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EHC - Iserlohn Roosters 3:2 n.P.

Die stabilen Phasen verlängern sich

Auch beim zweiten Sieg in Folge, dieses Mal gegen Iserlohn, war auf Seiten der Grizzlys noch längst nicht alles eitel Sonnenschein. Trotzdem wurde den rund 2600 Zuschauern einiges geboten, so dass die Werbeaktion im Rahmen der Dauerkartenboni sicherlich einen eher positiven Effekt haben dürfte.
Das Auftaktdrittel gestaltete Wolfsburg wie schon in Krefeld mit viel läuferischem Aufwand und einer gesunden Portion Körpereinsatz. Der energische Forecheck bildete dabei die Grundlage für einen begeisternden und ausgesprochen dominanten Spielabschnitt, den die Grizzlys hoch verdient mit 1:0 für sich entscheiden konnten.
Das Thema Chancenverwertung blieb allerdings weiter das Sorgenkind der um Selbstvertrauen ringenden Gastgeber. Nach Machaceks frühem Treffer (6.) sollten die übrigen, zahlreichen Gelegenheiten allesamt bis zur ersten Pausensirene ungenutzt bleiben. Besonders in Überzahl, egal ob einfach oder doppelt, gelang dem EHC wieder einmal kein Torerfolg. Torschütze Machacek war zum Zeitpunkt des ersten 5 gegen 3 allerdings bereits zum Abkühlen in den Katakomben verschwunden, nachdem er Iserlohns Grenier per Faustkampf für einen dreckigen Kniecheck gegen seinen Mannschaftskollegen Festerling zur Rechenschaft gezogen hatte. Unter dem Jubel der begeisterten Fans hatte er als Punktsieger das Eis verlassen (12.) und seine 2+2+10 Strafe angetreten.
Die folgende doppelte Überzahl (Friedrich saß bereits für die Gäste draußen) sollte ebenso wenig wie ein weiteres 5 gegen 4 zum Erfolg für die Grizzlys führen.
Dem mit reichlich Torszenen gespickten ersten Spielabschnitt sollte ein deutlich ausgeglicheneres und vor allem chancenärmeres zweites Drittel folgen. Wolfsburg konnte die hohe Schlagzahl nicht halten, während die Roosters allmählich in die Partie fanden. Wie aus dem Nichts gelang den Hausherren dabei das zweite Tor des Abends, als Gerrit Fauser per Handgelenkschuss in den Winkel traf (33.) und die Halle vom 6-Punkte-Wochenende träumen ließ.
Kaum war der Torjubel verklungen, nahm das Spiel seinen abwechslungsreichen Charakter aus dem Anfangsdrittel wieder auf. Zu spüren bekam das vor allem Wolfsburgs Topcenter Olimb, der nur wenige Minuten später einen saftigen Hit auf den Oberkörper einstecken musste, den die Schiedsrichter als regulären Check gegen den puckführenden Spieler einordneten. Unter dem lautstarken Prostest der Heimfans blieb diese Aktion also ohne Folgen für die durchgängig hart agierenden Gäste, während Olimb das Spiel nach einer Testrunde beenden musste.
Das hatte allerdings deutliche Folgen für den weiteren Verlauf der Partie: Wolfsburg stellte nun Fauser auf die Position von Olimb, was zur Folge hatte, dass weder diese, noch Fausers eigentliche Formation wirklich funktionierten.
Spätestens im Schlussabschnitt folgte dann der Rückfall in schlechte Gewohnheiten. Viel zu passiv und ohne Spielidee ließen sich die Hausherren im eigenen Drittel ein ums andere Mal einschnüren. Erst, als die Gäste aus dem Sauerland per Doppelschlag durch Halmo (47.) und Raymond (50.) ausgeglichen hatten, kam so etwas wie eine Reaktion der Grizzlys. Beide Treffer waren per Nachschuss gefallen und stellten somit die logische Konsequenz der Wolfsburger Spielführung, ohne eigenen Forecheck und unbeweglich im eigenen Drittel, dar.
Zur allgemeinen Erleichterung erwachte Wolfsburg nun aus seiner Starre und rettete dank erhöhter Aktivität das Unentschieden in die Verlängerung.
Dort hieß es dann noch einmal Luft anhalten für die Fans der Grizzlys, denn eine frühe Strafe (61.) gegen Johansson präsentierte den Gästen die große Chance auf den Sieg praktisch auf dem Silbertablett. Doch siehe da: Es gibt in der DEL tatsächlich ein Powerplay, das noch hilfloser aussieht als das der Grizzlys!
Eine einzige nennenswerte Aktion gelang den Hähnchen vom Seilersee während der folgenden zwei Minuten! Erst in der Schlusssekunde sollte Rumbles Direktabnahme am langen Pfosten für Herzrhythmusstörungen auf den Rängen sorgen - doch ein klasse Reflex von Wolfsburgs Brückmann machte auch diese Chance souverän zunichte.
Im folgenden Penaltyschießen blieb der Rückkehrer im Tor der Grizzlys dann ebenfalls zweimal Sieger, so dass der erstklassige (!) Auftritt der Wolfsburger Penaltyschützen Rech (Tor), Festerling (Pfosten), Furchner (Tor) den dringend benötigten zweiten Punkt sicherte.
Ein aufregender, durchaus abwechslungsreicher und langer Eishockeynachmittag fand schließlich sein erfreuliches Ende in einer ausgelassenen Siegesfeier.
Einzig das dritte Drittel lag dem einen oder anderen wohl noch etwas schwer im Magen...

