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EHC - Eisbären Berlin 3:2 n.V.

Bärenduell mit Hindernissen

Wer dachte, dass ein parallel stattfindendes Bundesligaspiel und das Wegfallen eines Großteils der Parkplätze (Internationale Zulieferermesse) genügend Erschwernisse für das sonst so beliebte Spiel gegen die Eisbären darstellen, der sah sich getäuscht.
Obendrein genehmigte die Stadt einen Fanmarsch des VfL, der eine Stunde vor Beginn der Partie einen Teil des öffentlichen Verkehrs nicht zum Stadion gelangen ließ. So gestalteten die rund 1000 Fans der Eisbären unter den 3400 Zuschauern die Begegnung endgültig zum Heimspiel für Berlin. Nichts Neues, aber so deutlich war es bisher nur selten.
Vielleicht half die „Auswärtsatmosphäre“ den bisher vor heimischer Kulisse schwächelnden Grizzlys, denn es sollte der erste Heimsieg der laufenden Saison folgen.
Doch zuvor musste ein weiteres Hindernis überwunden werden: Die Schiedsrichter.
Während die erste Strafe der Begegnung noch gegen die Gäste verhängt wurde, lernten diese wesentlich schneller aus der offenkundig kleinlichen Regelauslegung des Duos Hoppe/Iwert.
Bereits Mitte der 6.Spielminute hatte mit Pfohl, Haskins und Voakes gleich drei Akteure der Grizzlys in kurzen Abständen auf der Strafbank Platz genommen. Pfohl und Voakes waren dabei die ersten „Opfer“ der kleinlichen Linie der beiden Referees. Haskins hatte die Situation durch eine Spielverzögerung zusätzlich verschärft, die Gäste konnten mehr als zwei volle Minuten in doppelter Überzahl gestalten. Dass es weniger wurden, lag an Petersens Treffer (7.) zum 0:1 für die Eisbären. Aus spitzem Winkel zirkelte der Berliner Torjäger den Puck über Brückmanns Schulter in die Maschen. Der ohnehin lautstarke Anhang der Gäste übernahm bis Drittelende die Alleinherrschaft in der Arena.
Während die Gäste sich in diesem zerfahrenen Drittel ihre zwei weiteren Strafen zeitlich getrennt abholten, mochten die Grizzlys es wohl eher gesellig. Zur Mitte des Drittels wanderten mit Mulock und Haskins erneut zwei Wolfsburger fast zeitgleich in die Kühlbox, doch das Penaltykilling der Grizzlys und Torhüter Felix Brückmann verhinderten Schlimmeres.
Etwas glücklich und vor allem noch mit allen Chancen ausgestattet ging es für den heimischen EHC in die erste Pause.
Und nun konnten die Grizzlys ihre durchaus vorzeigbare Spielanlage bei fünf gegen fünf endlich etwas öfter zeigen. Noch besser: Bei eigener Überzahl machte es schon früh im Drittel (22.) „Klick“ und Furchner konnte ein perfektes Rückhandanspiel seines Kapitäns zum Ausgleich verwerten. Die Gastgeber schienen nun endlich den vollen Zugriff auf die Partie zu bekommen...und mussten doch zum zweiten Mal einen Rückstand (27.) quittieren. Ob nun Darin Olver oder der sehr unglücklich vor dem eigenen Torhüter postierte Armin Wurm den Berliner Schuss in die Maschen lenkten – es spielte letztlich keine Rolle. Doch Wolfsburg ließ sich nicht beirren, erhöhte den Druck auf die konzentriert agierenden Gäste nun noch einmal. Aber keine der sich bietenden Möglichkeiten sollte ihren Weg vorbei am bestens aufgelegten Franzreb im Berliner Tor finden. Selbst, als den Grizzlys kurz vor Drittelende ein Penaltyschuss zugesprochen wurde, behielt der Youngster im Tor der Gäste die Oberhand. Gerrit Fauser war von Berlins Andre Rankel regelwidrig am Break-away gehindert worden, beim folgenden Strafschuss zeigte seine Körpertäuschung dann leider nicht die gewünschte Wirkung.
Kurz vor dem regulären Ende der Spielzeit dann der nächste Aufreger: Wolfsburgs Pfohl musste das Eis wegen Bandenchecks verlassen (60.), die zusätzlichen 10 Minuten wegen Meckerns beschertem dem Grizzly schließlich das frühe Ende der Partie.
Ohne weitere Treffer ging es in die Verlängerung, in der die Grizzlys also zunächst eine 4 gegen 3 Unterzahl überstehen mussten. Kaum wieder komplett, übernahmen die Gastgeber das Zepter auf dem Eis. Und wieder war es ein blitzsauberer Pass von Wolfsburgs Kapitän, den einer seiner Nebenleute aus zentraler Position verwerten konnte. Fausers 3:2 brachte die Reihen der heimischen Fans endgültig in Partystimmung und besiegelte somit den ersten, wenn auch knappen, Heimsieg der laufenden Saison.
Eine hart umkämpfte und reichlich zerpfiffene Begegnung fand am Ende doch noch ein durchaus angemessenes Ergebnis. Die Punkteteilung spiegelte letztlich die leichten Vorteile der Gastgeber wieder. Berlin blieb angesichts einer couragierten Vorstellung ebenfalls zurecht nicht ohne Punktgewinn.

