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EHC - ERC Ingolstadt 4:3

Ein Sieg zum Jubiläum

Nach der kurzen Unterbrechung des Spielplans durch den Deutschland-Cup wollten die Grizzlys, möglichst zahlreich, den Weg aus dem Tabellenkeller antreten. Dank der Rückkehr von David Leggio, Marius Möchel und Spencer Machacek präsentierten sich die Reihen der Wolfsburger gegen Ingolstadt nun schon wieder etwas prominenter besetzt. Dem gegenüber stand der Ausfall des bisher so überzeugend agierenden Alex Weiß, der mit einem Fußbruch aus der Partie in Düsseldorf bis auf weiteres ausfallen wird.
Wolfsburg fand gut in die Partie und machte dabei in Sachen Passgenauigkeit zunächst einen stark verbesserten Eindruck. Fast im Minutentakt generierten die Grizzlys gute Einschussgelegenheiten, scheiterten aber immer wieder am Goalie der Gäste. Allein der weiterhin unglücklich agierende Aubin verpasste gleich zweimal den Führungs- und damit auch seinen Premierentreffer.
Besser machte es Spencer Machacek, der seine Gesundung gleich einmal mit dem Tor zur verdienten Führung (8.) feierte.
Wolfsburg blieb am Drücker, doch auch die Gäste ließen bei Kontern und vor allem in Überzahl ihre Torgefährlichkeit aufblitzen.
Ein später Hit durch Aubin (14.) und ein selten dämliches Foul seines Kollegen Jaspers (19.), der seinen Gegenspieler neben dessen Tor brachial mit dem Schläger fällte, brachten die Grizzlys dann aber Stück für Stück aus dem Tritt. Nur mit viel Glück überstanden die Gastgeber auch die letztgenannte Strafe ohne Gegentor, denn Sullivans Schuss prallte zunächst gegen den rechten Pfosten, traf dann von hinten Kuhns Schoner und verließ dann nach Kontakt mit dem linken Pfosten doch noch den Torraum.
Einmal kräftig durchatmen und schon ging es in ein ereignisreiches zweites Drittel.
Um es vorweg zu nehmen: Das Zählen der Spieler auf dem Eis zählte während der gesamten Partie nicht zu den Stärken der vier Unparteiischen. Als Wolfsburg dann in der 29.Minute aber konsequent mit sechs Feldspielern agierte, fiel dies sogar den vier Rechengenies in schwarz-weiß irgendwann auf. Ingolstadt hatte zuvor deutlich die Intensität und die Härte im Spiel erhöht, teilte reichlich Checks und kleine Nickligkeiten aus, was den Gastgebern offenbar gar nicht schmeckte.
Wie ein Rückfall in altbekannte Muster wirkten dann auch die folgenden Minuten in denen die Gäste, wie selbstverständlich durch die Reihen der Grizzlys marschieren und zweimal fast unbedrängt abschließen konnten. Olsen in Überzahl (30.) und Jobke im Anschluss an diese (32.) lochten aus nächster Nähe ein, die Gastgeber wirkten wie gelähmt, agierten viel zu zögerlich und wirr. Grizzlycoach Kossmann reagierte umgehend, nahm die überfällige Auszeit und versuchte sein Team wieder auf Kurs zu bringen. Das sollte nicht sofort gelingen, doch nach ein bis zwei etwas wackeligen Minuten fing sich Wolfsburg tatsächlich wieder, durfte sogar selber wieder in Überzahl ran. Nach ca. 30 Sekunden durfte Ingolstadts D'Amigo auch schon wieder mitmachen, denn Sparre hatte einen präzisen Diagonalschuss an Freund und Feind vorbeigebracht (36.). Die Halle tobte ob solch ungewohnt schneller Reaktion ihres Teams. Und es kam noch besser! Wieder Strafe gegen die Gäste (39.), wieder Tor für die sonst im Powerplay so harmlosen Grizzlys! Jeff Likens hatte das Spielgerät aus der Distanz unter die Latte geschweißt, wieder war dem Torhüter der Gäste vorbildlich die Sicht genommen worden.
Im letzten Spielabschnitt hätte es durchaus eine klare Sachen werden können, denn Wolfsburg legte tatsächlich noch einmal nach - und zwar, richtig geraten, im Powerplay!
Cole Cassels war es, der auch die nächste Strafe der Panther mit einem Treffer für seine Farben bestrafte.
Doch ganz scheinen die Grizzlys noch nicht von ihren Überzahlproblemen geheilt. Mit dem Vorsprung im Rücken ließen Genauigkeit und Positionstreue der Wolfsburger Akteure in folgenden Powerplay-Gelegenheiten (Ingolstadt agierte weiterhin hart, aber wenig clever) deutlich nach. Während ein weitere Strafe gegen die Gäste noch schadlos überstanden wurde - man muss es wirklich so hart umschreiben - klingelte es im nächsten Powerplay der Grizzlys wieder. Leider im eigenen Tor. Nach mehreren erfolglosen Kontern gelang den Panthern durch D'Amigos Shorthander (53.) doch noch der Anschluss zum 4:3.
Das große Zittern hätte jetzt eigentlich beginnen sollen, doch die besseren Chancen hatten im nun offen geführten Schlagabtausch erstaunlicherweise die Grizzlys.
Zwar konnten weder Jaspers noch Höhenleitner ihre Chancen zur endgültigen Entscheidung verwandeln, doch dank einer weiteren Strafe (59.) gegen die Gäste sollte die Schlussphase für Wolfsburg weit weniger ungemütlich ausfallen, als befürchtet. Die Auswirkungen und die Bestrafung des erwähnten Fouls könnten hingen noch weitreichende Folgen haben. Wie man die DEL kennt, vermutlich nur für das geschädigte Team. Während Wolfsburg mit Christoph Höhenleitner (verließ benommen und blutend das Eis) einen weiteren Leistungsträger zu verlieren droht, kann Ingolstadts Koistinen wohl erleichtert aufatmen. Er dürfte nach der gerade zu lachhaften Strafzumessung (2+10) glimpflich davonkommen - in vielen Profiligen dieser Welt hätte ihm wohl eine Nachverhandlung inklusive Geldstrafe und Sperre für seinen üblen Check zum Kopf gedroht.
So konnte das Wolfsburger Urgestein an den Feierlichkeiten im Anschluss an dieses Spiel, auch zu Ehren des 500. DEL -Spiels eines weiteren "eingebürgerten" Grizzlys, nicht teilnehmen. Armin Wurm streifte dabei das Trikot mit der symbolischen 500 über und startete die Welle in seinem Wohnzimmer, wonach endlich einmal wieder die Raupe durch die Eisarena fahren durfte.
Insgesamt ein gelungener Auftakt nach der kleinen Pause. Angesichts der Tabellensituation allerdings nur ein erster, kleiner Schritt.

Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn mit einigen Big Saves bei Kontern der Gäste. Mit etwas mehr Aufmerksamkeit seiner Vorderleute wäre vielleicht sogar ein Shut-out drin gewesen. So patzte der Goalie der Grizzlys schließlich beim x-ten Gegenstoß der Panther durch D'Amigo und machte die Partie unnötig spannend. Zuvor wurde er in den schwachen Phasen des EHC teilweise komplett allein gelassen. Insgesamt eine gute Vorstellung, wobei die Abstimmung mit seinen Vorderleuten beim Herausfahren immer noch haarsträubend ist.

Verteidigung
Die Konteranfälligkeit der Grizzlys hängt auch viel mit dem mäßigen Stellungsspiel der Defensivakteure zusammen. Besonders in Überzahl scheint das weiterhin ein Problem zu sein. Dehner mit einem offensiv (3 Assists) überragenden Spiel, bleibt aber wie der Rest dieses Mannschaftsteils defensiv immer für eine Unsicherheit oder einen Stellungsfehler gut. Kein Akteur fiel deutlich ab, aber insgesamt noch viel Luft nach oben.

Sturm
Rückkehrer Machacek und Cole Cassels mit klasse Leistungen. Viel so lange vermisste Präsenz ging von den beiden Import-Stürmern aus. Besonders vor dem gegnerischen Tor sorgten die beiden für den nötigen Betrieb, um die so bitter benötigten Treffer möglich zu machen. Auch Alex Karachun, der mit Machacek und Valentin eine Reihe bildete, zeichnete sich durch einen robusten Auftritt vor dem gegnerischen Kasten aus.
Leider tun sich immer noch große Teile des Teams mit dem Körperspiel etwas schwer (die Ausfälle von Elkins und Weiß schmerzen hier besonders), so dass Gegner immer wieder über Härte zurück in die Partie finden können - so sie denn überhaupt einmal gegen Wolfsburg hinten liegen...
Möchel tat dem Spiel der Grizzlys sichtbar gut, ließ seine Nebenleute besser aussehen, als zuletzt ohne ihn. Die Formschwäche bei Furchner, Fauser und Aubin drückt aber leider weiter deutlich auf die Leistungsfähigkeit des Teams, während Jaspers irgendwie immer noch keine funktionierende Formation leiten kann. Auge und Spielverständnis sollten beim Routinier eigentlich reichlich vorhanden sein, doch es findet sich kein Gegenpart wie zuvor bei Voakes und Aubin. Sparre lässt weiter hoffen, dass da noch mehr geht - eine wirklich eingespielte und funktionierende Reihe mit Jaspers und Aubin wäre für mich ideal. Für unsere bisherigen Trainer aber wohl eher nicht. mb