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EHC - Iserlohn Roosters 4:3 n.V.

Eine Frage der Einstellung

Gegen das Tabellenschlusslicht aus Iserlohn wollten die Grizzlys mit gut gefülltem Kader die nächsten drei Punkte einfahren. Dank der Rückkehr ihres Kapitäns und der Nachverpflichtung von Nick Johnson konnten die Gastgeber bei diesem Unterfangen zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder aus dem Vollen schöpfen.
So fand der in den letzten Spielen überzeugende Alex Karachun seit Langem wieder einmal keine Berücksichtigung, während im Tor der Grizzlys Felix Brückmann den Vorzug bekam.
Mit viel Elan und großer Spielfreude startete Wolfsburg in diese vermeintlich lösbare Aufgabe und setzte den Gästen auch ohne viel Umschweife tüchtig zu. Nach nicht einmal fünf Minuten klingelte es bereits hinter Lange im Tor der Roosters. Mark Voakes hatte mit einem seiner Zuckerpässe Sturmpartner Aubin auf die Reise geschickt, der völlig humorlos einnetzte. Wolfsburg schien sich nun immer weiter und weiter in einen Rausch zu spielen, vergaß dabei aber völlig das konsequente und gradlinige Auftreten im gegnerischen Drittel. So vergaben die Grizzlys Chance um Chance und versuchten den um Zugriff kämpfenden Gast immer wieder durch Alleingänge oder endlose Passorgien herzuspielen anstatt den klaren und einfachen Zug zum Tor zu suchen. Spätestens ab Mitte des Drittels schien Wolfsburg der letzte Respekt vor dem Gegner verloren gegangen zu sein und die Leichtsinnigkeiten begannen sich zu mehren. Einen solchen Leichtsinnsfehler nutzten die Gäste auch prompt zum Ausgleich durch Jaspers (12.). Nach Wurms haarstäubenden Fehlpass im Aufbauspiel war die Defensive der Grizzlys nicht mehr rechtzeitig in ihre Positionen gekommen und der Kapitän der Roosters folglich nicht mehr aufzuhalten.
Doch damit nicht genug: Ein zweites Mal musste sich Wolfsburgs Goalie noch vor der ersten Pause geschlagen geben, als Kahle direkt vor ihm – völlig freistehend – unhaltbar abfälschen konnte (15.). Jeff Likens hatte nach einem Zusammenprall hinter dem Tor nicht mehr rechtzeitig den Weg zu seinem Gegenspieler gefunden, so dass dieser entspannt die Kelle in den Schuss halten konnte. Reichlich entnervt ging es für Spieler und Fans der Grizzlys in die erste Unterbrechung.
Turbulent ging es weiter. Eine halbe Minute war das Mitteldrittel alt, da schienen die Gastgeber endlich wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden. Fausers scharfer Pass vor das Tor des IEC ging von den Kufen eines Gegenspielers direkt in die Maschen, so dass die Grizzlys mit neuem Schwung durchstarten konnten...ganze 15 Sekunden lang. Dann beförderte Brent Aubin mittels hohem Stock sich aus der Partie und seinen Gegenspieler Down in die Kabinen zum Nähen einer Platzwunde. Die folgenden fünf Minuten Unterzahl nahmen der Partie dann jeglichen Fluss, denn Iserlohn fehlten die Mittel und Wolfsburg der fünfte Mann, um das gegnerische Tor in Gefahr zu bringen. Eine zusätzliche Strafe gegen Wurm brachte die Grizzlys dann sogar für eine Minute in doppelte Unterzahl, den Gästen nützte dies indes eher wenig. Reihenweise verzogen die Stürmer der Roosters ihre Abschlüsse oder scheiterten an Wolfsburgs Torhüter, während Wolfsburgs Konter ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt waren. So blieb das wilde Auf und Ab bis zum zweiten Pausentee ohne Auswirkungen auf dem Scoreboard, das Geschehen wirkte dabei insgesamt irgendwie zerfahren.
Genauso stotternd ging das Spiel, das die Gastgeber mangels ernsthafter Einstellung aus der Hand gegeben hatten, weiter. Fischers verdeckter Schuss (43.) zum 2:3 für die Gäste tat dem Spiel überdies alles andere als gut. Der IEC verlegte sich nun endgültig aufs Beton anrühren, die völlig aus dem Takt geratenen Hausherren hingegen bekamen einfach nicht mehr den richtigen Fluss in ihre Angriffsbemühungen. Dass sie in der 57.Minute doch noch den Ausgleich erzielen konnten, dürfte auf einen unparteiischen Zuschauer vermutlich eher wie eine Strafe gewirkt haben. Furchners Schuss war wie zuvor das Tor durch Ex-Grizzly Fischer verdeckt aus der Distanz ins Tor des Gegners geschlüpft – bezeichnend für eine Partie, die kaum noch klare und zwingende Offensivaktionen zu bieten hatten.
Zu guter Letzt reihte sich auch das Schiedsrichtergespann in die mäßigen Leistungen der übrigen Akteure ein. Wollten sie im Mitteldrittel schon einen hohen Stock in Weiss’ Gesicht – im Gegensatz zu so ziemlich jedem anderen in der Halle – nicht gesehen haben, so setzten sie in den Schlusssekunden noch einen obendrauf. Voakes hatte bereits zwei Gegenspieler mustergültig vernascht, als ihm einer der so Überspielten die Schlittschuh per Stockschlag unter dem Gesäß wegdrosch. Kein Penalty, keine Strafe, kein weiterer Kommentar. Dafür Verlängerung.
Den zweiten Punkt schnappte sich dann ein sichtlich angefressener Voakes wiederum im Alleingang und setzte mit seinem Treffer zum 4:3 den Schlusspunkt unter das zähe Treiben auf dem Eis. Erleichtert feierten Fans und Team den wichtigen zweiten Punkt an diesem von so unterschiedlichen Begegnungen geprägten Wochenende. Das nächste Spiel findet für die Grizzlys mit dem Gegner Nürnberg (1.) nämlich am anderen Ende der Tabelle statt und dürfte mit der gleichen Einstellung eher unerfreulich enden.

