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EHC - ERC Ingolstadt 2:0

Abwehr ist die beste Verteidigung

So, oder so ähnlich war die Marschroute der beiden Kontrahenten vor dem Spiel von ihren Trainern offenbar festgelegt worden. Sowohl die Gäste aus Ingolstadt, als auch die heimischen Grizzlys setzten von der ersten Sekunde an auf extrem diszipliniertes Stellungsspiel und gingen offensiv keinerlei größere Risiken ein. Die Szenen, in denen ein attackierendes Team eine Überzahl gegen die verteidigenden Spieler erschaffen konnte, waren am Ende des Spiels an zwei Händen abzählbar.
Doch gerade dieser Umstand machte die Partie vermutlich zum idealen Umfeld für das lange herbeigesehnte Comeback von Felix Brückmann im Tor der Grizzlys.
Zwar musste der Wolfsburger Goalie im Anfangsdrittel noch zweimal "alleine" seinen Kasten sauber halten, doch einmal reagierte die Katze stark gegen Olver (2.) und beim zweiten Versuch traf Ingolstadts D'Amigo nur die Latte (10.).
Ansonsten entwickelte sich ein verbissener Grabenkrieg, bei dem beide Teams sich nur Chancen aus der Distanz gewährten oder stets noch eine Kellenspitze oder einen Schlittschuh zwischen Schütze und Tor brachten. Komplett ohne Strafen arbeiteten Grizzlys und Panther das Drittel weg und lösten jede Spielsituation durch starkes Stellungsspiel und hohen läuferischen Einsatz. Ein Drittel, das bei den über 2500 Fans sicherlich viel Anerkennung für die bemerkenswerte Arbeitsmoral, aber nur wenig Begeisterung auszulösen vermochte.
Zu heftig und zu erfolgreich störten die Teams den Spielaufbau des Gegenüber, zu wenig schnelle Spielzüge und kalkuliertes Risiko fand sich im Offensivspiel der beiden Kontrahenten.
Das sollte sich bis zum Schlusspfiff nur für eine ganz kurze Phase ändern - und zwar nach dem späten Führungstreffer der Grizzlys. Zuvor mühten sich die Hausherren rund 30 Spielminuten Stück für Stück in Richtung Dominanz, ohne dabei wirklich hundertprozentig zwingend zu agieren. Wenn so etwas wie Gefahr für das Ingolstädter Tor aufkam, dann war meist Wolfsburgs Reihe um Mathis Olimb beteiligt, während die anderen Waffen in Wolfsburgs Arsenal weitgehend stumpf blieben. In Sachen defensive Verantwortung war bei Wolfsburgs vier Reihen allerdings keinerlei Unterschied auszumachen. Auch die 4.Reihe, die die langfristigen Ausfälle von Möchel und Höhenleitner zu verkraften hatte, machte mit Latta, Nijenhuis und Busch einen tadellosen Job und strahlte dabei sogar gelegentlich Torgefahr aus.
So gelang es den Gastgebern fast durchgängig die Kontrolle über das Geschehen auf dem Eis zu behalten, aber lange Zeit nicht den so dringend benötigten Führungstreffer zu erzielen. Selbst, als kurz vor der zweiten Pause (38.) mit Michael Collins der erste Spieler überhaupt den Gang in die Kühlbox antreten musste, entwickelte das Team von Pat Cortina keinerlei Durchschlagskraft im Drittel der Panther. Im Gegenteil: Zum Auftakt des ersten Powerplays fingen sich die Gastgeber gleich einmal einen Konter der Ingolstädter, bei dem der zurückgeeilte Aubin den tödlichen Querpass mit allerletztem Einsatz gerade noch stören konnte. Als Machacek dann doch einmal gefährlich abfälschen konnte, war Pielmeier im Kasten der Gäste prompt mit einer starken Reaktion zur Stelle.
Auch im Schlussabschnitt ging das zähe Ringen weiter, wobei eine weitere Strafe gegen Ingolstadt (45.) den gleichen Effekt für das Tor der Panther hatte wie die erste im Mittelabschnitt: Keinen.
Erst zur Mitte des Schlussabschnitts riskierten auch die Gäste wieder etwas mehr in Richtung Wolfsburger Gehäuse, ohne dabei allzu übermütig zu werden. Man hatte fast den Eindruck, als ob die Panther nur ihre Gegentorbilanz (Katastrophe) im Auge behielten und dass dabei das Eishockeyspielen irgendwie zu kurz kam.
Zur allgemeinen Freude sollte sich dies ab der 53.Minute ändern. Allerdings mussten die Hausherren ein wenig nachhelfen, damit die Gäste ihre Offensivinstinkte wiederbeleben konnten: Im Nachsetzen fand Toto Rech, eigentlich aus extrem ungünstigem Winkel, die kleine Lücke zwischen Torgestänge und Pielmeiers Schulter und versetzte somit die Anhänger auf den Rängen und fast noch mehr seine Reihenkollegen von der French-Connection in schiere Ekstase. Neben der Freude ihres Teams über das späte 1:0 bekamen die Zuschauer nun auch endlich ein Spiel mit mehr Offensivpower zu sehen, da die Gäste ihre abwartende Haltung aufgeben und mit letzter Konsequenz auf den Ausgleich drängen mussten.
Da mit Kris Foucault umgehend (54.) ein Ex-Grizzly die Strafbank aufsuchte, verkürzte sich die (Rest-)Drangphase der Gäste auf rund sechs Minuten. Diese sechs Minuten hatten es allerdings in sich: Wolfsburg musste nun wirklich alles in die Waagschale werfen, stören, Schüsse blocken und immer weiter laufen, laufen, laufen, um die Anzahl der Ingolstädter Torchancen erträglich zu halten. Doch Rückkehrer Brückmann schnappte sich alles, was seine Vorderleute nicht irgendwie blocken konnten und sicherte nicht nur drei Punkte, sondern obendrein seinen ersten Shut-out der Saison - im ersten Pflichtspielauftritt seit 18 Monaten!
Dass Armin Wurm dem Puck mit der Schluss-Sirene einen weiteren Besuch im Netz der Panther spendierte, machte den Spaß dann endgültig perfekt. Ausgelassen feierten die Grizzlys auf den Rängen, während die auf dem Eis sich ihren Goalie schon während des Fernseh-Interviews schnappten und nach tüchtig hochleben ließen.
Mit einem extrem breiten Grinsen ausgestattet führte Wolfsburgs Torhüter dann die Feierlichkeiten auf dem Eis an und genoss seine endgültige Rückkehr in vollen Zügen.


