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Spielberichte 19/20

EHC - Schwenninger Wild Wings 5:3

  • Geschrieben von Martin
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Heimsieg mit Hindernissen

Nachdem die Vorbereitungsphase der Grizzlys schon ersten Appetit auf die neue Saison zu wecken wusste, hatten die Eisbären sich zum Auftakt als eher unverdaulicher Happen präsentiert. Die absolut verdiente 4:1 Niederlage in Berlin lag den Gastgebern dann auch zum Heimspieldebüt noch klar erkennbar quer im Magen. Die Schwäne hingegen präsentierten sich nach dem 4:10 Schlachtfest gegen Ingolstadt zunächst als das aggressiver auftretende Team und wollten sich und ihren Fans offenbar unmittelbar Wiedergutmachung anbieten. Schon nach 35 Sekunden sollte Schwenningens Top-Neuzugang Jamie MacQueen das erste Mal jubeln dürfen und den druckvollen Start mit dem 0:1 belohnen können. Die erste Unachtsamkeit der Hausherren, ironischerweise durch deren Top-Neuzugang Olimb, war sofort bestraft worden. Die rund 3150 Zuschauer trauten ihren Augen nicht: Der Underdog aus dem Schwarzwald machte ordentlich Druck auf die nun deutlich verunsichert und reichlich konfus agierenden Grizzlys, die einige Minuten benötigten, um halbwegs in die Partie zu finden. Dass die Gäste sich relativ zeitnah gleich zweimal durch dumme Fouls (6.+7.) selber schwächten, rettete Wolfsburg quasi vor weiterem Kontrollverlust - auch wenn das Team von Pat Cortina mit dem Mann bzw. 2 Männern mehr irgendwie nicht viel anzufangen wusste.
Trotzdem reichte diese Verschnaufpause, um endlich so etwas wie Zugriff auf die Partie zu bekommen, was wenig später durch Garrett Festerling zum Ausgleich genutzt werden konnte. Sein trockener Handgelenksschuss in den Winkel (9.) brachte das so dringend benötigte Signal für Mannschaft und Fans, um jetzt endlich richtig in die Saison zu starten.
Die Unsicherheit wich nun von Minute zu Minute aus dem Spiel der Grizzlys und siehe da: Bei der nächsten Strafe gegen die Schwäne sollte auch der numerische Vorteil endlich gewinnbringend ausgenutzt werden. Brent Aubin ließ von seiner Stammposition aus (linke Halbdistanz) noch schnell den Gegenspieler ins leere laufen und zirkelte das Spielgerät verdeckt in den Winkel (17.). Der allseits beliebte und so unglaublich ausgelassene Aubin-Jubel folgte auf dem Fuß und die ganze Halle jubelte mit!
Um es vorweg zu nehmen - es blieb ein hartes Stück Arbeit für das Team von der Aller, um die Punkte an selbiger zu behalten. Zwar wirkte Wolfsburg auch im Mitteldrittel weit entfernt von der Anfangsnervosität der Begegnung, konnte aber wie schon in Berlin nicht unbedingt durch flüssige Spielzüge und überdurchschnittliches Verständnis in den Reihen glänzen. So gehörte der Mittelabschnitt zwar eindeutig den Hausherren, doch die wenigen Hochkaräter vergaben die Grizzlys fast ausnahmslos. Nur einmal sollte bis zur zweiten Sirene der gut aufgelegte Strahlmeier im Gästetor das Nachsehen haben. Rechs Schuss (31.) erwischte den Schwenninger Schlussmann unglücklich an der Innenseite des Schoners - der Puck landete flach zum 3:2 im Netz der Gäste. Es war die schnelle Antwort auf den etwas glücklichen Ausgleich der Gäste nur eine Minute zuvor durch Marcel Kurth.
Der hatte einen von Bergman mutig mit dem Körper geblockten Schuss nur noch in die Maschen lupfen müssen und somit das zweite Powerplay der Gäste gleich erfolgreich gestalten können.
Zum Auftakt des Schlussabschnitts waren es dann zur Abwechslung einmal die Schwäne, die eine kalte Dusche zu verarbeiten hatten. Schon nach 53 Sekunden fing Rech einen katastrophal schlechten Aufbaupass der Gäste in deren Drittel ab und überließ den Puck sofort dem heranstürmenden Kollegen Johansson. Völlig humorlos versenkte dieser das Spielgerät aus Nahdistanz und ließ die Kulisse vom ersten Heimsieg träumen.
Doch spätestens in der 50.Minute wurde Wolfsburg aus diesem Traum geweckt - erneut MacQueen, diesmal per Abstauber, markierte den dritten Treffer der Gäste zum 4:3 Anschluss. Zwei Minuten später ging es für Wolfsburgs Bergman auf die Strafbank und prompt brannte noch einmal richtig die Luft im Drittel der Grizzly. Als dann auch noch Fausers Stock das Zeitliche segnete, sahen sich die Gäste praktisch nur 3,5 Gegenspielern gegenüber - nur ein bestens aufgelegter Chet Pickard konnte letztlich Schlimmeres verhindern.
Bis zur 56. Minute mussten die Fans der Grizzlys trotz überstandener Unterzahl noch zittern, ehe Brent Aubin mit seinem zweiten Tor des Abends die drei Punkte endlich in greifbare Nähe brachte. Langer Pass von Bergman direkt in den Slot, kleine Drehung von Wolfsburgs Torjäger und der Spaß nahm seinen Lauf.
Gleich dreimal nahm der Gast aus dem Schwarzwald in den folgenden Minuten seinen Goalie für einen sechsten Feldspieler vom Eis - es sollte alles nichts mehr nützen.
Der erste Heimsieg und die erste Raupe des Jahres (noch sehr holprig, aber ausgesprochen gut gelaunt) waren gebucht.
Die Siegesraupe der Grizzlys könnte dabei auch gut als Sinnbild für den aktuellen Entwicklungsstand des Teams herhalten: Die Stimmung und die Einstellung im Team wissen bisher durchaus zu überzeugen, die Koordination innerhalb der Reihen allerdings nur zum Teil und wenn, dann nur phasenweise. Für die kommenden Aufgaben gegen Nürnberg und Ingolstadt muss hier eine deutliche Steigerung her, sonst könnten ganz schnell Erinnerungen an die letzte Saison aufkommen.
Apropos letzte Saison: Mit Marius Möchel hatten die Grizzlys leider auch den ersten Verletzten zu vermelden. Der Wolfsburger Stürmer war bereits im Auftaktdrittel mit einer Beinverletzung ausgeschieden und wurde durch Maxi Adam - eigentlich siebter Verteidiger - ersetzt.

