header
Log in
A+ A A-

EHC - Straubing Tigers 4:1

Seltsamer Sieg gegen Straubing

Mit den Tigers aus Straubing gastierte nun auch der letzte der Top3-Vereine innerhalb kürzester Zeit in der heimischen Eisarena. Und wieder behielten die Grizzlys die Oberhand, wieder spielte das Team von Pat Cortina eine extrem effiziente Partie gegen einen Gast aus dem oberen Tabellenviertel.
Dabei wirkten die Hausherren über weite Strecken wie ein Gästeteam, das sich ohne große spielerische Ambitionen aufs Kontern verlegt hatte. Angesichts weiterer kurzfristiger Ausfälle (Fauser und Furchner fehlten krankheitsbedingt) war der übersichtliche Spielfluss der Gastgeber natürlich nachvollziehbar - die Ausbeute von sage und schreibe drei Toren innerhalb der ersten Viertelstunde wirkte hingegen fast schon surreal. Gleich der erste ernstzunehmende Angriff brachte dabei die frühe Führung für die Grizzlys. Der erneut überragend agierende Fabio Pfohl hatte einen Abpraller seiner Formation aufgesammelt und den druckvollen Spielzug per Rückhand veredelt (4.). Die Gäste reagierten wütend, agierten mit viel Einsatz und rustikalem Körperspiel und wollten umgehend aufs Scoreboard. Im Prinzip herrschte bis zum ersten Pausenpfiff im Wolfsburger Drittel Dauerdruck, nur unterbrochen von den nächsten Toren der Grizzlys. Zunächst war es Bittner (12.), der einen schnellen Konter der um Aubin ergänzten Pfohl-Reihe zum 2:0 abschließen konnte. Im Stile eines Sturmtanks hatte sich der Wolfsburger Nationalspieler vor das Tor der Gäste geschoben und Rechs scharfe Hereingabe in die Maschen gedrückt. Der Treffer fand nach Videobeweis unumstrittene Anerkennung, die Fans der Grizzlys konnten ihr Glück kaum fassen! Zwei Minuten später lagen sich schon wieder alle in orange in den Armen, hatte mit Chris Casto doch der nächste Verteidiger der Grizzlys seine Visitenkarte im Netz der Tigers abgegeben. Mit einem verdeckten Schuss von der blauen Linie hatte der immer stärker aufspielende Zugang aus Übersee seine bis dahin tadellose Partie gekrönt. Gästecoach Pokel nahm umgehend eine Auszeit, wirkten seine Spieler mittlerweile nicht nur angesäuert, sondern auch schon etwas verwirrt.
Zumindest fingen sich die Gäste bis zur ersten Pause keine weiteren Gegentreffer, kehrten dann mit etwas Mühe sogar zur Dominanz der ersten 10 Minuten zurück. Doch irgendwie wollte der Scheibenhagel auf Felix Brückmann keine Ergebnisse liefern. Wolfsburg rettete die Null tatsächlich über die Zeit und durfte mit einer komfortablen 3:0 Führung ins Mitteldrittel gehen.
Wolfsburg erkämpfte sich nun mehr Spielanteile, blieb aber weiterhin das reagierende Team. Besonders die Vielzahl der Strafzeiten, die sich die Gäste ob ihrer harten Gangart leisteten, half den Grizzlys ein ums andere Mal zurück ins Spielgeschehen. Das Wolfsburger Powerplay, dreimal allein im Mitteldrittel aktiv, erinnerte allerdings eher an die dunkleren Zeiten dieser Spielzeit. Ergebnisverwaltung wäre wohl noch sehr euphorisch ausgedrückt...
Die Gäste hingegen durften in der 26.Minute dann endlich auch einmal jubeln. Nach einer, offenbar grenzwertigen, Scheibeneroberung durch Heard im Wolfsburger Spielaufbau hatte T-J. Mulock zum verdienten 3:1 vollstrecken können. Die Gäste schienen auf einem guten Weg, ins Spiel zurückzukommen. Die Grizzlys hielten weiterhin energisch dagegen, hätten durch Höhenleitner eigentlich das vierte Tor machen müssen, doch der Wolfsburger Routinier erwischte aus nächster Nähe gleich zweimal den Pfosten (35.). Straubing drückte nun seinerseits wieder enorm auf den Anschluss, scheiterte aber immer wieder am glänzend aufgelegten Schlussmann der Gastgeber. Erstaunlich: Das statistisch beste Überzahlteam der Liga (Straubing) stellte sich im Powerplay als noch harmloser als die Grizzlys heraus. Fast schon lässig ließ die Penaltykilling-Formation der Hausherren die Scheibe in ihren Reihen kreisen und überstand die zwischenzeitliche Unterzahl praktisch ohne größere Aufregung.
Bei fünf gegen fünf sah das schon anders aus: Straubing erhöhte zu Beginn des Schlussdrittels noch einmal die Taktzahl und rannte den Grizzlys weiter die Bude ein - ohne Erfolg! Das schien nun langsam die Geduld einiger Akteure aus dem Süden zu überfordern. Die Anzahl der überflüssigen Strafen für die Tigers nahm inflationär zu: Viermal statteten die Gäste der Strafbank bis zum Schlusspfiff einen Besuch ab. In der 55.Minute konnte dann sogar das sonst eher hilflose Powerplay der Grizzlys nicht anders und erzielte durch Dominik Bittner das alles entscheidende 4:1. Straubing durfte zu diesem Zeitpunkt nur zu dritt agieren, da Mitchell Heard zuvor seinem Frust über die Strafe gegen Kollege Mulock freien Lauf gelassen hatte.
Mit etwas Glück und einem bärenstarken Goalie retteten die Grizzlys schließlich den Sieg und die wichtigen drei Punkte ins Ziel. Der Auftakt nach der kurzen Länderspielpause war gelungen, die Leistung allerdings doch eher ausbaufähig.

Teamcheck

Tor
Felix wieder mit einer hervorragenden Leistung, macht diesen seltsamen Sieg erst möglich. Besonders im Mitteldrittel bei einigen Abwehrschnitzern stark gefordert.

Verteidigung
Bittner mit Doppelpack, Casto mit seinem zweiten Saisontreffer: Wenn uns die Stürmer ausgehen, springen eben die Verteidiger in die Bresche. Bockstarkes Duo!
Jones/Bergman und Button/Likens ebenfalls gut aufgelegt. Likens, der in Vertretung von Furchner und Fauser das "C" trug, mit einer seiner besten Saisonleistungen.

Sturm
Fabio Pfohl blüht in Wolfsburg immer weiter auf. Auch mit veränderter Reihe (Aubin statt Fauser) glänzte der Wolfsburger Center mit einem Tor und zwei Vorlagen, wusste als einer der wenigen auch im Powerplay zu gefallen. Festerling und Machacek noch mit den meisten Offensivaktionen außerhalb der ersten Reihe, der Rest eher defensiv auffällig.
Dass mit Fauser, Lessio, Möchel und Furchner erneut vier Stammkräfte ausfielen, merkte man den Grizzlys deutlich an: Spielerisch kam nicht viel Vorzeigbares heraus, die Tore fielen nicht umsonst durch Pfohls individuelle Klasse und zwei Verteidiger. In Augsburg dürfte das Gezeigte nicht für Punkte reichen. Hoffentlich ist das dem Team bei aller Euphorie klar. mb