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EHC - Fischtown Pinguins 5:3

Spaß für die Fans – graue Haare für die Trainer

Das war sicherlich kein Spiel nach dem Geschmack eines Trainers. Schon gar nicht, wenn er Pavel Gross heißt und extrem viel Wert auf defensive Stabilität legt. Doch das sollte den Fans beider Kontrahenten an diesem Abend mal so was von Laterne sein. Sie hatten in erster Linie eines: Jede Menge Spaß!
Während das phasenweise recht wild geführte Spiel fast durchgängig für beide Lager etwas zum freuen oder aufregen bot, war es den rund 600 Pinguinsfans vorbehalten, den ersten Torjubel an diesem Nachmittag auszustoßen.
Gleich die erste längere Druckphase der Gäste hatte Jack Combs mit einem schön herausgespielten Treffer gekrönt (7.), nachdem sein Teamkamerad Owens zuvor noch am Schuss gehindert werden konnte. Wenige Minuten zuvor hatte bereits Voakes einen Abschluss an den Pfosten genagelt und damit die ohnehin elektrisierte Kulisse weiter angeheizt. Die Gäste schienen auch umgehend die Gunst der Stunde zu nutzen und setzen ihren Angriffswirbel nun unvermindert fort. Wer weiß, welchen – vermutlich ebenso aufregenden – Weg diese Partie gegangen wäre, wenn nicht Aubin und Höhenleitner diesen einen genialen Moment genau in die Druckphase der Bremerhavener eingestreut hätten. Aus dem eigenen Drittel heraus belies es Aubin nicht nur bei einer Befreiung, sondern schickte den mit Vollgas an die gegnerische blaue Linie fahrenden Höhenleitner auf seine einsame Mission Richtung Ausgleich. Und dann die Überraschung: Der sonst für seine Schnelligkeit, aber leider auch Harmlosigkeit im 1 gegen 1 bekannte Wolfsburger Veteran ließ Gästegoalie Nieminen eiskalt aussteigen und setzte die Scheibe mit der Rückhand in den Giebel. Der EHC war nun endgültig im Spiel angekommen und übernahm endlich das Kommando auf dem Eis. Zwei Strafzeiten für die Gäste waren die indirekte Folge dieser Entwicklung, doch das erste der beiden Überzahlspiele ließ zunächst wieder Übles erahnen. Das u.a. aufgrund diverser Ausfälle wirklich unterirdisch anzusehende Powerplay der Grizzlys wirkte zunächst wie in den letzten Wochen: Eher als eine Gefahr für das eigene als für das fremde Tor. Je eine gute Chance für beide Teams nach Ablauf der zwei Minuten sprachen eine deutliche Sprache. Im zweiten Anlauf sollte es dann kurz vor Drittelende doch noch klappen. Dass mit Sebastian Furchner auch noch der Torjäger vom Dienst endlich seine Ladehemmung ablegen konnte (20.) versüßte den begeisterten Heimfans den Treffer noch einmal zusätzlich. Gut gelaunt bzw. zumindest hoffnungsfroh ging es für alle Beteiligten in zum ersten Mal in die Kabinen.
Der zweite Abschnitt startete, wie der erste aufgehört hatte – mit angriffslustigen Grizzlys.
Im wilden Auf und Ab hatten die Gastgeber zunächst eindeutig das Chancenplus auf ihrer Seite und konnten in der 24.Minute prompt ihre Führung weiter ausbauen. Wieder war EHC- Urgestein Höhenleitner, frisch mit einem neuen 2-Jahresvertrag ausgestattet, zur Stelle, wieder hatte ihn Aubin mit einem feinen Pass in Szene gesetzt. Die Halle kochte endgültig, schon folgte der nächste Lattenknaller durch den anderen Goalgetter des Spiels: Sebastian Furchner!
Zu Atem kam auf dem Eis oder der Tribüne an diesem Nachmittag wahrlich niemand – zumindest niemand, der nicht von den Socken aufwärts tot ist. Denn schon folgte eine ganz andere Belastungsprobe für die Nerven der Heimfans: Innerhalb von vier Minuten wanderten mit Weiss, Sharrow und Riefers gleich drei Grizzlys auf die Strafbank, wobei die Strafe gegen Jimmy Sharrow wegen absichtlichen Torverschiebens schon äußerst gewagt daherkam.
Die Gäste nahmen den Kasten des EHC also minutenlang massiv unter Feuer, scheiterten aber immer wieder am glänzend aufgelegten Sebastian Vogl im Tor der Grizzlys und am besten Unterzahlspiel der Liga (gemeinsam mit Köln).
Zwar überstanden die Gastgeber nach viel Wirbel in und um das eigene Tor diese Phase schadlos, doch das vielzitierte Momentum war deutlich zu den Gästen von der Küste gewechselt. Bis zum zweiten Pausentee hatten weiterhin die Pinguins die besseren Torchancen, selbst während einer zweiminütigen Überzahl der Grizzlys!
Wer sich nun Sorgen machte, ob die Grizzlys nach den personell schwierigen Wochen (erneut ohne vier Ausländer und Fabio Pfohl angetreten) noch genug Sprit im Tank hätten, der konnte zumindest in den Anfangsminuten des 3.Drittels beruhigt aufatmen. Sebastian Furchner entschied die Partie praktisch im Alleingang, indem er zwei Überzahlspiele für seine Farben jeweils in Zählbares verwandelte. Seine Treffer (43./45.) zum 4:1 und 5:1 hätten vermutlich auch den Letzten beim orangenen Anhang in Feierlaune versetzt, hätten die Fans da nicht schon längst gemeinsam mit dem Gästeanhang gefeiert und die LaOla durchs Rund kreisen lassen.
Spätestens jetzt wurde aber auch klar: Der Gastgeber war deutlich bis ans Limit seiner noch vorhandenen Reserven und vermutlich darüber hinaus gegangen. Die von Verletzungen und Grippe heimgesuchte Mannschaft der Grizzlys hielt das Tempo noch einige Minuten nach dem 5:1 hoch, kam sogar noch zu einer weiteren hochkarätigen Chance durch ein 3 auf 1, nur um im direkten Gegenzug das 5:2 durch Owens zu kassieren (50.). Von da an spielte nur noch der Gast und die fröhlich feiernden Gästefans bekamen noch einmal einiges von ihrem Team geboten. Als Bremerhaven dann mehr als fünf Minuten vor dem Ende den Goalie für einen sechsten Feldspieler zog, ging es in die heiße Endphase, die mit dem 5:3 durch Bordson (60.) noch ein letztes Highlight für die tapfer kämpfenden Gäste bereit hielt.
Völlig zurecht feierten die mitgereisten Bremerhavener Fans ausgelassen ihr Team während und auch nach den Siegsfeierlichkeiten der Grizzlys.
Ein insgesamt sehr stimmungsvoller und begeisternder Eishockeytag neigte sich schließlich dem Ende entgegen und es bleibt für mich nur eines zu sagen:
Herzlichen Dank an die fast durchweg fairen und fröhlichen Eishockeyverrückten von der Küste. Das hat wirklich richtig Spaß mit Euch gemacht. Schön, dass ihr da seid!


