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EHC - Schwenninger Wild Wings 3:0

Endlich wieder Eishockey

Offenbar hat das Wolfsburger Publikum die Sommerpause nicht ohne Entzugserscheinungen überstanden. Anders kann man die stattliche Kulisse von 3259 Zuschauern gegen Schwenningen (!) bei sommerlichen Temperaturen wohl nicht erklären.
Und was soll man sagen - keiner der Eishockeybegeisterten (oder die es noch werden wollen) sollte sein Kommen ernsthaft bereuen. Nachdem die Fans der Grizzlys ihre drei Langzeitausfälle Elkins, Albert und Brückmann mit Plakaten aufgemuntert hatten, ging es mit Volldampf in die neue Saison.
Dabei übernahmen die Hausherren, die mit Björn Krupp (Mandelentzündung) einen weiteren prominenten Ausfall zu verkraften hatten, gleich das Heft in die Hand und setzten Schwenningen weitestgehend in deren Abwehrdrittel fest. Eine frühe Strafe gegen die Gäste (1.) hatte den Grizzlys dabei in die Karten gespielt, doch das Powerplay sollte auch im weiteren Verlauf der Partie ein Problemfall bleiben.
Dabei hatte der Puck bereits eine Minute später den Weg über die Linie des Gästegehäuses gefunden, doch Sekundenbruchteile zuvor hatte das Tor der Schwäne leider seine Verankerung verlassen - unter gütiger Mithilfe von Dustin Strahlmeier.
Die Referees sahen in diesem Vorgang keinerlei böse Absicht, so dass weder Tor noch eine weitere Strafe gegen die Gäste ihren Weg auf die Anzeigentafel fanden.
Wolfsburg nahm diesen Anfangsschwung trotzdem dankbar auf, glänzte aber wie schon in Iserlohn mit dem Auslassen hochkarätiger Chancen.
In der 15.Minute war es dann aber soweit: Nick Latta hieß der erste Torschütze vor heimischer Kulisse, der eben jene per Nachschuss zum Explodieren brachte.
Die Grizzlys brannten zwar kein spielerisches Feuerwerk ab - wie auch, ohne eingespielte Reihen - aber marschierte nun mit deutlich mehr Zuversicht in Richtung der ersten Saisonpunkte.
Wenige Sekunden vor der ersten Pause wäre es den Gäste dann trotzdem fast gelungen, den Spielverlauf ad absurdum zu führen. Doch Neuzugang Leggio, der an diesem Abend den Vorzug vor Kuhn bekommen hatten, konnte sich gerade noch rechtzeitig auf den durchgerutschten Puck setzen, um Schlimmeres zu verhindern. Nach entsprechendem Videobeweis ging es für Fans und Team der Grizzlys, etwas erleichtert, zum Pausentee.
Trotz früher Strafe gegen Cole Cassels (22.) blieb der EHC Chef im Ring. Während Schwenningen offensiv weitgehend harmlos blieb, verbuchten die Gastgeber sogar bei eigener Unterzahl die besseren Chancen vor dem gegnerischen Tor.
Als dann jedoch zwei eigene Überzahlspiele anstanden, wurde den anwesenden Fans schmerzhaft das drängendste Defizit der Grizzlys vor Augen geführt. Wie schon zum Saisonauftakt gelang den Jungs in orange kein einziger Treffer im eigenen Powerplay. So kamen zu zehn Gelegenheiten aus dem ersten Spiel in Iserlohn noch vier weitere in dieser Partie hinzu. Ohne zwei nominelle Lenker und mit reichlich Ladehemmungen in Reihen der Torjägerfraktion (Aubin + Furchner) mussten die Gastgeber das Spiel halt bei 5 gegen 5 in die gewünschten Bahnen lenken.
Das gelang nach einem dominant geführten Mittelabschnitt allerdings erst zu Beginn des Schlussdrittels. Die zweite Strafe gegen die Gäste war nach Wiederanpfiff gerade abgelaufen (41.), da vollstreckte Wolfsburgs Foucault zum 2:0. Wenige Sekunden zuvor, die Gastgeber waren noch in Überzahl, hatte eben jener Foucault noch aus bester Position verzogen...
Einem Lattenknaller von Cassels folgte wenig später ein weiteres Überzahlspiel der Grizzlys (45.) mit dem bereits bekannten Ergebnis. Nach vierzehn ergebnislosen Powerplays könnte man ja schon mal die entsprechenden Statistiken über die meisten erfolglosen Überzahlspiele in Reihe raus suchen - um sie hoffentlich niemals zu verwenden.
Kaum wieder komplett gingen die Schwäne - notgedrungen - nun etwas offensiver zu Werke und konnten sich tatsächlich ein leichtes Übergewicht erarbeiten.
Doch die Grizzlydefensive präsentierte sich, verglichen mit dem Gastspiel am Seilersee, deutlich verbessert und behielt bis in die Schlussminuten stets die Kontrolle über das Geschehen auf dem Eis.
So sicherte sich Leggio den ersten Shut-out der Saison, während Höhenleitner den Puck zum 3:0 Endstand ins leere Netz (59.) befördern konnte. Zuvor hatte mit Marius Möchel ein weiterer Neuzugang mit einer starken Einzelleistung den Puck erkämpft und schließlich den entscheidenden Pass spielen können.
Ein rundum gelungener Heimspielauftakt fand mit einer ebenso chaotischen wie fröhlichen Raupe seinen würdigen Abschluss. "Ein Glück" möchte man sagen, angesichts des fast schon gruseligen Verletzungspechs der Grizzlys, das ihnen mittlerweile schon saisonübergreifend treu geblieben ist.