Teamcheck

Tor
Pickard, wie schon in der gesamten Vorbereitung, ein sicherer Rückhalt. Hielt vor allem in der kritischen Phase des letzten Drittels mit guten Reflexen und toller Beinarbeit den Sieg fest. Extrem unerschrocken auch mit der Maske als Puckstopper!
Gegen die zwei nächsten Gegner vermutlich weiter gesetzt. Felix' Rückkehr rückt trotzdem immer näher. Mal schauen, wann der Trainer ihn mal vorne sieht.

Verteidigung
Nach der Umstellung der Paare am Ende der Vorbereitung macht das Ganze einen solideren Eindruck. Wirklich zufrieden bin ich mit dem Stellungsspiel aber immer noch nicht. Fast alle Akteure leisteten sich in einer der beiden ersten Begegnungen gröbere Schnitzer. Ich möchte das aber nicht zu hoch hängen und werde erst im kommenden Spielbericht gegen Ingolstadt erste Einzelkritiken vornehmen. Maxi Adam half, gar nicht mal so unauffällig, im Sturm aus.

Sturm
Die Reihe um Olimb scheint immer besser zueinander zu finden, Rech und Aubin harmonieren gewinnbringend. Der Gegner war allerdings gerade defensiv nicht wirklich ernst zu nehmen. Das muss man leider in dieser Härte einmal festhalten. Auch die Reihe um Festerling macht mit Sislo und Fauser schon richtig Spaß, wirkt aber immer mal wieder noch etwas holperig. Dank hoher individueller Durchsetzungskraft fällt das nicht immer so auf, wie gegen die Eisbären. Johansson, Machacek und Furchner macht, nach meinem Empfinden, bisher nicht "Klick". Die 4. Reihe lieferte sowohl mit Möchel als auch mit Adam erstaunlich klare, wenn auch einfache Aktionen. Fand ich richtig gut. Vermutlich wird nun auch für Latta endlich die Saison losgehen, der den verletzten Möchel vertreten sollte - falls es da keine Überraschung bzgl. Eric Valentin geben sollte.
Insgesamt kann man nur die Daumen drücken, dass die Jungs unter Wettkampfdruck nun schnell zusammenfinden. Der Auftritt in Berlin und auch diese Leistung gegen wirklich schwache Schwenninger hinterlassen bei mir jedenfalls eine gesunde Portion Skepsis diesbezüglich. mb