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Wildes Spiel - Punkt verschenkt!

Vor über 1800 Zuschauern brannten die Grizzlys zunächst ein offensives Feuerwerk ab und hatten die Rekordkulisse sofort hinter sich. Bei den um Krupp und Archibald verstärkten Gastgebern war kurzfristig Jan Nijenhuis ausgefallen, so dass keine vollen vier Sturmreihen zusammenkamen. Fabio Pfohl und Kapitän Furchner halfen erneut in der Abwehr aus und füllten somit die Abwehrduos Nummer 2 und 3 auf.
Topscorer DeSousa eröffnete den Torreigen der Grizzlys bereits in der 4.Minute, als er eine 2 auf 1 Situation ohne Abspiel eiskalt verwerten konnte. Torhüter Roy hatte das Nachsehen, musste zehn Minuten später nach einer Parade obendrein verletzt vom Eis. Ersatzmann Keller hatte es sich gerade zwischen den Pfosten bequem gemacht (15.), da schlug es auch schon hinter ihm ein. Gerrit Fausers erster Saisontreffer markierte im Powerplay das 2:0, drei Minuten später erhöhte Teamkollege Button sogar sehenswert auf 3:0. Die Grizzlys spielten sich auch im Mitteldrittel zunächst weiter in einen Rausch, kamen durch Gaudet zum absolut verdienten 4:0 (ebenfalls erster Treffer der Saison), während Augsburg praktisch nicht stattfand.
Wolfsburg wirbelte munter weiter, schnürte die Gäste angetrieben von der völlig begeisterten Kulisse immer wieder in deren Drittel ein. Doch an Stelle des fünften Tores durften zur Abwechslung die Gäste jubeln. Wie aus dem Nichts konnte Campbell einen Schuss von Brady Lamb in die Maschen abfälschen (27.) und das zu diesem Zeitpunkt wenig verdiente erste Tor für die Gäste erzielen. Die Grizzlys ließen sich davon erst einmal nicht irritieren und setzten ihren wilden Angriffslauf noch minutenlang fort...allerdings ohne den Puck irgendwie noch einmal im gegnerischen Tor unterzubringen. Gleich beim ersten größeren Fehler im Aufbauspiel der Gastgeber waren die Panther erneut zur Stelle (34.) und verbuchten das 4:2 durch Trevelyan. Es wirkte schon fast grotesk, als auch Haases Schlagschuss (39.) den Weg durch den Verkehr ins Tor der Grizzlys fand und Augsburg endgültig neues Leben einhauchte.
Im dritten Spielabschnitt ging der Wahnsinn weiter. Nicht zuletzt, da die Gäste nun tatsächlich streckenweise so etwas wie Druck und Spielfluss entwickelten und Wolfsburg seinerseits irgendwie den Faden verloren hatte. Das 4:4 durch Puempel stellte nicht nur den zweiten Unterzahlgegentreffer (44.) der Grizzlys dar, es brachte die Gastgeber vor allem in Zugzwang! Lange Zeit machte es nicht den Eindruck, als könnte das Team von der Aller in den Spielfluss der ersten 30 Minuten zurückfinden. So erdrückend und traumwandlerisch diese erste Spielhälfte gewesen war, so holprig und wenig überzeugend wirkten die meisten Offensivbemühungen der Gastgeber im zweiten Teil der Begegnung. Die seltsame Effizienz der Panther hatte den Grizzlys offenbar den Zahn gezogen und man knabberte nun sichtbar am Ergebnis der eigenen Nachlässigkeit.
Nach einem mäßigen Versuch in Überzahl (ab 50.) das Ruder herumzureißen, platzte Wolfsburgs Topscorer endgültig der Hals. Bei fast jedem seiner Wechsel wirkte DeSousa an diesem Abend wie aus einem anderen Eishockeyuniversum, ließ die Gegner dabei reihenweise wie Pylonen stehen oder versuchte wahlweise durch sie hindurch zu fahren. Diese unglaubliche Energie war es auch, die bei seinem Treffer zum 5:4 den Ausschlag gab, ihn letztlich ermöglichte (55.) . Doch das war immer noch nicht das Ende der Geschichte! Knapp zwei Minuten vor dem Abpfiff gelang den Gästen tatsächlich der erneute Ausgleich: Clarke hatte einen weiteren Haase-Hammer unhaltbar abgefälscht. Strahlmeier im Tor der Grizzlys hingegen kochte mittlerweile dezent vor sich hin, hatte er doch trotz erneut guter Leistung bisher fünfmal (!) hinter sich greifen müssen und das gegen einen eigentlich recht bieder auftretenden Gast.
Die Verlängerung sollte sich nahtlos an den spektakulären Verlauf der Partie anschließen, bot in den knapp zwei Minuten mehr Aufreger als so manches gesamte Drittel. Mingoias Solo mit Schuss an die Latte (62.) holte die Fans dann endgültig aus dem Sattel, wenige Momente später schickte Melchiori den Anhang dann in Richtung Siegesfeier. Nach einem Lauf über das gesamte Eis (bei 3 gegen 3 keine Seltenheit) machte Wolfsburgs Topverteidiger per Handgelenksschuss den zweiten Punkt klar und rettete somit den psychologisch wichtigen Sieg in einer seltsamen Begegnung. Ausgelassenheit mischte sich - und das ist gut so - sichtbar mit Ärger bei den Grizzlys, die aus diesem Spielverlauf hoffentlich etwas für zukünftige "eindeutige" Spiele mitnehmen werden. Über mangelndes Spektakel konnte sich am Ende allerdings keiner beschweren. Die Grizzlys bieten etwas fürs Geld - so viel steht mal fest!   


1:0 DeSousa (Hungerecker - Button) 4.Min
2:0 Fauser (Gaudet - Rech) 15.Min PP 5-4
3:0 Button (Festerling - Rech) 18.Min
4:0 Gaudet (Rech - Bittner) 22.Min
4:1 Campbell (Lamb) 27.Min
4:2 Trevelyan (McClure) 34.Min
4:3 Haase (Graham) 39.Min
4:4 Puempel (McClure - Graham) 44.Min PP 5-4
5:4 DeSousa (Machacek - Furchner) 55.Min
5:5 Clarke (Haase - Campbell) 59.Min  
6:5 Melchiori (Machacek - Gaudet) 62.Min