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EHC - Augsburger Panther 4:2

Caramba, Karachun!

Viel mehr Überraschung als in diesem Spiel ging wohl kaum. Ohne den aus geburtstechnischen Gründen verhinderten Spencer Machacek angetreten, besiegten die Grizzlys in einer spannenden und überaus unterhaltsamen Partie den Tabellendritten aus Augsburg. An einem Mittwoch und vor reichlich trister Kulisse (2005 Zuschauer inkl. 30 Gästen) hatte wohl kaum jemand mit einer derartigen Willensleistung der Hausherren gerechnet.
Der Beginn verhieß dann zunächst auch Großes: Ganze 39 Sekunden waren gespielt, da lagen sich Spieler und Fans der Grizzlys bereits das erste Mal in den Armen und feierten, wohl etwas ungläubig, das schnelle Führungstor ihrer Farben. Alex Karachun hatte sich energisch vor dem Kasten der Panther positioniert und versenkte Aubins scharfe Hereingabe im Gehäuse der Gäste. Die erste Freude war kaum verflogen, da zeigten die Gäste auch schon, warum sie aktuell am anderen Ende der Tabelle zu finden sind. Wütende Angriffe rollten ein ums andere Mal auf den von Jerry Kuhn gehüteten Kasten. Immer wieder stand der Wolfsburger Goalie nun im Fokus und sicherte seinem Team gleich mehrfach mit guten Reaktionen den unverhofften Vorsprung
In der 6.Minute war es dann trotzdem soweit: Die Bemühungen der Gäste fanden nach einer Unachtsamkeit in Wolfsburgs Defensive mit Trevelyans Ausgleich ihre Belohnung.
Als zwei Minuten später der bis dahin so glänzend aufgelegte Kuhn auch noch zum 1:2 patzte, schien die Begegnung den befürchteten Verlauf zu nehmen. Wolfsburgs Köpfe gingen runter, Selbstbewusstsein und Übersicht waren wie weggeblasen - Chaos und Panik schlichen sich einmal mehr ins Spiel der Grizzlys.
Mit einer ordentlichen Portion Glück überstanden die Gastgeber die folgenden Minuten schadlos und konnten zum Drittelende hin (dank einer Überzahl) zumindest wieder etwas mehr Kontrolle in die Partie bringen.
Was allerdings während der folgenden Pause in der Kabine der Grizzlys los war, bleibt wohl intern. Fakt ist: Es zeigte erstaunliche Wirkung!
Mit dem Messer zwischen den Zähnen legte Wolfsburg den nächsten Blitzstart hin - und wurde erneut belohnt. Augsburgs Torhüter machte es seinem Pendant nach und ließ den bereits gefangenen Puck über die Schulter ins Tor fallen (24.), Nick Latta freute sich infolgedessen über seinen dritten Saisontreffer und die Halle war nun endlich wieder wach!
Es folgte ein herrlich anzusehendes schnelles Spiel mit Chancen auf beiden Seiten - ein nach den letzten Spielen kaum für möglich gehaltener Umstand. Auf Seiten der Grizzlys tat sich in dieser Phase vor allem Daniel Sparre als unermüdlicher Sturmläufer, auf Seiten der Augsburger Matt White als ständiger Gefahrenherd hervor.
Den einzigen weiteren Treffer dieses Spielabschnitts schoss dann aber jemand, dem man es als aufmerksamer Beobachter dieser haarsträubenden Saison wohl am meisten gönnt: Brent Aubin war es, der einen mit Mühe abgewehrten Schuss von Karachun zum viel umjubelten Führungstreffer einnetzen konnte (38.).
Gleich reihenweise ließen die Hausherren zuvor die Nachschuss-Chancen liegen, die sich aus ihrem vorbildlichen Zug zum Tor und der Arbeit im Slot ergeben hatten.
Dass erwähnter White dann Sekunden vor der Pausensirene allein gegen Kuhn nur den Pfosten traf, machte das Glück der Grizzlys trotzdem erst einmal perfekt.
Mit frischem Mut ging es in die letzten zwanzig Minuten der Begegnung - und viel Mut und Hingabe sollten erforderlich sein, um diesen Vorsprung gegen starke Gäste über die Runden zu bringen.
Augsburg schmiss jetzt noch einmal alles in die Waagschale, versuchte in Überzahl zum Ausgleich zu kommen (42.), war bei 4 gegen 4 das klar dominierende Team (wie auch beim Tor zum 1:1) und schaffte es aber nicht, noch einmal das Spielgerät am bestens aufgelegten Kuhn vorbeizubringen. Eine Entwicklung, die nach acht Spielminuten und dem bisherigen Muster der meisten Grizzlyspiele noch fast undenkbar schien.
Eine Überzahl für Wolfsburg brachte dann schließlich die Entscheidung in dieser Klasse-Partie. Zwar gelang es dem EHC nicht, endlich einmal wieder in Überzahl zu scoren, doch kaum war die Strafe abgelaufen, ließ Neuzugang Welsh es erneut in Roys Gehäuse klingeln (50.).
Für die Fans etwas weniger stressig, aber immer noch spannend genug ging die Partie in ihre intensive Schlussphase. Doch Augsburgs Bemühungen sollten auch mit sechs Feldspielern nicht mehr von Erfolg gekrönt sein - Jerry Kuhn und ein wenig Pech im Abschluss sollten den Zwei-Tore-Vorsprung für Wolfsburg bis ins Ziel bringen.
Ein eigentlich grauer Wochentag hatte sich tatsächlich als bunte Abwechslung entpuppt.
Mehr davon!


