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EHC - Augsburger Panther 2:3

Eine Tausend hat drei Nullen

Anlässlich der Feierlichkeiten zu Sebastian Furchners DEL-Spiel Nr.1000, dieses Mal vor heimischer Kulisse, hatten seine Mannschaftskameraden wohl etwas falsch verstanden.
Während der Kapitän der Grizzlys auch an diesem Nachmittag eindeutig die Nr.1 war, hängten seine Kollegen die zweite Null hinten dran, was für den kommenden Mittwoch ebenfalls nichts Gutes ahnen lässt.
Die Wolfsburger Fans hingegen lieferten in Form einer arenafüllenden Choreographie das eindeutig gelungenere Geschenk. Auf zahlreichen Blockfahnen richteten u.a. aktuelle oder ehemalige Kollegen ihre Glückwünsche aus, prangte die Zahl 17 oder wurde die 1000 dargestellt. Dazu präsentierte der Familienblock das Riesentrikot, so dass alle vier Seiten der Halle Teil der Ehrung wurden. Sichtlich gerührt nahm der Jubilar die Glückwünsche und Geschenke der Aufsichtsratsmitglieder auf dem Eis entgegen, bevor es dann zum Sportlichen ging.
Da erwischten die Gäste aus Augsburg den besseren Start und verpassten den Grizzlys nach nicht einmal vier Minuten die vielzitierte kalte Dusche.
Schmölz hatte einen Schuss von Scott Valentine unhaltbar unter den Giebel abgefälscht. Chet Pickard, der erneut den Vorzug vor Felix Brückmann bekam, war ohne Chance.
Doch Wolfsburg blieb die dringend benötigte Antwort nicht lange schuldig: Festerling tat es seinem Gegenüber gleich und fälschte wenig später (5.) einen Schuss von Furchner ebenfalls unter die Latte des Gehäuses ab. Die Partie wieder auf Null gestellt kamen nun auch die Grizzlys im Spiel an und es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch. Das nötige Glück hatten indes nur die Panther, als Armin Wurm der Puck über die Kelle hüpfte (14.) und doch noch beim Adressaten dieses eher schlechten Passes ankam. Stieler fuhr nun unbedrängt in zentrale Postion und besorgte fast schon entspannt das 1:2 für die Gäste.
Eine folgende Überzahl für Wolfsburg überstanden die Grizzlys ohne Gegentreffer (sic), was nach einem katastrophalen Fehler an der blauen Linie nur dem Wolfsburger Schlussmann zu verdanken war. Leicht genervt ging es für alle in orange in die erste Pause.
Die Gastgeber starteten mit deutlich erkennbarem Willen es besser zu machen in den Mittelabschnitt, hatten nun sogar eine leichte Überlegenheit zu verzeichnen. Doch die Genauigkeit in den Aktionen der Grizzlys ließ weiter zu wünschen übrig, besonders das Zusammenspiel blieb häufig von Pässen in die Kufen der Mitspieler geprägt.
In der 28.Spielminute sorgte Wolfsburg dann schließlich selber für die Vorentscheidung zu seinen Ungunsten: Innerhalb von 16 Sekunden landeten drei Wolfsburger Spieler auf der Strafbank, wobei Jeff Likens als Dritter im Bunde gleich zum Duschen weiterfahren durfte. Nach einem brutalen Check von hinten, der Gegenspieler Payerl krachend mit dem Gesicht in der Bande landen ließ, darf der Verteidiger zudem in den nächsten zwei Spielen (Sperre mittlerweile festgelegt) nur von der Tribüne aus teilnehmen.
Da auch ein Augsburger wegen diverser Faustschläge als Antwort auf diese Aktion für zwei Minuten vom Eis musste, gestaltete sich die Überzahl nur in einfacher 4 gegen 3 Form, gefolgt von einer fünfminütigen 5 gegen 4 Überzahl.
Den Gästen gelang zwar nur das 1:3 durch Sezemsky (28.) und die Grizzlys lieferten in der Folge ein beherztes Penalty Killing ab, doch irgendwie wirkte Wolfsburg derangiert und gab zunächst wenig Anlass zur Hoffnung.
Etwas überraschend tankte sich dann aber mit Button doch noch einmal ein Hausherr bis vor den Goalie der Gäste durch und versenkte zur allgemeinen Freude den Puck zum 2:3 Anschluss in den Maschen (38.). Ein weitere Strafe (40.) gegen die Panther ließen die Gastgeber allerdings wieder einmal ungenutzt und erst in der 50. sollte Fausers Lattenkracher ein Ausrufezeichen in einer (weiteren) Wolfsburger Überzahl setze. Zuvor hatte Festerling bereits einen Alleingang inkl. Nachschuss nicht an Roy vorbeibringen können (43.) und damit die heiße Phase der Aufholjagd eingeläutet. Dass nichts aus dieser Jagd wurde, lag nicht zuletzt auch am Fortgang der oben erwähnten Überzahl mit Fausers verpasster Gelegenheit. Noch während des Powerplays hatten die Grizzlys ihren zweiten Top-Verteidiger verloren: Ryan Button schied mit einer blutenden Gesichtsverletzung aus, nachdem Hafenrichter auf dem Rückweg ins Mitteldrittel einfach mal durch ihn hindurch gefahren war, den Wolfsburger dabei mit voller Wucht mit der Schulter im Gesicht traf und hinterher das Unschuldslamm gab. Was wie ein zufälliger Zusammenstoß aussah, entpuppt sich in der Wiederholung mindestens als Behinderung mit Verletzungsfolge. Wie sich im Nachgang herausstellte, wird der Wolfsburger Verteidiger seinem Team mit Kieferbruch bis auf weiteres nicht zur Verfügung stehen - der Augsburger Opponent ging indes straffrei aus.
Ohne sein nominell spielstärkstes Verteidiger-Paar wirkten die Grizzlys in ihren Angriffsbemühungen noch unsortierter als bereits in den 50 Spielminuten zuvor.
Außer einigen wenigen Chancen hatten die Gastgeber letztlich nicht genug Zwingendes zu bieten, so dass Augsburg mit einem weiteren Schuss an die Latte sogar in dieser Phase noch die beste Gelegenheit vorzuweisen hatte.
Ohne Punkte und mit zwei Verteidigern weniger ging dieses Wochenende schließlich zu Ende. Die rund 1000 nach Abpfiff verbliebenen Zuschauer wurden dann, ebenso wie ihr Kapitän, noch von den Glückwünschen der ehemaligen Weggefährten der Nr.17 auf der Videoleinwand überrascht. So fand dieser frustrierende Abend doch noch einen einigermaßen harmonischen Abschluss - wenn auch keinesfalls aus sportlicher Sicht.

