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EHC - Krefeld Pinguine 4:5 n.V.

Krampf und Kampf

Die Grizzlys treten weiter auf der Stelle - und das hat mittlerweile langfristige Konsequenzen.
Nach der nun dritten Niederlage gegen den direkten Konkurrenten um Platz 10 dürfte der Play-offs Zug nun ohne die Wolfsburger abgefahren sein. Den Rest der Saison geht es für den Kader der Niedersachsen wohl eher um Empfehlungen für eine Zukunft im bezahlten Eishockey, denn um sportliche Erfolge.
So wirkte das erste Drittel gegen den Gast aus Krefeld zunächst zwar ausgeglichen, aber das mäßige Zusammenspiel und der fehlende Spielfluss auf Seiten der Grizzlys zieht sich weiter wie ein roter Faden durch diese Saison.
Während auf Seiten der Gastgeber zunächst mit Sparre, Welsh und Karachun die üblichen Verdächtigen für überschaubare offensive Akzente sorgten, gaben sich die Pinguine wesentlich zielstrebiger und klarer in ihren Spielzügen.
Ironischerweise fiel Krefeld Führung dann eher durch einen dummen Zufall: Nachdem Wolfsburgs Bergman den Puck vorm eigenen Tor ins Gesicht bekommen hatte, sammelte Berglund das Spielgerät ein und spielte es einfach mal vor das Wolfsburger Gehäuse (11.). Von Cassels Schlittschuh ging der Puck unhaltbar hinter Leggio in die Maschen und stellte somit die glückliche, aber nicht unverdiente Führung der Gäste her.
Wolfsburg reagierte mit viel Kampf und Einsatzwillen, aber zunächst ohne die zündenden Offensivideen, blieb vorm Tor der Gäste einfach zu harmlos.
Als zum Auftakt des Mittelabschnitts dann prompt das 0:2 fiel, schien die Partie den Gang der letzten drei Spiele (und so vieler zuvor) zu nehmen.
Doch die Grizzlys hatten für ihre Fans noch eine Überraschung parat: Wie aus dem Nichts übernahmen nach dem zweiten Krefelder Tor die Hausherren komplett das Kommando auf dem Eis und entwickelten den seit einigen Zeit so schmerzlich vermissten Druck auf das Gehäuse des Gegners. Plötzlich war im Spiel der Gastgeber so etwas wie Forechecking zu beobachten - die Gäste aus Krefeld schienen ebenso überrascht wie der heimische Anhang und gerieten umgehend ins Schwimmen.
Satte 3 Tore markierten die Grizzlys in den folgenden drei Minuten und spielten dabei sich selbst und ihre Fans geradezu in einen Rausch.
Machacek (22.), Furchner (23.) und Wrenn (25.) nutzten die Konfusion im Gästeteam, um die Partie im Handstreich zu drehen. Alle drei Treffer wurden letztlich durch konsequenten Druck auf die gegnerische Abwehr und energisches Nachsetzen in Richtung Tor ermöglicht - die Grizzlys schienen auf einmal wieder im Modus der Heimspiele gegen Straubing und Augsburg.
Für einige Minuten durften sich die Fans des Wolfsburger DEL-Ligisten noch dieser Illusion hingeben, dann folgten die bereits obligatorische überflüssige Strafe und das Powerplay-Tor der Gäste (31.) durch Bruggisser.
Schon hatten die Pinguine wieder das Sagen und profitierten, nicht zuletzt auch wegen zwei saudummer Strafen durch Brent Aubin, vom neuen Schwung bis weit ins letzte Drittel hinein.
Und doch kamen die Gastgeber noch einmal zurück auf die Siegerstraße! Erneut Furchner hatte ein scharfes Anspiel in den Slot über Pätzold gelupft (49.) und somit die etwas schmeichelhafte 4:3 Führung der Grizzlys ermöglicht.
Aber wie so oft in dieser Spielzeit fanden die Männer in orange noch einen Weg zu verlieren.
Sowohl in der 58.Minute als auch in der folgenden Overtime (61.) ließen die Hausherren die nötige taktische Disziplin und vor allem auch Handlungsschnelligkeit vermissen und kassierten tatsächlich noch zwei Gegentreffer zur 4:5 Niederlage nach Verlängerung.
Erneut Berglund und zu guter Letzt Pietta waren die Torschützen, die das Krefelder Glück perfekt machten.
Es bleibt also eine frustrierende Saison, die nun reichlich trostlos ihrem frühen Ende entgegen strebt.

Teamcheck

Tor
Leggio mit solidem Auftritt. Beide Distanzschüsse kann, muss man aber nicht halten.
Weiterhin keine Probleme auf dieser Position.

Verteidigung
Krupp und Dehner beim 4:4 atemberaubend schwer von Kapee. Berglund ist längst über alle Berge, als die beiden endlich den Puckverlust der Grizzlys als Anlass zur Umkehr nehmen.
Insgesamt solide, aber unter Druck und im Aufbauspiel weiter sehr ausbaufähig, was die Wolfsburger Verteidiger zeigen. Stillstand. Leider.

Sturm
Aktivposten Sparre weiter im Produktionsloch, ansonsten neben Welsh (diesmal beim 4. und 5. Gegentreffer defensiv extrem schwach) und Karachun der einzige, der Spiel für Spiel Dauerpower liefert. Diese Energie hatte dieses Mal auch Kapitän Furchner am Start, der mit 2 Toren und 3 Punkten "Man of the match" auf Seiten der Grizzlys war. Dass es nicht zum Sieg reichte, lag vor allem an der insgesamt zu langsamen und einfallslos wirkenden Spielweise aller Sturmreihen, die lediglich im Mitteldrittel einmal für ein paar Minuten den Turbo zündeten. Auch die Idee unseres Trainers bei 3 gegen 3 Furchi aufs Eis zu schicken, erschließt sich mir nicht. Seine Geschwindigkeit und Zweikampfhärte sind einfach nicht mehr auf dem nötigen Niveau!
Mit Jaspers (lahm), Aubin (dämliche Fouls), Pohl (Kringeldreher) und Busch (noch kein DEL-Niveau) hatte zudem jede Reihe ein mehr oder weniger kleines Manko durch zu schleppen, was natürlich letztlich der fulminanten Verletzungssituation geschuldet ist.
Mit Elkins, Albert, Foucault, Fauser, Weiß, Höhenleitner, Ohmann und Valentin fehlen den Grizzlys nicht nur fast drei komplette Angriffsreihen, sondern trotz Ersatz weiter reichlich Qualität. Vielleicht können nach der Rückkehr des einen oder anderen noch einmal in paar schöne Spiele abgeliefert werden. Der Glaube daran fehlt mir allerdings mittlerweile. mb