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EHC - Fischtown Pinguins 3:6

In der Eisarena nichts Neues

Nun ja - fast nichts Neues. Mit Hans Kossmann präsentierten die Grizzlys ihren Fans zwar den vor der Straubing-Partie verpflichteten neuen Mann hinter der Bande, aber auf dem Eis war der Unterschied bestenfalls im Vergleich zum Desaster gegen München zu erkennen. Ansonsten bekamen die rund 2900 Zuschauer, darunter rund 500 Fans von der Küste, viel Bekanntes geboten.
Besonders das Abwehrverhalten der Gastgeber zeigte dabei kaum eine nennenswerte Verbesserung gegenüber den bisherigen Auftritten und auch im Zweikampf wussten die Grizzlys keineswegs zu überzeugen. Die löblichen Ansätze aus dem Sieg in Straubing blieben, bis auf das etwas genauere Pass-Spiel, allesamt auf der Strecke.
Zum Glück zeigten sich die Gäste zunächst auch nicht wirklich sattelfest in ihren Abwehrbemühungen, so dass sich ein munteres Spiel mit vielen Toren entwickeln konnte.
Früh hatte Moore (6.) den Torreigen des ersten Drittels mit einem Treffer aus dem Slot eröffnet, die Gastgeber umgehend durch Furchner (8.) per Abfälscher geantwortet. Das Spiel ging reichlich flott hin und her, war indes über weite Strecken durch Ungenauigkeiten auf beiden Seiten und überflüssige Wolfsburger Strafen geprägt. Eine solche Strafe nutzte der REV schließlich zur erneuten Führung (11.) durch Hoeffel, der ein scharfes Anspiel in den Slot direkt verwerten konnte.
Die Grizzlys blieben anfällig für dumme Strafzeiten, verteidigten diese Situationen im weiteren Verlauf der Begegnung allerdings weitaus erfolgreicher als zuletzt.
Der Ausgleich durch Armin Wurm (17.) stellte noch vor Ende des ersten Drittels den leistungsgerechten Zwischenstand her - man war noch zaghaft optimistisch im weiten Rund.
Das sollte sich mit fortschreitender Dauer des Spiels aber legen. Wolfsburg baute in Sachen Zweikampfhärte und Handlungsschnelligkeit nun komplett ab, lief dem Geschehen geschlossen immer einen Schritt hinterher. Alle Angriffsversuche blieben dank reichlich einfallslosem Vortrag eine sichere Beute der Gäste-Defensive. Dass Bremerhaven dem wenig sortierten Abwehrverhalten der Grizzlys allerdings nur einen Treffer abringen konnte hätte den Gästen unter normalen Umständen durchaus noch einmal auf die Füße fallen können. Verlic hatte für die Pinguine die dritte Führung markieren können (25.) und zuvor direkt und unbedrängt vor Wolfsburgs Kuhn "einparken" können. Die Abwehr der Gastgeber war derweil einkaufen...oder was auch immer - jedenfalls nicht annähernd dort, wo sie hingehört.
Dass es doch noch einmal, aus Grizzlysicht, erfreulich wurde, lag an Youngster Valentin. Es waren bereits knapp sieben Minuten im letzten Spielabschnitt gespielt und es hatte sich nur wenig Besserung im Spiel der Wolfsburger abgezeichnet, da fälschte der EHC-Neuzugang ein harmlosen Schuss gefährlich in Richtung Gästegehäuse ab. Bremerhavens bis dahin gut aufgelegter Goalie erwischte den Puck nicht voll, so dass das Spielgerät zur allgemeinen Erheiterung über die Linie trudeln konnte. Der anschließende Videobeweis brachte keine weiteren Erkenntnisse, ebenso wie der erneute Ausflug der beiden Referees keine zwei Minuten später - leider! Als "Antwort" auf Pöpperles etwas unglückliche Figur beim vorherigen Ausgleich, setzte Wolfsburgs Goalie in Sachen Tolpatschigkeit das weitaus größere Ausrufezeichen, als er einen aus der Luft gefangenen Puck noch in der gleichen Bewegung dem wartenden REV-Stürmer vor die Kelle legte. Hoeffel bedankte sich mit seinem zweiten Treffer und der vierten Führung für die Gäste.
Wolfsburg kam nun nicht mehr in die Partie, zog wieder eine dumme Strafe und sollte einfach keine wirklich gefährlichen Momente mehr kreieren können. Die Gäste brauchten im Prinzip nur noch zu warten, bis der EHC das macht, was in dieser Saison so gut wie nie irgendetwas Gutes hervorgebracht hat: Den Goalie für einen sechsten Feldspieler zu ziehen. Zwei Schüsse ins leere Netz (59./60.) stellten schließlich die passende Quittung für unterirdisches Zweikampfverhalten und einfach zu wenig Speed im Spiel der Grizzlys dar.

