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EHC - Kölner Haie 3:6

Grand ohne vier

Dank Rückkehrer Jimmy Sharrow konnte ich diesen dem Skatspiel entliehenen Begriff doch noch für die Überschrift verwenden – es fehlten den Grizzlys mit Foucault, Bina, Haskins und Dixon nur noch 4 ihrer insgesamt 9 Kontingentspieler. Während für Foucault die Saison längst beendet ist (Ersatz soll in den nächsten Tagen verpflichtet werden) macht sich das Fehlen der drei anderen Ausländer besonders im Überzahlspiel der Grizzlys mehr als deutlich bemerkbar.
Gegen die stark in die Partie startenden Gäste, die im Jahr 2017 noch kein Spiel verloren haben, gerieten die Hausherren dann auch erst einmal mächtig unter Druck. Der nach seinem eher mäßigen Auftritt in Ingolstadt überraschend weiter im Tor stehende Sebastian Vogl vermieste den Gästen den Überfallplan aber zunächst und vereitelte ein ums andere Mal den frühen Rückstand. Dass Aubin nach 17 Sekunden bereits das erste Mal auf die Strafbank beordert worden war, hatte ebenfalls eine deutliche Sprache gesprochen. Die Gastgeber waren sichtbar etwas überrumpelt vom frühen Wirbel der Gäste und brauchten einige Minuten und ein eigenes Überzahlspiel (8.), um überhaupt im Spiel anzukommen. Kaum war das in letzter Zeit so ungeliebte Powerplay ereignislos vorüber, da schlugen die Grizzlys fast wie aus dem Nichts zu. Pfohls schönen Querpass zur Blauen hatte Wolfsburgs Wurm knallhart in den Winkel gehämmert und für das erste wirklich positive Signal vor dem gegnerischen Tor gesorgt. Dass die Kölner in der Folgezeit Foul um Foul begingen, hätte die Begegnung – mit einem funktionierenden Überzahlspiel – schon frühzeitig in eine ganz andere Richtung lenken können. Doch selbst ein auf der Strafbank ausrastender Hager, der seine Unbeherrschtheit mit der sechsten 2-Minuten Strafe gegen die Haie in diesem Drittel bezahlte, sollte den Haien nicht wirklich Schaden zufügen. Im Gegenteil: Zwar stabilisierten sich die Wolfsburger Spielanteile dank Dauerüberzahl auf einem guten Level, ihre wenigen Torchancen hatten aber kaum Gefahrenpotential im Gegensatz zu Hagers Riesenchance vor seinen beiden Strafen – in Unterzahl! Dehner hatte den alleine enteilenden Kölner Stürmer gerade noch am Abschluss hindern können, im Sturz hatte dieser Vogl und Puck mit in die Maschen genommen. Nach Videobeweis war allerdings Aufatmen bei den Grizzlys angesagt: Das Tor war mit dem Goalie aus den Verankerungen gedrückt worden, bevor das Spielgerät die Linie überquert hatte.
Mit einem, an der Strafenverteilung gemessenen, ärgerlich knappen Vorsprung ging es für die Grizzlys und ihren Gegner zum ersten Mal in die Kabinen.
Was dem ersten Drittel an Toren fehlte, sollte nun vielfach nachgeliefert werden. Kaum war der Rest des letzten Wolfsburger Powerplays verebbt, machten die Haie wie schon zu Beginn des ersten Spielabschnitts mächtig Dampf. Uviras Treffer (26.) zum 1:1 war dann eben jenem Dauerdruck geschuldet, auch weil sich sein Gegenspieler im Slot hatte tüchtig abkochen lassen. Zwei Minuten später war es dann der Kölner Goalie, der sein persönliches „Hailight“ erlebte, als er einem Schuss aus spitzem Winkel im kurzen Eck Einlass gewährte. Philip Riefers hatte sich zuvor mit einem sehenswerten Sturmlauf über das gesamte Eis in diese eher wenig aussichtsreiche Abschlussposition gebracht und einfach mal sein Glück probiert. Wolfsburg drehte nun seinerseits am Tempo der Begegnung und spielte in dieser Phase vielleicht einen Hauch zu euphorisch...und vor allem zu offensiv. Dibelka hätte wenig später, völlig frei stehend, den dritten Treffer der Grizzlys markieren können , schoss aber letztlich über das Gehäuse. Köln reagierte im Stil einer Topmannschaft. Die immer wieder (zu) weit aufrückenden Wolfsburger boten nun reichlich Platz zum Kontern, den die Gäste auch dankbar annahmen. Scheiterte Ex-Grizzly Hospelt noch im ersten Versuch, so saß dann Kölns zweite große Chance. Gogulla knallte den Puck in den Winkel der Torhüterecke (32.) und ließ den Goalie der Grizzlys nicht wirklich gut aussehen. Und das wilde Spiel der Gastgeber sollte noch einmal bestraft werden: Völlig unbedrängt, aber auch bei weitestgehend freier Sicht für Wolfsburgs Torhüter, hämmerte Hager die Hartgummischeibe zur ersten Kölner Führung in die Maschen (30.). Die aufkeimende Verzweiflung unter den Wolfsburger Fans sollte sich aber wieder nicht lange anhalten, denn schon 14 Sekunden später waren es wieder die Heimfans, die die Arme zum Jubeln hochreißen durften. Aubin hatte Kölns Ex-NHL Star Ehrhoff in Tornähe vom Spielgerät trennen können, Kollege Voakes dieses aufgenommen und sofort auf den einschussbereiten Höhenleitner quergelegt.
Mit viel Aufwand retteten die Gastgeber dieses Unentschieden durch eine weitere Unterzahl bis in die zweite Drittelpause.
Leider machten sich, praktisch mit Anpfiff des letzten Spielabschnitts, die geschrumpften Kraftreserven der Grizzlys immer deutlicher bemerkbar. Bis zur Hälfte des Drittels hielten die Gastgeber, gestützt auf einen nun deutlich verbessert agierenden Vogl, dem nun überlegenen Gegner stand, dann schlug es zum ersten Mal hinter eben jenem ein. Lalonde hatte im Kampf um die Position im Slot Krupp auf den eigenen Goalie gecheckt, die Referees dies als Zusammenprall gedeutet und den folgenden Treffer durch den nun seelenruhig das Spielgerät annehmenden und einschießenden Lalonde anerkannt (50.).
Wenig später (50.) war die Partie für Wurm aufgrund von 2+10 Strafminuten wegen Check von hinten beendet, die Grizzlys kämpften weiter verbissen um den einen Punkt, der noch möglich schien. Als Riefers in eigener Unterzahl dann zum Konter ansetzte, sah es kurz noch einmal nach einer möglichen Wende für Wolfsburg aus...doch seine Drehung um Ehrhoff herum quittierte dieser mit zwei Stößen in den Rücken des Wolfsburgers, der daraufhin zu Boden ging. Beim Fallen geriet Riefers Stock außer Kontrolle und traf Ehrhoff im Gesicht. Dass Riefers den Weg zur Strafbank antreten musste – und das auch noch alleine – fand nicht unbedingt die Zustimmung der heimischen Fans. Noch weniger Begeisterung löste dann der brillant herausgespielte und ebenso abgeschlossene Spielzug der Haie zum 3:5 bei den Grizzlys aus, die zu guter Letzt auch noch vorgeführt bekamen, was sie in fünf Anläufen im ersten Spielabschnitt nicht einmal ansatzweise hinbekommen hatten.
Der Drops war gelutscht, das 3:6 ins leere Tor durch Gogulla (Doppelpfosten - also, der Puck natürlich) wirkte genauso unglücklich wie der gesamte Verlauf des letzten Spielabschnitts. Die an diesem Abend stärkere Mannschaft hatte zum Leidwesen der heimischen Fans die Oberhand behalten.
Dank des Siegs in Ingolstadt und angesichts des Ausfalls mehrerer Schlüsselspieler allerdings eine Niederlage, über die man sich schon ein bis zwei Tage später wohl nicht mehr in Wolfsburg ärgern wird.

