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Spielberichte

HF6 EHC - T. Sabo Ice Tigers 3:0

  • Geschrieben von Martin
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Und jährlich grüßt der Grizzlybär

Es bleibt dabei: Der Grizzly ist eine Spezies, die vor allem im Frankenland Angst und Schrecken verbreitet. Schon zum vierten Mal gelingt es Wolfsburg eine Play-off Serie gegen die Ice Tigers siegreich zu gestalten, wobei das diesjährige Nürnberger Team wohl das bisher beste und namhafteste dargestellt haben dürfte.
Nach dem zuletzt so überlegenen Auftreten der Franken in Spiel Nr.5 hatte wohl kaum jemand mit einer ebenso souveränen Leistung des Wolfsburger Teams im sechsten Aufeinandertreffen gerechnet. Doch was die Hausherren in den folgenden 60 Minuten Spielzeit darboten, ließ die Zweifel an einer erneuten Finalteilnahme rasend schnell verblassen.
Die erste gefährliche Aktion der jungen Partie gehört allerdings den Gästen, die schon nach wenigen Sekunden ein Abstimmungsproblem hinter dem Wolfsburger Tor hätten nutzen müssen. Doch die Gastgeber konnten im letzten Moment den unbehelligt vor dem Gehäuse liegenden Puck klären und ihrerseits, fast im Gegenzug, das erste Ausrufezeichen setzen. Likens' Lattenknaller (1.) weckte dann auch den letzten Träumer im Team der Gäste - Abtasten überflüssig!
Mit Volldampf nahmen beide Teams sofort die Laufarbeit auf und das gegnerische Tor unter Beschuss. Doch schon früh sollte klar werden: In jeder Hinsicht überzeugte, entgegen den vorhergegangenen Partien, das Team der Grizzlys ein paar Prozentpunkte mehr als ihre Gäste. Als Sebastian Furchner dann in der 7.Spielminute zur verdienten 1:0 Führung abfälschen konnte, folgte die einzige Phase der Begegnung, die durch stärker agierende Nürnberger gekennzeichnet war. Aber Wolfsburg blieb stabil, überstand eine der gefürchteten Unterzahlsituationen, auch dank eines Monstersaves ihres Goalies (10.), unbeschadet und nahm das Spiel schließlich fest in die Hand.
Und siehe da: Im zweiten Anlauf war sogar das etwas eingerostete Powerplay der Grizzlys wieder erfolgreich...wenn auch äußerst glücklich! Aubin hatte beim Schussversuch die Kufe eines Gegenspielers erwischt, von wo der Puck an dessen Stock und von dort als Bogenlampe hinter Jenike ins Tor gesegelt war (16.). Nach Videobeweis fand der Treffer zurecht seine Anerkennung, die Party der Grizzlys nahm auf den Rängen langsam Fahrt auf.
Als Wolfsburg im Mittelabschnitt sogar noch zwei weitere Unterzahlsituationen schadlos überstehen konnte, wurde langsam klar: Nürnberg fehlen an diesem Abend einfach die Mittel, um die Grizzlys in ein siebtes Spiel zu zwingen. Bei fünf gegen fünf wirkte der Auftritt der Gäste alles andere als sortiert, so dass die bis dahin gewohnte Vielzahl an Chancen schlicht und ergreifend ausblieb. Vielmehr kontrollierten die Gastgeber, fast schon überraschend souverän, das Geschehen auf dem Eis und legten ihrerseits sogar noch ein weiteres Tor zur beruhigenden 3:0 Führung durch Gerrit Fauser nach (37.). Beruhigend? Vielleicht für den nur gelegentlich Wolfsburger Eishockey Genießenden - der Rest des Wolfsburger Anhangs sehnt seit der berüchtigten Serie gegen die Adler bei diesem Spielstand stets den vierten Treffer herbei...
Doch an diesem Abend sollte es den vierten Treffers nicht brauchen, um den Grizzlys den Sieg wirklich zu sichern. Alles Anrennen der Gäste blieb weitgehend brotlose, und gelegentlich auch kopflose Kunst. Die Panik hatte offenbar in den Nürnberger Köpfen die Oberhand gewonnen, so dass die Bemühungen der Ice Tigers fast durchgängig verkrampft und uninspiriert wirkten. Überschattet wurde das eigentlich so erfreuliche Drittel von einem Unfall, der einen der beiden Linesmen auf direktem Weg ins Krankenhaus brachte. Nachdem ein Nürnberger Spieler Nick Johnson in einen der Linesman gecheckt hatte, knallte dieser so unglücklich mit dem Kopf auf das Eis, dass er ohne volles Bewusstsein vom Eis getragen werden musste. Wie mittlerweile bekannt geworden ist, scheint der Linienrichter aber mit einer Gehirnerschütterung davongekommen zu sein und blieb über Nacht zur Beobachtung im Wolfsburger Krankenhaus. Wir wünschen von dieser Stelle aus gute Besserung und eine schnelle Genesung!
Im Schlussabschnitt, der die Sommerpause der Nürnberger einzuläuten drohte, waren schließlich die Grizzlys dem Torerfolg dann wesentlich näher, als die immer verzweifelter und schließlich resignierend auftretenden Gäste. Nur zum Auftakt des Schlussdrittels hatte Wolfsburg einmal zittern müssen, duften die Ice Tigers doch für einige Sekunden ihr Glück sogar in doppelter Überzahl probieren. Der Ertrag gegen vorbildlich verteidigende Grizzlys und einen bärenstarken Brückmann blieb jedoch gleich Null. Als Jimmy Sharrow wenig später erneut das Nürnberger Lattenkreuz zum klingen brachte (43.) , war die Stimmung in Reihen der Gäste schon längst in Richtung Krawall entglitten. Das machte die Aufholjagd für Nürnberg nun nicht unbedingt einfacher, da in einer der folgenden Szenen eben gleich zwei Tigers und nur ein Grizzly nach einer Meinungsverschiedenheit auf die Strafbank wanderten. Je größer die Verzweiflung auf Seiten der Gäste, desto unbarmherziger wuchs die Kontrolle der Grizzlys. Hochkonzentriert, selbst bei gezogenem gegnerischen Goalie nur auf Puck- und Zeitgewinn bedacht, spielten die Hausherren die Minuten von der Uhr und konnten schließlich, neben dem Finaleinzug und der Championsleague-Teilnahme, auch den nächsten Shut out für ihren großen Rückhalt im Tor feiern.
Wie schon im letzten Jahr heißt der Gegner nun Red Bull München und stellt damit die größtmögliche Herausforderung in Sachen Kaderqualität und taktische Finesse dar. Ziel sollte wohl erst einmal der Gewinn eines Finalspiels sein. Alles, was dann hinzukäme, wäre eine schöne Zugabe, vielleicht sogar eine echte Chance...wer weiß!


