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EHC - Düsseldorfer EG 3:4 n.V.

Zwischen Energie und Stromausfall

Wie eine ständige Berg- und Talfahrt gestaltete sich das Spiel der Grizzlys gegen den Gast aus Düsseldorf. Mit dem Ziel den ersten Dreier vor heimischer Kulisse einzufahren, war Wolfsburg zu dieser Partie angetreten – und ließ immer wieder die letzte Konsequenz in seinen Aktionen vermissen.
Dabei gestaltete sich das Auftaktdrittel aus EHC-Sicht durchaus akzeptabel: In dem etwas zerfahren wirkenden Treiben auf dem Eis behielten die Grizzlys meist die Oberhand, wirkten von der Spielanlage wesentlich ausgereifter als der Gast vom Rhein.
Da passte Binas Premierentreffer (8.) gut ins Bild, als der wiedergenesene Verteidiger einen energisch vorgetragenen Angriff über Voakes und Aubin aus kurzer Distanz in die Maschen drücken konnte. Doch das war es für die Grizzlys dann auch schon in Sachen Effektivität für eine lange, lange Zeit. Viel zu glimpflich ließ man die solide, aber gänzlich ungefährlich auftretenden Gäste davon kommen. Lediglich während eines Überzahlspiel nach einer reichlich fragwürdigen Strafe gegen Wolfsburgs Kapitän kam die DEG zu einer ihrer wenigen nennenswerten Offensivaktionen.
Das sollte sich im zweiten Abschnitt ändern. Immer wieder ließen die Hausherren die Zügel zu sehr schleifen, wirkten in ihren Aktionen fast schon pomadig...und wurden prompt bestraft. Leon Niederberger glich die Partie in so einem Moment der Wolfsburger Unaufmerksamkeit schließlich mit seinem ersten DEL-Tor aus (28.). Spottete der Spielstand schon zu diesem Zeitpunkt dem eigentlichen Kräfteverhältnis, so stellte Kammerers 1:2 in der 35.Minute schließlich den gesamten Spielverlauf auf den Kopf. Die Rahmenbedingungen des Treffers machten das Ganze aus Sicht der Wolfsburger dann noch unverdaulicher: Alex Dotzler war vor dem eigenen Tor im Eis hängen geblieben und wand sich nun vor Schmerzen auf dem Eis. Neben einem langfristigen Ausfall quittierten die Grizzlys in dieser Situation auch noch den zweiten Gegentreffer. Das Spiel war regelkonform nicht unterbrochen worden, die Gäste nutzten folglich die vorübergehende Überzahl konsequent aus.
Von diesem Schock erholten sich die Gastgeber bis zur nächsten Pause erst einmal nicht.
Eine Drittelpause und eine vermutlich mehr als deutliche Kabinenansprache später, kamen die Grizzlys zunächst wie verwandelt aus der Kabine. Scheinbar endlich mit voller Power und Konzentration nahmen die Hausherren den bis dahin bestenfalls durchschnittlich agierenden Gast unter Beschuss. Furchners achter Saisontreffer markierte, wie so oft aus zentraler Position, nach gerade einmal 35 Sekunden den längst überfälligen 2:2 Ausgleich. In Überzahl und bei zusätzlich angezeigter Strafe schlug Wolfsburgs Ausnahmestürmer dann erneut zu (49.). Wieder aus seiner Lieblingsposition, wieder diagonal in den Winkel. Das Spiel schien endlich in leistungsgerechte Bahnen zu geraten, da stellte der EHC schon wieder, wenn auch nur kurz, die intensive Zweikampfführung ein. Alex Barta bestrafte die erneut aufkommende Nachlässigkeit in Reihen des EHC mit seinem Rückhandtreffer zum 3.3 Ausgleich. Die DEG demonstrierte letztlich, was mit konstanter Spielführung und etwas Effizienz alles geht. Der Ausgleich fühlte sich zwar ungerecht an, war aber objektiv betrachtet verdient. Doch das Haareraufen der Fans in orange sollte noch nicht zu Ende sein!
In der anstehenden Verlängerung führten die Wolfsburger, nach ersten vorzeigbaren Angriffsbemühungen, so etwas wie Schaulaufen mit Spielerwechsel auf. Immer wieder fuhren die drei Akteure der Grizzlys aus dem Angriffsdrittel, um einen ihrer Spieler auszuwechseln. Diese Strategie (?) ging postwendend nach hinten los. Kaum waren Foucault, Aubin und Bina nach diesem Wechselreigen auf dem Eis, da holten sie sich schon das 3:4 durch Ex-Grizzly Norm Milley ab. Locker umkurvte der Routinier das Wolfsburger Tor, seine Mitspieler blockten ihm schließlich die Einschussmöglichkeit erfolgreich frei.
Fassungslos quittierte der Wolfsburger Anhang diesen zweiten, total überflüssig wirkenden Punktverlust.

