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Spielberichte 19/20

EHC - T. Sabo Ice Tigers 2:4

  • Geschrieben von Martin
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Wo ist die Gier hin?

Es bleibt dabei: Die Grizzlys haben nach ihrer starken Phase mit acht Siegen aus neun Spielen komplett den Faden verloren. Mit vier fast vollständig neu zusammengewürfelten Reihen versuchte der EHC gegen Nürnberg nun zumindest das Heimrecht in den Pre-Playoffs zu retten - vergeblich!
Vor der mit rund 3550 Zuschauern erfreulich gut gefüllten Arena gelang den Gastgebern am Ende wieder kein Erfolgserlebnis, nachdem schon die drei vorhergehenden Spiele nur einen weiteren Punkt auf das Konto der Grizzlys gespült hatten. Anders als zuletzt gegen Berlin ließen die Hausherren gegen den Pre-Playoff Gegner in spe viel zu oft die letzte Konsequenz in ihren Aktionen vermissen. Die offensive Harmlosigkeit hingegen zieht sich weiter wie ein roter Faden durch die letzten Spiele der Hauptrunde.
Nach einigermaßen engagiertem Auftakt der Grizzlys zeigten sich die Gäste als das Team mit der klareren Spielanlage und gingen durch Bucks Treffer relativ spät (17.) in Führung. Der Nürnberger Stürmer hatte aus der Halbdistanz durch Brückmanns Schoner vollstrecken können und somit die Führung der Ice Tigers sichergestellt. Die Grizzlys hingegen verzettelten sich viel zu oft im Aufbauspiel und blieben bis auf wenige Momente (größte Chance durch Machacek) einigermaßen harmlos vor dem Gehäuse von Niklas Treutle. Etwas glücklich, aber nicht unverdient ging es mit der Gästeführung in die erste Pause.
Der Mittelabschnitt schickte die Fans der Grizzlys zunächst durch ein Wechselbad der Gefühle, bevor das Spielgeschehen wieder in die bekannt übersichtlichen Offensivaktionen beider Teams überging. Zunächst stand erst einmal Ärger auf dem Programm der Wolfsburger Anhänger: Alex Johansson beglückte die Seinen mal wieder mit einer seiner berüchtigt überflüssigen Strafen und durfte für 2+2 Minuten auf die Strafbank. Der wie so oft übereifrig agierende Schwede hatte seinen Gegenspieler mit einem hohen Stock im Gesicht verletzt und durfte erst einmal zusehen. Den Grizzlyfans schwante Böses - doch es sollte eines der wenigen Highlights aus Wolfsburger Sicht folgen! Nachdem die erste Strafe bereits recht souverän verteidigt worden war, setzte das Wolfsburger Penalty Killing noch einen drauf. Castos Scheibeneroberung nutzten die Gastgeber prompt zum Konter über Machacek und Olimb, der den Goalie der Gäste mit einer schönen Bewegung aussteigen ließ (24.). Shorthander und Ausgleich für die Grizzlys! Diese Szene hätte der Wendepunkt und die Initialzündung für die Gastgeber werden können, wenn da nicht noch Reimers Tor zur erneuten Gästeführung gewesen wäre. Fünf Sekunden vor Ablauf der zweiten Strafe ließen die Grizzlys den Nürnberger Torjäger völlig unbedrängt zum Abschluss kommen, wobei Wolfsburgs Schlussmann - trotz freier Sicht - keinen allzu guten Eindruck hinterlassen konnte (26.).
Wolfsburg fing sich wenig später sogar erneut eine, dieses Mal umstrittene, Strafe wegen unkorrekter Ausrüstung ein - Olimb hatte den Helm im Zweikampf verloren und aus Sicht der Referees das Eis nicht schnell genug verlassen. Wieder gelang den Grizzlys fast der Shorthander, dieses Mal durch Johansson, der aber leider knapp verzog. Nachdem dann auch die Hausherren einmal ihr, leicht verbessertes, Powerplay vorgeführt hatten (ab 30.), brach das endgültige Unheil über die Grizzlys herein. Mit zwei schnellen Kontertoren durch Brown (38.) und Acton (40.) entschieden die Gäste die Partie reichlich früh zu ihren Gunsten. Besonders ärgerlich, aber auch ein wenig typisch für das fehlende Scheibenglück der Grizzlys an diesem Abend: Das 1:4 fiel direkt im Anschluss an eine Wolfsburger Doppelchance durch Bergman (Pfosten) und Lessio.
Der Bruch im ohnehin holprigen Spiel der Gastgeber war nun deutlich zu sehen und es dauerte fast bis zur Mitte des Schlussabschnitts, bevor die Grizzlys doch noch einmal so etwas wie ein Aufbäumen zeigten.
Begünstigt wurde diese Entwicklung allerdings in erster Linie durch Nachlässigkeiten der Gäste, die sich durch dumme Strafen (46./51./53.) immer wieder selber in die Bredouille brachten. So ermöglichten sie im Zuge einer doppelten Unterzahl doch noch den zweiten Treffer der Gastgeber (53.), die durch Machacek das Ergebnis etwas realistischer gestalten konnten. Denn bei aller Ernüchterung über das mäßige Auftreten der Grizzlys hatten die Ice Tigers auch nichts wirklich Überragendes auf das Eis gezaubert. Brauchten sie als Auswärtsteam aber auch nicht...