Teamcheck

Tor
Birdy mit Sahnetag. Besonders während der Dauerunterzahl der große Rückhalt für unser Team. Im Zuge der nachlassenden Kräfte seiner Vorderleute kamen dann leider noch Gegentreffer hinzu, die man ihm sonst wohl erspart hätte.

Verteidigung
Insgesamt etwas wilde Vorstellung der gesamten Verteidigung. Besonders im Schlussdrittel dann noch mal mit Schwerstarbeit gefordert. Eine Einzelkritik spare ich mir, da sich alle drei Verteidigerpaare je einen Gegentreffer abholten und dabei jeweils mindestens einer der beiden nicht allzu gut aussah. Angesichts der Anstrengungen der letzten Wochen fehlt dann in Drucksituationen vielleicht einfach mal die letzte Konzentration – gut gekämpft haben alle sechs.

Stürmer
Neben den beiden Hauptdarstellern der Partie (Furchner und Höhenleitner) machte auch ein lange sehr unauffällig spielender Akteur endlich wieder auf sich aufmerksam. Tyson Mulock glänzte nicht nur mit zwei Vorlagen im Powerplay, sondern bildete mit den beiden Kampfschweinen Dotzler und Karachun eine schlagkräftige dritte Reihe. Dass Aubin nun den Vorlagengeber für den nach Vertragsverlängerung befreit aufspielenden Höhi macht, kam da noch erfreulicherweise hinzu...
Während Riefers etwas blass in seinen Aktionen blieb, lieferte Rückkehrer Dibelka eine solide Partie ab – sicherlich aber nicht seine beste.
Bei 5 gegen 5 blieb die Reihe um Furchner (ohne Haskins) ohne Torerfolg – leider keine so ganz neue Tendenz, obwohl gerade die wilde Entschlossenheit eines Alex Weiss echt Freude beim Zuschauen macht!
Trotz des positiven Eindrucks kann man nur inständig auf die Rückkehr einiger Sturm-Asse hoffen. Vielleicht kommt der Grizzlyexpress dann bis zu den Play-offs noch einmal richtig in Schwung. Am besten aber schon nächste Woche gegen Ingolstadt, die momentan Wolfsburgs hartnäckigster Verfolger im Kampf um Platz 6 darstellen. mb