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EHC - Adler Mannheim 2:4

Sandmann, lieber Sandmann...

Was ist bloß mit den Grizzlys los? Auch im zweiten Heimspiel der Saison gastierte mit den Adlern ein Topclub der DEL in der Eisarena – und wieder schienen die Gastgeber nicht bereit zu sein.
Stolze 34 Sekunden waren gespielt, da durften die rund 40 mitgereisten Mannheimer Fans schon das erste Mal jubeln. Wolfsburgs Anhang langte sich angesichts des leichtfertig hergeschenkten 0:1 kollektiv ans Hirn. Kinks Alleingang gegen den nur halbherzig Begleitschutz gebenden Wurm und Brückmanns schwachen Blockversuch wirkte einfach zu selbstverständlich, fast schon beiläufig.
Doch Wolfsburg sollte auch in der Folgezeit einfach nicht in die Gänge kommen. Mannheim wirkte einfach schneller, härter und wacher und erspielte sich folglich Chance um Chance. Zunächst blieb den Gastgebern, dank viel Glück und einem nun wachen Goalie, das zweite Gegentor erspart. Dabei fiel der gegen Likens (7.) verhängte Penalty (bei eigener Überzahl!) eher in die Kategorie Eistanz; Raedeke scheiterte bei der Ausführung dann am sensationell agierenden Brückmann.
Nach gut 13 gespielten Minuten war es dann doch soweit: Mit Ablauf einer Strafzeit gegen die Grizzlys knallte Richmond den Puck, unhaltbar durch Kolarik abgefälscht zum 0:2 in die Maschen. Die Führung war aus Sicht der Gastgeber sicherlich frustrierend, spiegelte aber absolut die Kräfteverhältnisse auf dem Eis wieder.
Zum Glück ist mit Mark Voakes ein Grizzly momentan derart „on fire“, dass ihm sogar in solch einem einseitig verlaufenden Drittel noch ein Tor für seine Farben gelang.
Nach energischem Forecheck im gegnerischen Drittel eroberte Wolfsburgs Ausnahmestürmer den Puck und zog direkt auf Endras (16.). Energisch stocherte er die Scheibe schließlich im „Zweikampf“ mit Mannheims Goalie zum 1:2 über die Linie, die Referees bemühten – überraschend, aber zur dünnen Leistung passend – nicht den Videobeweis.
Mit dem für die Gastgeber schmeichelhaften 1:2 ging es zum ersten Mal in die Pause.
Wolfsburg fand im Anschluss endlich besser in die Partie, Mannheim hingegen behielt seine raue Gangart bei, hielt energisch dagegen.
Als infolge dieser Strategie zwei Adler gleichzeitig auf der Strafbank parkten (25.), gelang den Hausherren sogar der schön herausgespielte Ausgleich zum 2:2. Erneut Voakes konnte die Kombination der Grizzlys am langen Pfosten geradezu entspannt einschieben – die Partie war wieder völlig offen.
Leider dauerte es keine vier Minuten, bis die Gäste aus der Kurpfalz wieder in Front gehen konnten. Nikolai Goc ließ beim Sturm ins Grizzlydrittel zunächst einen verdutzten Dibelka an sich abprallen, um dann den tiefgespielten Puck wieder aufzunehmen. Sein Querpass fand in Raedeke einen dankbaren Abnehmer zum 2:3.
Ein folgendes Powerplay im Mittelabschnitt und noch zwei weitere im Schlussabschnitt hielten die Grizzlys zwar weiterhin im Geschäft, doch wirklich Zwingendes blieb rar. Die größte Chance hatte vermutlich Furchner noch vor dem 2:3 der Gäste vergeben, als er völlig freistehend einen Schuss aus zentraler Position über den Kasten gehämmert hatte.
Mannheim ging bis zum Schlusspfiff jede Tempoverschärfung der Gastgeber mit, ließ in Unterzahl kaum etwas zu und präsentierte sich insgesamt in hervorragender Verfassung. Nicht auf Münchner Niveau, aber immer noch eine Spur zu gut für die Grizzlys (an diesem Abend).
Einmal brandete dann doch noch Jubel bei den orange Gekleideten auf (57.) – doch alles was im Getümmel vor Endras im Netz landete, war die Kelle eines Spielers, die das Netz verräterisch ausgebeult hatte. Der Puck hingegen schlummerte längst friedlich unter dem Torhüter der Adler.
Als Wolfsburg schließlich mit sechstem Feldspieler agierte, klingelte es noch ein viertes Mal im Kasten der Gastgeber (60.). Arendts 2:4 beendet folglich alle Hoffungen auf eine Punkteteilung, die drei Punkte gingen leistungsgerecht auf die Reise nach Mannheim.

Teamcheck

Tor
Brückmann mit wenig energischem Auftakt. Danach aber ein sicherer Rückhalt, der spätestens mit dem glänzend parierten Penalty seinen schwachen Ersteindruck revidieren konnte und die Grizzly über weite Strecken gut im Spiel halten konnte.

Verteidigung
Likens und Dehner mit einigen Wacklern im Defensivverhalten, Sharrow hin und wieder einfach einen Schritt zu spät...und Wurm dann gleich mal zwei Schritte zu spät. Weder Körperspiel noch Schnelligkeit wollten sich bei Wurm auf konkurrenzfähigem Niveau einstellen. Der Wolfsburger Verteidiger avancierte zum echten Sicherheitsrisiko für seine Farben – hoffentlich nur ein Ausrutscher oder einer körperlichen Beeinträchtigung geschuldet.
Dotzler, Krupp und der endlich genesene Seifert wussten gegen energisch und schnell agierende Adler defensiv zu überzeugen.

Sturm
Mark Voakes überstrahlt in Sachen Spielwitz und –übersicht momentan jeden und alles. Während Pfohl weiterhin seine Stickhandlingfähigkeiten, teilweise bis hinter das gegnerische Tor, demonstriert, findet Voakes meistens die richtige Balance zwischen Pass, Deke und Abschluss. Ironischerweise erzielte er dabei seinen ersten Treffer mit einer falschen Entscheidung: Das Abspiel zum mitgefahrenen Dibelka wäre in diesem speziellen Fall die wesentlich sicherere Alternative gewesen. Besagter Dibelka leistete sich beim dritten Mannheimer Treffer eine folgenschwere Zweikampfschwäche, als er sich von Goc zur Seite checken ließ und anstatt die Verfolgung aufzunehmen, lieber seinen verlorenen Schläger aufsammelte. Riefers unauffällig, Karachun weiterhin mit Schwierigkeiten sich an das Tempo der Aktionen in der DEL anzupassen.
Ansonsten hält sich unser Sturm mit drei Kontingentspielern durchaus respektabel, wobei vor allem von Weiss, Mulock und Fauser langsam wieder etwas Zählbares kommen darf. Furchner, Höhenleitner und Haskins gewohnt fleißig, Aubin mit steigender Formkurve...doch insgesamt fehlte den Grizzlys vor allem das letzte bisschen Klarheit in den Aktionen, um die Adler an diesem Abend zu bezwingen.mb