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Spielberichte 19/20

EHC - Red Bull München 3:5

  • Geschrieben von Martin
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Immer einmal mehr als du

Zum zweiten Mal geben die Grizzlys im Duell mit dem entthronten Abo-Meister ein mehr als vorzeigbares Bild ab. Dem hoch verdienten Punktgewinn gegen München stand am Ende nur das ungeschriebene Motto der Wolfsburger "Immer einmal mehr als du" im Weg. Gemeint sind leider individuelle Fehler und Leistungsschwankungen und nicht Tore...
Den Start in Sachen Aussetzer hatten dabei allerdings die Gäste hingelegt: Nachdem Wolfsburgs Likens einen seiner zahlreichen Aussetzer hinter dem Tor der Grizzlys nicht mit einem Gegentor bezahlen musste (eine echte Seltenheit gegen Red Bull), klärte selbiger den Puck auf Höhe der roten Linie (2.), um zum Wechsel zu fahren. Noch nicht einmal an der Bank angekommen, brandete auch schon der Jubel im weiten Rund auf! Danny aus den Birken hatte das Spielgerät offenbar zu spät gesehen und ungehindert neben sich einschlagen lassen. Dieser ideale Start in den Kampf mit dem Gegner vom anderen Ende der Tabelle sollte allerdings nicht lange den gewünschten Schwung ins Spiel der Grizzlys bringen. Zunächst schien das Geschehen auf dem Eis sich noch mit leichten Vorteilen für die Hausherren zu entwickeln, doch gleich zweimal brachte sich Wolfsburg mit unnötigen Strafen selber in Schwierigkeiten. Erst Parkes (9.), dann Hager (11.) nutzten die sich bietende Gelegenheit und brachten ihre Farben mit dieser kurzen Druckphase in Front. Besonders ärgerlich dabei das zweite Gegentor, das Felix Brückmann unterm Arm ins Gehäuse "durchflutschte". Wolfsburg fand kurzfristig zurück ins Spiel, kassierte dann aber die nächste, dieses Mal äußerst umstrittene Strafe (18.) gegen Maxi Adam.
Mit relativ überschaubarem Aufwand kontrollierten die Gäste fortan das Geschehen auf dem Eis, ließen bis weit in den Mittelabschnitt nur wenig Brauchbares vor ihrem Gehäuse zu. Lediglich Sebastian Furchner war es vorbehalten bei einer der wenigen gefährlichen Aktionen am starken (und nun wachen) aus den Birken zu scheitern.
Das 1:3 durch Daubner (33.) resultierte dann, wie zu Beginn schon zu beobachten, aus individuellen Unzulänglichkeiten eines Jeff Likens. Gegen Schütz misslingt die Klärung an der eigenen blauen Linie, den Abpraller kann letzterer hinter dem Tor wieder einsammeln und dem Torschützen schließlich mundgerecht servieren - unter Geleitschutz des Wolfsburger Abwehr-Routiniers wohlgemerkt.
Was die Grizzlys allerdings dann zeigten, war Kampfgeist vom Allerfeinsten!
Eine Strafe gegen Münchens Kastner brachte das Spiel, irgendwie kaum erklärbar, komplett zum kippen! Plötzlich stürmten fast nur noch die Grizzlys, erzielten zunächst das 2:3 durch Sebastian Furchner in Überzahl (sic), um bis zum Pausenpfiff das Gehäuse der Gäste mit Schüssen geradezu einzudecken.
Im letzten Spielabschnitt setzte sich diese Entwicklung zur allgemeinen Freude der über 2800 Zuschauer fort: Wolfsburg entwickelte immer mehr Druck auf das Gehäuse der Gäste zog in Person von Machacek und Johansson sogar endlich energisch vors Tor des Gegners und sollte durch letzteren den hoch verdienten Ausgleich (45.) markieren können. Johansson hatte genau solch ein Solo genutzt, um sich energisch vor aus den Birken zu schieben und den Puck durchzustecken. Dann Bann schien endgültig gebrochen, Wolfsburg hatte nun noch mehr vom Spiel und sollte sogar eine weitere Überzahl zugesprochen bekommen. Und da war es dann leider wieder, das ungeschriebene Motto der Gastgeber. Nach Torhüterfehlern stand es bis dahin ja lediglich 1:1 - das sollte sich ausgerechnet im eigenen Powerplay ändern! Nach einem zusätzlich abgefälschten Befreiungsschuss der Münchner Penalty-Killing Formation kann Bergman den halbhohen Puck an der Blauen nicht stoppen und geht ins Laufduell mit dem ausrückenden Ehliz. Brückmann denkt sich: "Ich bin schneller als die beiden!" und kommt ihnen entgegen - 3:4 durch Yasin Ehliz (53.).
Den Schock dieser fatalen Fehleinschätzung kaum abgehakt, starteten die Grizzlys die erneute Aufholjagd, nur um sich in der Schlussphase die nächsten Fehler zu leisten. Erst verhinderte eine dumme Strafe durch Johansson Anfang der 58.Minute (mal wieder) die Schlussoffensive der Gastgeber, dann wurde der Torhüter zur Unzeit (ganz was Neues) gezogen und das 3:5 folgte auf dem Fuß.
Unter dem absolut verdienten Applaus ihrer sichtlich geknickten Anhänger verließen nicht minder enttäuschte Grizzlys das heimische Eis. An Kampf und Willen hatten es die Männer von Pat Cortina indes nicht mangeln lassen, lediglich das Zusammenspiel - vor allem mit einem Mann mehr auf dem Eis - bleibt weiter ein Ärgernis, das aller Einsatz nicht immer zu verdecken weiß. Vor allem aber die Anzahl und das Ausnutzen der individuellen Fehler zeigten den Unterschied zwischen einer Spitzenmannschaft und dem aktuellen Team der Grizzlys.

