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EHC - Red Bull München 0:4

Zu wenig Dampf im Kessel

Nach dem desaströsen Auftritt in Bremerhaven wollten die Grizzlys vor eigenem Publikum Wiedergutmachung betreiben. Das sollte leider kaum gelingen, denn der Gast aus München präsentierte sich vom Anpfiff weg als hochkonzentrierter und leider auch konditionell wesentlich frischerer Gegner.
So verbrachten die Grizzlys fast die gesamten ersten 20 Spielminuten mit verbissener Abwehrarbeit gegen die schier endlos auf sie einstürmenden Angriffswellen des Meisters.
Die wenigen offensiven Entlastungsaktionen der Gastgeber verpufften allesamt gefahr- und meist auch wirkungslos. München indes zog seinen Belagerungsring um Wolfsburgs Gehäuse immer wieder enger und enger - nur ein Tor wollte den Gästen gegen den teils überragend agierenden Jerry Kuhn im Gehäuse der Grizzlys nicht gelingen.
Dass Anzahl und Intensität der Wolfsburger Angriffe gegen Ende des Drittels zunahmen, sollte zunächst auch ein Fingerzeig für den Mittelabschnitt sein. Bei eigener Überzahl (ab 19.) ließen die Hausherren dieses erste Drittel mit einigen Halb-Chancen ausklingen, fingen sich dabei aber fast den schon obligatorischen Shorthander gegen Münchens Spitzen-Penalty-Killing. Doch auch hier behielt Kuhn gegen seinen ehemaligen Teamkameraden Voakes die Oberhand.
Das Mitteldrittel sollte mit der ersten und leider einzigen Druckphase der Grizzlys beginnen. Als Münchens Bodnarchuk in der 23.Minute gleich zum zweiten Mal der Strafbank einen Besuch abstattete, zogen die Hausherren endlich ihr eigenes Angriffsspiel etwas überzeugender auf. Doch sowohl Aubin als auch Sparre und Cassels konnten die sich nun bietenden Chancen nicht nutzen - Wolfsburgs nun erhöhte Zweikampfintensität sollte sich nicht auszahlen.
Im Gegenteil: Gleich der erste wirklich flüssig vorgetragene Angriff der Gäste führte zum 0:1 durch Abeltshauser, der völlig freistehend eine Ablage in den hohen Slot verwerten konnte (28.). Mit Sebastian Furchner befand sich sein direkter Gegenspieler leider noch auf der Suche nach seinem Stock. Der Wolfsburger Kapitän kam letztlich zu spät, um den Abwehrhünen der Bullen am Torschuss zu hindern.
Hatte der erste Treffer der Gäste noch ein wenig mit Glück zu tun, so glänzte München bei Ehliz' 0:2 in der 34.Minute und auch vier Minuten später bei Eders 0:3 mit enormer Pass-Sicherheit und viel Durchsetzungsvermögen. Ehliz hatte nach einer sehenswerten Kombination völlig freistehend einnetzen können, Tobias Eder verwertete - schwer bedrängt - ein Anspiel seines Bruders unhaltbar aus dem Gewühl.
Das Spiel fühlte sich entschieden an...und war es auch.
Wolfsburg fand in den folgenden zwanzig Minuten zu keinem Zeitpunkt einen Weg zurück in diese Partie. Die immer müder und langsamer agierenden Grizzlys hielten zwar mit allem, was sie noch zu bieten hatten, dagegen, aber München leistete sich keine Ruhepause und hielt die Gastgeber immer weiter auf Trab.
Das 0:4 durch Yannik Seidenberg (43.) entschied die Begegnung dann auch vorzeitig auf dem Scoreboard, so dass der Rest des Spiels aus Wolfsburger Sicht eher in die Kategorie "Schadensbegrenzung" fiel.
Mit viel harter Arbeit und auch etwas Glück retteten die Hausherren dieses ohnehin schon deprimierende Ergebnis ins Ziel. Eine kurze Drangphase zum Ende der Begegnung sollte den rund 3800 Zuschauern leider auch keinen Ehrentreffer, und damit die Gelegenheit wenigstens einmal noch im alten Jahr zu jubeln, schenken.
Ernüchternd, wie schon das gesamte Wolfsburger Eishockeyjahr 2018, endete diese Partie mit einer völlig verdienten 0:4 Niederlage.

Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn in absoluter Gala-Form verhindert ein ähnliches Debakel wie an der Küste.
Unser Trainer scheint momentan ein gutes Gespür für den richtigen Mann zum richtigen Zeitpunkt zu haben, überzeugte doch auch David Leggio bei seinen letzten Einsätzen. (Selbst, wenn Kuhn vorher gut gehalten hatte...)

Verteidigung
Wie Wrenn und Bergman es schaffen, gemeinsam eine so gute +/- Bilanz auf die Beine zu stellen - es bleibt weiter ein Rätsel. Fehlpässe und mangelndes Durchsetzungsvermögen zeichnen das Spiel der beiden Neuzugänge. Kaum ein Spiel, in dem man sich nicht über dieses Duo ärgern muss. Bergman bleibt dank guten Offensivaktionen und deutschem Pass das kleinere, eventuell auch in der kommenden Saison zu verantwortende Übel.
Wurm steckt im ohnehin aus dem letzten Loch pfeifenden Team offenbar am deutlichsten in der Konditionskrise. Nach Puckannahme benötigt der sonst so zuverlässige Defender mittlerweile viel zu lange, um eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. Wie wir "Wurmi" kennen, wächst sich das aber bald wieder aus.
Der Rest agierte eigentlich recht souverän (Raabe ohne Einsatzzeit), litt aber sichtbar unter der mangelnden Unterstützung seiner Vorderleute.

Sturm
Wenn man in dieser Liga nicht topfit und hochmotiviert an den Start geht, dann kann das so wie die letzten beiden Spiele ausgehen. Die Motivation bzw. der Einsatzwille schienen jeweils in Ordnung zu sein, die Fitness hingegen...
Gerade, weil das Team kaum Möglichkeiten hatte sich in bleibenden Konstellationen einzuspielen, muss in dieser Saison vieles über Willen und Fitness gepaart mit einer möglichst einfachen Spielweise gelöst werden. Wenn keine 100 Prozent möglich sind, werden die meisten Begegnungen relativ schnell zu sehr deprimierenden Veranstaltungen.
Neben Jeremy Welsh machte im Angriff eigentlich kein einziger Akteur auf mich den Eindruck, dass er die nötige Intensität und Schnelligkeit aufs Eis bringen könnte. Der Rattenschwanz an Konsequenzen unserer Verletzungssorgen wird uns wohl bis zum (vorzeitigen) Saisonende begleiten. Schade. mb