Teamcheck

Tor
Keine Fehler, keine Monstersaves – eine solide Leistung der „Katze“, die normalerweise zum dreifachen Punktgewinn gereicht hätte...

Verteidigung
Insgesamt in den entscheidenden Momenten, wie ihre Stürmerkollegen, einfach zu weit weg vom Gegenspieler oder nicht intensiv genug bei der Sache. Nach den letzten Wochen eventuell ein Kraftproblem? Zumindest keine durchgängig konzentrierte Vorstellung der Defensive. Sinnbildlich Robbie Binas Vorstellung. In seinem zweiten Spiel zeigt er mit gutem Gespür für den richtigen Laufweg, warum er im Powerplay so schmerzlich vermisst wurde, schießt bei 5 gegen 5 ein Tor...und hat wie in Krefeld große defensive Schwierigkeiten. Wolfsburgs Mr. Zuverlässig wird das nach seiner erneuten Zwangspause schon wieder hinbekommen, aber an diesem Nachmittag war es dann der Unsicherheiten etwas zu viel.
Jeremy Dehner sorgt selbst in so verkorksten Spielen immer mehr für strahlende Gesichter – der Wolfsburger Neuzugang scheint von Woche zu Woche seine Klasse besser in das Spiel der Grizzlys einbringen zu können.
Den (hoffentlich kurzen) Ausfall von Alex Dotzler wird man vermutlich durch Seifert auffangen können. Bleibt die allgemeine Kraftfrage.

Sturm
Im Sturm überzeugen neben dem überragenden Sebastian Furchner, Kapitän Haskins und Mark Voakes. Während ein großer Teil der übrigen Deutschen im Team einfach etwas zu unauffällig wirken, bleibt auch Foucault noch etwas hinter den Erwartungen zurück. Oft zu umständlich und ohne richtige Bindung an die Aktionen seiner Mitspieler braucht der kanadische Stürmer wohl noch etwas Zeit, um sein volles Potential abrufen zu können. Eine Rückkehr in eine der ersten beiden Reihen wird da vielleicht mehr Aufschluss bringen. Nach der verletzungsbedingten Pause erst einmal nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste.
Was schon eher etwas Sorgen machen kann, ist die Harmlosigkeit eines Tyson Mulock und seiner vierten Reihe. Natürlich erwartet man erst einmal keine Wunderdinge von einer vierten Reihe, aber eventuell sollte man die Reihen 3 und 4 neu durchmischen. Denn was Foucault, Weiss und Pfohl zeigten, war an diesem Nachmittag keinesfalls ausreichend.
Bleibt festzuhalten: Die mangelnde Konstanz in der aggressiven Spiel- und Zweikampfführung hat am Ende die Punkte gekostet. Ob Reihenzusammenstellung, oder einfach ein Konditionsloch der Grund/Schlüssel zu diesem Problem sind, werden die Trainer in den kommenden Wochen sicherlich herausfinden. Einen weiteren, streckenweise einfach pomadig wirkenden Auftritt vor heimischem Publikum sollte man zumindest vermeiden, sonst schauen sich die Leute die Spiele demnächst vermehrt von zu Hause aus an. mb