Teamcheck

Tor
Nach der unsicheren Vorstellung in Ingolstadt war ich doch einigermaßen überrascht, dass Vogl erneut den Vorzug vor Brückmann bekam. Aber am Ende der Hauptrunde haben wir auf jeden Fall ZWEI gute Torhüter MIT Spielpraxis. Die Entscheidung des Trainers kann und muss man wohl unter diesem Aspekt sehen.
Neben wirklich starken Saves waren da leider auch die Gegentore 2 und 3, die nicht wirklich unhaltbar wirkten, so dass es an diesem Abend vermutlich nur die zweitbeste Entscheidung war, wieder auf Felix zu verzichten.

Verteidigung
Im letzten Spielabschnitt hatten unsere Trainer endlich ein Einsehen und erlösten Patrick Seifert von diesem rabenschwarzen Abend. Dotzler rückte für ihn vom Angriff in die Verteidigung und sollte da auch für die nächste Zeit erst einmal bleiben. Gleich bei zwei Treffern der Haie hatte Seifert auf die eine oder andere Art schlecht ausgesehen: Sei es, dass er sich von Uvira im eigenen Slot peinlich abkochen ließ, sei es, dass er vor dem zweiten Kölner Treffer im allgemeinen Hurra (zum wiederholten Male) viel zu weit aufgerückt war und obendrein noch den Puck auf Höhe des gegnerischen (!) Gehäuses im Zweikampf verloren geben musste. Seit Wochen kämpft der Wolfsburger Abwehrrecke nun schon mit seinem Stellungsspiel und bekommt es einfach nicht konstant in den Griff. In einer engen Partie wie dieser geradezu tödlich und ebenso ärgerlich, denn der Rest der Abwehr machte einen ausgesprochen konzentrierten Job...von der Endphase der Partie mal abgesehen.

Sturm
Die Torschützen bei Wolfsburg heißen Wurm, Riefers und Höhenleitner. Ausländer sucht man in der Torschützenliste in den letzten Wochen immer mal wieder vergeblich, doch die deutschen Akteure springen beherzt in die Bresche. Leider fehlt der Reihe um Furchi mit Haskins der kongeniale Partner. Mit Fauser, Furchner und Weiß findet sich vielleicht insgesamt zuviel Kampfkraft und zu wenig Kreativität in dieser Reihe wieder. Ich würde lieber Pfohl statt Weiss oder Fauser als kreative Ergänzung zu Furchi sehen. Zuverlässig produzieren kann momentan eigentlich nur das um Höhenleitner ergänzte Duo Aubin/Voakes. Und gleich wie! Wenn das die Wirkung eines Sicherheit gebenden 2-Jahresvertrags ist, dann hätte man Höhenleitner schon vor zwei Jahren um sechs verlängern sollen! Einzig die Entscheidung unseres Trainers, der vierten Reihe so wenig Eiszeit zu geben, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Das wirkte ungewohnt mutlos, auch wenn die Haie natürlich unglaublich viel Qualität aufs Eis bringen – wir brauchen einfach die Luft, die die 4.Reihe den anderen verschaffen kann. mb

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