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EHC - Red Bull München 3:4 n.V.

Erster Teilerfolg gegen Red Bull

Nach den verlorenen Finalspielen und zuletzt zwei Niederlagen in der laufenden Saison sollte der gute Lauf der Grizzlys zum ersten Sieg gegen München genutzt werden. Dass es am Ende nicht ganz zum Erreichen des angestrebten Ziels reichte, lag an vielen kleinen und größeren Faktoren, die in der Gesamtschau auf eine durchaus gerechte Punkteteilung hinausliefen. Einer dieser Faktoren war sicherlich das Fehlen von mittlerweile fünf Akteuren auf Seiten der Gastgeber. Vor allem der Ausfall der beiden „Kampfschweine“ Furchner und Höhenleitner machte sich im Forecheck der Grizzlys dabei schmerzhaft bemerkbar.
Weitgehend ausgeglichen gestaltete sich der Auftakt in dieses Spitzenspiel zwischen dem unangefochtenen Tabellenführer und einem seiner hartnäckigsten Verfolger. Zunächst verbuchten die Gäste, dann die Wolfsburger erste Einschussgelegenheiten, deren Gefährlichkeit sich allerdings stark in Grenzen hielten. Wie schon so oft gesehen, nutzte das Starensemble aus Bayern den ersten gröberen Fehler im Stellungsspiel der Grizzlys, um mit 0:1 in Führung zu gehen. Yannick Seidenberg hatte in der 10.Spielminute völlig frei im hohen Slot stehend eiskalt in den Winkel verwandelt – die Partie nahm nun richtig Fahrt auf. Die Intensität nahm in der Folgezeit auf beiden Seiten spürbar zu, besonders, nachdem den Gastgebern relativ schnell der Ausgleich gelungen war (14.)! Aubin hatte Voakes’ Zuspiel sicher in die Maschen befördert und somit das Spiel auf die nächste Ebene befördert. Die Zeit von Münchens „Pest“, Steve Pinizotto, war endgültig gekommen. Auf die Aktionen dieses Spielers, der offenbar nicht einmal in der Lage ist mit Anstand zu gewinnen (geschweige denn zu verlieren), wird in diesem Bericht allerdings nur noch im letzten Drittel eingegangen.
Ohne weitere Tore, doch mit einigen weiteren Chancen für beide Teams ging es bis zur ersten Pause weiter. Die größte Gelegenheit bot sich dabei erneut Brent Aubin, der, durch einen Pass an die gegnerische blaue Linie in Szene gesetzt, völlig allein auf Leggio zulaufen konnte. Doch der Goalie der Gäste blieb Sieger und rettete seinem Team das 1:1 in die Unterbrechung.
Das unrühmliche Highlight dieser rassigen Partie ereignete sich dann 19 Sekunden vor der ersten Sirene: Matsumoto hatte Wolfsburgs Voakes gegen den Kopf gecheckt und durfte nach ausgiebiger Beratung des Schiedsrichterteams zum Duschen. Wolfsburgs „Magier“ blieb zum Glück unverletzt, durfte sich aber auch weiterhin über besondere Beachtung durch das gegnerische Team „freuen“.
Die knapp fünfminütige Überzahl der Gastgeber bildete den Auftakt des Mitteldrittels – und enttäuschte auf ganzer Linie. Es wirkte phasenweise fast so, als ob Wolfsburg es eher auf Kräfteschonung als auf das Erzielen eines weiteren Treffers anlegen würde. Gegen das hervorragende Penaltykilling der Gäste gelangen gerade einmal zwei mehr oder weniger gefährliche Abschlüsse auf das Gehäuse der Münchner. Als kurz nach Ablauf der Strafe Wolfsburgs Pfohl alleine Richtung Leggio fuhr, sollte auch diese gute Möglichkeit bei Münchens Goalie enden. Wenig später zeigte der Meister dann, wie man – relativ entspannt – einen Treffer bei vollem Verkehr vor dem Tor erzielt. Abeltshauser umrundete das Wolfsburger Gehäuse weiträumig, um dann aus Halbdistanz mit der Rückhand zu vollenden. Mangels Sicht für Wolfsburgs Torhüter landete der nicht sonderlich harte Schlenzer im Winkel des Tors (28.) und läutete gleichzeitig eine Phase deutlicher Münchner Überlegenheit ein. Zur allgemeinen Erleichterung hielt das Wolfsburger Abwehrbollwerk nicht nur dem Ansturm der Gäste bis zur zweiten Pause stand, sondern es kam aus Sicht der Gastgeber sogar noch besser. Kurz vor dem zweiten Pausentee gelang den Grizzlys einer der wenigen Gegenstöße, der in diesem Fall in eine 3 auf 1 Situation mündete. Robbie Bina machte von der Möglichkeit abzuspielen, zur allgemeinen Überraschung, keinen Gebrauch, und nagelte die Scheibe flach ins lange Eck (39.). Mit diesem, aus Wolfsburger Sicht etwas glücklichen, Unentschieden ging es zum zweiten Mal in die Kabinen.
Die Münchner Überlegenheit sollte sich im letzten Drittel zwar fortsetzen, doch auch die sich immer wieder ergebenden Wolfsburger Großchancen fanden ihre entsprechende Fortsetzung.
Als eine dieser Gelegenheiten durch Münchens Regehr unfair unterbunden wurde, durfte Fauser seinen unterbrochenen Alleingang (48.) per Penaltyschuss ungestört wiederholen.
Wenig trickreich vergab der Wolfsburger Stürmer (nicht zum ersten Mal) diese Möglichkeit zur erneuten Führung.
Doch drei Minuten später war es dann soweit: „Magic“ Mark hatte wieder zugeschlagen! Mit einem genialen Saucer-Pass überwand Wolfsburgs Center den Stock des Münchner Verteidigers und servierte dem lauernden Pfohl das 3:2 praktisch auf dem Silbertablett. Die ohnehin gut gelaunten Fans waren nun völlig aus dem Häuschen und feierten die erneute Führung frenetisch.
Doch München blieb im Stile des Ligadominators die Antwort nicht lange schuldig. Schon zwei Minuten später nutzte der Gast aus dem Süden ein Powerplay, um durch Wolf zum 3:3 auszugleichen.
Dann juckte dem bis dahin immer wieder unangenehm auffallenden Pinizotto wohl besonders das Fell. Der Unsympath schlechthin in Reihen des Brausegiganten testete die Grenzen seiner Gegenspieler und der leitenden Referees bis zum Letzten aus, bevor er wegen unsportlichem Verhalten für 10 Minuten in die Kühlbox (54.) musste. Den Vorwurf, dass sie sich ungeniert auf der Nase haben rumtanzen lassen, müssen sich die beiden Hauptschiedsrichter im Nachgang allerdings mehr als zurecht gefallen lassen. Anstatt eine der diversen Provokationen und unmotivierten Regelverstöße durch besagten Herrn mit einer frühen Strafe zu ahnden, riskierten die Schiedsrichter eine Eskalation des Geschehens auf dem Eis – und das völlig ohne Not! Bleibt festzuhalten, dass das aus dem Finale bekannte Gebaren des Italo-Kanadiers mit deutschem Schäferhund keinen Ausrutscher darstellt, sondern einfach nur dessen (unsportliche) Rolle in Reihen der Münchner darstellt.
Insgesamt glitt den Schiedsrichtern spätestens zu diesem Zeitpunkt das Geschehen etwas aus den Händen. In den folgenden Minuten ahndeten sie nicht eine einzige der nun immer intensiver ausfallenden Aktionen der Gäste, die das Spiel nun eindeutig über Härte an und jenseits der Grenze des Erlaubten zu entscheiden suchten. Dass dann mit Tyler Haskins stattdessen ein Grizzly (zurecht) auf die Strafbank musste (59.) brachte die Halle dann endgültig zum Kochen. Die Grizzlys überstanden diese Unterzahl zwar unbeschadet, doch den entscheidenden Treffer landeten schließlich die Gäste in Person von Deron Quint (64.). Einen genialen Diagonalpass durch Christensen versenkte der Münchner Verteidiger unhaltbar im Winkel des Wolfsburger Gehäuses und sicherte den Gäste somit den Extrapunkt.

