header
Log in
A+ A A-

EHC - Red Bull München 0:4

Sag zum Abschied leise näkemiin

Es ist vollbracht. Nach vielen, vielen Jahren der Stabilität hat es ein Wolfsburger Team doch noch einmal geschafft, einen Trainer arbeitslos zu machen.
Mit einer nur als desaströs zu bezeichnenden Vorstellung gegen Serienmeister Red Bull machten die Grizzlys ihren Übungsleiter für die Geschäftsführung offenbar unhaltbar.
Lediglich in den Anfangsminuten konnten die Gastgeber die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten und erspielten sich dabei vor allem durch Alex Weiß einige vorzeigbare Einschussmöglichkeiten. Doch bereits in dieser eher akzeptablen Phase des EHC ließen die Gäste aus München immer wieder ihre Konter-Qualitäten aufblitzen, allein der Abschluss sollte (noch) nicht gelingen. Als Patrick Hager schließlich seinen Nationalmannschaftskollegen Fauser per Kniecheck aus dem Spiel nahm (6.), glaubten wohl viele in der Halle noch dank fünf Überzahlminuten an einen positiven Verlauf - sie sollten bitter enttäuscht werden. Während Wolfsburg in der gesamten Strafzeit nichts Vorzeigbares zustande brachte, trumpften die Gäste zu viert erst richtig auf. Ex-Grizzly Voakes profitierte von einem fast schon erbarmungswürdigen Mitnahmefehler an der Bande durch seinen ehemaligen Kollegen Likens und leitete das Spielgerät gewohnt genial, ohne den Blick zu heben, an den einschussbereiten Jaffray weiter (9.). Das Unheil nahm von da an seinen Lauf, ohne das München in irgendeiner Form an seine Leistungsgrenzen gehen musste. Wolfsburg rannte teils völlig planlos wirkend über das Eis, überbot sich immer wieder mit Fehlpässen und strahlte eine geradezu deprimierende Harmlosigkeit im Drittel der Bullen aus. Man hatte eigentlich nie das Gefühl, dass ein Sieg der Grizzlys auch nur ansatzweise möglich wäre.
Es war wohl nur Münchens Auftritt in der Champions-League geschuldet (dienstags in Malmö), dass diese Partie nicht in einem zweistelligen Debakel endete. Ein hungriger Gegner hätte Wolfsburg an diesem Abend wohl vernichtend geschlagen.
Fast schon spielerisch leicht legten die Gäste bei eigener Überzahl durch Joslins Schlagschuss nach (29.), Kastner soll noch leicht abgefälscht haben - der Puck wäre dank großzügiger "Einschuss-Schneise" wohl auch so ins Netz gegangen.
Ansonsten mühten sich die weiter ohne jegliche Struktur agierenden Gastgeber um Schadensbegrenzung - ohne wirklich Erfolg zu haben.
Ein weiterer Gegentreffer (46.) bei eigener Überzahl ließ dann auch den letzten Optimisten in der Halle zum Realisten werden. Matt Stajan (über 1000 NHL-Spiele) zeigte seine ganze Klasse und vollendete einen Konter knallhart zum 0:3 in den Winkel.
Mauers 0:4, nun wieder im Überzahlspiel der Gäste, machte dann bereits in der 53.Minute den Deckel auf dieses Spiel, das sich aber irgendwie schon viel früher entschieden anfühlte.
Ohne Pfiffe (Respekt dafür!), aber schwer deprimiert, schlichen Fans und Spieler schließlich nach diesem trostlosen Nachmittag aus der Eisarena.

Teamcheck

Tor
Leggio zwar mit einer ordentlichen Torhüterleistung, aber leider auch mit mehreren Unbeherrschtheiten. Kein schlechtes Zeichen, dass dem Ex-Münchner das Verlieren so schwerfällt...
Da Kuhn in Augsburg neben einer guten Leistung noch weitaus heftigeres Eskalationspotential zeigte (wollte Torhüterfight mit Roy), kann auf der Torhüterposition wohl von keinem Motivations- oder Leistungsproblem gesprochen werden.

Rest des Teams
Es gibt eigentlich nichts daran zu deuten: Ein Team, das einen derartigen Umbruch inklusive Qualitätsverlust verarbeiten muss, darf eigentlich weder neue Leistungsträger einbüßen, noch alte aufgrund nachlassender Form oder Konstitution mitschleifen.
Beides ist bei den Grizzlys aber massivst der Fall. Während mit Elkins und Albert gleich beide neuen Top-Center dauerhaft ausfielen, konnten die Grizzlys zuletzt auch nicht auf ihren verletzungsanfälligen Torjäger Kris Foucault zurückgreifen. Währenddessen scheint nach ersten Anzeichen in der vergangenen Saison ausgerechnet Kapitän Furchner ernsthafte Probleme mit den Anforderungen der DEL zu entwickeln und spielt bestenfalls auf 4.Reihe-Niveau. Neben dem (ohne Mark Voakes) komplett unsichtbaren und torlosen Aubin ein weiterer herber Schlag für die Leistungsfähigkeit des Teams. Die Ausfälle des überzeugend gestarteten Möchel und des eher unauffälligen Latta komplettieren dann das Reihen-Chaos der bisherigen Saison. Uneingespielt und teilweise erschreckend harmlos stolpern die Grizzlys durch diese Spielzeit und können leider nur noch sehr selten ihre gefürchteten Tugenden in die Waagschale werfen. Die Zugänge Sparre und Jaspers bilden da nur bedingt eine Ausnahme, sind bisher nur ordentliche (Sparre) bis mäßige (Jaspers) Ergänzungen, anstatt die Ausfälle zweier Topspieler zu kompensieren.

Gesamtsituation:
Auf der einen Seite fehlte es sicher am Glück (Verletzungen und einige Spielverläufe), doch genauso wurden bei den altgedienten Spielern wohl ein oder zwei falsche abgegeben und leider auch behalten. Das Duo Voakes/Aubin stellt da wohl den maximalen Fehlgriff dar. Ob den Trainer angesichts dieser extrem widrigen Umstände eine größere Mitschuld am desaströsen Verlauf des ersten Saisonviertels trifft, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich fürchte allerdings, dass ein anderer Trainer - egal wer - vielleicht den ausbleibenden Spielfluss, aber leider nicht die fehlende Qualität im Kader beheben kann.
Tabellenplatz zehn wäre nach dem, was ich bisher gesehen habe, am Ende ein beachtlicher Erfolg. Wir wünschen Pekka Tirkkonen und seiner Familie alles Gute und hoffen, dass seine kurze Zeit in Wolfsburg trotzdem den einen oder anderen schönen Moment für ihn bereit hielt. Gerne hätten wir ihn einmal ausgiebig gefeiert, leider gab es dafür nur wenig Gelegenheit. So ist das manchmal im Leben. mb