Teamcheck

Tor
Felix wohl genau das eine Spiel zu viel am Stück im Tor. Dank gerade erst überstandener Grippe war Pickard wohl nur für den absoluten Notfall auf der Bank und wenn man ehrlich ist: Wer nimmt einen Goalie nach einem Shutout aus dem Kasten? Hans Kossmann, aber ansonsten wohl kaum jemand...
Kopf hoch, Felix! Nach der langen Abstinenz und den sehr guten Leistungen zuletzt fehlte so ein Tiefschlag eigentlich noch, um im ganz normalen Wahnsinn des Torhüterdaseins wieder anzukommen. Musste nicht unbedingt gegen München sein, aber kann man sich halt nicht aussuchen ;)

Verteidigung
Man hätte von einer durchweg guten Leistung der Wolfsburger Defensive sprechen können, wenn...ja, wenn da nicht Jeff Likens gewesen wäre. Neben Felix der Akteur, der mit seinen Aussetzern die Überraschung verhinderte. Da hilft der Glückstreffer zu Beginn herzlich wenig (schien eher einen Hallo-Wach-Effekt auf die Gäste zu haben), wenn man das dritte Gegentor praktisch im Alleingang verschuldet. Bergman auch nicht mit seiner besten Partie, aber immer noch im Rahmen gegen ein Spitzenteam wie München.
Leider verletzte sich der Armin Wurm im letzten Drittel an der Hand und konnte die Partie nicht zu Ende bringen. Hoffentlich nichts Ernsteres, damit er seine aufsteigende Form weiter ausbauen kann.

Sturm
Machacek und Johansson mit vorbildlichem Durchsetzungswillen und viel Zug zum Tor. Johanssons zweiter Saisontreffer fiel alles andere als unverdient, wenn auch angesichts seiner bisherigen Harmlosigkeit recht überraschend.Allerdings zum wiederholten Male mit der späten und absolut dämlichen Strafe, die die Aufholjagd verhindert, oder die Overtime "versüßt". Licht und Schatten - das Wolfsburger Problem der letzten 1,5 Jahre.
Furchi weiter im Aufwind - ganz wichtig fürs Team und die Balance im Team. Leider funktioniert bei uns nie das ganze Gebilde. Dieses Mal blieb die erste Reihe weitgehend ineffektiv, während ich mich weiterhin frage, warum Machacek und Festerling mit einem U23 Spieler in einer Reihe spielen, der bisher keinen einzigen Punkt verbuchen konnte. Dafür gibt es doch eigentlich die vierte Reihe - die wieder kaum Eiszeit bekommt. mb