Teamcheck

Tor
Brückmann mit tadelloser Leistung. Sämtliche Gegentore waren aus der Kategorie unhaltbar, ansonsten ein sicherer Rückhalt für sein Team.

Verteidigung
Armin Wurms Tag war das nicht. Nach zuletzt starken Leistungen leitete der Wolfsburger Verteidiger den ersten Treffer mit einem Fehlpass ein , um dann den heranstürmenden Jaspers auch noch passieren zu lassen. Zwei Strafminuten während der fünfminütigen Wolfsburger Unterzahl und 2+10 gleich noch mal hinterher – nicht wirklich eine Hilfe fürs Team.
Seifert durfte als siebter Verteidiger immer wieder reinrotieren und machte seine Sache endlich wieder besser. Likens blieb beim zweiten Gegentor einfach zu lange hinter dem Tor liegen, konnte sich anscheinend nicht rechtzeitig berappeln, um seinen Gegenspieler zu stören. Ansonsten wieder eine eher nervenaufreibende Vorstellung der Nr.9.

Sturm
Neuzugang Johnson leistete in Überzahl gleich wertvolle Arbeit im Slot und erzielte ein, leider irregulär gewertetes, Tor. Könnte eine wertvolle Hilfe für die Grizzlys werden!
Der Kapitän hatte bei seiner Rückkehr noch etwas Abstimmungsprobleme, während die einzige wirklich funktionierende Reihe sich mit Aubins Ausscheiden frühzeitig auflöste.
Die Reihe mit Johnson und Pfohl litt ein wenig am unglücklich agierenden Alex Weiss, der phasenweise fast jeden Puck beim Gegner ablieferte – aber wieder für zwei rackerte.
Die vierte Reihe konnte eigentlich nur im ersten Spielabschnitt Akzente setzen. Ansonsten reichlich pomadige Vorstellung unseres Teams, das sich im ersten Drittel die Punkte fast selber weggenommen hätte. Einzig die individuelle Leistung von Mark Voakes rang mir in diesem oft ärgerlichen Spiel immer wieder ein zusätzliches Grinsen ab. Der Mann ist, ebenso wie ein völlig entfesselt aufspielender Höhenleitner, ein absoluter Glücksfall für die Grizzlys. mb