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EHC - Düsseldorfer EG 2:3

Teilzeit bei vollem Lohnausgleich

Man fragt sich langsam, was im Team der Grizzlys so alles nicht stimmt. Wieder gelingt es nicht annähernd über sechzig Minuten eine konstante Leistung abzuliefern, wieder verhält sich die Mannschaft in Überzahl völlig verunsichert. Trotz eines engagierten und von den Spielanteilen mehr als deutlich für die Grizzlys sprechenden Auftaktdrittels, lag man zudem mit 0:1 hinten.
Was war geschehen? Wolfsburg hatte zunächst mit viel Schwung und Einsatz das Spielgeschehen dominiert, ohne allerdings den Puck am Gästekeeper vorbei zu bringen. Die DEG agierte bestenfalls defensiv solide, strahlte bei 5 gegen 5 eigentlich keinerlei Torgefahr aus. Eine einzige unglückliche Schiedsrichterentscheidung reichte und die Gäste konnten ihr gut funktionierendes Überzahlspiel durch Ken Olimbs Treffer (12.) in Zählbares verwandeln. Ein Bandencheck an Bittner war zuvor ungeahndet geblieben, während Aubin, der sich den Übeltäter zum Meinungsaustausch griff, alleine zur Strafbank musste. Eine seltsame Entscheidung, aber auch nicht die schlauste Aktion unsere Nr.11.
Im Mittelabschnitt legten die Gastgeber dann sogar noch einen Zahn zu, attackierten die DEG nun mit höchster Intensität - und sollten endlich Erfolg haben!
Angesichts der teils abenteuerlich schlecht und ohne Selbstvertrauen vorgetragenen Powerplaysituationen der Grizzlys grenzte es fast an ein Wunder, dass in der 28. Minute bei genau einer solchen Gelegenheit der Ausgleich zum 1:1 fiel. Noch erfreulicher wurde das Ganze durch den Torschützen: Spencer Machacek schoss hier nicht nur sein erstes Tor der laufenden Saison, er erzielte damit auch seinen ersten Punkt. Fast wie selbstverständlich legte zwei Minuten später sein Kollege Fauser zur absolut verdienten Führung nach und schlenzte das Spielgerät unwiderstehlich in den Winkel des Düsseldorfer Gehäuses.
Auch wenn die Gastgeber bis dahin das überlegene Team gewesen waren, man muss es so deutlich sagen: Das Zusammenspiel in den Reihen (mit erneuten Umstellungen) blieb ein mittlere Katastrophe. Vieles musste, wie so oft, über Kampf und Willen geregelt werden.
Und genau dieser Kampf und Wille gingen den Grizzlys im Schlussabschnitt auf seltsame Weise fast direkt nach dem Wiederanpfiff verloren. Völlig wild wurde es dann ab der 44.Minute als Wolfsburg erneut zum Überzahlspiel genötigt wurde. Der EHC schaffte es kaum bis ins Angriffsdrittel (ständige Rückpässe vor der gegnerischen blauen Linie verhinderten dies effektiv), strahlte unglaubliche Unsicherheit aus und rannte nach einem Puckverlust im gegnerischen Drittel wie eine Haufen aufgescheuchter Hühner durch das eigene Abwehrdrittel. Alle (!) fünf Spieler verfolgten dabei den gegnerischen "Eindringling" im Abwehrdrittel, während die verbliebenen drei DEG-Spieler sich in aller Ruhe zum 2:2 durch den völlig freistehenden Ebner aufbauen konnten (46.). Eine Szene, wie man sie eigentlich eher in der Benny Hill Show erwarten würde - Comedy pur. Leider konnte im weiten Rund die Mehrzahl der Zuschauer nicht wirklich darüber lachen.
Als drei Minuten später die Gäste wieder demonstrierten, wie Powerplay funktioniert, war der Spaß aus der Veranstaltung für alle in orange weitestgehend gewichen.
Kammerers Treffer zum 2:3 sollte der letzte in dieser, aus Grizzlysicht, verkorksten Begegnung bleiben. Alles Anrennen sollte nicht von Erfolg gekrönt sein, wobei alleine Aubin mit einer ganzen Reihe an Einschussmöglichkeiten immer wieder den Kürzeren gegen Niederberger zog.
So endet auch das fünfte Spiel in Folge mit einer Wolfsburger Niederlage, wobei diese wohl die überflüssigste von allen darstellen dürfte.

Teamcheck

Tor
Pickard mit einer soliden Vorstellung. Beim dritten Tor hätte man sich einen spektakulären Save gewünscht, vor dem zweiten regulären Tor hatte der Schiedsrichter einen fallengelassenen Puck zum Glück zu früh abgepfiffen, sonst wäre der Treffer auf Chets Kappe gegangen.
Das Torhüterduell sehe ich somit, momentan, leicht zu Gunsten von Felix.

Verteidigung
Alle Verteidiger hängen sich voll rein und spielen seit dem Ausfall von Button mit erhöhter Intensität. Da in Überzahl meist nur ein Verteidiger auf dem Eis ist, kann man die Defensive auch hier weitgehend von der Beurteilung ausschließen.
Besonders auffällig bleiben hier zum einen die hervorragenden Offensivbemühungen von Bergman und die defensive Stabilität von Bittner. Jeff Likens ist von seiner Rolle als Aufbauspieler und offensiv zumindest einigermaßen präsenter Verteidiger leider meilenweit entfernt.
Nun meldet man mit Chris Casto einen Neuzugang, dessen Stärken ebenfalls nicht in der Spieleröffnung liegen - bisher Wolfsburgs größte Baustelle. Seltsam.

Sturm
Die erneute Umstellung mit Machacek bei Olimb und Aubin deutete Potential an, blieb aber ohne Zählbaren Erfolg (Machaceks Treffer fiel in Überzahl, allerdings zusammen mit der alten Besetzung der 1.Reihe).
Insgesamt funktioniert das Zusammenspiel in allen Reihen weiterhin mäßig, eine klare Spielanlage ist nur selten zu erkennen und das Powerplay ist von grenzenloser Verunsicherung geprägt. Dass die vierte Reihe nur etwas über drei Minuten Eiszeit bekommt, also rund 2 Shifts pro Drittel, spricht auch nicht unbedingt von einer mutigen Grundeinstellung im Trainerstab. Besonders das letzte Drittel wirkte eher wie ein bürokratischer Verwaltungsakt, als wie ein kampfbetontes Mannschaftsspiel.
Bisher scheint kein tragfähiges Selbstverständnis mit dem einhergehenden Selbstbewusstsein in diesem Team gewachsen zu sein. mb