Teamcheck

Tor
Felix mit einem perfekten Comeback. Seine Vorderleute ließen, und das ehrt sie natürlich sehr, kaum Schüsse aus aussichtsreicher Position zu. Die wenigen brandgefährlichen Momente meisterte der Wolfsburger Schlussmann aber, als ob er nie weg gewesen wäre. Beinarbeit und Stellungsspiel waren auf jeden Fall vorzüglich.
Nach den überzeugenden Leistungen seines Kollegen Chet Pickard, darf man so langsam von einer sorgenfreien Saison auf der Torhüter-Position träumen.
Obendrein könnte es ein spannendes Duell um Spielzeit zwischen den beiden werden!

Verteidigung
Die späten Umstellungen der Vorbereitung scheinen nun endgültig zu greifen. Das Paar Button/Likens agiert immer souveräner und leitet viele offensive Aktionen ein bzw. Button spielt gerne mal Stürmer, während ihn die anderen (erfolgreich) absichern.
Bittner/Wurm funktioniert ebenfalls gut, wobei Wurm bisher nicht gravierend durch Geschwindigkeitsprobleme aufgefallen ist. Jones, der gemessen an seiner zugedachten Rolle bisher den ausbaufähigsten Eindruck bei mir hinterließ, steigert sich allmählich und Bergman ist in einer so konzentriert auftretenden Mannschaft wie in Nürnberg oder jetzt gegen Ingolstadt der Mann für die speziellen Momente. Offensiv eine absolute Waffe, "verwöhnte" uns Wade an diesem Abend lediglich mit einem Flüchtigkeitsfehler im Aufbau - leider als letzter Mann gegen drei anstürmende Gegenspieler. Dafür gegen Schwenningen und Nürnberg mit zwei absoluten Zuckerpässen vors gegnerische Gehäuse inkl. Torerfolg.

Sturm
Eine undankbare Partie für alle Stürmer (in beiden Teams), die vor allem an ihrer Produktivität gemessen werden. Im Prinzip eine Begegnung in der nur Zwei-Wege-Stürmer oder 4.Reihen glänzen können. Und genau so war es dann auch: Vor allem die vierte Reihe hinterließ mit Nijenhuis, Busch und Latta einen erfreulich stabilen Eindruck, auch wenn am Ende nur um die acht Minuten Eiszeit zu Buche schlugen.
Die mit äußerst viel Eiszeit bedachte Formation um Center Garrett Festerling kam derweil nie richtig in Schwung, vor allem, weil Mike Sislo irgendwie einen gebrauchten Tag erwischte und in vielen Situationen nur die zweit- oder drittbeste Entscheidung traf. Ansonsten scheint die Reihe aber durchaus Potential zu haben, das sich noch nicht ganz entfalten kann.
Reihe Nr.3 um Johansson bleibt weiter eine körperbetonte Reihe ohne den ganz großen Impact vor des Gegners Tor. Gefahr geht, wenn überhaupt, meist von Machacek oder Johansson aus, auch wenn Furchi mit Abstand am häufigsten aufs gegnerische Tor schießt.
Vielleicht probiert der Trainer demnächst einen einzelnen Tausch zwischen Reihe 2 und 3.
Mit den Ausfällen von Möchel und Höhenleitner fallen da leider schon zwei wichtige Optionen weg...
Die erste Reihe mit Olimb, Rech und Aubin ist bisher ein echter Faktor! Olimb, von mir in der Vorbereitung und den ersten beiden Partien noch als zu langsam und verspielt wahrgenommen, findet immer mehr in den Rhythmus der DEL und seiner Reihe. Die beiden französischen Torjäger an seiner Seite machen eine gut funktionierende Topreihe perfekt und wechseln sich beim Erzielen der Tore bisher vorbildlich ab.
Insgesamt passt das Backchecking und das Positionsspiel immer besser, so dass man die Gegentore von Spiel zu Spiel immer weiter reduzieren konnte (4-3-2-0).
Insgesamt kann man den Auftakt in diese Saison wohl als gelungen betrachten! mb