Teamcheck

Tor
Felix mit einer seiner schwächsten Vorstellungen der letzten Wochen. Natürlich unterlief der Wolfsburger Nr.1 kein wirklich als Fehler zu bezeichnendes Malheur, doch an besseren Tagen hätte die Katze mindestens eines, eher zwei der Nürnberger Tore verhindert. So lange die Formkurve ab Mittwoch wieder nach oben zeigt - kein Problem!

Verteidigung
Bergman und Jones vermutlich mit ihrem persönlichen Saisontiefpunkt. Bei allen drei Treffern bei 5 gegen 5 auf dem Eis und dank ungünstigem Stellungsspiel und teils zu schlaffer Zweikampfführung auch nicht schuldlos.
Bittner zumindest in der Nähe seiner Normalform, irgendwie aber auch nicht so gallig wie sonst, Casto zum Glück stark verbessert im Vergleich zu seiner Fehlpassorgie aus dem Berlinspiel. Wurm mit insgesamt gelungenem Comeback, braucht natürlich noch ein wenig bis zur vollen Wettkampfform. Jeff Likens, ganz Vorbild, legte als einer der wenigen im Team einen Auftritt mit Play-off Einstellung hin. Chapeau, alter Mann!

Sturm
Nach den zwei Auswärtspleiten hat unser Trainergenie die kompletten vier Reihen durcheinandergewürfelt - und genau so spielt das Team nun auch. Der Ausfall von Pfohl wiegt hier natürlich doppelt schwer, denn mit ihm wäre vermutlich zumindest eine eingespielte Reihe auf dem Eis gewesen. Von seinem Fehlen im Powerplay mal ganz zu schweigen. Alex Johansson mit gewohnt überdrehten Aktionen und dummem Foul. Ich will mich hier aber auch gar nicht auf einzelne Akteure einschießen, denn im Prinzip stinkt das ganze Angriffsspiel der Grizzlys und das über weite Strecken der Saison. Auf mich wirkten und wirken die Spieler streckenweise demotiviert von der nervigen Spielanlage, die von unserem Coaching-Staff propagiert wird. Das zögerliche Spiel aus der eigenen Zone leitet das Elend ein, die uneingespielt wirkenden Reihen stolpern den Puck in die gegnerische Zone, Puckverlust und Konter sind meist vorprogrammiert. Lucas Lessio lässt nach seiner Verletzung zwar immer noch hin und wieder seine läuferische und spielerische Klasse aufblitzen, hat sich aber weitestgehend dem Kacksystem angepasst und kommt wie der Rest des Teams irgendwie nicht mehr aus dem Quark. Da hatte man es zwischenzeitlich fast geschafft, vier Reihen ans Laufen zu bringen und dann schmeißt man nach zwei schlechten Spielen alle Zusammenstellungen über den Haufen. Kurz vor den Play-offs! Wie bekloppt ist das denn?
Wenn man sieht, welches Personal uns zur Verfügung steht, ist der Ertrag im Rückblick inakzeptabel. Na, ja - spätestens am Mittwoch bekommen wir dann wieder zwei Reihen zu sehen, die sich bereits eingespielt hatten. Das Trainerteam bleibt für mich die größte Schwachstelle in der gesamten Organisation der Grizzlys. mb