Tor
Viele gute Aktionen werden leider am Ende von dem einen dicken Patzer überschattet, der die Grizzlys den absolut möglichen Punkt kostet. Das Problem der Wolfsburger Mannschaft steht aber mit Sicherheit nicht im Tor...

Verteidigung
Das Positive zuerst: Wurm und Likens bilden weiterhin ein individuell, aber vor allem in der ABSTIMMUNG gutes Gespann. Da hakt es bei den anderen beiden Paaren weiterhin mächtig. Die Trennung der suboptimal agierenden Dehner und Krupp scheint allerdings eher dazu zu führen, dass die anderen beiden Defender noch abenteuerlicher agieren, als zuvor im Duett. Bergman verärgerte dabei gleich mit einer ganzen Selektion an erlesenen individuellen Fehlern, Wrenn hingegen glänzte an der Seite von Dehner mit unsäglichem Stellungsspiel. Vielleicht doch wieder Krupp und Dehner zusammen aufs Eis? Dann muss man wenigstens nur ein Drittel der Zeit zittern...
Hier muss der neue Trainer (auch wenn Gällstedt für diesen Mannschaftsteil zuständig ist) für Ordnung sorgen und deutlich mehr Positionstreue und Disziplin einfordern.

Sturm
Erste Lebenszeichen vom Kapitän! Das ist extrem wichtig fürs Team und kann eine Wende noch viel eher einläuten als viele andere Stellschrauben an denen ein Trainer oder ein Team als Ganzes drehen können. Während Höhi weiter den roten Helm trägt und zusammen mit Alex Weiß (Hooligan!) im gegnerischen Drittel randaliert, bleiben Wolfsburgs Ausländer blass bis unsichtbar. Brent Aubin scheint zumindest langsam in seine Rolle in der Kapitänsreihe zu finden - Tore bleiben nach 15 Ligaspielen aber weiter Fehlanzeige. Während Machacek von Spiel zu Spiel unsichtbarer zu werden scheint (hätte ich mir viel mehr physische Präsenz vor dem Tor der Gegner erwartet!), kann der für einen langsamen Aufbau vorgesehene Cassels (noch) nicht die nun höheren Anforderungen in einer Top-Reihe erfüllen. Insgesamt eine sehr unglückliche Situation im Sturm der Grizzlys, da es den Verbliebenen einfach nicht gelingt, die hochkarätigen Ausfälle (Elkins, Albert, Foucault) zu kompensieren bzw. Spieler, die gute Ansätze zeigen (Möchel) dann ebenfalls verletzt ausfallen. Der zusätzliche Ausfall von Latta trug dann zum endgültigen Chaos bei, wobei die Nachverpflichtungen bisher ebenfalls nicht wirklich zünden konnten.
Vor allem Jaspers ist einfach eine Enttäuschung, hat - trotz seines Shorthanders zuletzt - einfach nicht den Biss und das Tempo, um wirklich Impact auf das Spiel der Grizzlys zu haben. Seine Reihe (Machacek - Sparre) gegen Bremerhaven eine einzige Frechheit.
Eric Valentin hingegen gehört weiterhin zu den positiven Überraschungen dieser bisher eher ernüchternden Spielzeit. mb