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Teamcheck

Tor
Pickard weiterhin mit guten Leistungen, hielt sein Team vor allem mit dem entschärften Alleingang aus Drittel Nr.1 im Rennen um die Punkte. Trotzdem dürfte Felix' zweiter Auftritt immer näher rücken, da das Team offenbar Impulse von außen benötigt. Das Spiel gegen Ingolstadt war jedenfalls defensiv bisher das mit Abstand beste...

Verteidigung
Wurm und Adam nicht mit ihren stabilsten Auftritten, gerieten nach dem Ausscheiden von Likens und dem bis dahin stark aufspielenden Button zusätzlich unter Druck. Jones weiterhin extrem unauffällig an der Seite eines gut aufgelegten Bergman, der bisher eine deutliche Leistungssteigerung zur letzten Saison für sich verbuchen kann. Bittner erneut giftig und sehr souverän, entpuppt sich immer mehr als Glücksgriff, aber eben auch kein Verteidiger, der von hinten überragend aufbaut. Diese Eigenschaft bringt mit Abstrichen bisher nur Bergman und der manchmal zu offensiv agierende Button mit. Der fällt nun allerdings aus und somit öffnet sich eine nicht zu unterschätzende Baustelle in der ohnehin schwachen Spieleröffnung der Grizzlys, vielleicht DEM Schwachpunkt des diesjährigen Kaders.

Sturm
Die erste Reihe scort nicht - der EHC verliert. Diesen Umstand gilt es zu beheben, sonst bleibt Wolfsburg einfach zu berechenbar. Die Umstellung von Furchi in die Reihe mit Festerling und Fauser trägt dabei schon erste Früchte. Die Reihe Sislo-Johansson-Machacek versammelt nun allerdings die bisher am meisten enttäuschenden Spieler in einer Reihe - ob Minus mal Minus in diesem Fall wirklich Plus ergibt bleibt abzuwarten. Vielleicht finden sich ja auch dort bald die richtigen Abläufe, so dass die prinzipiell guten Ideen des schwedischen Centers auch endlich ihre Abnehmer finden. Wird der Platz im Slot konsequenter und im richtigen Moment angesteuert, so dürften Johanssons (no-look) Anspiele dann auch endlich Zählbares generieren. Während Sislo mindestens zweimal pro Spiel die Direktabnahme versaut, enttäuscht der letztes Jahr so engagiert zum Tor ziehende Machacek mit einer halbgaren Vorstellung nach der anderen.
Reihe vier, diesmal ohne Nijenhuis, erledigte den Job überzeugend, brachte viel Energie, aber leider ebenfalls wenig blindes Verständnis aufs Eis.
Insgesamt benötigen die vielen Neuzugänge wohl noch etwas Zeit, bis die vorzeigbare Tiefe in diesem Mannschaftsteil ein Faktor wird. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der EHC seine offenkundig vorhandene Qualität bei weitem noch nicht aufs Eis bringt. mb