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EHC - Schwenninger Wild Wings 2:1

Mit letzter Kraft zum ersten Dreier

Nach äußerst anstrengenden Wochen mit zwei nicht ganz frustfreien Champions-League Spielen, wollten die Grizzlys nun endlich den ersten Dreier vor heimischem Publikum einfahren.
Neben den verletzten Dotzler und Höhenleitner fehlte gegen Schwenningen mit Fabio Pfohl (Grippe) ein weiterer Akteur im Team der Wolfsburger. Doch zunächst war vom Kräfteverlust aus den letzten Spielen (und Reisen) nichts zu spüren. Die Gastgeber zeigten gleich im Auftaktdrittel, dass heute endlich die volle Punkteausbeute her sollte. Während die wenigen Schwenninger Gelegenheiten nur mäßig Gefahr ausstrahlten, konnte der EHC gleich mehrfach die Gästeabwehr in Bedrängnis bringen. Insgesamt wurde der Spielfluss der Hausherren lediglich einmal gebremst, als ein Grizzlys wegen einer äußerst umstrittenen Strafe (6 Mann auf dem Eis, 5.) in die Kühlbox musste. Als dann aber gleich zwei Schwäne auf die Strafbank flatterten, war am Ende auch Schwenningens bestens aufgelegter Goalie geschlagen. Zwar rettete Strahlmeier zunächst mit einem Wahnsinns-Save gegen Foucault, doch als der vierte Spieler der Gäste das Eis wieder betreten durfte schlug es dann doch noch hinter ihm ein.
Alex Weiss hatte einen genialen Diagonalpass seines Kapitäns direkt in die Maschen gehämmert (15.) und so das längst überfällige Führungstor erzielt.
Mit einem etwas zu knappen 1:0 ging es zum ersten Mal in die Pause.
Wer jetzt dachte, die Grizzlys hätten ihre Tiefschlafphase zu Beginn einer Heimpartie mittlerweile abgelegt, der wurde nun eines Besseren belehrt.
Der EHC hatte diesen Teil seines Spiels einfach nur auf das Mitteldrittel verlegt. Wie von allen guten Geistern verlassen rückten die Gastgeber nun viel zu weit auf, die Verteidiger sahen sich plötzlich zum Stürmen berufen und die Konter der Gäste rauschten nur so auf Sebastian Vogl zu. Ganze 40 Sekunden dauerte es, bis Will Acton einen solchen Konter völlig unbedrängt zum 1:1 abschließen konnte – und die folgenden Minuten sollten genau so weitergehen! Immer wieder standen die Grizzlys zu tief im gegnerischen Drittel, immer wieder rollte nach Puckverlust sofort ein Überzahl-Konter der Gäste.
Dass diese kritische Phase überstanden werden konnte, lag vor allem an einem: Kris Foucault.
Der kanadische Neuzugang zeigte in der ersten Reihe, dass er nicht nur eine echte Bereicherung für das Team aus Wolfsburg darstellen wird, sondern wirkte aufgrund seiner zwischenzeitlichen Zwangspause deutlich frischer als viele seiner Mannschaftskameraden.
Während Haskins dem Schwenninger Goalie die Sicht nahm, knallte Foucault von der Blauen einfach mal drauf (28.) und konnte so, etwas überraschend zu diesem Zeitpunkt, das 2:1 für seine Farben erzielen. Dieser Treffer veränderte das Spiel tatsächlich nachhaltig! Wolfsburg trat plötzlich wieder konzentrierter auf, die Chancen der Wild Wings wurden fast schlagartig rar.
Das Spiel indes blieb eng und spannend, wenn auch nicht wirklich hochklassig. Wolfsburg ließ bis zur nächsten Drittelpause leider erneut einige gute Gelegenheiten aus, hatte entweder kein Scheibenglück gegen die dicht gestaffelt vor ihrem Tor stehenden Gäste oder scheiterte am überragenden Strahlmeier. Die beste Gelegenheit vergab dabei Lubor Dibelka, der sich nach schöner Einzelleistung einfach nicht zum Schießen durchringen konnte (30.). Sein Querpass fand keinen Abnehmer, da Voakes’ Schläger unter der Kontrolle seines Gegenspielers stand.
Der Schlussabschnitt gestaltete sich, erstaunlicherweise, streckenweise gar nicht so aufregend, wie es der Spielstand vermuten ließe. Das lag in erster Linie an den Gästen, die trotz Rückstand ihre eher defensive Gangart einfach nicht aufgeben wollten. Da Wolfsburg aber nun endlich kontrollierte Offensive (also kein reines Verwalten) spielte, blieben die gewünschten Kontergelegenheiten für die Schwarzwälder Mangelware.
Selbst als gegen Ende des Spiels (57.) ein Grizzly auf die Strafbank wanderte, konnten die Gäste dank ihres miserablen Powerplays nichts mit der Gelegenheit anfangen, kamen dabei nicht einmal dazu, ihren Goalie vom Eis zu nehmen.
Gerade der Schlussabschnitt zeigte auf erfreuliche Weise, dass das Team seinen toten Punkt immer noch überwinden kann und dann ein Team, das nicht diese Belastungen in den Knochen hat, läuferisch dominieren kann.
Mit etwas Glück gelingt dies ja auch noch im Spitzenspiel in Köln. Wobei eine erneute Schwächephase von den Haien wohl nicht nur mit einem einzelnen Treffer bestraft würde...
Bei der abschließenden Feier auf dem Eis war den Akteuren jedenfalls die Erschöpfung deutlich anzumerken – die Raupe machte zwar sichtlich Spaß, aber Beteiligung und Koordination sprachen eine eigene Sprache...