Teamcheck

Tor
Brückmann bleibt weiter in bestechender Form. Auch wenn seine Großtaten an einer Hand abzählbar blieben, hielt der Wolfsburger Goalie alles, was haltbar erschien. Sehr fair von unserem Trainerteam übrigens, in diesem schweren Spiel nicht Vogl in den Kasten zu stellen. Die nächsten, besser lösbaren Aufgaben empfehlen sich da eher für eine kleine Verschnaufpause für die „Katze“.

Verteidigung
Passend zum bedauerlichen Abgang unseres Co-Trainer Miloslav Horava muss man seine offenkundigen Verdienste an dieser Stelle einmal lobend erwähnen. Vor allem Wurm und Krupp haben unter der Anleitung des neuen (und nun alten) Co-Trainers enorme Fortschritte verzeichnen können. Beide sind in den vergangenen Monaten zu absoluten Stützen des Teams geworden und überzeugen defensiv auf ganzer Linie, während ihre offensiven Aktionen ebenfalls immer mehr in vorzeigbare Regionen vorstoßen. Ganz im Gegensatz zu einem Jeff Likens, der kaum eine Partie ohne groben Schnitzer oder haarsträubende Sorglosigkeit vorzuweisen hat und momentan eigentlich nur von seiner (teils fehlerhaften) Spieleröffnung lebt.
Zum Glück scheint sich Bina defensiv langsam wieder zu berappeln, während seine offensiven Akzente für einen Verteidiger weiter über jeden Zweifel erhaben bleiben.
Jeremy Dehner weiterhin klar bester Akteur in diesem Mannschaftsbereich...

Sturm
Ohne Furchner (Toptorjäger) und Höhenleitner fehlte den Grizzlys ein wenig das „Gift“ im Angriffsdrittel. Forecheck und Zweikämpfe in Tornähe blieben ein wenig hinter der gewohnten Intensität zurück. So ging eigentlich nur die erste Reihe um Haskins, Weiss und Fauser den Gästen regelmäßig im Spielaufbau auf den Nerv, während die anderen Reihen dieser Teildisziplin nur gelegentlich nachgingen. Vermutlich ungewohnt angenehm für die Gäste...
Offensiv konnte vor allem die Reihe um Voakes überzeugen, der mit Aubin und Pfohl jedem seiner Flügelspieler eine wundervolle Torvorlage schenkte. Nicht umsonst hatte das Münchner Team den Wolfsburger Zauberer auf dem Radar und ließ keine Gelegenheit aus, den Spielmacher der Grizzlys zu provozieren oder regelwidrig zu attackieren. Fazit: Mit voller Kapelle wäre für die Grizzlys mehr drin gewesen - der eine Punkt fühlt sich aber trotzdem nicht schlecht an. mb