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EHC - Schwenninger Wild Wings 1:2 n.P.

Eishockey zum Abgewöhnen

Man sollte in diesen Tagen nicht zu kritisch mit dem Wolfsburger Eishockey ins Gericht gehen und doch muss man den Fakten ins Auge blicken: Was da am Freitagabend gegen den Tabellenletzten aus Schwenningen als Eishockeyspiel verkauft wurde, grenzte an Körperverletzung am Sehnerv.
Erneut ohne vier etatmäßige Center angetreten, gelang es den Gastgebern dabei zu keinem Zeitpunkt die Defensivkünstler aus dem Schwarzwald in Bedrängnis zu bringen. Im Gegenteil: Wenn in dieser extrem chancen- und niveauarmen Partie überhaupt ein Team so etwas wie Druckphasen entwickelte, dann war es meist der SERC und nur im Mittelabschnitt einmal der Gastgeber.
Ansonsten quälte sich die Begegnung, die von wenig Tempo, zugestellten Räumen und Fehlpässen gekennzeichnet war, über die Runden...bis zum wenig erfreulichen Ende nach Verlängerung und Penaltyschießen.
In Spielabschnitt Nr. 1 gelang den Gastgebern dabei so gut wie kein einziger vorzeigbarer Spielzug, während die Schwäne ihre wenig rasanten Konter zumindest hin und wieder mit einem unbedrängten Abschluss aus der Distanz krönen konnten. Grizzlygoalie Kuhn, der nach Leggios desaströsem Auftritt in Iserlohn wohl bis auf weiteres gesetzt sein dürfte, behielt in diesen Phasen stets die Übersicht und fischte alle Versuche der Gäste souverän ab.
Etwas erbaulicher gestaltete sich dann der Mittelabschnitt, auch wenn zunächst das Tabellenschlusslicht Grund zum Jubeln hatte. Einen der wenigen gelungenen Spielzüge dieses Spiels hatte István Bartalis (25.) zur verdienten Führung der Gäste in die Maschen gehämmert - Wolfsburgs Defensivformation hatte einmal wieder zu tief gestanden und den kompletten Rückraum für den Schützen freigegeben.
Das - aus Grizzlysicht - eigentlich unerfreuliche Ereignis tat dem Spiel jedoch kurzfristig gut. So intensivierte Wolfsburg seine Bemühungen und kam auch schon zwei Minuten durch den wiedergenesenen Höhenleitner zum Ausgleich. Bezeichnenderweise hatte ein Spieler der Schwäne den Pass des Wolfsburgers ins eigene Gehäuse gelenkt - anders wäre der gut aufgelegte Strahlmeier im Kasten der Gäste wohl auch nicht zu überwinden gewesen.
Ein folgendes Powerplay der Grizzlys vermittelte tatsächlich den Eindruck, dass diese Begegnung nun auf dem Weg zu echtem Unterhaltungswert wäre. Dank fehlendem Treffer der Hausherren fingen sich die Gäste allerdings schnell wieder und das Spiel kehrte zu der unansehnlichen Stocherorgie, die es zuvor gewesen war, zurück.
Es folgte ein Schlussdrittel, das eigentlich keinerlei Berichterstattung würdig ist. Lediglich ein Schwenninger Pfostenschuss und Fausers Gelegenheit wenige Sekunden vor der Sirene weckten die vor sich hin dämmernden 2250 Fans der Grizzlys.
Während der folgenden Overtime schafften es die Kontrahenten dann tatsächlich, trotz weiterhin haarsträubender Fehlerquote auf beiden Seiten, die sich ergebenden Gelegenheiten nicht zu nutzen.
Selbst im Penaltyschießen schaffte es mit Korhonen gerade einmal ein Teilnehmer so etwas wie einen überzeugenden Move vor dem Tor abzuliefern, der dann auch gleich mit dem Game-Winning-Goal belohnt wurde. Über die Versuche der Wolfsburger Schützen (Machacek, Sparre und Cassels) decken wir einfach mal den Mantel des Schweigens.
Endlich durften die tapferen Zuschauer den Weg in die heimischen vier Wände antreten.

Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn mit einer absolut stabilen Vorstellung gegen einen wenig fordernden Gegner.
Die drei Punkte aus Iserlohn hätte Wolfsburgs Nr.1 wohl mit Leichtigkeit sichern können. Warum sich Kossmann den Luxus gönnte, einen völlig wirren Leggio nach dem ersten Drittel im Kasten zu lassen - keine Ahnung! Somit gab er der offenkundigen Nr.2 der Grizzlys reichlich Zeit, sich selbst zu demontieren. Einzige echte Fehlentscheidung des bisher überzeugenden Neutrainers.

Verteidigung
Dehner mit einigen seltsamen Puckverlusten ohne gegnerische Einwirkung, Wurm hin und wieder zu verträumt im eigenen Slot. Ansonsten eine solide Vorstellung gegen einen extrem bieder und einfallslos auftretenden Gast. Mehr Mut im Aufbau bzw. der eine oder andere Alleingang von Krupp und Co. fehlte an diesem Abend völlig. Nach dem vogelwilden Auftritt in Iserlohn allerdings keine Überraschung, aber leider äußerst kontraproduktiv.

Sturm
Wenn es vor Wolfsburgs Gehäuse gefährlich wurde, dann meist, weil das Wolfsburger Backchecking den eigenen Rückraum vergessen und bis vors Tor durchgefahren war.
Wenn es vor dem Schwenninger Tor gefährlich wurde, dann...tja, dann hatte das wenig mit gelungenen Spielzügen der Wolfsburger Angriffsreihen zu tun.
Im Prinzip wirkte es so, als ob Wolfsburg mit einer 2.Reihe und drei 4.Reihen agieren würde, wobei Eigengewächs Raabe erneut einige Minuten Eiszeit bekam.
Die einzige ansatzweise gefährlich wirkende Reihe bildete - Überraschung! - die Formation um den Rückkehrer Höhenleitner, der mit Cassels und Sparre wenigstens ein wenig Aufregung in diesen tristen Abend bringen konnte.
Stichwort Rückkehrer: Außer Jason Jaspers und Niklas Latta scheint kein weiterer Akteur in Reichweite eines Comebacks zu sein. Im Gegenteil: Elkins wird in dieser Saison nicht mehr für Wolfsburg auflaufen und Foucault ist zu weiteren Untersuchungen in die USA aufgebrochen. Mit Marcel Ohmann gesellte sich nach der Partie sogar ein weiterer Spieler zu den zahlreichen Ausfällen der Grizzlys. Es ist zum Verrücktwerden.

Fazit: Die Fans der Grizzlys müssen wohl weiter standhaft bleiben und versuchen, die limitieren Möglichkeiten ihres Teams zu akzeptieren. Spiele wie dieses tragen natürlich nicht unbedingt dazu bei, die Ruhe zu bewahren. Der eine oder andere kann sich zudem sicherlich Schöneres vorstellen, als seine Freizeit so zu verbringen. Nach all den guten Jahren ist es wohl an der Zeit, der Organisation und den Verantwortlichen einfach etwas Kredit zu geben und die Entwicklung der nächsten Monate mitzutragen. Vielleicht hält das neue Jahr sogar die eine oder andere (positive) Überraschung für uns bereit, die man sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann. Die Play-offs sehe ich allerdings als kaum zu erreichendes Ziel. Bitter, wenn man bedenkt, dass die Saison nicht einmal zur Hälfte vorbei ist. mb