) 33.Min
1:2 Hungerecker (Likens) 38.Min
2:2 Ehliz (Redmond - aus den Birken) 46.Min
2:3 Jormakka (Festerling - Bittner) 48.Min
3:3 Seidenberg (Bourque - Parkes) 56.Min
4:3 Roy (Mauer - Gogulla) 59.Min PP 5-4