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EHC - Kölner Haie 3:5

Zwanzig Minuten Spaß

Zu mehr reichte es nach der Länderspielpause bei den Grizzlys auch in diesem Anlauf nicht.
Wähnten sich die Hausherren nach einem Blitzstart zunächst noch im Höhenflug, so kam spätestens im Mitteldrittel der jähe Absturz zurück zu Problemen, die sich offenbar nun verfestigen.
Nach sechs gespielten Minuten schien die Grizzlywelt zunächst wieder in Ordnung zu kommen. Wolfsburg hatte den Gegner aus Köln massiv unter Druck gesetzt und sich mit einem Doppelschlag durch Neuzugang Stephen Dixon bereits einen frühen Vorteil verschaffen können. Erst per Abstauber, dann mit einem Distanzschuss hatte der Wolfsburger Center den besten Goalie der Liga innerhalb weniger Sekunden überwinden können, die Halle befand sich in bester Partylaune. Doch schon wenig später profitierten die Haie von einer bereits gegen Augsburg auffällig gewordenen Situation vor dem Grizzlygehäuse: Nach einem verlorenen Bully gelang den Gastgeber in ihrer Verteidigungszone nicht der geringste Zugriff auf die gegnerischen Stürmer. Gut geblockt durften die Gastgeber zuschauen, wie Köln den Abpraller noch einmal quer legen und durch Latta (10.) vollstrecken konnte. Der Anschluss war angesichts der zunehmenden Spielanteile der Gäste nach Dixons Doppelschlag absolut verdient, doch nun legte Wolfsburg wieder einen Gang zu. Nachdem Reinhart im Spielaufbau die Scheibe vom Schläger gesprungen war, meldete sich Wolfsburgs Foucault umgehend zur Stelle, zog zum Tor und netzte aus Halbdistanz sehenswert ein. Die Halle stand Kopf – sollte der Grizzlyexpress ausgerechnet gegen den Hochkaräter vom Rhein wieder ins Rollen kommen? Es hatte zunächst den Anschein. Wolfsburg nahm weiter Fahrt auf, erzwang Strafen gegen die Gäste...und schaffte den vierten Treffer einfach nicht. Im Gegenteil: Wurms vergebener Penaltyschuss (18.) und wenig später Foucaults Scheibenverlust bei eigenem Powerplay stellten die Wende in dieser wechselhaften Partie dar. Denn aus dem Scheibenverlust wurde nach einem 3 auf 1 Konter prompt der Anschlusstreffer durch T.J. Mulock (20.). Der Schwung des Auftaktdrittel war spätestens durch den Shorthander der Gäste spürbar gebremst.
Auch der Mittelabschnitt sah zunächst einen offenen Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Aber die Grizzlys hatten deutlich an Durchschlagskraft eingebüsst, fanden nun immer weniger in die Zweikämpfe und konnten oder wollten ihr gefürchtetes Tempospiel nun nicht mehr durchziehen. Selbst bei zwei Mann mehr auf dem Eis (25.) gelang den Hausherren nur noch wenig Beeindruckendes, das vielzitierte Momentum war zu den Haien gewechselt. Ab Mitte der Partie hatten die Gäste das Geschehen auf dem Eis sogar deutlich im Griff und wirkten in ihren Aktionen durchweg schneller und stabiler. Zerressens Ausgleich in der 29.Minute wusste dann auch nicht wirklich zu überraschen und läutete die endgültige Kehrtwende ein. Nach einer erneut eher zahnlosen Überzahl (ab 32.), zeigten die Gäste im Anschluss, wie es besser geht. Erneuter Druck vom Bully weg ermöglichte schließlich die Gästeführung durch Reinhart. Vor dem Tor kniend hatte der Kölner einen Querpass von Potter mit der Brust über die Linie befördert (36.). Köln wollte nun einfach mehr als die müde wirkenden Gastgeber und wurde in Person von Shawn Lalonde erneut belohnt (40.). Mit schnellen Spielzügen ließen die Haie ihre Wolfsburger Gegenspieler wie festgefroren aussehen. Lalonde wirkte dabei fast wie ein Spaziergänger, der locker aus der Hüfte den Treffer zum 3:5 erzielen konnte...
Was folgte, war ein Schlussabschnitt geprägt von souveräner Verwaltung der Haie und kraft- und hilflos anrennenden Gastgebern.
Ein Lattentreffer durch Latta stellte dabei schon den frühen und einzigen wirklichen Höhepunkt dieses eher zäh verlaufenden Drittels dar. Wolfsburg mühte sich sichtbar um den Anschluss, vergab die ein bis zwei brauchbaren Chancen aber kläglich und musste am Ende sowohl die Überlegenheit, als auch den verdienten Sieg der Gäste anerkennen.
Angesichts der über vierzig Minuten fehlenden Schnelligkeit und Zweikampfhärte der Grizzlys, erscheint die nahe Zukunft für Wolfsburgs Team erst einmal eher dunkel.


Teamcheck

Tor
Nach Wochen, in denen beide Goalies sich mit Bestleistungen zu überbieten schienen, können plötzlich beide nicht mehr voll überzeugen. In sämtlichen Spielen seit der Pause machten die Goalies keine überragende Figur, waren bestenfalls solide in ihren Auftritten.
Von solide war Wolfsburgs Brückmann an diesem Abend allerdings doch ein Stück entfernt. Mit zappeligen Einlagen hinter dem eigenen Tor machte der Wolfsburger Schlussmann schon im ersten Drittel die eigene Truppe nervös, hatte den Gegentreffern im Mittelabschnitt zumindest nichts Außergewöhnliches entgegen zu setzen und vermittelte einfach nicht die benötigte Sicherheit.

Verteidigung
Dehner und Krupp überzeugen mich, als einzige im gesamten Team, momentan komplett.
Während Dehner sein extrem hohes Niveau in Sachen Pass- und Stellungsspiel weiter halten kann, wirkt Björn Krupp mittlerweile echt „bossy“. Souverän und selbstbewusst im eigenen Drittel und immer wieder mit offensiven Alleingängen das Team wachrüttelnd – sehr geil!
Wurm und Seifert lieferten solide bis gute Vorstellungen ab, ließen im Gegensatz zu ihren ausländischen Kollegen Bina, Sharrow und Likens nicht viel anbrennen. Die Kontingentspieler, mit Ausnahme von Dehner, zeigten letztlich zu wenig Durchsetzungsvermögen und/oder Spielübersicht. Etwas irritierend, vom üblichen Likens-Chaos mal abgesehen.

Sturm
Nichts funktioniert wirklich reibungslos in den Angriffreihen der Grizzlys. Vor allem das Backchecking, sonst eine Stärke des EHC, wirkte besonders im Mitteldrittel wie ausgeknipst.
Für Stephen Dixon ist der Ausgang der Partie natürlich doppelt bitter, da sein vorzüglicher Torriecher nun im Schatten der Niederlage und vor allem des Negativtrends der letzten Spiele wohl wenig Beachtung bekommen wird.
Ansonsten blieb das Gebotene wieder einmal Stückwerk, dem spätestens ab Mitte der Begegnung auch noch jegliche Geschwindigkeit und Durchschlagskraft abhanden gekommen war. Dass mit Voakes, Aubin und Foucault gleich drei momentan schwach auftretende Topspieler der Grizzlys in einer Reihe spielten, dürfte einiges zu diesem Eindruck beigetragen haben. Ich freu mich jedenfalls auf Philip Riefers – Auswahl an Kandidaten für eine Denkpause sollte der Trainer mittlerweile ja reichlich haben. mb