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Spielberichte 17/18

VF4 EHC - Eisbären Berlin 1:3

  • Geschrieben von Martin
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Manchmal muss es kein Sieg sein

Spaß hatten die rund 4150 Zuschauer am Mittwochabend sicherlich alle, wenn auch mit recht unterschiedlicher "Endstimmung". Die rund 250 mitgereisten Eisbärenfans konnten schließlich mit der berechtigten Hoffnung auf ein baldiges Weiterkommen nach Hause reisen, die Grizzlys waren - völlig berechtigt - enorm stolz auf ihre kleine Schar verbliebener Krieger in orange.
Zwar standen mit Robbie Bina und Kris Foucault zwei zusätzliche Akteure im Kader der Gastgeber, doch im Gegenzug hatte sich mit Fabio Pfohl bereits der vierte etatmäßige Center ins Lazarett begeben. Zudem spielte Wolfsburgs Toptorjäger bei seiner Rückkehr sichtbar unter größeren Schmerzen, konnte dabei im Mittelabschnitt streckenweise gar nicht eingreifen und musste pausieren.
Trotzdem wirkten die Gastgeber vom Start weg dominant, ließen sich durch einen frühen Gegentreffer (4.) der Gäste auch keineswegs schocken oder gar von ihrer Linie abbringen.
Bukarts hatte gleich den ersten Schuss der Eisbären unhaltbar in die Maschen abfälschen können und damit seine Farben in Führung gebracht. Die Grizzlys reagierten mit unermüdlichem Anrennen, offenbarten in ihren immer zahlreicher werdenden Abschlüsse aber ihr größtes Manko: Das Fehlen von reichlich Firepower (insgesamt 134 Hauptrunden-Punkte) machte sich besonders vor dem gegnerischen Tor und im Powerplay bemerkbar. Nachdem ein erster Treffer (9.) nach Videobeweis keine Anerkennung gefunden hatte (Tor vor dem Schuss verschoben), war es in der 16.Minute endlich soweit - Christoph Höhenleitner fälschte nun seinerseits einen Schuss von Alex Weiß unhaltbar ab und ließ die prall gefüllten Ränge tüchtig feiern.
Überhaupt konnten es die Wolfsburger Anhänger kaum glauben, wie gut die Überreste ihres Teams sich nach der 8:1 Klatsche gegen den Titelaspiranten behaupten konnten.
Mit dem für die Gäste etwas schmeichelhaften 1:1 ging es dann auch in die erste Pause.
Dort schien Berlins Trainer das eine oder andere deutliche Wort gefunden zu haben, denn die Eisbären präsentierten sich nun ein ganzes Stück aktiver. Zwar blieben die Hausherren weitgehend auf Augenhöhe, doch es sollte "kompliziert" für die Grizzlys werden.
Nach einer feinen Einzelaktion konnte Berlins Kapitän zunächst diese gute Phase mit der erneuten Führung veredeln (27.), wenig später (28.) hieß es obendrein fünf Minuten Überzahl für seine Farben. Was sich bei Rankels Treffer bereits angedeutet hatte (Kuhn hatte den Puck aus der Drehung fast noch mit der Kelle über das Tor lenken können), sollte nun minutenlang die Fans in Atem halten: Sowohl die Wolfsburger Defensive als auch ihr überragender Goalie warfen alles in die Waagschale, um dieses Spiel nicht frühzeitig aus den Händen zu geben. Sogar eine zusätzliche Strafe gegen Philip Riefers überstanden die Gastgeber ohne Schaden, während das Publikum den aufopferungsvollen Kampf der blockenden Feldspieler und die teils atemberaubenden Saves ihres Goalies feierten.
Was war passiert? Nach einem eher mit überschaubarer Intensität vorgetragenen Check durch Stephen Dixon, blieb Berlins Ziegler zunächst regungslos vor der Bande liegen. Zur Erleichterung aller Beteiligten konnte der junge Eisbär dann doch eigenständig zur Bank fahren, auch wenn es für ihn erst einmal ins Krankenhaus ging. Streng genommen hätte es in dieser Szene nicht einmal eine 2-Minuten-Strafe geben dürfen, denn der Eisbär hatte sich erst mit dem Gesicht Richtung Bande gedreht, als Dixon bereits zum Check angesetzt hatte. Die Füße des Wolfsburgers blieben ebenfalls am Boden und vom Anlaufnehmen war Dixons Bewegungsablauf meilenweit entfernt. Angesichts der Verletzung wollten es die Referees aber wohl offenbar nicht bei der schlichten Feststellung "Pech gehabt" belassen. Korrekt wäre sie aber wohl gewesen...
So büßten die Gastgeber mit Dixon auch noch ihren letzten einsatzfähigen Center ein und ließen sicherlich einen nicht ganz unerheblichen Teil ihrer Kraftreserven in den folgenden fünf Minuten Dauerunterzahl.
Unter Standing Ovations ihrer Fans starteten die Grizzlys nach dieser kritischen Phase zur erneuten Aufholjagd, um die Serie mit dem Ausgleich zurück nach Berlin zu schicken.
In einer eigenen Überzahl sollte in den folgenden Szenen allerdings schnell klar werden: Das könnte heute richtig eng werden! Denn Wolfsburg blieb nicht nur im Abschluss einfach zu harmlos - das ganze Überzahlspiel krankte am Fehlen vieler Schlüsselakteure, immer wieder endeten Anspiele, die normalerweise zur Direktabnahme führen, in den Kufen des jeweiligen Empfängers. Es sollte Wolfsburgs Verhängnis an diesem Abend werden.
Nach einem vergeigten Start ins letzte Drittel (fing gleich mit einem Berliner Alleingang an), fanden die Grizzlys erst gegen Mitte des Abschnitts zurück zu ihrem Spiel, hatten bis dahin vor allem durch Kuhns Glanztaten noch nicht die Chance auf ein Comeback vergeben.
Als Wolfsburg dann ab der 52. Minute ganze sechs Minuten hintereinander in Überzahl gestalten durfte, entschied sich die Partie wegen der bereits erwähnten Probleme zugunsten der Gäste. Schuss um Schuss feuerte Wolfsburg auf Berlins Vehanen ab - ohne Erfolg.
Als die nun immer müder wirkenden Grizzlys gegen Ende alles auf eine Karte setzten, gab es schließlich den Knock-out durch Aubrys Schuss ins leere Tor (60.).
Etwas enttäuscht, aber doch mächtig stolz ging es für die Grizzlys zurück in ihre Höhlen - mit der mehr als vagen Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. So realistisch muss man wohl bleiben.

Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn mal wieder in Galaform. Fast schon leicht irre, was der Wolfsburger Goalie da zwischen den Pfosten veranstaltet. Ohne seine außergewöhnliche Leistung wäre es wohl ein nicht mal annähernd spannender Eishockeyabend geworden.

Verteidigung
Beans ab Mitte der Partie als Stümer für Dixon - das sagt alles über den Stand der Dinge.
Trotzdem gerade von unserer Defensive ein ordentlicher Job mit Ausnahme von 3-4 Situationen die zu Alleingängen führten. Ich muss gestehen: In den Play-offs ruled Likens einwandfrei das Eis. Wenn er mal ab und zu während der Saison so spielen würde! Hat ja jetzt zwei Jahre Zeit, das mal nachzuholen. Allen weiß ebenfalls zu gefallen - schnell, robust und in der kommenden Saison wohl mit immer mehr Übersicht. Dürfte wohl ein Verlängerungskandidat sein.

Sturm
Ohne vier, dann ohne fünf Center blieb den Grizzlys eigentlich nur noch der Kampf und das bedingungslose Laufspiel. Angesichts der kurzen Bank nicht die sinnvollste Alternative, aber drei, dann vier Reihen ohne gelernten Mittelstürmer - das kann nicht wirklich gut strukturiert ablaufen. Von eingespielt wollen wir erst gar nicht anfangen. Toll, wie Höhenleitner und Dixon den Rest mit enormem Einsatz anführen und man auch ohne den Powerplayknipser (Fauser) hin und wieder mal ein Überzahltor erzielen kann. Nur: Es reicht halt gegen, zumindest auswärts, alles andere als überzeugende Eisbären am Ende nicht. mb