Teamcheck

Tor
Brückmann macht beim ersten Treffer den Winkel im kurzen Eck nicht komplett zu, bleibt in der Folgezeit aber ein sicherer Rückhalt. Die Ausflüge hinter das eigene Tor sollte er vielleicht ein bisschen dosierter einsetzen, vor allem wegen der demolierten Kickleisten hinterm Tor...

Verteidigung
Sehr solide Vorstellung aller Akteure. Dehner mit schlauen Eröffnungspässen, Likens feuert endlich wieder vermehrt von der Blauen und Krupp steigert sich weiter von Spiel zu Spiel. Sehr schön. Einzig Wurm, der sich zur letzten Woche deutlich verbessert zeigte, klebt momentan ein wenig das Pech an den Kufen. Sein suboptimales Stellungsspiel vor dem zweiten Gegentor soll aber die generelle Tendenz nach oben nicht verdecken. Diese Phase sollte der gut in die Saison bzw. Vorbereitung gestartete Wolfsburger Verteidiger bald hinter sich gelassen haben.

Sturm
Der 2020 Sturm macht den Sieg klar. Der zu Beginn etwas derangiert wirkende Haskins und seine beiden Nebenspieler machen die entscheidenden Tore in Überzahl und bei 3 gegen 3. Aubin steigert sich weiter, hat allerdings im Abschluss immer noch zu viele Ungenauigkeiten (über den Puck schlagen beim one-timer etc.). Zusammen mit Voakes und Dibelka weiß die Reihe aber weiterhin zu gefallen. Die vierte Reihe ebenfalls mit ansteigender Formkurve, Mulock kann dort seinen Torriecher aber irgendwie so gar nicht ins Spiel bringen. Da wäre ein Durchmischen mit der Reihe Pfohl-Weiss-Höhenleitner wohl sinnvoll, die außer Kampf nicht viel Zählbares generieren konnte. Es bleibt die Hoffnung auf eine zeitnahe Rückkehr von Foucault, die den Reihen vielleicht neue Impulse bringen könnte. An eine baldige Verpflichtung des 9.Ausländers glaube ich momentan eher weniger...ist aber nur ein Gefühl.
Insgesamt akzeptable Leistung (jenseits der 1.Reihe), wobei die klar herausgespielten Chancen einfach deutlich mehr werden müssen – vor allem gegen die Topteams der Liga.
Zum Abschluss gute Besserung an Höhi, der im Zweikampf mit Hördler ordentlich in die Bande gebissen hat. Hoffentlich nichts Schlimmeres! mb