Teamcheck

Tor
Felix mit einer überzeugenden Partie. Wirkte beim zweiten Gegentor zwar etwas unglücklich, aber der Puck war wohl nicht per Hechtsprung sicher abzudecken. Somit gehen beide Iserlohner Tore auf die Kappe der viel zu passiven Spielgestaltung, die jede Menge Druck auf den Wolfsburger Kasten zuließ.

Verteidigung
Insgesamt überzeugende Vorstellung sämtlicher Defensivakteure. Das Duo Bergman - Jones überzeugt mich weiterhin am meisten, während Likens - Casto mir noch immer gelegentliche Schweißperlen auf die Stirn zaubert. Wurm deutlich verbessert und Maxi Adam leider mit reichlich naivem Stellungsspiel beim Ausgleichstreffer - verlässt völlig unnötig den Gefahrenbereich um mit einem Gegner außerhalb des Slots Kontakt herzustellen. Passiert einem jungen Spieler gelegentlich und sollte abzustellen sein.
Es ist offiziell: Mein 3on3 Overtime Kollege Sven hat mich mit dem Bits-Virus infiziert.
Falls er weiterhin so agiert wie bisher, sollte der Wolfsburger Verteidiger am Ende der Saison in fast jeder Arena dieser Liga einen eigenen "Fanclub" haben. Ich liebe es!

Sturm
Die erste Reihe mit nur wenigen guten Momenten, nach dem Ausfall von Olimb komplett abgemeldet.
Furchner mit Fauser und Johansson scheint so langsam zu funktionieren, wobei mir vor allem Johansson in Sachen Torgefahr ein wenig Kopfzerbrechen bereitet. Obwohl er nicht als Scorer verpflichtet wurde ist das bisher einfach viel zu wenig, worunter auch seine Kollegen nicht unerheblich leiden.
Machacek nimmt einstellungsmäßig endlich Fahrt auf und sorgt für physische Akzente. Viele vergessen, dass er ursprünglich nicht als Scorer, sondern wegen seiner physischen Art zu spielen verpflichtet wurde. Die Entwicklung der letzten Saison konnte er jedenfalls nicht aufrecht erhalten. Sislo kommt ebenfalls allmählich in Fahrt, glänzte streckenweise durch gute Puckeroberungen und schöne Zuspiele. Nur das Toreschießen will außerhalb der ersten Reihe nirgends zuverlässig funktionieren. Bei Sislo steht hier nach 9 Spielen weiter die Null. Festerling weitgehend i.O..
Die vierte Reihe mit wenig Eiszeit (unter 2 Minuten), wobei Nijenhuis vom Ausfall Olimbs profitierte. Ich hoffe, unser Trainer findet nach der Rückkehr von Höhenleitner und Latta wieder mehr Vertrauen in die vierte Reihe.
Dank mangelhafter Produktivität weiterhin die Baustelle der Grizzlys.

Insgesamt stellen die 5 Punkte des Wochenendes einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar - vor allem für den Kopf. Man darf aber nicht vergessen, dass man es mit den aktuell schwächsten Teams der Liga zu tun hatte. Auch die beiden kommenden Gegner (Nürnberg und Schwenningen) sollten zumindest auf Augenhöhe mit den Grizzlys sein. Kann nun zweimal nachgelegt werden, sollte das Momentum für die Wende eigentlich reichen und dann klappt vielleicht vieles, was bisher aussichtslos schien. Nach der letzten Saison würde ich mir das, vor allem für den Eishockeystandort Wolfsburg, sehr wünschen! mb