Tor
Nachdem Kuhn sich das 1:2 mit dem Blocker selbst eingeschenkt hatte, musste man schon mit dem Schlimmsten rechnen. Doch was der Wolfsburger Goalie ansonsten in die Waagschale warf, rettete den Grizzlys am Ende tatsächlich den Sieg! Genie und Wahnsinn wohnen wie dereinst bei Jeff Likens beim Wolfsburger Keeper Tür an Tür...

Verteidigung
Das Thema Jeff Likens hat sich in dieser so enttäuschenden Saison schwer gewandelt. Nur selten erwischt man den einstigen Bruder Leichtfuß noch beim Pass quer durch den eigenen Torraum oder beim misslungenen Move an der blauen Linie. Der Routinier trägt der prekären Situation der Grizzlys absolut Rechnung und ist neben Steven Raabe mein bisheriges Saison-Highlight in der Defensivabteilung. Unglaublich.
Wirklich irre sind in diesem Bereich die +/- Statistiken der beiden "Dauer-Wackler" Wrenn und Bergman: Sie haben mit Abstand die besten Werte, obwohl beide immer wieder mit schlechtem Stellungsspiel oder langsamen Reaktionen (Wrenn) einem den Schweiß auf die Stirn treiben. Da Wrenn auch offensiv nichts zu bieten hat, dürfte es für ihn ein ganz harter Kampf um einen Anschlussvertrag (egal, wo) werden. Lässt sich beim 1:1 hinterlaufen und eröffnet somit die 2 auf 1 Situation.
Armin Wurm mittlerweile wieder der gewohnt solide Abräumer - zu Recht mit dem längsten gültigen Vertrag ausgestattet. Dehner ebenso verbessert, momentan wieder unauffälliger - was defensiv nicht unbedingt schlecht ist.
Björn Krupp zeigt weiter aufsteigende Form und stimmt sich hoffentlich schon mal auf die veränderte Konkurrenzsituation in Mannheim ein. Wäre gut für uns. Ist wohl nur durch einen teuren Kontingentspieler zu ersetzen.


Sturm
Klarer Gewinner dieses Spieltags sind hier Karachun und Aubin, wobei Kara zu jedem Zeitpunkt herausstach. Beides Stürmer, die um ihre Zukunft bei den Grizzlys kämpfen und nun den nächsten Schritt (Kara) machen bzw. den Turn-around (Aubin) schaffen müssen. Das Spiel der Grizzlys litt bisher nicht nur unter zahlreichen Ausfällen, sondern auch unter dem fehlenden Anschluss von Aubin nach dem Weggang von Voakes. Sollte sich mit Latta eine funktionierende Reihe bilden, wäre das ein Riesenschritt fürs Team und vermutlich für beide die Eintrittskarte ins Team 19/20. Denn obwohl Aubin noch über ein Jahr Vertrag verfügt, dürften die Aussagen unseres Managers bezüglich möglicher Vertragsauflösungen im Groben ihm gegolten haben. Furchi könnte nächste Saison innerhalb seines Vertrags dann wohl eher auf einen Posten in der Organisation wechseln - wie wäre es als inoffizieller Co-Trainer und Fitnesscoach ;-)
Seine Reihe mit Cassels und Pohl gestern mit Abstand die schwächste, was nicht nur an der mangelnden Einbindung von Pohl lag.
Cassels zeigt weiterhin gute Ansätze, muss aber an seinen Laufwegen arbeiten - defensiv noch immer ein Manko. Könnte aber zur neuen Saison ein weiteres Jahr zur Eingewöhnung bekommen.
Jaspers harmoniert weiterhin gut mit Sparre, der mit überragendem Einsatz und schier wahnsinniger Laufleistung ein klarer Halte-Kandidat ist. Jaspers kann ihm da leider nicht mal ansatzweise folgen, so dass es nun auf Möchel oder einen anderen Nebenmann ankommt, der ähnlich hohes Tempo gehen kann und als Anspielstation dient.
Welsh macht bisher einen sehr guten Eindruck, bringt viel Power mit und versprüht damit den so dringend benötigten Optimismus. Könnte ebenfalls ein Kandidat für die nächste Saison werden.
Insgesamt wäre eine Fortsetzung der an diesem Abend gesehenen Entwicklungen ein wirklich schönes Weihnachtsgeschenk. mb