Teamcheck

Tor
Eine vor allem psychologisch sehr kluge Entscheidung unseres Trainergespanns Sebastian Vogl hier Gelegenheit zu geben, das Spiel in Zürich zu verarbeiten. Und siehe da, „Birdy“ musste nur einmal hinter sich greifen und lieferte ein mehr als solides Spiel ab. Die Ausflüge hinter das eigene Tor riefen auf den Tribünen zwar immer noch etwas Angstschweiß hier und da hervor, doch insgesamt konnte der Torhüter der Grizzlys durchaus überzeugen. Die besseren Gelegenheiten sich auszuzeichnen hatte aufgrund des Spielverlaufs allerdings sein Gegenüber.

Verteidigung
Vogelwilde Minuten zum Auftakt des Mittelabschnitts, in denen die Verteidiger teilweise viel zu optimistisch ins gegnerische Drittel eindrangen, nur um auf halber Strecke den Puck zu verlieren oder den Konter nicht mehr abfangen zu können.
Vor allem Bina weist weiterhin große Unsicherheiten in Stellungsspiel und Zweikampfführung auf. Wirklich positiv fällt mir momentan eigentlich nur Björn Krupp auf...weil er eben nicht durch irgendwelche Aussetzer oder Harakiri-Aktionen auf sich aufmerksam macht. Hoffentlich steigert sich die Defensive gegen Köln noch einmal deutlich, sonst...

Sturm
Foucault hatte dank weniger Spielen in den Knochen eben auch deutlich mehr Sprit im Tank. In der ersten Reihe neben dem ebenfalls gut aufgelegten Haskins und Furchner scheint der kanadische Neuzugang sein Zuhause zu finden. Nicht nur wegen den beiden Torbeteiligung der Spieler des Spiels!
„Magic“ Mark Voakes verzückt das Publikum weiterhin mit einer Mischung aus genialem Stickhandling und unbedingtem Willen. Auch Aubin strahlt zunehmend Torgefahr aus, auch wenn ihm immer noch nicht so viel gelingt, wie wir es schon mal gesehen haben. Sogar Seifert gibt als Aushilfsstürmer neben Weiss und Fauser eine geradezu glänzende Visitenkarte ab! Sehr auffällig mit viel Spielwitz und Durchsetzungskraft empfahl sich Seifert für weitere Einsätze in der Offensive. Zu guter Letzt sendet mit Tyson Mulock ein fast vergessener Torjäger aus der vierten Reihe vermehrte Lebenszeichen – vielleicht gelingt ihm über kurz oder lang doch noch einmal der Sprung in eine andere Reihe (und dann nicht nur aushilfsweise). Der mit viel Spielverständnis ausgestattete Deutsch-Kanadier braucht eigentlich zwei Nebenleute mit mehr Spielwitz als er sie augenblicklich zur Verfügung hat. Insgesamt ein Mannschaftsteil dessen Formkurve, trotz deutlich nachlassender Kraftreserven, eher nach oben zeigt (Alex Weiss nicht zu vergessen!). mb