Teamcheck

Tor
Leggio nutzt seine erste Chance im Dress der Grizzlys eindrucksvoll, um den Kampf um das Tor der Grizzlys zu eröffnen. Hatte allerdings eine wesentlich sattelfestere Abwehr vor sich als zuletzt Kuhn und musste kaum hochkarätige Chancen vereiteln. Das wird auf jeden Fall eine interessante Personalie - vermutlich im positiven Sinne.

Verteidigung
Nach der Chaos-Veranstaltung in Iserlohn trägt ausgerechnet Wackelkandidat Ankert bei seiner Rückkehr nicht unerheblich zum Gelingen der Stabilisierung bei! Mit guter Übersicht und einigen klugen Pässen machte er gegen einen zugegebenermaßen mäßig aufspielenden Gegner eine sehr gute Partie. Weiter an der Beinarbeit dranbleiben und das könnte noch was werden!
Ansonsten alle Grizzlyverteidiger mit guten Leistungen, wenn auch die Abstimmung mit den Vorderleuten, gerade beim Aufbau unter Druck, nicht immer ideal erschien.

Sturm
Möchel bisher die positive Überraschung, führte in beiden bisherigen Spielen unterschiedliche Nebenleute zu einer eindrucksvollen Leistung an. Da lege ich mich jetzt schon fest: Sehr gute Verpflichtung, passt hervorragend zu den Grizzlys!
Ansonsten bewegen sich unsere Stürmer dank des lustigen Reihen- und Positionswechsels fast allesamt am Rande der Wirkungslosigkeit - mit Ausnahme von Kris Foucault, der über seine individuelle Klasse auch ohne brillante Spielzüge zum Erfolg kommt. Bewertung bleibt hier sehr schwierig, da Verständnis untereinander offensiv und leider auch im Backchecking wichtig ist. Einzig Furchis momentane Abschluss-Schwäche kann einem schon in der Gesamtschau einen kleinen Schauer über der Rücken jagen. Ähnlich wie zu seinen Anfangszeiten in WOB versucht der quirlige Dauerbrenner der Grizzlys offenbar wieder Löcher in den Brustpanzer der Goalies zu schießen. Aber diese Phasen hat er ja bisher immer irgendwie überwunden und dann...mb