Teamcheck

Tor
Brückmann in allen entscheidenden Momenten voll da! Besonders der abgewehrte One-Timer in der 10.Minute dürfte die Gäste reichlich Nerven gekostet und den Spielverlauf damit nachhaltig verändert haben.
Geniale Leistung, ohne wenn und aber.

Verteidigung
Ohne den zuletzt so starken Bina machten die Grizzlys trotzdem ein defensiv fast perfektes Spiel. So perfekt, wie es gegen ein derart offensivstarkes Team wie Nürnberg halt geht.
Likens weiterhin nur mit wenig Ausrutschern eine echte Bank - Play-off Form eben!
Auch die restlichen Akteure schonten die Nerven der Zuschauer, wobei Armin Wurm die spektakulärste Rettungsaktion der gesamten Partie für sich verbuchen konnte.

Sturm
Alle drei Torjäger treffen, die dritte und vierte Reihe grinden dem Gegner die Seele aus dem Leib - was will man mehr?
Das Comeback von Höhi schien dabei noch zusätzlichen Spirit ins Team zu bringen. Tut irgendwie gut, das unser Urgrizzly wieder dabei ist...
Bleibt zu hoffen, dass Nick "das Tier" Johnson möglichst bald einen Anschlussvertrag unterschreibt. Einfach nur geil, wie der Mann sich in die Zweikämpfe schmeißt und im gegnerischen Drittel (vor allem im Slot) für Randale sorgt. Erinnert, bis auf die Torausbeute, ein wenig an Kenny. Hach, da wird man fast sentimental ;)
Für Spannung dürfte in diesem Mannschaftsteil jedenfalls gesorgt sein, denn neben dem überzähligen Pfohl stehen mit Weiss, Foucault und Dixon noch weitere Kandidaten vor einer eventuellen Rückkehr in den Kader.
In der Verteidigung würde ohne den vermutlich verletzten Robbie Bina allerdings schon ein wichtiges Stück Qualität fehlen - da heißt es nun Daumen drücken fürs Finale! mb